Dienstag, -en iß. Oktober ISA
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Anzeiger für (das frühere knrheffische) Oberhefsen
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Oöy Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Sieg der PlanmaWkeii unö BrharrMkeit
Ae rniBtteurt mtraliltbe Mkmg bis trsolgreichen »tpptiinfluBtl — §Mch!«nd mmschieri wieder an der Spitze
»Graf Zeppelin" in Lakehurst gelandet.
ft New York. 16. Okt Dag Luftschiff .Graf Zeppelin" traf 3.50 Uhr amerikanischer Zeit, über Newyork ein nnd landete glatt 5.38 Uhr in Lakehnrst.
Nach Erreichung der amerikanischen Küste um 9,45 Uhr amerikanischer Zeit nahm „Graf Zeppelin" Kurs auf Dash i n g t v n, das um 12,21 Uhr überflogen wurde. Um 1 Uhr war das Luftschiff über Baltimore, um 2,47 Uhr über Philadelphia, um 3,50 über 2lewh ork, wo er einige Zeit kreuzte. Die Kreuzfahrt über Aewyork wurde im Rundfunk übertragen. Um 5,10 Uhr traf »Graf Zeppelin^ über Lakehurst ein. Ueberall wurde das Luftschiff von den Amerikanern begeistert begrüßt.
Als die Landungsmanöver im Gange waren, durchbrach die Menschenmenge Jie Polizeikette. Um 6,12 Uhr amerikanischer Zeit begann die Haltemannschaft den »Graf Zeppelin" in die Halle zu ziehen. Als das Schiff der Halle zugeführt wurde, ertönte ein Hupenkonzert von Zehntausenden von Automobilen, das weit im Land ausgenommen wurde. Unter den ersten Glückwünschen an Dr. Eckener befand sich auch das Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg. Die Bergung des »Graf Zeppelin" in die Halle wurde durch den starken Wind verzögert. Die Besatzung wurde während der Einbringung als Ballast an Bord behalten.
Kurz vor 8 Ahr amerikanischer Zeit konnten die Passagiere das Luftschiff verlassen. worauf sie nach den Stationsräumen gebracht wurden, ohne daß den Pressevertretern die Möglichkeit gegeben wurde, Fragen an die Passagiere zu richten. Das Luftschiff wurde dann auf das Flugfeld zurückgebracht und am kleinen Landungsmaß verankert, wo es mit einer Sicherheitswache die Nacht über geblieben ist.
Stiftung des »«vaf Zeppelin".
„Gras Zeppelin" befand sich 111 Stunden in der Luft, also schon 30 Stunden länger, als der „L. Z. 126" seinerzeit zur Ueberquerung nach Amerika brauchte. Die von dem Luftschiff zurückgelegte Strecke dürfte sich auf 10 700 Kilometer belaufen. Damit hat „Graf Zeppelin" di« größte Fahrt- leistung überschrttten, düe bisher erzielt, wurde. Die größte bisher anerkannte Fahrtleistung hatte das frühere deutsche Marineluftschiff „L. 72", das nach dem FriedenSvertrage von Versailles an Frankreich amsgeliefert werden mußte und den Namen „Dixmuide" erhielt, unter Führung des später verunglückten französischen KaprtänleutnantS Duplessis vollbracht. Es hatte vom 25. bis 30. September 1923 auf einer Mittelmeer-Rundfahrt eine Ge-> samtstrecke von 8000 Kilometern zurückgelegt. Die nächst höhere Leistung Hst di« des englischen Luftschiffes „R. 34", das im Juli 1919 von Eastfortune nach Amerika eine Strecke von 5568 Kilometern tn 101 Stunden bewältigte. Die nächste Dauerleistung hat KapUänleutnant Lehmann mit „L. Z. 120" vom 26. bis 31. Juli 1917 vollbracht, als er insgesamt 101 Stunden auf einer Versuchsfahrt über der Ostsee kreuzte. Diese Fahrt dient« als Vorbereitung für den berühmten Flug des „L. 59" unter Kapitänleuinant Bockhott, der von Djambult nach Khartum in Afrika flog und dann auf behördliche Anweisung umlehrte. Der „L. 59" ist damals 96 Stunden in der Lust geblieben und leg?« 7000 Kilometer zurück. Der Vorgänger des letzten Zeppe.in-LuftschifteS, der „L. Z. 126", die heutige „LoS Angeles", hat auf der Ueberfahrt nach Amerika vom 12. bis 15. Oktober 1924 Die 8150 Kilometer lange Fahrtstrecke in 81 Stunden bewältigt. Trotz seiner aewalthgen Letstung hat „Graf Zeppelin"
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Das ist die beschädigte Stabilisierungsfläche
Es wäre ein Wunder gewesen, wenn das Zeppelin-Luftschiff auf seiner Fahrt durch die Stürme des Meeres hindurch keine einzige Beschädigung aufzuweisen gehabt hätte, nachdem fast sämtliche Dampfer, die in diesen Tagen den Ozean befuhren, Unwetterschäden gemeldet hatten. Es zeugt für die solide Konstruktion des Luftschiffes, daß eine Havarie nur an einer der Hinteren Stabilisierungsflächen eintrat, die durch eine plötzliche Böe aufgerifsen wurde.
Diese Stabilisierungsflächen oder Dämp- fungsftächen, wie sie früher genannt wurden, find ein nicht unwesentlicher Teil des Luftschiffes. Als Graf Zeppelin, der Erfinder der Luftschiffe, feine ersten Fahrten mit dem Z. 1 machte, stellte sich heraus, daß das Schiff in der Luft sehr gut lag, daß es aber bei Erhöhung der Geschwindigkeit stets die Neigung hatte, sich quer zu stellen. Die Franzosen, die etwa zu gleicher Zeit an einem Luftschiff Herumbauten, hatten diese Schwäche großer Luftkörper ebenfalls feftgeftellt, hatten
aber das Geheimnis bewahrt, fo daß Graf Zeppelin selbst nach einer Möglichkeit suchen mußte, sie zu beseitigen. Während die Franzosen an ihren Luftschiffen nun die wurstförmigen Säcke anbrachten, die den Schiffen ein unschönes, fast komische Aussehen verlieh, baute Graf Zeppelin an feinem Z 3 (Z. 2 war bekanntlich bei Kißlegg im Allgäu gelandet und nachts durch einen Sturm schwer beschädigt worden) die Dämpfungsflächen so aus, daß bei dem ersten Probeslua am 9. und 10. Oktober 1906 das Schiff richtigen Kurs hielt und sich glänzend lenken ließ. Damit war das Mittel gefunden, das Schiff stabil zu halten und jedes Abtreiben oder Querstellen zu verhindern. Die äußere Form ist bei allen späteren Luftschiffen geblieben, wenn auch die Höhen- und Seitensteuer selbst noch einige Aenderungen erfuhren. Eine Beschädigung der Stabi- lisierungsslächen ist an und für sich nicht entscheidend für den Flug, trägt aber, da die Fläcke dann gewissermaßen als Steuerung wirkt, dazu bei, die Fahrt etwas zu verlangsamen.
«och Betriebsstoff für 65 Flugstunde«
Die Beschädigung an der Stabilisierungsfläche wird in wenigen Tagen wieder behoben sein. Die RüKehr des Luftschiffes von Amerika wird durch die Ausbesferungsarbeiten nicht verzögert werden. Ein Funkspruch des „Graf Zeppelin" besagt, daß er zur Ausbesserung der beschädigten unteren Fläche der linken Sta- bilisierungssläche
600 Ouadmtmeter Mberzugstoff benötige. Man konnte von der Straße aus deutlich ein großes Loch an der Linien Stabilisterungsfläch« erkennen, durch das das Gerippe sichtbar war. Trotzdem schien die Steuerfähigkeit des Luftschiffes in keiner Wege beeinträchtigt zu fein-
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Wie die „Voss. Ztg." meldet, hoffte man auf dem Luftschiff, die Havarie an der Stabilisierungsfläche, die am Sonnabend eintrat, in kurzer Zeit reparieren zu können. Aber den Stürmen, in die das Luftschiff bald darauf geriet, war das notdürftig geflickte Steuerorgan nicht gewachsen. Am Sonntag morgen riß es wieder. Es blieb nichts Übrig, als das Luftschiff vorerst treiben au lassen, um
von neuem die Reparatur auszuführen. Als sie nunmehr glücklich beendet war, hatte sich die Wetterlage fo verändert, daß der „Graf Zeppelin", der sich nördlich der Bermudas befunden hatte, im Bogen die Inselgruppe südlich umfahren mußte. Das Schiff konnte sich nicht mehr weiteren Stürmen ausfetzen Glücklicherweise traf es in der Nähe des Festlandes etwas günstigeres Wetter an, so daß es von dem nächsten Kurs auf Land abweichen und gleich nordwestlich auf Lakehurst zu aus- iegen konnte.
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Rach nunmehr vorliegenden Meldungen über die Sturmnacht des „Graf ZePPe- I i n" scheint es einwandfrei festzustehen, daß das merkwürdige Stillschweigen des Zeppelin am Sonntag darauf zuruckzu- führen war. daß der Zeppelin sich
über seine« Standort selbst unklar
toar, da er von starken Minden zurückget ieben wurde und zugleich infolge seiner Maschinenreparatur mehrere Stunden hindurch mit abgedrosselten Motoren fuhr. Eckener hat auf diese Meise offenbar Betriebsstoff sparen wollen, da er angesichts der schwierigen Weiterlage in iln- aewistheit darüber war. wann er wieder einen
günstigen Fahrtwind erhalten würde. Die Reparaturen in der Rächt, die sich vor allem auf die beschädigte Tragfläche erstreckten, sind denn auch mit größerem Erfolg als bisher durchgeführt Worden, sodaß der „®raf • Zeppelin"
kurz nach Mitternacht wieder mit voller Motorenkraft
fahren konnte, ohne befürchten zu müssen, daß durch den Luftdruck der höheren Gc^ schwinbigkeiten die notdürftig reparierte Cta- bilisierungsfläche erneut beschädigt werden könnte. Nachdem der „Zeppelin" auf die'e Weise ^eine Geschwindigkeit wiedergewonnen hatte, war es ihm sehr bald möglich, von seinem Standort südlich der Bermudas aus unmittelbar Kap Hatteras anzusteuern. Um diese Zeit, d. h. etwa um 2 Ahr amerikanischer Zeit, scheint der „Zeppelin" auch endlich wieder Rückenwind bekommen zu haben, sodaß es ihm möglich war, mit erhöhter Geschwindigkeit zu fahren. Die Wetterverhältnisse, die sich dann sehr bald wieder gebessert haben, haben die Geschwindigkeit des „Zeppelin" bis zu 70 Stundenkilometern gesteigert. Auf diese Weise ist es ihm möglich gewesen, an der amerikanischen Küste unerwartet früh einzutresfew
Rach den Berichten von Bord hat Eckener über 30 Stunden hintereinander selbst auf der Brücke gestanden.
Fast die ganze Zeit über ist der „Zeppelin" damit beschäftigt gewesen, Wetterberichte entgegenzunehmen, die ihn dann in die Sage setzten, schlechte Wetterstellen tunlichst zu vermeiden. Man darf annehmen, daß dies geschehen ist, um den „Zeppelin" vor jeder Havarie und Leberanstrengung zu schützen.
Die Passagiere befanden sich während der ganzen Zeit verhältnismäßig wohl, waren aber offenbar durch das Stampfen des Schiffes selbst teilweise angegriffen. An Bord des Schiffes selbst hat aber jedenfalls während der ganzen Fahrt keine besondere Besorgnis geherrscht. An Rahrungsmitteln bestand kein Mangel, da sich 1000 Kilogramm Lebensmittel an Bord befanden.
Die Kreuzfahrt über Newyork.
Newyork, 15. Okt. Nach Stunden gespannter Erwartung erschien der „Graf Zeppelin" um 15.47 Uhr amerikanischer Zeit von Süden kommend im Gesichtskreis Newyorks. Es war ein überwältigender Anblick, als das gewaltige Luftschiff von Sandy Hook kommend wie ein geisterhafter Schemen hoch über der Bay auf die Stadt zustrebte. Es überflog, von 20 Flugzeugen begleitet, Station Island, Brooklyn, sodann oie im Hasen liegenden Inseln Gouvernement Island und Liberty Island, auf der die Freiheitsstatue aufragt, und nahm dann feinen Kurs auf die eigentliche City. Hier zog es den Broadway in graziösem Flug über die Wolkenkratzer dahin bis zum Times Square, beschrieb mehrere Schleifen über dem Thea- teroiertel und anderen Stadtteilen und trat dann, in großem Bogen umkehrend, mit Kurs auf Sandy Hook, die Rückfahrt an. Um 16.20 Uhr entschwand das Luftschiff am südlichen Horizont den Blicken
Während der Zeppelin über der Stadt kreuzte, ruhte jede Geschäftstätigkeit.
Alles stürzte an die Fenster, auf die Straßen und die Dächer, und in die jubelnden Zurufe der tücherschwenkenden Zuschauer mischte sich das ohrenbetäubende Geheul der Sirenen. Noch lange, nachdem das Luftschiff sich in der Ferne verloren hatte, standen auf den Straßen zahlreiche Gruppen von Menschen zusammen, die das Ereignis aufgeregt besprachen und von dem allgemeinen Interesse Zeugnis ablegten, das hier dem eindrucksvollen Trans- ozeanflug des „Graf Zeppelin" entgege n gebracht wird.
Mit dem Augenblick des Eintreffens, aus den südlichen Vororten kommend, in