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Mr. 234 sr.Mrs. Marburg a. Stehn

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1 Goldmark V«,,Dollar.

Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Rote Pttsonalpolltik

beim Verlassen des Schiffes einen durch­aus frischen Eindruck. Auch der Vertreter des Reichsverkehrsministeriums, Ministe­rialrat Mühlig-Hoffmann, hat den Uebun- gen beigewohnt. Er erklärte sich von der Fahrt ebenfalls außerordentlich befriedigt.

Das Schiff wird jetzt überholt/ es wird außerdem jetzt das Nachziehen der Hülle beendet. Im Aufenthaltsraum der Besatzung im Innern des Schiffskörpers muß eine Umänderung vorgenommen wer­den, weil sich gezeigt hat, daß die Venti­lation sich zu stark auswirkte. Ueber der Nordsee herrschte in der Nacht fünf Erad Kälte, und dieser eisige Wind setzt die Mannschaft natürlich gesundheitlichen Ge­fahren aus. Die Aenderung ist aber im wesentlichen bereits durchgeführt.

Am Montag wird das Schiff dann für die Amerikafahrt klar sein, sodaß die Reise über den Ozean dann so­fort angetreten werden kann, wenn das Tief, das augenblicklich zwischen den bei­den Kontinenten liegt, vorüber ist. Post und Verpflegung werden vorher an Bord gebracht werden. Die Briefe bekommen den Poststempel vom 7. Oktober. Vorher wird das Schiff voraussichtlich noch eins kurz« Werkstättenfahrt machen, um auszu­probieren, ob die Aenderung der Schlafge­legenheit für die Mannschaft genügt.

Die Fahrtteilnehmer schildern ihre Eindrücke in begeisterten Worten. Die Nachtfahrt sei wundervoll gewesen. Einer der schönsten Eindrücke war Rotterdam in der Abenddämmerung. Das Schiff ist überall, auch in Holland und England, wo es sehr niedrig flog, herzlich begrüßt wor­den. Die Begeisterung in Deutschland ist unbeschreiblich gewesen.

9ab Schiss tat sich glänzend bewährt

Friedrichshafen, 3. Okt. (Vom Sonderberichterstatter des WTB). Der

»Graf Zeppelin"

iiegt jetzt, nachdem er von der großen Menschenmenge mit Jubel begrüßt worden stt, wieder in der Halle. Er hat mit dieser Dauerfahrt die große Probe für Amerika bestanden. Dr. Eckner sowie die anderen Herren von der Führung erklärten, daß bas Schiff sich glänzend bewährt habe.

3m ganzen hat das Schiff 2800 Kilometer zuriickgelcgt.

größte Hohe war 2375 Meter während Nachr über der Nordsee. Während der

Tanzen Dauer der Fahrt haben die Moto­ren ausgezeichnet gearbeitet,, es ist nicht ■

Tejeffi als Perfvnalveferenten ins Innen­ministerium:

»Ich scheue nicht davor zurück, die Sozi- aivrmokraten in die Stellungen hieinzu- bringen, in denen ich Sozialdemokraten ge­mäß ihrer allgemeine« Anschauungen für zweckmäßig halte. Und Sie (nach rechts) müssen es schon mir überlassen, im Rahmen mainer Zuständigkeit die Personafpolitik zu treiben, die mir paßt. Ich kann auch durch Vorstellungen von Beamtenvertre­tungen mich in meiner Haltung nicht be, irren lassen; den« im Ministerium ist der Minister dem Parlament gege.über ver­antwortlich und die anderen haben zu ge­horchen. (Großer Lärm rechts und Rufe: Eummiknüppeldiktator!")

Weiter erklärt der Minister noch, bah er nicht in die Streitigkeiten unter den Polizei» beanrtenverbänden sich eirmischen könne. Ver­ständnisvolles Zusammenarbei:en der Offi­ziere mit den Beamten wird den Grad von Disziplin und Kameradschaftlichkeit erzeugen, der eben notwendig ist, wenn die Polizei jederzeit zur o.inunsnäßi en Ersü lun; ihrer Aufgaben bereit sein söll. Ich will auf die Zusammenstöße am Pfingstsonnabend nicht ausführlich eingehen, weil sie Gegen­stand eines Strafverfahrens sind. 2>ch be­dauere bas Mißgeschick bes Dizepolizeipräsi- denten Weiß, erkenne aber an, daß er, wie jeder andere höhere Beamte, in einem solchen Augenblick der Gefahr die Pflicht hatte, «inzugreifen. Kein höherer Beamter darf sich in einem solchen Moment drücken, son­dern muß an die Front gehen und handeln. Ich verurteile das Verholten der Po izei in diesem Falle und habe doch ein gewi es Verständnis dafür, weil ich durch eigenen Augenschein erkannt habe, wie brutal und

Fvrsetzung stehe Seite 2.

Glatte Landung -es „Graf Zeppelin"

«änmtt- StgtbnK ter Rumschrl — 91t Probt für Amerika bestauben

Friedrichshafen, 3. Dtt„ 3.10 Mr. | (Som Sonderberichterstatter des WTB.). Der I .Graf Zeppelin" ist um 17.30 Mr nach einer Fahrt von 34 & Stunden auf dem Werstplatz glatt gelandet.

Nachdem das Schiff um 16.55 Mr in etwa 100 Meter Höhe zum erftenrnale über der Werft erschienen war, machte es «och einige grobe Schleifen über dem Bodensee, um abzu- blaseu. In langsamer Fahrt näherte es sich dann nm 17.20 Uhr wieder der Werft in direk­tem Kurs, sodaß man vom Luftschiffbau aus «ur den Bug des Schiffes sah und das ganze Luftschiff wie eine riesige Kugel erschien. Kurz por 17.30 Mr steht das Schist über dem Lan­dungsplatz, senkt sich langsam, bis die Lan. dungstane aus den Bngklappen fallen; die Landungsmannschaften springen Hinz» »nd ziehen das Schiff ganz zur Erde herunter. Die heutige Landung ist vielleicht die schönste.

liebet den Verlauf der Fahrt liegen »noch folgende Meldungen vor:

Leipzig, 3. Okt. Heute vormittag 10.30 llhr traf das Luftschiff „Graf Zevoelin“ in der Messestadt ein. Extrablätter hatten sein Erscheinen verkündet. Bon Richtung Witten­berg-Bitterfeld aus kommend, peilte es zu­nächst den Flugplatz Mockau an, begleitet von einem Fahrzeug. Sofort gingen noch drei Flugzeuge der Sächsischen Fliegerschule in die Höhe und umkreisten den silbernen Riesenfisch, bet in den Strahlen der Herbstsonne gleißte und glitzerte. Nach einer halben Schieise über dem Flugplatz überflog das Luftschiff die Stadtteile Möckern und Gohlis sowie die Innenstadt. Alle Ktrchenglocken läuteten, die Fabrtksierenen heulten, und die Straßen und Dächer waten voll von Menschenmasien besetzt. Der ganze Augustusvlatz war von Menschen umlagert, die lebhaft dem fliegenden Wun­derwerk zuwinkten. Nach einer kurzen Schleife über dem Dölkerschlachtdenkmal verschwand bet silberne Leib des- Luftschiffes in Richtung Dresden. Der Rat der Stabt bat Dr. Eckener mit einem Funkspruch begrüßt.

Dresden, 3- Okt. Um 11 Uhr 2b Min. erschien „L. Z- 127" über Dresden.

Zwickau, 3. Okt. Der „Graf Zeppelin" fuhr heute mittag um 12 Uhr 45 Min. über die Stadt Zwickau. Glockengeläut der Marien­kirche hatte die Ankunft des Luftschistes ange- künbtgt.

P l a ue n, 3. Okt. Das Luftschiff „D. L. Z. 127“ ist heute mittag 1.10 Uhr über unserer Stabt erschienen. Der „Graf Zeppelin" kreuzte hier kurze Zeit in mäßiger Höbe und ent­schwand dann in Richtung nach Hof, das 1.20 llhr erreicht wurde.

Nürnberg, 3. Okt. Das Luffschiff „Graf Zevoelin" bat auf seiner Rückfahrt von Nor­den um 2.45 Uhr Nürnberg vassiert. Es bat zunächst bk Richtung nach Fürth eingeschla- Uen, hat Fürth passiert unb ist bann in süd­westlicher Richtung weitergeflogen.

Nürnberg, 3. Okt. „Graf Zevoelin“ hat Ansbach 15.00 Uhr überflogen. Kurs Südsüd­west.

Stil Mustonm unb ihr Ende

Bon Dr. Paul Ostwald.

Zn den drei Zähren, die seit unserem Eintrit in den Völkerbund verlaufen sind, haben drei Zllusionen drei weiteste deutsche Volkskreife beherrscht und ihren Einfluß auf unsere Politik geltend gemacht: die Zllusionen einer deutsch-französischen Ver­ständigung, mit der sich die Hoffnung auf die Möglichkeit einer früheren Räumung von Rhein und Saar verband, die Zllusion einer, wenn auch allmählich fortschreiten­den Abrüstung der anderen Mächte, nach­dem wir in dieser Richtung die Bestim­mungen des Versailler Diktats erfüllt hat­ten, die Zllusion, irgendwo und irgendwie unsere gerechten Ansprüche auf Kolonial­besitz erfüllt zu sehen. Der Ausgang der letzten Dölkerbundsversammlung ist aber, nun Anlaß genug, einmal ernstlich zu überprüfen, wohin wir mit diesen Zllusi­onen gekommen sind, und es kann da nur festgestellt werden, daß wir mit ihnen, wie kaum anders zu erwarten war, kläglich Schiffbruch erlitten haben. Wem es der Weltkrieg und das Versailler Diktat noch nicht sagten, wem die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen in den vergangenen Zahrhunderten eS nicht sagte, dem muh der Ausgang der Genfer Völker- bundSversammlung doch wohl die Augen darüber geöffnet haben, daß einer deutsch­französischen Versöhnung sich immer Hemmnisse in den Weg stellen werden, und zwar von französicher Seite, die von uns aus bei allem guten Willen kaum zu überwinden sind. Wenn man auf deutscher Seite meinte, es genüge, um diese Schwie­rigkeiten zu überwinden, nur eine deutsche Linksregierung, die nicht belastet sei mit den von Frankreich so gefürchteten natio­nalen Tendenzen, so war das eben eine echt deutsche Einstellung zu diesem Pro­blem. und sie entsprang der recht trauri­gen Tatsache, daß bei uns heute alles Rationale einen so geringen Kurswett hat. Daß wir mit einer Politik, die eins der schwierigsten außenpolitischen Probleme mit innerpolitischen Mitteln zu lösen hoffte, daß wir mit einer Politik, die an die Stelle eines bewußt starken nationalen Willens eine solche der Versöhnung und des weitestgehenden Entgegenkommens setzte, zumal einem Nachbar gegenüber, oer völlig in der Zdee nationalistischer Macht­politik Befangen ist, an das Ende gelang­ten, an dem wir heute angekommen sind, das kann uns wahrlich nicht mehr wunder nehmen. Ein solches Eingeständnis er­fordert aber wohl, daß wir daraus die nötigen Schlüsse ziehen. So bitter hart es sein mag, Zllusionen und Hoffnungen, an die man geglaubt hat, zu Grabe zu tragen, es wäre töricht, ihnen nur nachzutrauern und es mit ihnen immer wieder von neuem zu versuchen. Der Nebel der Loearno- und Thoirypolitik ist heute zerttssen, die nackte Wahrheit, daß Frankreich am Rhein bleiben will, so lange es nur irgend geht, daß Frankreich unter Versöhnung nur Anterwerfung versteht, steht heute vor uns. und wir werden uns darauf einzurichten haben. Mit dieser Klarheit wird sich heute jeder Deutsche abzufinden haben, so sehr es ihn schmerzt, daß unsere Brüdern und Schwestern am Rhein und an der Saar weiter die Schwere der fremden Besatzung fühlen müssen, denn nur so wird das Ge- gengewicht geschaffen werden können, das nötig ist, um die gegenwättige Linksregie- rung von weiteren Schritten zurückzuhal­ten. die sie in der Richtung der gescheiter­ten Zllusionspolitik zu tun scheinbar nur allzusehr geneigt ist. Nicht ein weiteres Verhandeln mit Frankreich wird uns zu dem ersehnten Ziele der Befreiung von Rhein und Saar führen, sondern wir wer­den unsere ganze Kraft und unsere ganze Energie heute nur noch darauf richte« können, daß es Frankreich unmöglich wird, länger als bis zum Zahre 1935 am Rhein und an der Saar bleiben. Die Erfah­rungen, die wir bei der Räumung der Kölner Zone und in Oberschlesien Ram­meln konnten, lassen uns nur zu sehr furch- .

die geringste Störung vorgekommen. Auch die Brenngasversuche, die während dieser Fahrt fortgesetzt wurden, haben allen Er­wartungen entsprochen, und es hat sich ge­zeigt, daß auch das gemeinsame Laufen der Motoren auf Brenngas vollkommen einwandfrei funktioniert. Während des größten Teiles der Fahrt ist noch Benzin zum Antrieb verwandt worden, weil das Blaugas nach Möglichkeit für die Amerika­fahrt aufgespart werden soll. Ein wich- tiges Ergebnis ist ferner, daß das Schiff keinerlei Deformierung zeigte. Gerade bei einer so langen Fahrt können sich an einem neuen Schiff mit dieser riesigen Konstruktion leicht Verbiegungen oder Verlagerungen zeigen. Aber nichts davon ist aufgetreten, obwohl der „Graf Zeppe­lin" auch

mit starkem Wind zu kämpfen hatte, so namentlich gestern nachmittag im Rheinlande und heute nacht über der Nordsee. Das Interessanteste waren dies­mal die navigatorische Hebungen während der ganzen Nacht. Der Steuermann war von dem dahinterliegenden Kartenraum vollkommen abgeschlossen und dunkel, da­mit die Nagigatton ausschließlich nach den Instrumenten durchgeführt wurde. Es war ein seltsamer Eindruck, sagte jemand, der dabei war, in dem dunklen Raum stehend nur das bunte Aufleuchten der Apparate und unten das weite dunkle Meer zu scheu.

Mit diese« Hebungen ist die Besatzung für die Amerikafahrt geschult.

Dr. Eckener hat sie zum großen Teil selbst geleitet. Er hat auf der ganzen Fahrt nur eine Stunde geschlafen, machte aber

Berlin, 3. Okt. Der preußische Land­tag bestätigte am Mittwoch die bereits vom ständigen Ausschuß verabschiedete Novelle zur Grundvermögenssteuer die eine Verlängerung deS auf diesem Gebiet« ge ten* den Recht bis zum 31. März 1929 bringt. Dabei wurden auch zwei deutschnationale Entschließungsonträge angenommen.

Som 1. April 1929 ab die Grundoer- mögensfteuer auf den Einheitswert umzustellen

und bei der Reichsregierung Einheitswette für die reichsvermögenssteuerfreien Bet iebe zu erstreben. Die Annahme der beiden Ent­schließungen erfolgte mit Mehrheiten von Deutfchnationalen bis Zentrum.

Da das Haus bei der Abstimmung über einen kommunistischen Antrag auf Einfüh­rung der Sieben-Llundenschicht im De gbau durch die Rechtsparteien beschlußunfähig ge­macht wurde, mußte sofott eine zweite S tzung einberufen werden, die im wesentlichen mit einer teilweise stürmischen Debatte über

die blutige« Zusammenstöße zwischen

Kommunisten und Polizei am Pfingst- sonnabend in Berlin

ausgefüllt wurde. Ein kommunistischer An­trag, die damals führenden Polizeiofsi.iere zu maßregeln, wurde gegen die Antragsteller abgelehnt. 2n der Ans prache betonte

2lbg. Dorck (Dnl.), die Polizei habe sich bei den Zusammenstößen durchaus sachgemäß verhalten. Er wandte sich dann in scharfen Angriffen gegen den Innenministe Grezesinski, dem er vorwarf, er habe sich gegen das De- rufsbeamtentum versündigt, als er einen Oesterreicher, der erst seit 1926 Reichstert,cher ist, nämlich den früheren Schriftleiter des »Kasseler Dollsblattes“, Tejessh, zum Personalreferenlen im 3nnenminifterium machte. (Anhaltender Lärm lints )

Innenminister Erzesiv'ki

erklärt zu den Aeußerungen des Abg. Borck über die Einsetzung des Oberregierungsrat