Eine Lebensfrage für -as -rutsche Bott
Sie tnbgältlge Mirtzung der StbulNamme und der Schutz de- Sawe-geietze-
zur
-ik.M «.Mr«. Marburg a.Satza
den zur
Sonuabeu», nn 6. Skieber 1928
nächst ist hier festzustellen, daß der Dawes- plan keine absolute Schuld Deutschlands an seine Reparationsgläubiger festlegt, sondern nur eine bedingte. Das heißt mit anderen Worten, die durch oen Dawesplan festgelegten Zahlungsleistungen Deutschlands können nicht etwa durch Vorzeigung von Kupons bei deutschen Reichskassen abgehoben werden. Der Dawesplan sieht zu Gunsten Deutschlands gewisse Sicherheitsventile vor, die die Verpflichtung Deutschlands nur auf das Vorhandensein von gewissen Voraussetzungen basieren. Es ist erstens festgelegt, daß die Erfüllung der Dawesleistungen di« deutsche Währung nicht erschüttern darf (Transferklausel), sie sind zweitens in dem Augenblick einer erneuten Prüfung auszusetzen, wo ihre Durchführung die deutsch« Lebenshaltung unter einen unbilligen Druck setzt.
Diese im Dawesplan enthaltenen Sicherheitsventile sind die Chancen, die Deutschland durch die bisherige Regelung des Reparationsproblems gegeben sind. Die Sicherheit für Deutschland besteht darin, daß Deutschland nur dann in dem festgesetzten Maß zu zahlen braucht, wenn keine Inflationsgefahr besteht und auch nur dann, wenn keine ernsthafte Wirtschaftskrise und ein beträchtliches Sinken des Index in Deutschland sich bemerkbar
machen.
Vis jetzt ist es der Reichsregierung gelungen, vier Iahre lang die im Dawesplan festgelegten Zahlungen dem Reparationsagenten anzuweisen. Wer auf Grund bieder Tatsache glauben würde, daß Deutschland durchaus in der Lage wäre, ohne Erschütterung seiner Währung und ohne wirtschaftliche Krisen auf die Dauer solch«
abend abgehaltene Wochenmarkt wurde bereits heute früh abgehalten, da morgen früh sämtliche Beiriebe der Stadt stillstehen und aller Voraussicht nach auch die Geschäftsleute von Wiener-Neustadt ihre Lokale be eits am Sonnabend mittag schließen werden. 3n Anbetracht deH bereits morgen einsetzenden Alko- holverbotes werden auch die h'es gen Gastwite ab morgen bis Sonntag abend geschlossen halten. Diele Neustädter Einwohner haben bereits die Stadt verlassen, um an den beiden kritischen Tagen außerhalb von Wiener-Neustadt die Ereignisse abzuwarten. Wan hofft jedoch mit aller Bestimmtheit, daß es zu keinen Zusammenstößen kommen wird. Auch
Der Anzeigenpreis beträgt ffa den lOgespalt. Zeilenmilltmeter 6.08 GM„ kleine Baranzeig« 0.06 GM., amtlich« und and- lvärtigr Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bet Platz» idvrfchrtst 50fi, Aufschlag. — Gammeianzeigen 100 */e Aufschlag. Reklamen der Milli«. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Darrabatt. Ziel 5 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebot«. Erfüllungsort Marburg.
1 Goldmark — »/«,,Dollar.
ZahreSzahlungen, die jetzt durch das neue Reparationsjahr auf weitere 750 Millionen gestiegen sind, zu leisten, begeht einen grundlegenden Irrtum. Deutschland konnte in den vier Zähren seinen Re- parativnsverpflichtungen genügen, weil es das Geld hierfür durch die privaten Ausländsanleihen sich borgte. In Wirklichkeit hat es also noch keinen Pfennig aus eigener Kraft an die Reparationsgläubiger gezahlt. Wird nun eines Tages der Zufluß der Ausländsanleihen nach Deutschland aus irgendwelchem Grund zum Stocken gebracht, so würde sich Deutsch- lanO einer geradezu katastrophalen Krise gegenüber sehen, wenn eS gezwungen wäre, noch weiterhin Leistungen an den Reparationsagenten abzuführen. Da eine Erschütterung der Währung und ohne eine dem deutschen Volke zuzumutende beträcht-
in Baden trifft man Maßnahmen für 7. Oktober. Es sind bereits 500 Wann Sicherung des Kurortes eingetroffen.
Sicherheitsvorkehrungen in Wien.
Wien, 4. Okt. Die Borbereitungen
<BVt „Sberhessische Zeitung" et* H,int sechsmal wöchentlich B«- «gSpreis monatlich 2 GM. au«. Uietzl. ZustellungSgebübr. durch 0i«Pvst2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Maschinendefekte oder «lementarer Ereignisie ausfallend« •Summern wird kein Ersah geleistet. Verlag v. Dr. §. Kltzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei 6.
Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. m Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt «. M- Rr 5015. — Sprechzeit btt Redaktion von 10—11 und »hl—1 Uhr.
Wiener-Neu st adt, 5. Olt. Die Stadt zeigt seit gestern ein vollständig verändertes Bild, das vorwiegend militärischen Charakter trägt. 3m Laufe des gestrigen Tages sind bereits einige tausend Mann Militär und Gendarmerie in die Stadt eingezogen. Sie erregten umsomehr Aufsehen, als sie in feldmarschmäßiger Ausrüstung.
mit S Helm und aufgepflanztem Bajonett
durch die Stadt maschierten. Für heute wird das Eintreffen von weiteren Militär- und Gendarmerteabteilungen e wartet. Der größte Teil des Militärs ist in der ehemaligen Militärakademie der Bundeserzirhungsanstalt untergebracht, weshalb sämtliche Schüler dieser Anstalt schon gestern diese räumen und in ihre Heimatorte zurückkehren mußten. Die hiesige städtische Sicherheitswache hat im den letzten Tagen
Schießübungen
abgehalten und wird für den 6. und 7. Ok'vber mit Mannlicher-Gewehren ausgerüstet fein. Großes Aufsehen erregen die vielen Militär- ordonnanzen. die auf Motorrädern durch die Stadt rasen. Die Stadl wimmelt von Uniformen. Für den Fall eventueller Zusammenstöße wurden im hiesigen atlgemei ien Ä:a ken- haus 300 Nolbetten und 22 Tragbahren be- reitgestellt. Der ärztliche Dienst in Wiener- Neustadt wird durch eine Reihe Wiener Nerzte verstärkt. Diele Geschäftsleute Haien
für ihre Auslagen Holzverschalungen machen lassen, so daß die hiesigen Tischler mit Arbeit überhäuft find. Der sonst am Sonn-
Das nervöse Desterrelch öMtchMnMMmrii Mi! SMtz'.tzrlm und tmfoieWem Sofenett
3« der „Revue des Dimanches" schreibt Zacques S e q d a u x: „Wie kann man jagen, daß Deutschland sämtliche Berpslich- tung des Bertrages ausgeführt hat, wenn ts nicht einmal den Betrag feiner Schuld kennt, da das Transferkomitee, in dem kein Deutscher sitzt, sich damit besaht, festzustcl- Itn, wie man die Transferierung in aus, ländischer Währung durchführen kann oder licht? Wen» wir die deutschen Annuitäten in Anleihen umwandeln oder die Eisenbahn- oder Industrie-Obligationen verkaufen wollten, müssen wird mit Deutschland eine Sonderregelung treffen, durch die es sich verpflichten würde, den Zinsendienft für diese Anleihen zu übernehmen. Wir befinden uns also in einer sehr heikle« und unsicheren Lage. Es Han, delt sich nicht darum, dah Deutschland Bis auf Heller und Pfennig bezahlt haben muh. damit wir das linke Rheinufer räumen, sondern darum, dah die von Deuksch- i-nd eingegangenen Verpflichtungen endgültig sind. Man muh also den Dawes» »6t« ändern.
Anzeiger für (das frühere kurheMchej Oberhesfen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg
Sicherung eines ruhigen Derlaufes des 7. Oktobers dehnen sich nicht nur auf Wiener- Neustadt. sondern auch auf Wien aus. Für Sonntag ist die allgemeine Bereitschaft der gesamten Wiener Polizei vorgesehen. 1350 Mann werden militärisch ausgerüstet in einem Gebäude in der Nähe der Regierungsgebäude zusammengezogen. Reiterpatrvr il'en und Polizei zu Fuß werden alle Bezirke abstrcifen. 3n den Hauptstraßen sollen außerdem stehende Patrouillen an geeigneten Punkten ausgestelllt werden. Don der Polizeidirektion wird ein entsprechender Nachrichten' ienst eingerichtet, um das Bestehen von beunruhigenden Nachrichten zu verhindern.
liche Senkung des Lebensstandards weitere Reparationszahlungen nicht geleistet werden kö.nnen, so werden dann die vorhandenen Sicherheitsventile des DaweS- planes in Kraft treten.
Man darf nicht vergessen, daß bei einer Endlösung diese Sicherheitsventile verschwinden müssen. Man darf auch nicht vergessen, daß durch eine solche Endlösung die bis jetzt nur politische Reparationsschuld Deutschlands in eine absolute und Private Schuld umgewandelt wird. Das heißt mit anderen Worten, die Endlösung setzt die Gesamrschuld für alle Zeiten ohne Revisionsmöglichkeit fest. Wenn die schuld einmal mobilisiert ist und damit die Anteile in Privathände übergegangen sind, gibt es an dieser Schuld nie. ts mehr zu rütteln. Die deutschen Sachverständigen Forschung siehe Seile 2.
ZemrMren Wd ZHuMnd
Dem Demonstrationssonntag in Wiener- Neustadt sieht man nicht nur in Oesterreich, sondern auch in den Nachbarländern mit Spannung, teilweise mit einer gewissen Beunruhigung entgegen. Zur Beunruhigung liegt jedoch, wie von unterrichteter österreichischer Seite erklärt wird, jetzt nach den zwischen Heimwehr und Schutzbund getroffenen Vereinbarungen kaum noch ein Anlaß vor. Die Auffassung, daß die Regierung beide Demonstrationen hätte verbieten sollen, wird als völlig abwegig bezeichnet. Es wäre ganz unmöglich und der Staatsautorität abträglich, wenn man die Heimwehrkundgebung nur deshalb auch verboten hätte, weil der sozialdemokratisch« Schutzbund eine Gegenkundgebung angemeldet hätte. Die österreichische Verfassung läßt ein solches Verbot auch garnicht zu, da sie Demonstrationsfreiheit festsetzt. Wäre die österreichisch« Regierung zu einem Verbot geschritten, dann hätte sie eine Präjustiz geschafften, das jede politische Kundgebung in Zukunft unmöglich machte. Für die österreichischen Behörden kann es sich nur darum handeln, ausreichende Vorkehrungen für die Sicherstellung von Ruhe und Ordnung zu treffen. Das ist durch Bereitstellung genügender Kräfte Polizei, Gendarmerie und Militär geschehen. Für die Regierung kam noch ein psychologisches Moment hinzu, indem sie den Heimatwehren, die in letzter Zeit zweifellos ein gewisses Machtbewuhtsei« entwickelt haben, nachwies, daß sje trotz- ihres Machtbewußtseins des staatlichen Schutzes bedürfen.
Von gegnerischer Seite ist behauptet worden, daß die Heimwehren mit ihrer Demonstration am kommenden Sonntag politische Zwecke verfolgten. Dieser Auffassung wird von österreichischer behörd- sicher Seite entgegengetreten. Es wird auch bestritten, daß sich die Demonstration gegen den sozialdemokratischen Mieterschutz richten solle. Es handelt sich lediglich um eine Werbeveranstaltung, di« gleichzeitig den bürgerlichen Elementen daS Selbstbewußtsein zurückgewinnen soll.
Lieber das Wesen der Heimwehr sind viele schiefe Darstellungen gegeben worden. Die Heimwehrbewegung hat ihren Llrsprung in den bäuerlichen Kreisen Oesterreichs und entstand als unmittelbare Folge der Ausschreitungen der demoralisierten österreichischen Soldaten nach dem Zusammenbruch. Diese zogen in Trupps plündernd und raubend durch die Lande, sodaß sich die Dauern zum Selbstschutz organisierten. Diese Abwehrbewegung hat sich konsolidiert und zu der Heimwehrbe- wegung als natürlichen Gegenwirkung der bürgerlichen Parteien gegen die tem* torvstischen Aspirationen des sozialdemokratischen Schutzbundes entwickell. Zu ihr« Hauptbedeutung sind die Heimwehren erst nach dem Wiener Putsch gelangt, als es ihnen gelang, auf dem platten Lande die Ordnung aufrecht zu erhatten und di« Generalstreikaktion niederzuwerfen. Don diesem Zeitpunkt an hat sich zwischen dem Schutzbund und den Heimwehren eine Rivalität entwickelt, die auch die beabsichtigte Gegendemonstration des Schutzbundes gegen den Heimwehraufmarsch in Wiener- Neustadt erklärt. Der Fanatismus, der dabei zutage getreten ist, erklärt sich aas der Tatsache, daß selbst aus den Reihen der Gewerkschaften und der Arbeiterschaft die Heimwehren zahlreichen Zulauf haben.
Die Auslassungen einiger Führer der Heimwehren haben die Befürchtung aufkommen lassen, als werd« di« Heimwehrdemonstration in Wiener Neustadt den Auftakt zu einer Staatsumwälzung abgeben. Diese 'Befürchtungen werden auf Seiten der österreichischen Behörden nicht geteilt. Auslassungen untergeordneter Führer nach dieser Richtung nimmt man nicht ernst. Die maßgebenden Führer der Heimwehren lehnen derartige Destre- bungen ab und sind davon Überzeugt, daß kein Antersührer etwas gegen den Willen der oberen Führer unternehmen wird. Si«
Die Kombinattonen des Pariser „L'In- tranfigeant“ über allerlei Pläne der Pariser Regierung zum Reparationsproblem werden wohl nicht ganz di« Absichten des offiziellen Paris wiedergeben, aber sie sind immerhin ein Beweis dafür, daß man in Frankreich beginnt, sich mit den Fragen, die durch di« demnächst zusammenttetende Kommission von Reparationssachverständi- gen behandelt werden sollen, ernstlich zu beschäftigen. Das deutet darauf hin. daß sich in kürzester Zeit nicht nur die deutsche, sondern auch die gesamte Weltpresse mit den großen Problemen auseinandersetzen wird, di« jetzt nach den Beschlüssen der letzten Genfer Session akut werden. Wir wollen heute nur kurz die Kombinationen des „Intransigeant" ftreifen, nicht weil wir sie als Ausdruck einer offiziellen französischen Absicht bewerten, sondern nur weil wir die Bedenken nachweisen wollen, die schon durch di« ganze Grundlage eines solchen Planes entstehen müssen. Die französische Zeitung behauptet, daß die Pariser Regierung bereit wäre, in eine Herabsetzung der ursprünglich beabsichtigten deutschen Reparationsleistungen ein- zuwilligen, wenn durch di« neue Quote erstens der Wert der französischen Sachschäden und dann die Höhe der französi- schen Schuldsumme an Amerika in sie einbegriffen wäre. Das Blatt nennt auch schon einige Zahlen, die die gesamte Re- ParationSsumme, die Deutschland zu zahlen hat, auf ungefähr 40—45 Milliarden Goldmark beziffern. Von diesen 45 Milliarden sollen ungefähr 30 Milliarden dem französischen Konto gutgeschrieben werden, die Restsumme, die ungefähr Der Höhe der englischen Verschuldung an Amerika entspricht, dem Londoner Konto. Dah die genannte Gesamtsumme selbstverständlich schon nach wenigen Zähren mobilisiert sein muh, was einer ‘Beteiligung der noch bestehenden Transferklausel und der anderen SicherheitSventtle des Dawes- plans gleichkommt, betont das Blatt als eine Selbstverständlichkeit.
Welche Nachteile und welche Chancen bieten sich Deutschland durch die Verwirklichung eines solchen Planes? Wir lassen zunächst einmal die Höhe der von dem französischen Blatt Deutschland za- gemuteten ReparationS'umme auf sich beruhen. Wenn Deutschland an die Bewertung des ganzen Fragenkomplexes der Reparationen Herangehen will, so hat es an dem Ausgangspunkt des ganzen Problems, dem Dawesplan, anzufangen. Zu
i9b*Wt
«acburMt 4h f>| * 64 Wd* «ww« EllUTl U wwhme