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ten 1. Skiober 1928
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen
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Amerikas SegemorWai zum Zlollcnabkommtn
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„Washington Post" beschäftigt sich mit -er Antwortnote der Bereinigten Staaten an England «nd Frankreich «nd erklärt, die amerikanische R^zierung habe die Heuchelei «nd den Zynismus Englands und Frankreichs blohgestellt und das Programm abgolehnt. das lediglich egoistischen Zielen der beiden Staaten dienen sollte. Der Bersuch, Amerika die Schuld an der Verzögerung oder dem Versagen der Ab- rüftungsbestrebungen zuzuschieben, sei kläglich und mißlungen. Denn die Bereinigte« Staaten hätten i« der Antwortnote deutlich dargelegt, daß sie nach wie vor zur Einschränkung der Rüstungen bereit seien «nd jedes Wettrüsten ablehnten. Es sei klar, daß England und Frankreich gar nicht «brüsten, sondern nur Amerika die Häude binden wollten, während sie selbst die ihnen genechmen Schiffstypen in unbeschränkter Zahl bauten. Amerika werde nur dann kn der Rüstungsfrage eine Roll« spiele«, »en« seine Flotte so stark sei. dah di« anderen Mächte wie seinerzeit in Wahinsgto« im Fahre 1921 um eine Atempause bitten mühten.
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Der Wortlaut der tn Paris und London überreichten Antwortnote Washingtons bietet tn zweierlei Dichtung eine große Lieber, rafchung. Er ist erstens eine nicht weg» zuleugnende Korrektur der Ansicht, wonach sich in den letzten Monaten eine merkliche Ent» fremdung zwischen England und Amerika bemerkbar gemach haben soll. Er enthält dann zweitens einen Gegenvorschlag, dessen De» Deutung weit über die Ablehnung hinaus geht, di« in der Dote dem englisch-französischen Flottenkompromiß erteilt wird. Man hat in den letzten Tagen besonders tn London mit der allergrößten Nervosität der amerikanischen Dote entgegengesehen. Man wußte tn den Kreisen der englischen Regierung, daß die zwischen Frankreich und England getroffenen Abmachungen in der Flottenfrage die schärfste Mißbilligung der amtlichen Kreisen Washingtons gefunden hatten, man konnte sich auch aus der starken Opposition der englischen Presse davon überzeugen, daß sich auch im Innern des Landes ein nicht zu verkennendes Befremden über die Flotten» polrtik der Regierung Geltung verschafft hatte. Das Londoner Kabinett hatte also gegen zwei Fronten zu kämpfen: gegen den amerikanischen Protest und gegen die Opposition im Inlands, die angesichts der kommenden Wahlen besonders schwerwiegend war. Der Druck, der so von beiden Seiten auf das amtliche London ausgeübt wurde, war so stark, daß man in verantwortlichen Kreisen Londons sich bereits mit dem Gedanken abgefunden hatte, womöglich das ganze französisch- englische Flottenkompromih fallen zu lassen.
Der Wortlaut der amerikanischen Rote wurde zu einer Lleberraschung. die das amtliche London recht freudig begrüßt. Das französisch-englische Flottenkompromih ist zwar in der Rote von Amerika als gänzlich 4in» diskutierbar und unanrehmbar bezeichne! worden. Aber die amerikanische Regierung hat «s bei diesem negativen Teil der Rote nicht belassen. Sie har einen Gegenvorschlag gemacht. der, wenn er auch im ersten /Augenblick von London sehr skeptisch beurteilt wird, dennoch zeigt, daß die Bereinigten Staaten keineswegs gesonnen sind, den Faden nach England und Frankreich abbrechen zu lassen. Der Gegenvorschlag Amerikas läuft auf eine dirette Einladung an England und Frankreich zu neuen Derhandlungen hinaus. Washington begnügt sich aber nicht nur damit, neue Ber- handlungen vorzuschlagen. Es gibt schon jetzt bekannt, auf welcher Grundlage diese Verhandlungen geführt werden sollen und wie sich die Vereinigten Staaten das Kompromiß ungefähr denken, das in diesen Derhandlungen gefunden werden foJ.
Lim den Sinn des amerikanischen Vorschlages zu erkennen, muh man sich zunächst ein», mal die verschiedenen Standpunkte der drei
großen Seemächte vor Augen halten. Amerka verlangt, dah Abmachungen über eine Verminderung der Rüstungen zur Dee alle Klassen von Kampffchiffen umfassen sollen. Frankreich sieht die Möglichkeiten einer Abrüstung nur in einer Beschränkung nach Gesamt- tonnage. England endlich möchte sich nur dann für eine solche Beschränkung entscheiden, wenn sie nach Schiffsklasfen vorgenommen wird. Das sind die ursprünglichen Standpunkte dieser drei Seemächte, über die sich bekanntlich keine Einigung hat finden können. Sn dem englisch-französischen Flottenkompromih kamen die beiden Mächte darin überein, Beschränkungen generell gelten zu lassen, wobei allerdings Kreuzer mit 6 zölligen Geschützen (leichte Kreuzer) und Llnterseeboote von 600 Tonnen und darunter dieser generellen Beschränkung nicht unterliegen sollten.
Man hat hier zu beachten, daß di« leichten Kreuzer, die nach dem französisch- engltschen Konpromitz nicht von der Beschränkung betroffen werden, nach den Erkenntnissen der heutigen MarinetechnLk den
ausschlaggebenden Kampfwert darstellen. Diese Ansicht hat besonders für die englische Marine Geltung, da England bet der ungeheuren Ausdehnung seines Imperiums für den Schutz seiner Gebiete im der Hauptsache auf die Kampfkraft dieser leichtbeweglichen Kreuzer angewiesen 8ft. Im Gegensatz zu England legt Frankreich das Hauptgewicht seiner Marinerüstungen auf den Ausbau der U-Boot-Waffe. Tie französischen Marinesachverständigen silnd zu der Auffassung gekommen, daß kleinere U-Boote mit einem Gesamttonnageumfang von 600 Tonnen und darunter strategisch besser zu verwenden seien als größere. In den Bestimmungen de- englisch-französischen Flottenkompromisses ersieht man, daß die beiden Ansichten «uf eine für bekde Teile annehmbare Form« gebracht worden sind. Diese Formel berücksichtigt, wie ganz objektiv zuzugeben ist, in keiner Werse die amerikanischen Bedürfnisse. Die amerikanischen Marinesachverständigen sehen den wirksamsten Küstenschutz für ihr Land in
Wmares Forderungen an Deutschland
M toten nicht nut Frankreichs »riegMuidtn, sondern darüber AmmS iw» eine SntMüdigung Men
Ministerpräsident Poincar6 hielt gestern in Chambery anläßlich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals eine Rede, in der er u. a. sagte, Herriot und Briand hätten in dem Genfer Protokoll und in dem Abkommen von Locarno allein den Frieden im Auge gehabt. Auch bei den kürzlichen Besprechungen. zwischen den Mächten und bet den Verhandlungen, die unter den Mitgliedern des Völkerbundes stattfanden, fei Frankreich dem Geist internationaler Eintracht treu geblieben. Auch bei den kommenden Verhandlungen werde der brennende Wunsch nach allgemeiner Verständigung die Gedanken Frankreichs leiten.
Auf die Sicherheitsfrage übergehend. erklärte PoincarS:
Wir haben uns als erstes Land auf den Weg der Abrüstung begeben, nicht nur in Washington und Genf, sondern auch in Paris durch die Herabsetzung der Militärdienstzeit Dadurch haben wir ein Beispiel gegeben, das zur Genüge unsere bona fides bezeugt. Man wird jedoch begreifen, daß wir bei der Bewertung unserer Verteidigungsmittel gezwungen sind,
den Angriffsmitteln Rechnung zu tragen, die andere durch ihre Kadres, durch ihre auf militärische Vorbereitung eingestellten Verbände, durch die Stärke ihrer Bevölkerung und durch die Möglichkeit, ihre Industrie umzustellen, besitzen. Desgleichen sind wir, wenn man aufs neue das R e - paratio ns Problem ins Auge fasien will, gezwungen, daran zu erinnern, daß eine Regelung gleichviel welcher Art gerechterweise uns seitens unserer Schuldner außer der integralen Zahlung dessen, was wir unseren Gläubigern zahlen muffen, eine bestimmte Entschädigung
für unsere Kriegsschäden
garantieren muß. Wenn aber auch in diesen beiden Punkten, Sicherheit und Reparation, die gebotene Vorsicht uns nicht gestattet, leichtfertig unserer Pfänder uns zu begeben, so beabsichtigen wird doch nicht, Verhandlungen zu eröffnen mit dem Hintergedanken. sie in die Länge zu ziehen oder sie zum scheitern zu bringen. Weit davon entfernt! Wir werden sie im Gegenteil so früh wie möglich aufnehmen und in bereitwilligster Weise mit gutem Vertrauen auf das Endergebnis fortsetzen.
dem Dorhandensein von schweren Kreuzern, die gerade nach den Bestimmungen des englstch-französischen FlottenlompromisseS einer Beschränkung unterworfen wenden sollen. Daß «S den Bereinigten Staaten nicht darum zu tun ist, sich ernst! Sch mst England und Frankreich zu verwerfen, das geht jetzt aus dem Gegenvorschlag der letzten Washingtoner Note hervor, da er sich immerhin zu «Snem Entgegenkommen versteht. Washington will zwar grundsätzlich die Beschränkungen auf Schrffsklassen festgehalten sehen. ES soll aber jebfr einzigen Seemacht gestattet werden, auf die für eine bestimmte SchiffSklasfe zugelassene Höchsttonnage bis zu einem gewissen Grad zu verzichten und statt dessen Fahrzeuge einer anderen Schiffsklasse zu bauen, bte sie für ihre Verteidtzgung für wichtig hält. Das heißt also mit anderen Worten, daß jeve der Mächte freie Hand erhält, in einer Schiff-klasse eine Erhöhung eUntreten zu lassen, wenn diese Erhöhung von der Tonnage der anderen Klassen wieder abgezogen wird. Diese AuStauschmöglrchkeiit jökl
sich nach einem gewissen Prozentsatz richten, der allerdings tn der amerikanischen Note nicht angegeben wird. Da es schließlich tn der Hauptsache auf die Festlegung dieses Prozentsatzes ankvmmt, so dürfte Annahme oder Ablehnung des Washingtoner Vorschlages durch Frankreich und England erst von einer genaueren Mitteilung über düe Höhe dieser Prozentsatzes durch Amerika abhängig fein. ES ist jedenfalls anzu- nehmen, daß die letzte amerikanische Note dre Kabinette von London und Paris bewegen wird, in neue Unterhandlungen mit Washington einzutreten.
Wiederwahl Dr. Schachts zum Reichsbank- präsidente«.
Berlin, 29. Sept. (WTB.) 3« der heutigen Sitzung des Deneralrates der Reichsbank wurde Deichsbankpräsivent Dr. Schacht für eine neue Amtsdauer von vier Jahren einstimmig wiedergewähit. Die geschäftlich vorgeschriebene Bestätigung durch den Reic^ptäsidenten ist erfolgt.
6thwtte8 EitenbnhnnngM.
ft. Mannheim, 1. Okt. Die Eisen« bahudirettion Ludwigshafen teilt amtssich mit: Kurz vor 5.30 Uhr heute vormittag stieß bei der Einfahrt in den Bahnhof KaiserSlauten-West der Perfonenzug 1325 Mit dem Leerzüge 1376 zusammen. Der zweite Wagen des Personenzuges schob sich in den ersten Wage« hinein. Dis jetzt find festgestellt: 1 Tote, 2 Schwerverletzte und 6 Leichtverletzte. Einzelheiten fehlen noch. Auch die Ursache ist noch nicht 6t* könnt.
Zu dem Eisenbahnunglück erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Beide Signal« standen auf freie Fahrt. Als der mit Ar« 6eitern besetzte Zug, aus dem Lautental kommend, etwa 60 Meter in das falsche Geleise gefahren war, kam die Lokomotive des Leerzuges von Kaiserslautern-West und stieß auf den Personenzug auf. Zwei Wagen wurden ineinandergeschoben. Mit vier Sanitätsautos wurden die Verletzten! abtransportiert. Bei den Verletzten handelt es sich um die Arbeiter Karl Locken- Erfenbach, Rudolf Schrode-Erfenbach, Walter Koch-Erfenbach. Der Bruder des letzgenannten konnte nur als Leiche geborgen werden. Die Lokomotive und die zwei Wagen sind schwer beschädigt.
Das Eisenbahnunglück im Bahnhof Kai« serslauten scheint leider doch größer zu sei« als zuerst angenommen wurde. Wie das städtische Krankenhaus Ludwigshafen dem W. T. B. mitt eilt, find dort allein 8 Schwerverletzte eingeliefert, darunter 3 Frauen. Außerdem eine Frau mit einem Nervenschock. Sämtliche Verletzte stammen aus der Pfalz.
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SenW Ober dir Engt auf dem Kaltau
Paris, 29. Sept. Die Havasagentu» gibt in einer Belgrader Meldung Erklärungen des griechischen Ministerpräsiden» ten Veniselos über die Lage auf dem Balkan wieder. Veniselos erinnerte daran, daß Griechenland sich durch den serbisch^ griechischen Bündnisvertrag vom Jahrs 1913 verpflichtet hatte, dem serbische» Handel über Saloniki sämtliche Erletch» terungen zu gewähren, die mit der Ausübung der Souveränität Griechenlands vereinbar seien. Dieser Artikel des Vertrages btlde'die Grundlage für die künftige Verhandlungen in Belgrad. Auf die Balkanfrage im allgemeinen eingehend, erklärt Veniselos, daß die albanische Frage nur die Adria betreffe und daher außerhalb der nationalen Interessen Griechenlands bleibe. Das italienisch-albanische Bündnis interessiere also Griechenland nicht. Zur Haltung Griechenlands gegenüber der Kleinen Entente erklärte Veni- selos, daß sein Land nicht wünsche, in dies« politische Gruppierung einzutreten, die in erster Linie für die Verteidigung der Staaten Mitteleuropas geschaffen worden sei. Griechenland sei aber ein Südbalka» float
Die Klein« Entente würde Grieche» land nicht in ihren Kreis aufnehmen und Griechenland seiuerselits wünsch« sich nicht der Kleinen Entente anzuschließen.
Auf die Verhandlungen mit Jugoslawke« zurücklommend, die der griechische Ministerpräsident dieser Tage in Paris mit dem jugoslawischen Außenminister Marinkv- witsch aufgenommen hat, führte er aus: er fordere von der Belgrader Regierung, daß der Freundschaftsvertrag so weitgehend wie nur möglich sei und daß da» Abkommen betreffend Saloniki für 50 Jahre abgeschlossen werde. Zum Schluß vfies Veniselos darauf hin, daß er auch einen Freundschastsvertrag mit Bulgarien