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Sbechessische

Mtuno Enubtsjcitxing

Anzeiger für (das frühere kurhesfifche) Oberhessen

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Furchtbare Baukatastrophe in Präs

®a likbmMlgkr Sttonbim billig zesmmmmWrzl — Bisher 19 Sete geborgen Ober 40 vermißte unter den Trümmern, darunter die gesamte Sauteilung

Prag. 9. Okt. Heute nachmittag 3 Wr ist a« der Ecke der Poricstraße und der »ifchofsgafle der große fünfstöckig« Neubau des Geschäftshauses der Firma Aaschek samt dem große« davor errichteten Vaugerüft aus bisher «och ungeklärter Ursache eiugestürzt. Das Gebäude war be­reits unter Dach. Auf dem Bau wäre« heute 87 Arbeiter beschäftigt. Es steht «och nicht feft, wieviel von ihnen sich ret- |e« konnte«. Bis 5 Uhr abends wurden 16 Verwundete und 10 Tote aus den Trüm, »er« geborgt«, sodaß die Zahl der »«ter de« Trümmer« liegende« aus 60 geschätzt »erde« kau«. Außerdem wurde« ei« Last­auto. ei« Laftwage» mit Pferde« a«d eine Fra« mit einem Äh» «nter den krümmer« begraben, vermißt werden auch der Bavlelter Pulzmann, der Leiter der Betouarbeiten. Ingenieur Mündel, uud ei« Ba»asfifte«t. Die Stromzufüh. rungskabel ta der Poricstraße find durch du« Unglück «uterbr-che« worden. Die Unglücksftelle ist sofort durch eine starke TruppenabteUung aigesperrt worden. Sämtliche Feuerwehren find alarmiert. L« de« Aufräumnngsarbeiten find 500 Feuerwehvleute mit Autogenlampe« und Bohrmaschinen beteiligt. In aller Eile »erdev auch Reflektoren aufgestellt, um bie Arbeite« nachts fortführen zu können. Das eingeftürzte Haus war ein Eisen- betoabau und hatte fünf Stockwerke ober­irdisch »ad zwei Stockwerke unterirdisch. Bon der bauausführenden Firma wird er» llärt. daß die Bauberechnungen ganz ge­nau waren, die Herstellung des Betons normal mit amerikanischen Maschine« ge­schah und daß die Bauarbeiten nicht im Akkord vergeben waren. Dlie Katastrophe wird der schlechten Qualität des verwende­te« Zements zugeschrieben, der wohl nicht in der vorgeschriebenen Zeit trocknete und hart wurde. Es handelt fich um die größte Baukataftrophe in Prag seit Jahre«.

ff. Prag, 10. Okt. Bis Mitternacht find von den Opfern der Einsturzkata­strophe

18 Tote «nd 26 verletzte geborgen worden. 5 0 Arbeiter werden noch vermißt. An der Unglücksstelle arbei­teten in der Nacht beim Schein großer Re­flektoren große Militärabteilungen, dar­unter ein ganzes Pionierregiment. Man verbucht, mit großen Militär-Instrumenten die Bautrümmer auseinander zu spren- fltn, um die Trümmer nach Vermißten zu durchsuchen. Die Schuttmassen werden un­unterbrochen mit Lastautos abgefahren.

Ter Einsturz des Gebäudes erfolgte vom 6 Stockwerk aus und war von donnerähn­lichem Getöse begleitet. Die auf der blraße befindlichen Passanten stoben in wilder Flucht auseinander. Ein vorbeifah­render Straßenbahnwagen konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, sodaß nur der Kondukteur von herabfallendem Ge­stein getroffen wurde, während die Passa- fiiete mit dem Schrecken davonkamen. In dem Keller des eingestürzten Hauses be­kunden sich eine Anzahl Arbeiter, die von der Katastrophe überrascht worden waren. Es wurde alle Energie darauf gerichtet, die Trümmer in dieser Gegend wegzuräu- wen und es gelang tatsächlich gegen 9 Uhr, «ne« Zimmermann lebendig und bei $e=.

wußtsein aus dem Keller hervorzuziehen. Nachdem das gelungen war, versuchte man, aus dem Keller des Nebenhauses in den Neubau zu gelangen, aus dem man

immerwährende Hilferufe

hörte. Man pumpte Sauerstoff in den Keller, um die eventuell noch Ueberleben- den vor dem Erstickungstod zu bewahren und gegen 10 Uhr konnte ein weiterer Ar­beiter in schwerverletztem Zustand gerettet werden. Die Rettungsarbeiten in diesem Teil werden fortgesetzt, weil man noch im­mer Hilferufe hört.

Ei« Augenzeuge

schilderte den Hergang öds Unglückes fol­gendermaßen: Es war gegen 3.07 Uhr, als sich im zweiten Stockwerk die Decke zu lösen begann. Gleichzeitig nahmen die Ar» beiter eine Erschütterung der Betonpfeiler wahr. Es wurde sofort versucht, die Ar­beiter zu warnen. Plötzlich — alles spielte

Friedrichshafen, 9. At. Der morgige Aufstieg des „Graf Zevvelin" zur Amerika­fahrt ist heute abgesagt worden. Dieser Ent- schluß mutzte gefaßt werden, weil die Wetter­lage gerade äuherordentltch schlecht ist. Die Karten zeigen so schwere Stürme über dem Ozean, dah es, wie Dr. Eckener sagte, gefähr­lich wäre, in sie bineinzufahren, weil sogar große Ozeandamvfer in Seenot geraten. Dazu kommt noch, daß auch im Bodenseegebiet für morgen heftige Winde und Regen zu erwarten find, was bei der Kleinheit der Salle außer­ordentliche Schwierigkeiten verursacht. Wie schwierig die örtlichen Verhältnisse liegen, bat gerade die letzte Landung besonders deutlich vor Augen geführt. Das Barometer fiel außer­ordentlich ftoif. und gleichzeitig steigt die Tem­peratur an. Das wirkt sich auf das Schiff so ungünstig aus, daß die Tragkraft von gestern bis heute mittag allein schon einem Unterschied von 3,2 Tonnen unterworfen worden ist. Dr. Eckener betont, daß er auch bei mittelmäßigem Wetter die Reise angetreten hätte, aber gerade die erste Fahrt nicht unter ganz besonders un­günstigen Umständen anteten möchte. Deshalb sind auch die Arbeiten an den Kojen, die heute Nacht zu Ende geführt werden sollten, auf mor­gen verschoben worden. Es ist übrigens keines­wegs gesagt, daß der Aufstieg unter allen Um­ständen morgens stattfinden müßte. Wenn die Wetterlage es erlaubt, ist es auch zu jeder an­deren Tageszeit möglich. Die weitere Entschei-

flemelbet. Es wird befürchtet, daß auch zahlreiche Fußgänger verschüttet wurden.

Die Unglücksstelle des gestern eingestürz- ten Neubaues wirkt entsetzlich. Wenn eine moderne Fliegerbombe in dem Hause ge­platzt wäre, könnte es nicht anders sein. In dem Gewirr von Balken. Schutt, stock­werkhohen Betonpfeilern arbeiten Mili­tär, Feuerwehr und Arbeiterschaft bis zur Stunde fieberhaft, um die noch nicht gäiH- lich zertrümmerte Decke des Kellergewöl­bes zunächst noch zu entlasten, da man im­merhin noch hofft, die unter den Schutt- masien begrabenen Arbeiter lebend zu ret­ten. Da die Arbeiten durch die meterhoch liegenden Betonmassen sehr schwierig sind schlug man durch die Keller der Nachbar­häuser Tunnel um in das eingestürzte Ge­bäude zu gelangen. Die Freude war groß, als man gestern cchend um 20.25 Uhr den ersten Lebenden aus den Trümmern her­vorholte und kurze Zeit darauf den zwei­ten. Darauf wurden die Arbeiten mit er­neutem Eifer fortgesetzt. Endlich stieß man

sich in 2—3 Minuten ab — hob sich der vordere Baupfeiler.

3« zwei Sekunden war das ganze siebenstöckige Gebäude in fich zusammen- gesunken.

Ein Arbeiter, der vorn im ersten Stock arbeitete, versuchte noch abzuspringen, wurde jedoch von den nachfolgenden Be- tonmassen erfaßt und verschüttet. In einer Ecke des Bauplatzes steht fast unversehrt ein fast stückiges Holzgerüst, ein Ziegel­auszug, auf dem noch ein Arbeiter hing, der beim Zusammensturz abgesprungen war und sich am Holzgerüst festgehalten hatte. Er wurde sofort von der Feuerwehr heruntergeholt und das Holzgerüst durch Seile an den Nebenhäusern befestigt.

Von dem auf dem Bau im Augenblick des Unglückes beschäftigten 87 Arbeitern haben sich bis 6 Ühr nur 16 als gerettet

düng über den Termin des Aufftiegs wird mor­gen früh fallen. .

Es verlautet, daß Dr. Eckener, der mit dem „Graf Zeppelin" ursprünglich nur drei Tage in Amerika bleiben wollte, von Lakeburst aus noch eine große Fahrt nach dem Süden, vielleicht nach Südamerika oder Westindien beabsichtigt.

Für die Amerikafahrt des „Graf Zevvelin" sind bisher 52 000 Postlieferungen aufgeliefert worden. Das ist eine so außergewöhnlich große Menge, daß die von „Z. R. III“ noch über­troffen wird. In den letzten Tagen sind die Sendungen in so großer Anzahl eingegangen, daß dem Postamt Friedrichshafen von Stutt­gart drei Beamte zur Aushilfe geschickt werden mußten, die nichts weiter tun, als die Sendun­gen nach den Bezirken zu sortieren, über denen sie abgeworfen werden sollen.

Geschmacklose Wortbildung!

Das „Kasseler Tageblatt" bringt die hier wiedergegebene Meldung von der Verschiebung desAmerikafluges unter derlleberschrift: „Zevv- Start wieder abgesagt" auf der ersten Seite in der ersten Spalte. Das deutsche Volk wird es hoffentlich mit Entschiedenheit ablehnen, daß aus dem ehrwürdigen, um den deutschen Namen hochverdienten Grafen Zeppelin ein„Zepp" ge­macht wird; solche Geschmacklosigkeit mag der demokratischen Parteipresse als unbestrittene Domäne verbleiben.

hinter einem Trümerhaufen auf einen ein­geklemmten Monteur, der mit mehreren Kameraden im Keller Znstallationsarbei- ten vorgenommen hatte. Er konnte nicht sofort gerettet werden, da seine beiden Deine in dem Schutthaufen steckten. Knapp nach Mitternacht konnte er aus seine un­glückliche Lage befreit werden. Er war vollständig unverletzt und bei guter Stim­mung.

Leider besteht wenig Hoffnung, noch weitere Lebende zu berge«.

Einer der Geretteten war nicht schwer ver­letzt, ist aber durch mehrere Stufe« einge­klemmt gewesen und

irrsinnig geworden.

Um 2 Uhr früh wurde von der Polizei mitgeteilt, daß 5 Personen unverletzt, 16 Arbeiter teilweise schwer verletzt und 19 Tote geborgen wurden. Von den letzteren konnte die Identität größtenteils nicht s e st g e st e l l t werden.

Forsetzung stehe Sette 2.

Die AmerikaWrt verschöben

Sie Wetterlage ift zu schlecht

Kelch unb Länder

Der unter Führung des ehemaligen Reichskanzlers Dr. Luther stehende „Bund zur Erneuerung des Reiches" veröffentlicht soeben in einer ausführlichen Denkschrift die Vorschläge des Bundes über die künf* tige Gestaltung des Reiches, insbesondere über die Neuformung der staatsrechtlichen Verhältnisse zwischen Reich und Ländern. Die Reichsreform ist eines der wichtigsten innerpolitischen Probleme, dessen Lösung in den nächsten Zähren zur Debatte steht. Wir zweifeln nicht, daß sich dem Luther» schen Plan, wie er jetzt vorliegt. ein« ausführliche Diskussion anschließen wird, und aus diesem Grunde möchten wir — unbeschadet unserer eigenen Stellungnahme zu dem ganzen Problem — das Wesent­liche der Lutherschen Gedankengänge mit­teilen.

Die Denkschrift enthält zunächst di« zehn Leitsätze des Bundes, die bereits vor eini­ger Zeit vorzeitig vevöfffentlicht worden sind. Zn diesen Leitsätzen werden di« Gründe angegeben, aus denen sich die Not­wendigkeit einer anderen Gestaltung der staatsrechtlichen Verhältnisse zwischen Reich und Ländern ergebe. An di« Spitze wird die Behauptung gestellt, daß die Haupt­ursache der von Zahr zu Zahr schärfer hervortretende Aebelstände > M

Vie falsche Konstruktion t>ee oerfas. sungsrechtliche« Verhältnisses zwischen

Reich «nd Preuße«

sei, denen heute die enge ihnen in der Bismarck'schen Verfassung gegebene Ver­bindung fehle. Mit anderen Worten: Der Dualismus zwischen Preußen und dem Reich ist nach Ansicht Dr. Luthers der Grundfehler an dem unser staats- und ver­fassungsrechtliches System kranft. Die Be- seitigung dieses Dualismus auf dem Wege eines Großpreuhens oder durch lieber* nähme leistungsfähiger kleinerer und mitt­lerer Länder in di« Reichsverwaltung oder durch künstliche Aushöhlung der Länder­verwaltung im Wege neuer Reichsgesetz« lehnt Dr. Luther ab. Er will einen an­deren Weg gehen, der der

Berreichlichung Preußens.

Preußen soll als „Reichsland" im Reiche aufgehen. Dies soll äußerlich dadurch in Erscheinung treten, dah das Reichsmini­sterium restlos mit dem Preußischen Staats­ministerium verschmolzen werden soll und dah die einzelnen preußischen Ministerien in die Reichsministerien eingeliedert wer­den sollen. Zn den erwähnten Leiffätzen formuliert Dr. Luther dies« entscheidende These folgendermaßen: Zm Wege über* einstimmender Gesetzgebung des Reiches und Preußens werden die gesetzgeberischen und zentralen Derwaltungsaufgaben Preu­ßens in der Weis« auf das Reich über­tragen, „dah für dieses künftig als Reichs­land zu verwaltende Land Reichspräsident, Reichsregierung und Reichstag an die Stelle von Staatsregierung und Landtag treten“. Zn der Begründung dieses Satzes heißt es: „Es handelt sich um keine 3er* schlagung Preußens in einzelne Länder, an die von manchen maßgebenden Stellen im Zahle 1919 ernstlich gedacht war. Die Staatskraft Preußens soll ungeteilt erhal­ten werden und nur auf das Reich, auf einen Machtfaktor übergehen, der ohne Schaden für das Ganz« gar keine andere Willenseinrichtung verfolgen kann, als sein weitaus größtes Land“. Diese Zdee des „Reichslandcs“ ist das Kernstück öeS Luther'schen Planes. Das Reichsland, d. h. im wesentlichen das heutige Preußen, ver* Söhert durch einige kleinere norddeutsche mder. mit deren "Beitritt Dr. Luther be­stimmt rechnet, soll gleichsam die Haus- macht des Reiches werden. Dieses „Auf­gehen“ Preußens im Reich“ begründet Dr. Luther in erst«: Linie damit, daß Preußen in seiner Ausdehnung und De* völkerungszahl ein „unmöglich gleichberech* tigter Genosse eines deutschen Föderattv* staateS“ sei, womit Dr. Luther doch wohl