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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die sreßmtlse Leistung des ..Graf Zeppelin"
Mn ioo eiunten imterwtgs — etwa 10000 Mmeln zurülkgrlegt — Landung vnausiilttliA heute Abend
Seitdem das stolze Luftschiff „Graf Zeppelin" am Morgen des 11. Oktober zu seinem großen Ameridaflug gestartet ist, gibt es für das deutsche Volk nur noch einen Gedanken, ein Empfinden: Zeppelin! Begleitet von den heißen Segenswünschen eines ganzen Volkes hat der Luftriese seinen Weg über den Ozean angetreten, in fieberhafter Erwartung wurden die Meldungen über den Verlauf der Fahrt buchstäblich verschlungen, und bange Sorge senkte sich am Sonntag in aller Herzen, als die Nachricht von der leichten Beschädigung des Luftschiffes eintraf und das Eintreffen über amerikanischem Boden sich immer länger verzögerte. Wie das Luftschiff über ein Meer voll Gefahren und Tücken dahinstrich, so daheim ein Meer voll Hoffnungen und Sorge. In Stadt und Land gab es nur noch eine Frage: Wo ist der Zeppelin jetzt? Der Rundfunk dürfte wohl noch nie so viele Hörer gehabt haben wie an diesem Sonntag. Am Sonntag abend steigerten sich die Erwartungen bis zur Siedehitze. Gerüchte schwirrten umher, daß das Luftschiff bereits gelandet sei, und man wollte das Gegenteil einfach nicht glauben. Unterdessen kämpfte das Luftschiff mit starken Gegenwinden und bahnte sich mühsam seinen Weg dem Ziel entgegen. Beim Erscheinen dieser Zeilen wird das stolze Werk deutscher Technik in Lakehurst gelandet fein, bejubelt und bewundert von einem Volk, das noch immer ehrliche Begeisterung für hohe technische Leistungen und tapferen Wagemut aufgebracht hat. Für uns aber bedeutet dieser Tag einen jener stolzen Augenblicke, die unvergeßlich sein werden.
SoAmoligt fattoitenmg
ff. Friedrichs ha fen, 15. Oft. Eine neae Standortmeldung von dem Luftschiff „Graf Zeppelin" liegt um 9.30 Uhr nicht vor. 6s wird lediglich berichtet, daß es einer größeren Funkstation im Südosten der Vereinigten Staaten nunmehr gelungen sei, in dauernde Funkverbindung mit dem Luftschiff zu treten.
ff. Hamilton (Bermudas) 15. Oft. Der „Graf Zeppelin" überflog die Bermudas gestern abend 6.41 amerikanischer 3ed. Das Luftschiff flog ziemlich niedrig mit mäßiger Geschwindigkeit, die auf 30 — 40 Äilometet geschätzt wurde. Das Schiss habe gegen N-rdost- wind anzukämpfen.
ff. Wash-ngton, 15. Ott. Wie das Marineamt mitteilt, hat Kommandeur Rosendhal von Bord des Luftschiffes um k Uhr abends (2 Uhr morgen mittel« amerikanische-- Zeit) gefunkt, daß sich der „Graf Zeppein" 25 Meilen westlich der Bermudas befindet. Im Marine- amt glaubt man daraus annehmen zu können, daß das Luftschiff direkt auf Lake- hu-st zusteuere.
ff. Washington, 15. Ott. Der Marinenachrichtendienst meldet, daß sich das Luftschiff um 11 Uh: nachts amerikanischer Zeit (5 Uhr morgxns mitteleuropäischer Zeit) 150 Meilen westlich der Bermudagruppe befindet.
ff. Washington, 15. Oft. Man er- h»eli hier einen von der Station Norfolk «ufgefangenen Funk pruch des „Graf Zeppelin" der um 6 Uhr mitteleuropäischer Seit vom Lust,chiff ausgesandt wurde und llusjagt, daß das Luftschiff zur Zeit etwa
80 Meilen nordöstlich der Bermudas Fd, befindet u d nach Nordwest fährt, um «in Gebiet aünstigeren Windes zu erreichen.
Die Sichtung des „Graf Zeppelin" durch den Dampfer „Lafooma".
ff. Hamilton (Bermuda), 15. Ott. Der Dampfer, der gestern abend das Luftschiff „Graf Zeppelin" gesichtet hat, gab seine Stellung wie folgt an: 32 Grad 23 Minuten nördlicher Breite, 63 Grad 26 Minuten westlicher Länge, etwa 62 Meilen östlich der Insel St. David. Alles schien gut zu gehen. Ein schwacher Süd- westwind herrscht. 1.55 Uhr mitteleuropäischer Zeit hat das Luftschiff die St. Georg-Insel überflogen und Kurs nach Westen genommen.
Auf telephonische Anfrage erklärte Dr. Dürr dem WTB., daß er die Nachricht, daß der „Gras Zeppelin" wieder in der Nähe der Dermuda-Znseln sei. nicht anders erklären könne, als damit, daß das Schiff einem Unwetter ausgewichen sei und günstigen Wind zu gewinnen suche.
Daß das Schiff vom Sturm zurckgetrieben ist, ist vollkommen unmöglich denn das würde bedeuten, daß es seine Manöoerier- fähigkeit verloren hätte.
Zn einem solchen Falle würde es zweifellos Hilfe herbeigerufen haben. Es kommt auch gar nicht in Frage, dah diese Hilferufe etwa wegen eines Versagens der Funkstation ausgeölieben wären, denn das Schiff habe fünfmalig so viele Hilfsmittel, daß es sich unter allen Umständen verständlich machen könne. Da diese Rufe aber ausgeblieben sind, müsse das Schiff intatt fein. Auch in Friedrichshafen liegen keinerlei Nachrichten von Bord vor, und man kann sich ihr Ausbleiben nur damit erklären, dah Dr. Eckener durch den Vertrag mit dem amerikanischen Zeitungskonzern behindert ist, genauere Einzelheiten über die Situation an Bord mitzuteilen. Zn Friedrichshafen ist man jedenfalls der Ansicht, daß im Augenblick kein Gründ zu einer ernstlichen Beunruhigung vorliegt.
Nach vorliegenden Meldungen hat Generaldirettor C o l s m a n n Sonntag abend gegen 11 Uhr ein Radiotelegramm über Amerika bekommen, danach steuert das Luftschiff „Graf Zeppelin" mit Dampfergeschwindigkeit südöstlich an den Ber- mudas-Znseln vorbei in Richtung auf Südcarolina.
Damit ist bestätigt worden, daß die schweren Stürme, die an Oer amerikanischen Küste in der Höhe von Newport herrschen, das Luftschiff zwangen, zurückzugeheu und einen ganz anderen
Kurs einzuschagen.
Es ist anzunehmen, daß Dr. Eckener die Absicht hat, von Süd-Earolina aus oder vielleicht auch schon etwas früher, sobald er eine atmosphärisch günstige Fahrtrinne antrifft, nach Norden abzudrehen, um auf diesem Wege Lakehurst zu erreichen.
Man zweifelt keinen Augenblick daran, daß das Schiff sich gut durchkämpft und auf diesem südlichen Umweg fein Ziel sicher erreicht. Die Männer, die das Schiff führen, sind alte sturmerprobte Luftschiffführer, die schon manche schwere Zeppelinfahrt hinter sich haben. Cs wird auch betont, daß der „Graf Zeppelin" reichlich Brennstoff an Bord hat, um auch diesen Umweg durchzuführen. Schwieriger sind die Verhältnisse allerdings wohl mit den Lebensmitteln. Bisher sind aber noch keine Meldungen eingeganjen, daß irgendwie ein Mangel aufgetreten wäre, oer Besatzung und Passagiere in Not bringen könnte.
fk. Washington, 15. Ott. Aus Lakehurst kommende Gerüchte, daß der Umfang der Beschädigung des „Graf Zeppelin" möglicherweise doch größer sei. als
angegeben wurde und daß das amerikanische Luftschiff „Los Angeles" entanbt werden dürfte, um den „Graf Zeppelin" ins Schlepptau zu nehmen, wurden in Marinekreisen für unbegründet erklärt.
Amtlich wurde mitgeteilt, daß kein Befehl zur Entsendung irgend welcher Luft- oder Marünehilfsschiffe zum „Graf Zeppelin" gegeben worden ist. Die Marine-Radio-Station übermittelte gestern abend dem „Graf Zeppelin" Wetterberichte. die auf dem Luftschiff auch u,genommen wurden.
SitöMlitht in her ganzen Kett
„Herald Tribüne" gibt in einem Leitartikel den die hiesige öffentliche Meinung anläßlich des Zeppelinfluges bewegenden Gedanken Ausdruck. Es herrsche größte Zuversicht hinsichtlich des Erfolges des „Graf Zeppelin", während bei den Transatlantikreisen mit Flugzeugen die allgemeine Ueberzeugung dahin gehe, daß ein Flieger sich glücklich schätzen dürfe, wenn er sein Ziel erreiche. Das Blatt bemerft hierzu, daß, obwohl die gigantische Größe des „Graf Zeppelin an sich Vertrauen einflöhe, doch die künftige Entwicklung oes Transatlantik-Touristenverkehrs mit Luftschiffen wesentlich von den Erfahrungen der jetzigen Fahrt des „Graf Zeppelin" abhänge, namentlich von den Eindrücken über Luftttankheit, Sturm, Bequemlichkeit verglichen mit den entsprechenden Eindrücken an Bord der Seedampfer. Dah das hiesige Publikum stark an dem Luftschiffverkehr ^interessiert ist, beweist die Tatsache, daß sich bereits zwölf Passagiere für die Rückreise angemeldet haben. Generalpostmeister New gab bekannt, daß „Graf Zeppelin" auf der Rückreise Post nach Deutschland mitneh- men wird.
Nur Frankreich. armeSFrankrei»!
Ein Teil, der französischen Presse kann sich gegenüber den Leistungen des Zeppelins hämischer Bemerkungen nicht enthalten. Wenn der Zeppelin im Kamps gegen das schlechte Wetter zurzeit nur eine Stundengeschwindigkeit von 100 Kilometern fliegt, so gibt das dem „Matin" Veranlassung, die ganze Leistung anzuzweifeln und zu schreiben, dah die Schnelligkeit vollkommen ungenügend sei, um einem regelmäßigen Luftverkehrdienst über dem Ozean einzurichten. Auch die Meldungen der Schiffsleitungen, daß der am Samstag eingetretene Unfall nur geringfügiger Natur fei, wird mit der ironischen Frage begleitet, warum dann von der amerikanischen Marineleitung Begleitschiffe ungefüttert worden seien.
Die „Liberte", die den Amerikaklug der „Bremen" recht gebäsflg kommentiert batte, schreibt zu dem Amerikaflug des deutschen Luftschiffes u. a folgendes: „Graf Zcvvelin konnte bei der lleberfliegung Frankreichs entdecken: 1. daß die Franzosen edelmütigerweise die jüngst vergangene Zeit vergessen haben, da andere Zeppeline über ibre Köpfe flogen und ibre Reise mit schrecklichen, denkwürdigen Geschenken besäten, 2- daß das locarnistische Vertrauen zweifellos in Monteliman und der Ebene von Camarone herrsche: 3. daß nichts so sehr einem Kriegszevvelin äbnelt, wie ein Friedenszevvelin, da es genügen wurde, die 13 Luftreisenden von beute durch 13 Lufttorpedos zu ersetzen um die Taube in einen Geier zu verwandeln.
Die BeWdisung und ihre Reparatur
2n dem ersten Funksvruch, mit dem der „Graf Zeppelin" die Beschädigung seiner Back- bordfloi>e an das Marineamt mitteilte, berichtet er außerdem, daß die Geschwindigkeit auf
50 Meilen, also etwa 80 Kilometer, vermindert sei. Als Standort wurde der 33. Grad nördlicher Breite und der 45. westlicher Länge angegeben. Das Wetter sei raub- Graf Zeppelin bat, daß in der Nabe befindliche Dampfer seinem Kurs folgen möchten. In dem zweiten Funkspruch teilte Graf Zeppelin mit, daß er bereits wieder Fortschritte mache, und daß die vorläufigen Ausbesserungen durchgeführt seien, sodaß das Luftschiff zu diesem Zeitpunkte Damvferbilfe nicht mehr brauche.
Unabhängig davon hat aber das amerikanische Marineamt alle leichten Kreuzer in Samvton Roads und alle Zerstörer in Cbar- lcston angewiesen, sofort auszulaufen, um dem Luftschiff Hilfe zu leisten, falls sie nötig fein sollte.
Die „Nachtausgabe" veröffentlicht ein Tele- ramm tbres Berichterstatters Rolf Brandt von Bord des Graf Zeppelin, wonach die Beschädigung dadurch entstand, daß eine Vertikalböe die untere Bespannung der linken Stabilisierungsfläche eingerisien hat.
Die Wirkung der Bö.
Der Hearst-Korrespontent Wiegand be* richtet dem „Lokalanzeiger" zufolge von Bord des „Graf Zeppelin" Einzelheiten über den Augenblick, in dem das Luftschiff durch eine Plötzliche Bö leicht beschädigt wurde. Die Passagiere saßen gerade beim Frühstück, als ein Windstoß das Schiff erfaßte. Durch das Aufbäumen des Luftschiffes stürzten die Tische um, und das Tafelgeschirr fiel herunter und zerbrach. Während des Augenblicks ter Gefahr klingelte Ladh Hah nach Bedienung. Gelächter über das merkwürdige Verhalten im Ecksalon halfen über die gefährliche Situation hinweg. Dr. Eckener beglückwünschte die Lady wegen ihrer Äaltblütigfeit und dankte ihr, daß sie dazu beigetragen habe, daß die männlichen Passagiere ihren Mut behielten.
Ein Bravourstück persönlichen Mutes.
Friedrichshafen, 14. Ott. (WTB.) Zn hiesigen Fachkreisen wird daraus hin- gewiesen, daß die Znstandsetzung ter beschädigten Stabilisierungsfläche mit großer Lebensgefahr für die Männer verbunden war, die sich dieser Aufgabe unterzogen haben. Da die Beschädigung die untere Bespannung betroffen hat, schwebten sie auf den schmalen Gerüstteilen über dem tief unter ihnen liegenden Ozean, sodaß die Gefahr des Absturzens bei dem schweren Anwetter ihnen vor Augen stehen muhte; umsomehr ist dieses Bravourstück treuer Pflichterfüllung und persönlichen Mutes herborzuheben. Anter den Männern, die das schwere Werk vollbrachten, sind besonders die drei Ingenieure Bäuerle, Siegle und ter junge Knud Eckener, ter Sohn Dr. Eckeners, zu nennen.
Amerikanische Zerstörer liegen unter Dampf.
fk. W a s h i n g t v n, 15. Oft. Das Marineamt hat gestern abend drei in Charleston (Südkarolina) liegende Zerstörer an- gewiesen, sich bereitzuhalten, um gegebenenfalls innerhalb einer Stunde zur Hilfeleistung für den „Graf Zeppelin" abzufahren, falls das Luftschiff Beistand erbittet. Die Zerstörer haben auch bisher unter Dampf gelegen. Sie brauchten aber erst vier Stunden nach Eintreffen des Befehls marschfertig zu sein. Die Ma- rinebehörden haben abgelehnt, zu erklären, was sie zu dieser Vorsichtsmaßregel veranlaßt hat.
Lakehurst in Erwartung.
Zufolge des unausgesetzten Zustroms von Menschen, die der hier mit zunehmender Spannung erwarteten Ankunft des „Gras Zeppelin" beiwohnen wollen, ist auf