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Anzeiger für (das frühere knrhefsifche) Oberhessen
Marburger rageSamelger
Mische LanbeZzettung
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Anzeiger der amtlichen Bslanntmachnngen für Stadt nnd Kreis Marburg.
„Graf Irppsk'A" über -em Ozean
Sa- LuItWff kommt bei widrigen Waden nut Innginm votwätld — riebet den Azoren
Wie wir gestern in den Späten Nachmittagsstunden durch Sonderausgabe bekannt gegeben haben, wurde das Luftschiff „Graf Zeppelin" um 12 Uhr über Lyon gesichtet. Don dort ist das Luftschiff zunächst nach Süden gefahren, hat aber nicht die Richtung nach dem Mittelmeer weiter verfolgt, sondern ist nach Westen eingebogen. Auf Grund der Wettermeldungen, die von Sachverständigen in Südfrankreich und Spanien dem Luftchiff übermittelt wurde«, ist dann Kurs auf Barcelona genommen worden.
Di« Nachtfahrt des Zeppelins an der südspanischen Küste.
ft. Berlin, 12. Okt. Die in früher Morgenstunde eingelaufenen Meldungen über den bisher durch das Lv'tschiff zu- rückgolegten Weg lauten recht widerspruchsvoll. Nach einer um 3 Uhr Ber- Siuer Zeit vom „New Yorker Herold" auf- gefangenen Meldung aus Madrid befand sich der „Graf Zeppelin" um Mitternacht über Castellon. Dieser Ort liegt 250 Kilo- vtect von Barcelona entfernt, das der „Graf Zeppelin" kurz nach 19 Uhr überflog.
„Graf Zeppelin" um 21.30 Uhr über Tarragona gesichtet.
fk. Paris, 12. Okt. Nachdem „G r a f Zcppelin" am Donnerstag gegen 8 Ahr abends Bauelvna überflogen hatte, wurde das Luftschiff noch vor Sonnenuntergang um 21,30 Ahr über Darra- Sona gesichtet. Das Schiff flog in Richtung auf die afrikanische Küste. Die Funkstation Casablanca nahm eine drahtlose Mitteilung auf. die besagt, dah an Bord des Luftschiffes alles wohl ist- Dr. Eener hofft am Freitag früh am 2 Ahr die Azoren zu erreichen. Aach einer Meldung aus Madrid war es bis I Ahr nachts noch keiner der spanischen Funkstationen gehtn?>en, mit „Graf Zeppelin" in drahtlose Verbindung zu treten. Die Station von La Corogne, die mächtigste in ganz Spanien, arbeitete lebhaft daran, die Verbindung aufzunehmen. Auch alle Militär-Funkstationen haben Maßnahmen getroffen, um dem Luftschiff die letzten Wettermeldungen mitzuteilen. Meldungen aus Madrid bestätigen, daß sich das Luftschiff wegen der Windverhältnisse nur mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde svrtbewegte
„Graf Zeppelin" im Verkehr mit deutschen Dampfern.
ff. Bremen, 12. Okt. Aach hier eingegangenen Meldungen hat „Graf Zeppelin" in den Morgenstunden mit den auf der Fahrt befindlichen deutschen Dampfern in Verbindung gestanden. So um 3 Ahr mit dem Hapag-Dampfer „Reliance". der aus der Fahrt nach Rewyork ist. und mit dem auf der Heimfahrt befindlichen Lloyd-Dampfer „Columbus". der 4,50 Ahr dem Luftschiff folgenden Funkspruch sandte:
„Ihnen und Gefährten rasche und glückliche Fahrt. — 19,30 Ahr (20,30 Ahr mitteleuropäischer Zeit), in 49 Grad Aord. 22 Grad West, abflauender West, Barometer 755 steigend, unterer Wolkenzug von Aord-Aordost. Besatzung D. Columbus." Günstige Wetterlage westlich der Azoren.
fk. New Aork. 12. Okt. Das Wetterbüro erklärte auf Grund der von Dampfern aufgefangenen Meldungen, datz die Wetteraussichten für das Gebiet zwischen Nordamerika und den Azoren günstig seien. Es verlautet. Latz große amerikanische Funkstationen den „Graf Zeppe
lin" erreicht haben. Die Brooklyner Station der Radio Eo. of American fing gegen 7 Uhr New Parker Zeit eine Nachricht vom Hapagdampfer „New Vor!" auf, laut welcher „Graf Zeppelin"
die atlantische Küste Freitag gegen
2 Uhr morgens Newyorker Zeit, <Äso
24 Stunden nach seiner Abfahrt, erreicht
habe. Das Luftschiff soll sich bereits einige Stunden über offenem Meer befinden. Eine Funkstation in Pittsburgh will heute früh dem Luftschiff Grütze der deutschen Zeitungen in Pittsburgh senden.
fk. M a d r i d, 12. Okt. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" überflog heute früh 5 Uhr den Hafen von Gibraltar in Richtung
auf die Azoren. Es befindet sich jetzt über dem Ozean.
Havas berichtet aus Madrid, daß sich ans Nachrichten der Fluglaitnng über die Fahrt des „Graf Zeppelin" ergibt, dah das Luftschiff Gegenwind zu überwinden und eine Fahrtgeschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde hat.
„Graf Zeppelin" wird wahrscheinlich die Route einschlagen, die vor vier Jahren „Z. R. 3" auf der ersten Amerika fahrt genommen hat, über die Azoren, um von dort nach Nordwest abzuschwenken. Die ganze Strecke beträgt ungefähr 8500 Kilometer, von denen ungefähr 7500 über Wasser zurückzulegen sind. Man rechnet mit einer UeberfahrtSzeit von 60 bis 70 Stunden. „Z. R. 3" hat vor vier Jahren 75 Stunden zur Bewältigung der Riesen-
WieZsr ein Sauselnlturz in Prag ein t Migr» Mauds in ter Istzisn Rächt singsM-t
kk. Prag, 12. Okt. Am Donnerstag, einige Minuten vor Mitternacht, kam es zu einem neuen Hauseinstnrzin Prag, und zwar in Alt-Lieben. Es handelt sich nm ein grobes Eckhaus, das aus Ziegeln aufgeführt war, und bereits trn Rohbau fertig stand. Ein grober Teil dieses Sauses in der Länge von 60 Metern und in der ganzen Höbe von vier Stockwerken stürzte nm Mitternacht plötzlich zusammen. Aus dem Bau war um diese Zeit niemand beschftigt. Da auch die Strabe vollkommen menschenleer war. scheint niemand zu Schaden gekommen zu sein.
W Seiet des eilten Mg!M
Prag, 11. Okt. Die Zahl der Toten des Bauunglücks hat sich auf 3 2 erhöht. Im Laufe des Mittags wurden vier grauenhaft verstümmelte Lerchen geborgen. Eine davon wurde aE die des Architekten Pultzmann ftst- gestellt. Im Krankenhaus sind ihren Verletzungen im Laufe des heutigen Tages zwei Schwerverletzte erlegen. Di« Zahl der Opfer, die noch unter den Betontrümmern begraben sind, ist immer noch unbestimmt, da die zwei unterirdischen Stockwerke noch aufgeräumt werden müssen.
strecke benötigt, zudem waren damals die Wetterverhälrnisse wesentlich günstiger als die jetzige Fahrt. Dr. Eckener sprach aber noch kurz vor dem Start die Erwartung aus, daß es ihm gelingen werde, Lakehurst auch bei stärkeren Gegenwinden in spätestens siebzig Stunden zu erreichen.
Tie Versicherungsfrage hat bei dieser Zeppelinfahrt natürlich wieder eine große Rolle gespielt. Für „Z. R. 3" mußte damals eine Prämie von 15 Prozent des Wertes gezahlt werden. Für „Graf Zeppe-- lin" ist sie inzwischen auf 9 Prozent vermindert worden. Das sind etwas über 200 000 Mark. Mannschaften und Passagiere sind ebenfalls gegen Unfall versichert. Tie Prämie beträgt in diesem Fall 65 Mark pro 1000 Mark und Tag.
Die Ueberfwhrt wird für die Passagiere, abgesehen von dem Gefahrenmomemt des unberechenbaren Zufalls, abgesehen auch von dem großen Erlebnis an sich, in keiner Weise strapaziöser sein, als irgendeine andere Reise. Im Gegenteil! Für alles ist wohlweislich vorgesorgt. In der Küche des Luftschiffes befinden sich die leckersten Vorräte. Zwei Stewards sorgen für das Wohl der Reisenden, wie für das höhere. Wohl Dr. Eckeners und seine beiden Kapitäne.
Daß sie eS schaffen werden, wer hegt noch den geringsten Zweifel? Nicht nur Stürme, sondern auch schwere Stürme wird das Luftschiff überstehen. Zwei Kontinente vet- solgen die Fahrt de- Zeppelins. Zwei
Lorsetzuna Hebe Seite 2. —■
SeuWmid—Ametika
ES ist genau auf den Tag vier Jahre her, da stieg das erste Luftschiff, das Deutschland nach dem Zusammenbruch wieder bauen durfte, in die Lüfte, um in einer herrlichen Fahrt, die eine ganze Welt zur jubelndsten 'Begeisterung brachte, den amerikanischen Kontinent zu erreichen. Gibt es eine würdigere Gedenkfeier als den Start des neuen „Graf Zeppelin", als die neue Fahrt, die wiederum die beiden Kontinente in knapp siebzig Stunden überbrücken soll? Wenn vor vier Jahren das gesamte deutsche Volk in seltener Einigkeit diese Tat eines friedlichen, di« Menschheit einenden Geistes bejubelte, so mischte sich doch in die Begeisterung eine leise Wehmut. Denn das Luftschiff sollte ja Deutschland verlassen, um niemals mehr wiederzukehren. Denn die Fahrt war ja die Durchführung eines Befehls, eine Folge des verlorenen Krieges, eine deutsche Tributleistung. Aber was deutsche Fähigkeit, deuffche Arbeit und deutsche Wissenschaft aus dieser Verpflichtung zu machen wuß. ten. das war mehr als prompte Erfüllungs- bereitschaft. das war eine Demonstration für die deuffche Sache, eine Tat zu Deuffch- lands Ehre, eine Zurückeroberung des deutschen Ansehens, das durch den Der- leumdungsfeldzug der ehemaligen Gegner so stark gelitten hatte. Als in Aewhork die Millionen Menschen dem stolz durch die Lüfte fliegenden Meisterwerk deuffchen Geistes zujubelten, da klang in den Herzen der begeisterten Amerikaner nichts mehr von den alten Hetzliedern, die fast ein halbes Jahrzehnt lang das deutsche Volk, sein Wesen und sein Wirken zum Gespött eines großen Teils der Menschheit gemacht hatten. So wandelte sich die einsttge deuffche Tributleistung durch die beispiellose Triumphfahrt des „Z. R. III“ zu einer Werbung für Deutschland, deren ungeahnte Wirkung ihr großes Teil dazu beigetragen hat, die alte Zwietracht zu mildern. 1
Jetzt stieg in die herrliche Bläue eines Herbsttages ein neuer Zeppelin! Das neue deutsche Luftschiff, dessen Bau keine Tri- butSleistung an das Ausland darstellt, das ein Werk ist des deutschen Volkes, da eS aus deutscher Tatkraft und Arbeit geschaffen wurde >unü aus den Mitteln, die alle in Deutschland beisteuerten, die Großen, die Kleinen, die Armen, die Reichen — ganz Deutschland. Zn diese glückliche Fahrt des „Graf Zeppelin" mischt sich kein Mißton. Denn sie ist gewoltt. Sie ist das Produtt einer deuffchen Willenskund- gebung, die der Welt etwas sagen will: sie ist das freiwillige, offene und ehrliche Bekenntnis Deutschlands zur friedlichen Mitarbeit an allen Werken, die der Menschheit wahrhaft nützen und dienen. Der „Ettas Zeppelin" ist kein Kriegsfahrzeug wie sein tteinerer Bruder *in dem Land, das er nun bald erreichen wird. Die „Los Angeles" ist mit Maschinengewehren bespickt, aus ihren Gondeln winken nicht bunte Tücher, jubeln keine lebensfrohen Passagiere. Ihre „Fracht" ist ernst und feldgrau. Ihr Sinn dient dem Waffengang, dem Kriegshandwerk. dem Anfrieden. Aber auch die „Los Angeles" wird ihrem friedlicheren Bruder ihre Reverenz nicht verweigern: der Krieg grüßt den Frieden. Auch dies ein Symbol, das den tiefen Sinn der deutschen Fahrt widerspiegelt.
Zn den letzten Jahren haben verschie- schiedene kühne Menschen es versucht, das die beiden großen Kontinente trennende Weltmeer im Lustmeer zu durchkreuzen. Einigen ist dieses Wagstück geglückt. Aber es war ein tollkühnes Wagestück. And das sagt alles. Wenn zur selben Stunde, wo in Friedrichshafen der „Graf Zeppe lin" seine Fahrt nach Amerika antrat auch an der amerikanischen Küste ein Flugzeug sich zum Ron-Stop-Flug nach Rom anschickte, so wird man dieses Wagnis nicht mit derselben frohen Gelassenhett bewundern können wie den Start des deuffche,: Riesenluflschiffes. Wo hier Ansicherheit, Vabanauesjpiel. Tollkühnheit den Ver- ,