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Dienstag, tau L DHctct 1928

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) OSerheffen

Anzeiger der amtlichen BekannLmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.

.Graf sMkllli" zur DeutWmid-Mtt nutet,titgen eine Su'dlsmg zum 8L Sedurlslag bti ReichkvrMtnlen

ft Friedrichshafen, 2. Okt.

(Som Sonderberichterstatter des W. T. B.) Der »Graf Zeppelin« ist heute früh 7.05 Uhr bei herrlichem Herbstwetter zu seiner grotzen Deutschlandfahrt ausgestiegen.

*

Es ist heute wie ci.ne große Probe zu der Amerika-Fahrt. Hebet dem See und den Bergen liegt noch herbstliches Dämmer­licht. Friedrichshafen ist lebendig. Autos rasen durch die Stadt zur Werft, Arbeiter strömen hinaus. Um %7 Uhr schon wird das Luftschiff klar gemacht und Besatzung und Gäste haben an Bord zu sein. Alles scheint heute ein bißchen nervös, vor der ersten grotzen Fahrt, die derGraf Zeppe­lin" antritt. Mit Besatzung und Werft- angehörigen nehmen etwa

70 Personen

an der Fahrt teil. Beim Auswiegen zeigt sich, daß das Schiff noch etwas zu schwer ist. Eine Bordluke öffnet sich und unter dem Gelächter der Umstehenden bekommt einer von den Haltemannschasten eine kalte Dusche, datz er nah ist wie ein Pudel. Ein Kommando Schiff marsch! und lang­sam gleitet es aus der Halle hinaus. Wenige Minuten spater beginnen die Propeller zu rattern und lang'am und sicher hebt sich der silberne Riese in die Lüfte. Auf feier grotzen Fälche liegt die herbstliche Morgensonne. Langsam ent­schwindet er gegen Norden den Blicken.

Die Fahrt-Route desGrasen Zeppelin" von Berlin aus.

Wie der Sonderberichterstatter des W T. B. erfährt, wird derGraf Zeppelin" von Berlin aus etwa über Stettin und K o l b e r g und dann die Ostseeküste ent­lang nach Königsberg fahren, wo Dr. Eckener heute nachmittag zwischen 5 unad 6 Uhr eintreffen will. Die Fahrt geht dann

auf die offene Ostsee

hinaus, wo das Luftschiff beim letzten Licht des Tages eintrifft. Im Laufe der Nacht fliegt es über Kopenhagen und kreuzt über der Stadt. Gegen Morgen fährt es über Stralsund in gerader Linie nach Schlesien. Bon dort geht die Fahrt über Sachsen direkt nach Friedrichshafen, um bei Tageslicht die Halle wieder zu er­reichen.

Der Zeppelin passierte um 8.30 Uhr E t - t i n g e n , um 9.10 Nürnberg und flog in Richtung Bayreuth. Er fährt also in direkter Fahrt nach Berlin, wo er um 1 Uhr erwartet wird.

Kursänderung?

ff. Bamberg, 2. Okt. Um 10.02 er­schien das LuftschiffGraf Zeppelin" über Bamberg, zog eine Schleife und nahm überraschend Kurs n ach Westen, Rich­tung Würzburg.

Slntenburg 81 We a't

Am heutigen 2. Oktober feiert Reichs­präsident v. Hindenburg seinen 81. Ge­burtstag. Wenn auch das deutsche Volk das Geourtsfest des 8ljähr gen Hindenburg nicht so feierlich wie im Vorjahre be­gehen wird, so wird es doch mit Liebe und Verehrung an diesem Tage des Mannes gedenken, der in mehr als in einer Hin­sicht zum Symbol des deutschen Volkes ge­worden ist. In den zwölf Monaten, die uns von den Feierlichkeiten des 80. Ge­burtstages Hindenburgs trennen, hat sich in dem Leben des deutschen Oberhauptes wenig verändert. Mit der gleichen Pflicht­treue und Anpatteilichkeit wie stets hat Hindenburg auch in diesem Jahr sein Amt geführt, hat immer und immer wie­der bewiesen, daß es für ihn, der des deutschen Volkes Präsident ist keinen

Unterschied der Patteien gibt, das er als seines Lebens Gipfelpuntt bezeichnet: die deutsche Einigkeit. Im Vorjahre hat Reichsaußenminister Dr. Stresemann in einem Artikel, der Hindenburg gewidmet war, auf das bekannte Wort Treitschkes hingewiesen:Ein Volk wird von der Welt nach der Persönlichkeit beurteilt und ab­gewogen, die an seiner Spitze steht." An Deutschlands Spitze steht Hindenburg. Kann das deutsche Volk durch diese seine Spitze im Ansehen der Welt und in der Meinung der Menschheit besser und wür­diger abgewogen werden? Was Hinden­burg dem deutschen Volke ist, das ist mehr als ein Reichspräsident, als ein Führer im Weltkrieg. Dem deutschen Volke ist er das Symbol des deutschen Staates ge­worden, ein Symbol, das nahezu schon mystischen Glanz erhalten hat.

Wenn man heute an dem Ehrentage Hindenburgs und dem Festtage des deut-

Berlin, 1. Ott. Gegenüber den tn der Oefsentlichkeit in letzter Zeit -wieder- holt anheiratenen Gerüchten, das Reich sei in großem Umfange um Hunderte von Millionen bei der Anmeldung von An­leihe-Altbesitz betrügerisch geschädigt wor­den. wird amtlich folgendes festgestellt:

Zum Austausch im Anleihe-Ablösungs- versahren kamen Markanleihen des Reichs im Geamtbetrage von nahezu 75 Milliar­den in Betracht. Als Altbesitz sind hier­von rund 39^2- Milliarden anerkannt wor­den, sodaß Auslosungsrechte von nicht ganz 1 Milliarde Reichsmark gewährt worden sind, eine Summe, die sich auf etwa 4>% Millionen Gläubiger verteilt. Bei dem Reichskommissar für die Ablösung der Reichsanleihen alten Besitzes sind von den Altbesitzanmeldungen im Inland etwa 7 Prozent, im Ausland etwa 10 Prozent bet Anträge abgalehnt worden.

Unter biegen ab^elehnten Anträgen befinden sich auch diejenigen, bei denen Stinnes, Kunert, Bala, Eros, Calmon, Rothmann, von Walvsw usw. beteiligt find

und bezüglich bereit das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft und dem Unter­suchungsrichter bei dem Landgericht I Ber­lin geführt wird. Nach den bisherigen Ermittlungen ist also dem Reich in diesem

in der Gestalt Hindenburgs vorsteltt. Sie lauten:

Sehen wir uns nach dem Material um, in dem wir Hindenburgs Züge gestaltet wissen möchten, so ist es nicht der Marmor, in dem uns Griechenland seine großen Männer, Rom seine Eäsaren übermittelte. Unter der feinen Haut des Steins jagen Gedanken, toben Leidenschaften. Richt an italienische Bronzen dürfen wir denken, die das Räflel problematischer Raturen un­gelöst lassen. Wir . wollen näher, wollen auf eigener Erde den ©t,off suchen, in dem wir uns das Bild dieses deutschen Mannes formen. In unseren allen Domen, unter den Schätzen unserer Museen finden wir die wunderbaren Holzskulpturen des Mit­telalters. Fest geschnitzt und doch weich geformt, bestimmt und klar das Gebäude des Leibes, alle Flächen durch den Ton gemildert, die Seele aus dem Innern leuchtend, nicht starr, aber ruhig. Könige und Heilige find es zumeist, die nie eines

scheu Volkes ein Lebensbild des Reichs­präsidenten zeichnen will, dann braucht man nicht gerade ein Philosop oder ein mit allem wissenschaftlichen Rüstzeug ver­sehener Historiker zu fein. Der wahre und wirlliche Hindenburg lebt in den Her­zen des deutschen Volkes. Wer ihn also zeichnen will, braucht nur fein Herz sprechen zu lassen. Es ist ein seltsames Zusammentreffen, datz gerade zur Feier des 81. Geburtstages Hindenburgs ein Buch des Generalobersten v. Seeckt er­scheint. das auch eine Charakterstudie des Reichspräsidenten liefert, wie sie fein ab­gewogener und prägnanter wohl selten ge­schrieben wurde. Aus diesem Seecktschen BuchGedanken eines Soldaten" möchten wir folgender Stelle gerade heute, am Ge­burtstage des Reichspräsidenten, einen be­sonders starken Widerhall geben. Die we­nigen Worte Seeckts erschöpfen unseres (Srad iine alles, was sich das deutsche Volk

Falle kein Schaden entstanden. Es stehen vielmehr vorläufig nur die Versuche nicht vollendeten Betruges zur Untersuchung. In einigen, mit der großen Betrugssumme nicht zusammenhängenden Fällen, bei denen Auslosungsrechte in einem Gesamt­betrag von rund 128000 fRJt. Auslosungs­rechten bereits gewährt waren, ist festge­stellt worden, datz die Zuerkennung der Auslosungsrechte zu Unrecht erfolgt ist.

Die Auslosungsrechte find zuruckgefor, dert und bereits zu einem grotzen Taft, zum Beispiel in einem Falle im Be­ttage von 55 975 3ML, dem Reich zu­rückgegeben werden.

Unabhängig von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und des Unter­suchungsrichters findet bereit seit längerer Zeit eine Durchsicht von Akten statt, in denen sich größere Altbesitzanmeldungen befinden oder aus be'onderem Grund eine Nachprüfung angezeigt ist. Für die syste­matische Durchführung dieser Arbeit ist eine Kommi.sivn von sachverständigen Per­sonen bestellt worden, die mit dem frühe­ren Zuteilungsverfahren nichts zu tun ge­habt haben. Ergeben sich irgendwelche Spuren, die einen hinreichenden Anhalt für eine Strafverfolgung bieten, so ist an- geordnet, datz mit der Staatsanwaltschaft umgehend in Verbindung getreten wird, wird.

Lebenden Auge auf Aehnlichkeit prüfte, die aber doch Menschen waren und zu noch mehr wurden, zu Symbolen."

. Der Geburtstag des Reichspräsidenten.

Berlin, 1. Ott. Reichspräsident v. Hindenburg wird seinen Geburtstag, wie wir erfahren, in aller Stille - in der Nähe von Berlin auf dem Lande ver­bringen.

Ausschüttungen der Hindenburg-Spende.

Berlin, 2. Ott. Die dem Herrn Reichspräsidenten anläßlich seines 80. Ge­burtstages dem deutschen Volke darge­brachte Hindenburg-Spende hat satzungS- gemäh zum heutigen Tage weitere 425 000 Mark in Beträgen von durchweg 200 Mark an besonders schwerbetroffene, von Or­ganen der Kriegsbeschädigten ausgewählte Kriegsopfer ausreschüttet. Insgesamt hat die Stiftung bisher rund 1,8 Millionen Mark an Kriegsbeschädigte, Kriegerhinter­bliebene und Veteranen ausgezahlt.

Die Kriessanleihe-Wiebungen

Stet amtW zrMlteng

SuftnMt »riebt Seemacht

Von Otto Corbach.

Die WochenschriftThe New States- man kommt in einer Bettachtung über die englischen Luftmanöver im August zu dem Schluß,daß, wenn die Katastrophe eines großen Krieges je wiederkommen sollte, unsere besten Leute und unsere besten Ma­schinen besser mit einer lebhaften An­griffstaktik beschäftigt werden möchten als mit der hoffnungslosen Aufgabe, zu ver­suchen. London vor Schaden zu bewahren." London werde im nächsten Kriege irgend­wie beschädigt werden und vor Zerstörung nur bewahrt bleiben, wenn England fähig sei, den Feind in seinem eigenen Lande außer Aktion zu setzen.Wir können nicht hoffen, noch träftiger zuzuschlagen." Die Tatsache, aus der auch die maßgebenden Stellen eine so furchtbare Lehre ziehen mußten, besteht darin, daßinnerhalb einer Stunde nach Kriegserklärung" drei Bombenflugzeuge und wenige Minuten später sieben weitere über dem Herzen Londnos schwebten, ohne einem Angriff ausgesetzt gewesen zu sein; sie wurden erst angegriffen, als sie da waren, konnten aber entwischen, ohne daß eines nach dem Urteil der Sachverständigen im Ernstfälle hätte vernichtet werden können. Es wäre ja auch ein schwacher Trost, ein feindliches Bombenflugzeug über einer großen Stadt zum Absturz zu bringen, da ja seine Bom­ben mit abstürzen würden. Es bleibt dabei, daß ein Land in künftigen Kriegen für Luftangriffe um so verwundbarer ist, über je mehr und je größere Städte es verfügt.

Admiral Sims, der während des großen Krieges die amerikanischen Seestteitkräfte In europäischen Gewässern befehligte, zog sich vor einigen Jahren grollend in das Privatleben zurück, weil er vergeblich ge- S' ie Propaganda der Rüstungsindustrie

! Landes anzukämpfen suchte, die im e mit dem Hang am Althergebrachten bei anderen Flottenführern die volle Er­kenntnis von der revolutionären Bedeu­tung der Luftwaffe in den maßgebenden Kreisen nicht auffommen lassen will, bas Schlachtschiff, erklärte er damals, möge das Rückgrat einer Schlachtflotte sein, aber dieses Rückgrat sei gebrochen: ES wird in der Geschichte des Seekriegs niemals wieder eine Flotten-Expedition geben, keinen Vorstoh bis in die Nähe der eindlichen Küste, keine Vernichtung der eindlichen Flotte in offener Seeschlacht, 'eine Landung von Truppen und Kriegs­material an der feindlichen Küste. Alles das ist für immer unmöglich gemacht gegen ein Land, das über angemessene Luft- und Unterseeboot-Streitträfte verfügt. Die Be- herrschung der Luft bedeutet die Beherr­schung der Oberfläche, sowohl zu Wasser als auch zu Lande." Im Septemberhest der MonatsschriftAtlantic Monthlh" der- tritt General Williams denselben Stand- puntt.Wenn beispielsweise", führt er aus.ein Flottenangriff auf Japan ver­sucht würde, so würden die japanischen Unterseeboote und Flugzeuge die ameri­kanischen Schlachtschiffe versenkt haben, be- vor diese irgendwo in die Nähe ihrer Küsten gelangt wären. 2luch Flugzeug­mutterschiffe sind nutzlose Kriegsinsttu- mente gegen eine erstklässige Macht, weil sie gegenüber Luftangrifsen die verwund­barsten aller Schiffe bedeuten und für Unterseeboote nur dünnschalige Nüsse. Die einzige Möglichkeit, Japan zu besiegen, würde darin bestehen, durch Unterseeboote seine Handelsflotte z uvernichten und auf dem Wege üoer Alaska und die Asleu- tischen Inseln seine Devölkemngszentren durch Bombenflugzeuge Heimzusuchen. Die Die Japaner sind sich dessen bewußt; für sie besteht die gleiche Möglichkeit, auf demselben Wege Luftangriffe gegen die großen Städte und Industriezentren der Union zu unternehmen." Ununterbrochene Aeberquerungen des Ozeans kommen na­türlich auch für einen Luftkrieg zwischen Den Vereinigten Staaten und einer euro-