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MMag, ttn 9. Skivbtr 1928

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Anzeiger für (bas frühere kurheMche) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnnge« für Stadt und Kreis Marburg.

Frankreichs Rache für öas verratene WMZKMsMmen

eoWiiing eines amerikanWen Somualisttn - Amerika sordtri Ausklürung - Eullüuichung über Wiens Animort in London und Karli

fk PariS, 9. Okt. Der amerikanische Journalist Charol Hör an, der dem "New Yorker Amerian" vor einiger Zelt den vertraulichen Text eines Rundschrei­bens des französischen Außenamtes an die französische Auslandsvertretungen über das französisch-englische Flottenkompromiß zur Veröffentlichung übersandt hatte, wurde am Montag nachmittag in Paris von Polizeibeamten auf der Straße ange­halten und auf das Untersuchungsgericht geführt. Dort eröffnete man ihm, er solle sich verpflichten, Frankreich vor dem nächsten Donnerstag zu v e r l a s s en, falls er nicht verhaftet werden wolle. Der Journalist zog vor, den Ausweisungsbe­fehl zu unterzeichnen. Der in Paris er­scheinendeNew York Herold" teilt hierzu mit, daß Horan vor einigen Tagen aufge­fordert wurde, am Qua d'Orsay zu erschei­nen. wo man ihm riet, Frankreich zu ver- lasien. Da er diesem Rat noch nicht nach­gekommen war, wurde er von den Poli­zeibeamten festgenommen.

Dem imEcho de Paris" veröffent­lichten Bericht des Korrespondenten des New York American", Horan, über seine Verhaftung durch französische Polizei ist weiter folgendes zu entnehmen: Als Horan gestern nachmittag sein Büro ver­liest und eiy Auto bestieg, wurde er plötz­lich von sieben radfahrenden Polizisten umringt, die ihm Befehl gaben, zur Poli- präfektur zu fahren. Dort wurde er be­fragt, welche Mittel er benutzt habe, um sich das Dokument zu beschaffen. Er habe geantwortet, was er für notwendig hielt, und erhielt darauf die Antwort, seine Er­klärungen seien unvollständig. Er werde der Beamtende st echung beschul­digt und habe, wenn er seine Quelle nicht angebe, ein Verfahren zu gewärti­gen, bei dem ihm eine Gefängnisstrafe von 6 Jahren drohe. Diese Drohung schüchterten ihn nicht ein. Erst nach 7- stündiger Haft, während der er sich nicht mit seinen Mitarbeitern in Verbindung setzen konnte nach demMatin" ver­weigerte man ihm auch einen Advokaten liest man ihn frei, nachdem er den Ausweisungsbefehl anerkannt hatte.

Malin" undChicago Tri­büne" berichten, daß Horan zugegeben habe, das Dokument von Rondolph Hearst selbst in Paris erhalten zu haben, mit der Anweisung, es nach New S)ork zu drahten.

M a t i n" berichtet auherdem, dah Hearst bereits vor einer Woche, als man Horan am Quai d'Orsay zu verstehen gab, dast es bester für ihn wäre, Frankreich zu verlasten, eilig nach Washington gereist sei und Kellogg um seine Int er- vention ersucht habe. Hearst habe ^rkärt, er nehme die volle Verantwortung für sein Vorgehen auf sich und fordere das Eingreifen der amerikanischen Botschaft in Paris. Obwohl die Botschaft einen Schritt unternahm, sei es zu dem geschil­derten Zwischenfall gekommen.

Der amerikanische Geschäftsträger habe sich sofort zum Quai d'Orsay begeben, um Aufklärung zu fordern.

Der französische Außenminister habe ihm erwidert, Horan sei nicht verhaftet, son- »ern nur verhürk worden und habe selbst nngewilligt, Frankreich vor Donnerstag tu verlasten.

Sir Aulworl Wiens

Rom, 8 .Oft. Die italienische Ant­wort auf die französisch« und englische Tenilchrlst über die Begrenzung der rüstungen, die vorgestern dein französischen und britischen Botschafter überreich, wurde, hält dre Richtlinien dec fajchisti- tchen Regierung in dieser Angeiei­

genheit aufrecht. Ter Grundsatz der ge­genseitigen Ab hängig kett der verschiedenen Formen, der Begrenzung der Militär-, See- und Luftrüstungen und ihrer Allge­meinheit, das heißt, ihre Anwendung in allen Staaten wird zuerst festgestellt. Dia italienische Regierung wiederholt dann b* Rede des Ministerpräsidenten im Sännt vom 6. Juni:Italien ist bereit, irgend­welche Zahl und selbst die niedrigste als Grenze seiner Rüstungen von vornherein anzuerkennen, unter der Bedingung, daß keine andere europäische Macht diese Zahl überschreitet." Die italwnische Rot« führt in diesem Zusammenhang näher aus, daß das System der Gesamttonnage das einzige sei, da es den schlechter be- wafffneten Ländern ermögliche, innerhalb des ihnen gelassenen Spielraums einen ge­wissen Ausgleich für dre Ueberlegenheit der anderen zu finden. Die Note warst darauf hin, daß diese Erwägung besonderen Wert gewinne, für ein Land, das, Vie Italien, wegen seiner natürlichen Lage be­sondere Bedürfnisse für seine Barteidü- gung habe.

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Redakteur Schiff

Wie dieCB. Z." berichtet, erkannte gestern nacht der Redakteur desVor­wärts" Viktor Schiff in einem Unter« grundbahnzuge in Neukölln den kommu­nistischen Rundfunkredner, Landtagsabge­ordneten Schulz. Mit den Worten:De­gen Verhaftung find Sie zwar immun, aber nicht gegen meine Faust" ver­setzte Schiff dem Abgeordneten einen Schlag ins Gesicht, worauf es zwischen beiden zu einer Prügelei kam. Gegenüber Beamten der Untergrundbahn, die die beiden auseinanderbrachten, wies Schulz auf seine Abgevrdnelenimmuni- tät hin.

Eine weitere Meldung besagt:

Der kommunisttsche Landtagsabgeordnete Schulz hat gegen Schiff Strafantrag we­gen Mißhandlung und Sachbe­schädigung gestellt. Schulz, der sich den Sonntag über vor der Polizei ver­borgen gehalten hat, da er für einen Zeit­raum von 24 Stunden nach der Tat ge­setzlich nicht durch seine Immunität ge­schützt war, hat die Nacht zum Sonnabends bei Freunden in Neukölln verbracht und sich den Sonntag über im Reichstag auf- gehalten. Auf dem Wege von Ncukölln zum Reichstag am Sonntag früh wurde er von niemandem erkannt, obwohl eine Anzahl Zeitungen sein Bild gebracht hatten.

Tie Note schließt mit der Erklärung, i daß die italienische Regierung, die mit der I französischen und britischen Regierung zu­sammen bei den meisten internationale« Abkommen über den Wiederaufbau Euro­pas mitgewirkt hat, Wert darauf lege, bei dieser Gelegenheit ihren entschiedenen Wel­len zu bekunden, alle Bemühungen zu un- stützen, die dahin zielen, aus der Begren­zung der Rüstungen ein Instrument der Festigung des Friedens und des Wredür- aufbäues zu machen.

Wie Pertinax imEcho de Pa­ris" zu der Note erklärt, sei augenschein­lich ihre vornehmste Absicht, weniger die Formen zu suchen, die geeignet sind, auf dem Gebiete der Abrüstung eine Verstän­digung der Mächte zu sichern, als, wenn möglich, den Beginn einet herzlichen Ver­ständigung zu Hintertreiben.

Auch in Londoner politischen Krei­sen ist man über die italienische Antwort­note verstimmt, weil Italien das Marine­abkommen alls einen Versuch, das Kräfte-

Redakteur Schwarz

Schulz trzütist

Wie eine Berliner Korrespondenz mit­teilt, hat der kommunistische Landtagsabg. Schulz die Entführung des Redak­teurs Schwarz selbst inszeniert. Er erklärte, daß er nach Durchführung des Volksbegehrens sich ebensowenig der Ver­antwortung entziehen wolle, wie seine übrigen Freunde, die nicht uns Ausland gegangen seien. Schulz gibt auch zu. daß er den Ansager des Rundfunks, Iänisch, bewußt getäuscht habe. Allerdings habe er sich nicht als Dr. Schwarz bezeich­net. sondern er habe sich Iänisch nur mit den Worten vorgestellt:Ich habe die Ehre um 7.30 Ahr im Rundfunk über Friedensprobleme zu sprechen." Darauf habe chm Iänisch das Manuskript aus­gehändigt und nach einiger Zeit die Sprech­zelle verlassen.Nach meinem Vortrag", so soll Schulz erklärt haben,habe ich das Vvxhaus verlassen, nachdem ich nicht weniger als sechsmal dasmirzu- gedachte Honorar zurückweisen muhte. Ich begab mich dann in den Reichstag, wo ich mit politischen Freunden eine Konferenz hatte und fuhr nachrS im Auto nach N e u k ö l l n, wo ich bei Freun­den übernachtete. Morgens fuhr ich bann zur Antergrundbahnstati-N und wollte an einem ZeiiungsstanV eine Arbeiter­zeitung kaufen. Das Fräulein in demVer- taufssiand rrklärre mir/ daß sie nur noch

Verhältnis am Mittelmecr zu verschieben, mit aller Entschiedenheit ablchnt. Von Ooppositionsseite wird betont, daß ange­sichts der Isolierung, der die englische Außenpolitik entgegensteuere, jeder Führer der Opposition, der Chamberlains Erb­schaft nach den Neuwahlen anzutreten hätte, vor eine außerordentliche schwere Aufgabe gestellt werden würde. England sei mit Rußland, Amerika und Italien verstimmt und könne sich auf Frank­reich nicht verlassen.

das Aosttnatikommm wird vtrösttnilichi

Das englisch-französische Marineab« kommen wird, wie der diplomatisch« Berichterstatter desO b s er v e r" meldet, nach der heute, Dienstag, erfolgenden Rückkehr Lord Cnshenduns nach London veröffentlicht werden. Es soll in Gestalt eines Weißbuches erscheinen.

eine bürgerliche Zeitung besitze und riet mir, diese zu kaufen, da ein hoch­interessanter Artikel vom Ber­liner Rundfunk darin stehe. Ich stellte mich vollkommen unwissend und so erzählte mir die Verkäufettn alle Einzelheiten mei­nes Streiches. Ich benutzte wiederum die Antergrundbahn bis zum Potsdamer Platz und ging zu Fuß nach dem Reichstag, ohne dah mich jemand erkannt hätte. Dort blieb ich den ganzen Tag und bin dann abends nach Hause gefahren, bis ich am Hermann- platz den Zusammenstoß mit demVor- würts"-Redakteur Schiff hatte."

int Erklärung M Funk' kommistars

Berlin, 8. Oft. (TA.) Vom Rund- Rundfunttommissar des Reichspostministe- riums wird mitgeteilt;

Die Untersuchung der Vorgänge beim kommunistischen Aeberfall auf die Ber­liner Funkstunde am 6. Oktober hat er­geben, daß die Vorkehrungen zur Aeberwacbung der gehaltenen Vor­träge an sich ausreichend sind. Ein in einem besonderen Raum sitzender Ange­stellter hat die Aufgabe, alle Vortrage am Lautsprecher zu kontrollieren und nö­tigenfalls durch Betätigung eines beson­deren Aufhaliers zu verhindern, daß die Worte des Redners aus dem Sender

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Die Rache -er blamierten Gezialöenwkraten

Der Kommunist Schulz vtrprüstU Er bleibt doch derSelb dts Mts

Landtagsabgeotdneter Schulz