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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen

Nk.2K ez.Mte. Marburg 0.8*

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Graf Zeppelin" über Holland und England

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Die Fahrt des »Graf Zeppelin".

ft Köln, 2. Olt. Das Luftschiff ,6rttf Zeppelin" überflog 15.15 Uhr, das Weichbild der Stadt Köln.

Ueber Düsseldorf.

fl. Düffeldorf, 2. Ott.Genf Zeppe. ßa hat 15.45 Uhr die Stadt mit Richtung -»Land überflogen.

In Holland.

Nymwegen, 2. Okt. Das deutsche LuftschiffGraf Zeppelin" hat um 6.10 Uhr holländischer Zeit (5.50 Uhr deutscher Zeit) die Stadt Nymwegen überflogen und von hier aus, den Lauf des Waal folgend, Kurs nach Westen in Richtung Rotterdam genommen. Er hat um 7.20 Uhr hollän­discher Zeit (7.00 Uhr deutscher Zeit) Rot­terdam überflogen und die Fahrt in nörd­licher Richtung, wahrscheinlich nach Am­sterdam, fortgesetzt. Das Luftschiff flog ziemlich niedrig und war trotz der eintre­tenden Dunkelheit deutlich sichtbar.

Der Besuch desGraf Zeppelin" über England.

ff. London, 3. Okt. Das Luftschiff Graf Zeppelin" wurde gestern abend 9.05 Uhr über e. »wesstoft gesichtet und flog in nordwestlicher Richtung weiter.

ff. London. 3. Ott. Die Morgen­blätter berichten durchweg an hervorragen­der Stelle und in großer Aufmachung über den ersten Besuch eines deutschen Zeppelins über englischem Boden in der Nachkriegszeit. Sie geben eine Schilderung des Fluges über deutiches und hollän­disches Gebiet, die Nordsee und des kurzen Besuches über der englischen Küste bei Suffolk. Bon der Nordsee kam das Luft- frH f mit hoher Schnelligkeit in westlicher Richtung fliegend auf die englische Küste zu. Die großartige Beleuchtung des Schiffes wird besonders hervorgebo- ben. In Yarmouth, das um 9.15 Uhr gestern abend passiert wurde, war das Luftschiff gut zu sehen Der Lärm der Machinen brachte die Bevölkerung rasch auf die Straße. Der Zeppelin flog über das Zentrum der Stadt, gab aber keine Signale und war nach 23 Minuten der Sicht entschwunden. Spät in der Nacht hatte das Luftfahrministerium immer noch Verbindung mit dem Luftschiff.

ff. Hamburg, 3. Okt. Das Luftschiff überflog um 2.25 Uhr früh Esens in Ost- ftiesland.

sk. B r e m e n. 3. Okt. Gegen 2.55 Uhr überflog da- Luftschiff die Stadt in Rich­tung Hamburg.

ff. Kiel, 3. Ott.Graf Zeppelin" überflog heute früh furz nach 6 Uhr. aus Richtung Flensburg kommend, Kiel. Das Luftschiff bot an dem klaren Morgenhim­mel einen prächtigen Anblick. Durch das Surren der Propeller wurden Kiels Ein­wohner aus dem Schlafe geweckt. Doch war das Luftschiff, bis die meisten zu Besinnung kamen, mit Kurs nach Süden verschwunden.

ff. Hamburg. 3. Okt. Das Luftschiff Graf Zeppelin" ist um 6.45 Uhr über Hamburg eingctroffen. Ein Flugzeug gab ihm aus dem Flug über die Stadt, in der trotz der frühen Morgenstunde auf Dächern und in den Straßen sich schon ein zahl­reiches Publikum angesammelt hatte, das Geleit.

fk. W i t t e n b e r g e, 3. Ott.Graf Zeppelin" hat um 8 Uhr Wittenberge passiert in Richtung Berlin.

st. B e r l i n, 3. Ott.Graf Zeppelin" hat um 850 Uhr Staaken überflogen.

st. B e r l i n. 3. Ott. Um 8 Uhr nahm der Berliner Rundfunk die radiotelepho- n'ische Verbindung mit dem Luftschiff Graf Zeppelin" auf. Das Ergebnis der Unterhaltung war, daß das Luftschiff um 9 Uhr über Berlin eintreffen wird. Im Anschluß an die Unterhaltung wurde die B o r d m u s i f vomGraf Zeppelin" auf den Berliner Rundfunksender über­tragen.

fl. Berlin, 3. Okt. Das Luftschiff Graf Zeppelin" ist um 9.02 Uhr über Ber­lin eingetroffen. Man hört die Propeller Das Luftschiff ist jetzt über dem Zeitungr- viertol.

Ein Gruß der Stadt Berlin.

fk. D e r l i n . 3. Ott. Der Oberbürgrr- meister Boes sandte über das Funkhaus und auf funkentelegraphischen Wege über Norddeich an L. Z. 127 folgenden Gruß: DenGraf Zeppelin" und. sein« Führer grüßt die Hauptstadt, ihre Bevölkerung und ihre Verwaltung herzlich. Das neue deutsche Luftschiff möge als willkommener Gast bald bei uns einkehren.

Oberbürgermeister Boes.

9t. Elken» an Mt berliner

Bordfunk desGraf Zeppelin", 3. Oft- Gegen 9.20 Uhr verschwand das Luftschiff Graf Zeppelin" aus dem Gesicht der Stadt Berlin in südlicher Richtung. Dr. Eckener richtete vom Luftschiff aus fofc genden Gruß an die Berliner:

danke für den freundlichen Will­kommensgruß, der mir soeben von dem Herrn Oberbürgermeister in ihrem Namen dargebracht wurde. Ich möchte aber in erster Linie zu Ihnen deswegen sprechen, um mein Bedauern darüber au^udrücken, daß wir Cie gestern so schmerzlich ent­täuscht haben. Die Wetterkarte, welche wir am Vormittag um 10 Uhr erhalten hatten» zeigte aber ein so ungünsttges Bild, daß ich ernstbast befürchten mußte, bei sehr schlech­tem Wetter gestern zu Ihnen zu kommen,

Der interfrattionelle Ausschuß des preu­ßischen Landtages trat vor Beginn der Plenarsitzung zusammen, um über den Se- setzentwurf zu den Kommunalwahlen zu beraten. Eine Einigung wurde bis­her nicht erzielt. Die Beratungen sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Die Sozialdemokraten halten daran fest, daß am 2. Dezember die Kommunal­wahlen srattfinden, mit denen die Kreis­tags- und Provinziallandtagswahlen ver­bunden werden sollen. Bekanntlich hat sich der Staatsrat gegen diesen Vorschlag ausgesprochen. Das Z e n - trum ist für eine Trennung: es ist einver­standen mit dem 2. Dezember für die De- meindewahlen, wünscht jedoch, daß die anderen Wahlen im nächsten Zahr statt­finden. Die Demokraten halten an einem einheitlichen Wahltag für sämtliche Wahlen für die kommunalen Körperschaf­ten fest und sind damit einverstanden, daß dieser Wahltag im nächsten Jahr statt- findet. Allerdings mühte das Haus, wenn auch die Wahlen zu den Gemeindevertre­tungen hinausgeschoben werden sollten, ein entsprechendes neues Gesetz beschließen, weil nach den bestehenden Bestimmungcn dieser Teil der Kommunalwahlen bis spä­testens 31. Dezember erledigt sein muß. Das neue Gesetz mühte raschestenS kom­men, damit die Dahlfristen für die Aus­legung der Listen usw. eingehalten werden

wobei weder Sie uns. noch wir Sie ge­sehen hätten. Es ist ja leider überhaupt unser Los, ein wenig Enttäuschung zu be­reiten, aber es läßt sich nicht ändern. Wir können beispielsweise nicht zu jebei Stadt kommen, die um unseren Besuch gebeten hatte und wir können auch nicht, wie die meisten wünschen, stets mittags um 12 Uhr über einer Stadt sein. So mußten wir beispielsweise heute morgen 3 Uhr Bremen überfliegen, auf dem Rückflug von der Nordsee. In diesem Falle scheint es aber geklappt zu haben. Jedenfalls empfing ich heute morgen um 4 Uhr ein Radiotele­gramm aus Bremen, worin eine Gesell­schaft ihrer großen Begeisterung Ausdruck gibt über das Ueberfliegen Bremens in früher Morgenstunde. Diese Gesellschaft hatte in einem Weinlokal getagt. Ich glaube, sie war hier nicht schon, sondern noch zusammen und ich habe deshalb An­laß, anzunehmen, daß die Begeisterung vielleicht aus zwei Quellen floß.

Ich hoffe jetzt, daß wir heute Ihnen ein um so schöneres Bild geboten haben, indem wir ihnen IhrenL. Z. 127, Ihre« Graf Zeppelin", zu dem Sie auch selbst so freundlich beigetragrn haben, in schön­ster Beleuchtung zeigen konnten. Di« Zeit zwischen gestern und heute haben wir uns damit vertrieben, daß wir um ein schlechtes Wettcrgebiet herumfuhren und einige Uebungen auf der Nordsee ver- anstaltten. Dor genau 12 Stunden waren wir noch über Yarmouth in Südengland. Wir sind von dort bis an die dänische Grenze geflogen und konnten um 9 Uhr zu Ihnen kommen. Unsere weitere Fahrt geht jetzt nach Friedrichshafen, wo wir vor Eintritt der Dunttlheit anzukom­men hoffen. Damit möchte ich mich von Ihnen verabschieden."

Im Anschluß an der Ansprache an die Berliner sandte Dr. Eckener von Bord des Graf Zeppelin" das Deuffchlandlied.

st. Leipzig, 3. Ott.Graf Zeppelin" ist um 10.30 Uhr über Leidig gesichtet worden.

Präsident Bartels eröffnet die erste Landtagsfitzung nach den Ferien um 14.20 Uhr. Emen Antrag Dr. Ausländer der sich gegen den Erlaß des Unterrichts- Ministers auf Verweigerung von Schulräumen zu Der'ammlungSzwecken während des kom­munistischen Volksbegehrens richtet, wird gegen die Antragsteller abgelehnt.

DaS Haus beginnt dann die erste Be­ratung deS Gesetzentwurfes über die

Festsetzung der Wahlen zu deu Pro, vinziallandtagen (Kommunallandta- , gen) und den Kreistage«.

Abg. H aa S (Soz.) lehnt eine Hinausschie­bung der Kommunalwahlen über den 2. De­zember ab. Die heutige Zusammensetzung der Gemeindevertretungen entspreche nicht mehr dem Willen der Wähler. Der Redner begrüÄ den Vorschlag der Regierung, zu­gleich auch zu den Provinziallandtagen und Kreistagen zu wählen. Hinzu komme, daß das Innenministerium inzwischen di« Guts­bezirke restlos aufgelöst habe. Die dadurch von der Alleinherrschaft d«S Gutsbesitzers befreften Mehreren Millionen Staatsbürger müßten endlich nach demokratischen Grund­sätzen ihre Vertretung wählen können. Der Redner beantragt die Vorlage zur schnellen Vorberatung an den GemeindeauS- schuß zu überweisen. (Veif. b. d. Soz.).

Abg. Dr. v. KrieS (Dntl.) stimmt der AuS'chußüberweifung zu, betont im übrigen aber, daß feine Freunde gegen das Ge'etz die schwersten Bedenken hätten. Einigtett

tim -en Termin für die Kommunalwahlen tat efnteong unter ten horteten

herrsche daß

bei den Deutschnationalen darüber /

nm des Großwahltages willen keines, falls die Legislaturperioden abgekürzt

werde« dürfte«.

Merkwürdig fei auch, daß kne Staatsregie­rung di« Provinz Berlin nicht mitwählen lassen wolle. Die Deutfchnationalen seien der Meinung, man solle die Wahlen zu den Gemeindevertretungen nach den bis­herigen gesetzlichen Vorschriften, also im nächsten Rovember, durchführen.

Abg. Herold (Ztr.) gibt folgende Er- Störung ab: Die Zentrumsfraktion steht auf dem Standpunkt, daß die Wahlen zu den Kreistagen und die Prvvinziallandtagswählen

nächt gemeinsam mit den Wahlen zu den Gemeinden

stattfinden dürfen. Sie begründet ihren Stand­punkt damit, daß

1. die Kreistage und Provinziallandtage ein gesetzliches Recht auf di« Dol­len düng ihrer Wahlperiode haben, das ihnen nicht ohne wirklich triftige Gründe genommen werden darf:

2. daß in weiten und wichtigen, Teilen Preußens in diesem Jahre sowieso nicht ge­wählt werden kann. Auch dieser Redner be­antragt Ausschuhüberweisung.

Abg. von Eynern (D. Dp.) behielt seiner Fraftion die Stellungnahme vor. Das sei um­so mehr notwendig, als nicht einmal das Gutachten des Staatsrats so rechtzeitig vor- gelegt worden fei, daß die Fraktionen dar­über beraten können. Für die Beibehaltung der Listenverbindung, die die Vorlage be­seitigen wolle, sprächen durchaus gute Gründ«.

Abg. Falk (Dem.) wünscht, daß alle Reu- -Wahlen erst im nächsten Jahre stattfinden.

3««enmfttifter Erzesinski begründet die Vorlage. Es fei der Wunsch auch vieler Mitglieder des HauseS gewesen, mcht so ost zu wählen. Wenn grr>he Parteien hier anderer Meinung feien, ft' werde der Minister sich damit abstnden müssen. Die Landgemeinde- und Stadtver- ordnet enwah len müßten a b e r a m 2. Dezember d. 3. stattfiyben. Das Staatsministerium werde bestimmt eine ihn* gemeindungsvorlage für den ganzen Regie­rungsbezirk Düsseldorf und für Teile der Regierungsbezirke Arnsberg und Münster vorlegen. Die Ausnahmebestimmungen für diese Bezirke seien also begründet.

Die Urngerneiudunge« für de« Westen seien im übrigen nut der Anfang von Urngerneindnngen in ganz Preußen.

Dir Wahllisten müffen bis zum 28. Oktober vorliegen. Daher bitte er um möglichst be­schleunigte Verabschiedung.

Abg. Schell kn echt (W.-Partei) stimmt der Vornahme der Wahlen am 2. Dezember zu.

Abg. Schmitt-Limburg (Bauernpattei) tritt für die Verschiebung der Wahlen auf da« nächste Jahr ein.

Die Vorlage geht an den Gemeindeausschuß. Weitere erledigte der Landtag zahlreich« Nein« Vorlagen, wobei er ein Gesetz, das

über S Millionen für den Ausbau der

staatlichen Hafenanlagen bereitstellt, endgültig annahm. Die Aus­führungsbestimmungen zum Dorlksschullch er* besoldungsgesetz. sowie das demokratische Der* langen nach einer Denkschrift über die Der* hältniss« in der Grenzmark und eine Novelle Fürsorgeleistungen gingen in die Ausschüsse.

Gegen 171/z Uhr vertagte sich das HauS auf Mittwoch 12 Uhr: Kleine Vorlagen, darunter Anträge wegen der Zusammenstöße am Pfingstsonnabend in Derlin und Bergarbeiter* fragen.

Volkstzarter «ad Poensten-Regierung.

Der volksparteiiiche ReichSwikrtschaftS- Minister Dr. GurtiuS hat lautVorwärts" einen persönlichen Schritt bei dem preußi­schen Ministerpräsidenten Otto Braun un­ternommen, um diesen zu bewegest, die Um­bildung der preußischen Regierung üm Sinne der Großen Koalition herbeigufüh- ren. Ministerpräsident Braun hat darauf geantwortet, daß er nicht in der Lage sei, sozusagen von Amts wegen diese Umbil­dung herbcrzuführen. Er müsse vielmehr die Initiati'oe in dieser Richtung den Par­teien überlassen, besonders der VoU4par»i, die von sich aus die notwendi-gen Ver­handlungen mit den bisherigen preußi­schen Koalitionsparteien anstreben müne.