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Monwg,

ten 1. Skiober 1928

®te ^Vberhesstsch« 3eih»6* » scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. auS- schließl. Zustellungsgebübr, durch dt«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streik«, Maschinen defekte oder elementarer Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz ge* lekstel. Derlag d. Dr. §. Kitzervth. Druck der Untb.-Buchdruckerei d. Zvtz. Aug. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. tu Nr. 55, Postscheckkonto: Amt Frankfurt <u M. Nr. 6015. Sprechzeit der Redaktion don 10U und

1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen

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Der Anzeigenpreis beträgt ftt» den 10 gestalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., klein« Baranzeige» 0.06 SM., amtliche und aus-, värtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 50% Aufschlag. Lammelanzeigen 100 */ Aus­schlag. Reklamen der Milli»! 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al». Barravatt. Ziel 5 Tage. Belege werde« berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle mch Zusendung der Angebote. E» fLllungSort Marburg.

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Anzeigev der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Amerikas SegemorWai zum Zlollcnabkommtn

Li» AurglkWdnWkk», dar das WeiWiea in btiiimmien SKWima -Mi

Washington Post" beschäftigt sich mit -er Antwortnote der Bereinigten Staaten an England «nd Frankreich «nd erklärt, die amerikanische R^zierung habe die Heu­chelei «nd den Zynismus Englands und Frankreichs blohgestellt und das Pro­gramm abgolehnt. das lediglich egoistischen Zielen der beiden Staaten dienen sollte. Der Bersuch, Amerika die Schuld an der Verzögerung oder dem Versagen der Ab- rüftungsbestrebungen zuzuschieben, sei kläglich und mißlungen. Denn die Ber­einigte« Staaten hätten i« der Antwort­note deutlich dargelegt, daß sie nach wie vor zur Einschränkung der Rüstungen be­reit seien «nd jedes Wettrüsten ablehnten. Es sei klar, daß England und Frankreich gar nicht «brüsten, sondern nur Amerika die Häude binden wollten, während sie selbst die ihnen genechmen Schiffstypen in unbeschränkter Zahl bauten. Amerika werde nur dann kn der Rüstungsfrage eine Roll« spiele«, »en« seine Flotte so stark sei. dah di« anderen Mächte wie seinerzeit in Wahinsgto« im Fahre 1921 um eine Atempause bitten mühten.

Der Wortlaut der tn Paris und London überreichten Antwortnote Washingtons bietet tn zweierlei Dichtung eine große Lieber, rafchung. Er ist erstens eine nicht weg» zuleugnende Korrektur der Ansicht, wonach sich in den letzten Monaten eine merkliche Ent» fremdung zwischen England und Amerika be­merkbar gemach haben soll. Er enthält dann zweitens einen Gegenvorschlag, dessen De» Deutung weit über die Ablehnung hinaus geht, di« in der Dote dem englisch-französi­schen Flottenkompromiß erteilt wird. Man hat in den letzten Tagen besonders tn Lon­don mit der allergrößten Nervosität der amerikanischen Dote entgegengesehen. Man wußte tn den Kreisen der englischen Regie­rung, daß die zwischen Frankreich und Eng­land getroffenen Abmachungen in der Flotten­frage die schärfste Mißbilligung der amtlichen Kreisen Washingtons gefunden hatten, man konnte sich auch aus der starken Opposition der englischen Presse davon überzeugen, daß sich auch im Innern des Landes ein nicht zu verkennendes Befremden über die Flotten» polrtik der Regierung Geltung verschafft hatte. Das Londoner Kabinett hatte also gegen zwei Fronten zu kämpfen: gegen den amerikanischen Protest und gegen die Opposition im In­lands, die angesichts der kommenden Wahlen besonders schwerwiegend war. Der Druck, der so von beiden Seiten auf das amtliche London ausgeübt wurde, war so stark, daß man in verantwortlichen Kreisen Londons sich bereits mit dem Gedanken abgefunden hatte, womöglich das ganze französisch- englische Flottenkompromih fallen zu lassen.

Der Wortlaut der amerikanischen Rote wurde zu einer Lleberraschung. die das amt­liche London recht freudig begrüßt. Das französisch-englische Flottenkompromih ist zwar in der Rote von Amerika als gänzlich 4in» diskutierbar und unanrehmbar bezeichne! wor­den. Aber die amerikanische Regierung hat «s bei diesem negativen Teil der Rote nicht belassen. Sie har einen Gegenvorschlag ge­macht. der, wenn er auch im ersten /Augen­blick von London sehr skeptisch beurteilt wird, dennoch zeigt, daß die Bereinigten Staaten keineswegs gesonnen sind, den Faden nach England und Frankreich abbrechen zu lassen. Der Gegenvorschlag Amerikas läuft auf eine dirette Einladung an England und Frankreich zu neuen Derhandlungen hinaus. Washington begnügt sich aber nicht nur damit, neue Ber- handlungen vorzuschlagen. Es gibt schon jetzt bekannt, auf welcher Grundlage diese Ver­handlungen geführt werden sollen und wie sich die Vereinigten Staaten das Kompromiß ungefähr denken, das in diesen Derhand­lungen gefunden werden foJ.

Lim den Sinn des amerikanischen Vorschla­ges zu erkennen, muh man sich zunächst ein», mal die verschiedenen Standpunkte der drei

großen Seemächte vor Augen halten. Amerka verlangt, dah Abmachungen über eine Ver­minderung der Rüstungen zur Dee alle Klassen von Kampffchiffen umfassen sollen. Frank­reich sieht die Möglichkeiten einer Abrüstung nur in einer Beschränkung nach Gesamt- tonnage. England endlich möchte sich nur dann für eine solche Beschränkung entscheiden, wenn sie nach Schiffsklasfen vorgenommen wird. Das sind die ursprünglichen Stand­punkte dieser drei Seemächte, über die sich be­kanntlich keine Einigung hat finden können. Sn dem englisch-französischen Flottenkompro­mih kamen die beiden Mächte darin überein, Beschränkungen generell gelten zu lassen, wo­bei allerdings Kreuzer mit 6 zölligen Ge­schützen (leichte Kreuzer) und Llnterseeboote von 600 Tonnen und darunter dieser generellen Beschränkung nicht unterliegen sollten.

Man hat hier zu beachten, daß di« leichten Kreuzer, die nach dem französisch- engltschen Konpromitz nicht von der Be­schränkung betroffen werden, nach den Er­kenntnissen der heutigen MarinetechnLk den

ausschlaggebenden Kampfwert darstellen. Diese Ansicht hat besonders für die eng­lische Marine Geltung, da England bet der ungeheuren Ausdehnung seines Im­periums für den Schutz seiner Gebiete im der Hauptsache auf die Kampfkraft dieser leichtbeweglichen Kreuzer angewiesen 8ft. Im Gegensatz zu England legt Frankreich das Hauptgewicht seiner Marinerüstungen auf den Ausbau der U-Boot-Waffe. Tie französischen Marinesachverständigen silnd zu der Auffassung gekommen, daß kleinere U-Boote mit einem Gesamttonnageumfang von 600 Tonnen und darunter strategisch besser zu verwenden seien als größere. In den Bestimmungen de- englisch-französischen Flottenkompromisses ersieht man, daß die beiden Ansichten «uf eine für bekde Teile annehmbare Form« gebracht worden sind. Diese Formel berücksichtigt, wie ganz ob­jektiv zuzugeben ist, in keiner Werse die amerikanischen Bedürfnisse. Die amerika­nischen Marinesachverständigen sehen den wirksamsten Küstenschutz für ihr Land in

Wmares Forderungen an Deutschland

M toten nicht nut Frankreichs »riegMuidtn, sondern darüber AmmS iw» eine SntMüdigung Men

Ministerpräsident Poincar6 hielt gestern in Chambery anläßlich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals eine Rede, in der er u. a. sagte, Herriot und Briand hätten in dem Genfer Protokoll und in dem Ab­kommen von Locarno allein den Frieden im Auge gehabt. Auch bei den kürzlichen Besprechungen. zwischen den Mächten und bet den Verhandlungen, die unter den Mitgliedern des Völkerbundes stattfanden, fei Frankreich dem Geist internationaler Eintracht treu geblieben. Auch bei den kommenden Verhandlungen werde der brennende Wunsch nach allgemeiner Ver­ständigung die Gedanken Frankreichs lei­ten.

Auf die Sicherheitsfrage über­gehend. erklärte PoincarS:

Wir haben uns als erstes Land auf den Weg der Abrüstung begeben, nicht nur in Washington und Genf, son­dern auch in Paris durch die Herabsetzung der Militärdienstzeit Dadurch haben wir ein Beispiel gegeben, das zur Genüge un­sere bona fides bezeugt. Man wird jedoch begreifen, daß wir bei der Bewertung un­serer Verteidigungsmittel gezwungen sind,

den Angriffsmitteln Rechnung zu tragen, die andere durch ihre Kadres, durch ihre auf militärische Vorbereitung eingestellten Verbände, durch die Stärke ihrer Bevöl­kerung und durch die Möglichkeit, ihre In­dustrie umzustellen, besitzen. Desgleichen sind wir, wenn man aufs neue das R e - paratio ns Problem ins Auge fasien will, gezwungen, daran zu erinnern, daß eine Regelung gleichviel welcher Art ge­rechterweise uns seitens unserer Schuldner außer der integralen Zahlung dessen, was wir unseren Gläubigern zahlen muffen, eine bestimmte Entschädigung

für unsere Kriegsschäden

garantieren muß. Wenn aber auch in die­sen beiden Punkten, Sicherheit und Repa­ration, die gebotene Vorsicht uns nicht ge­stattet, leichtfertig unserer Pfänder uns zu begeben, so beabsichtigen wird doch nicht, Verhandlungen zu eröffnen mit dem Hin­tergedanken. sie in die Länge zu ziehen oder sie zum scheitern zu bringen. Weit davon entfernt! Wir werden sie im Gegen­teil so früh wie möglich aufnehmen und in bereitwilligster Weise mit gutem Ver­trauen auf das Endergebnis fortsetzen.

dem Dorhandensein von schweren Kreuzern, die gerade nach den Bestimmungen des englstch-französischen FlottenlompromisseS einer Beschränkung unterworfen wenden sollen. Daß «S den Bereinigten Staaten nicht darum zu tun ist, sich ernst! Sch mst England und Frankreich zu verwerfen, das geht jetzt aus dem Gegenvorschlag der letzten Washingtoner Note hervor, da er sich immerhin zu «Snem Entgegenkommen versteht. Washington will zwar grundsätz­lich die Beschränkungen auf Schrffsklassen festgehalten sehen. ES soll aber jebfr ein­zigen Seemacht gestattet werden, auf die für eine bestimmte SchiffSklasfe zugelassene Höchsttonnage bis zu einem gewissen Grad zu verzichten und statt dessen Fahrzeuge einer anderen Schiffsklasse zu bauen, bte sie für ihre Verteidtzgung für wichtig hält. Das heißt also mit anderen Worten, daß jeve der Mächte freie Hand erhält, in einer Schiff-klasse eine Erhöhung eUntreten zu lassen, wenn diese Erhöhung von der Tonnage der anderen Klassen wieder abge­zogen wird. Diese AuStauschmöglrchkeiit jökl

sich nach einem gewissen Prozentsatz richten, der allerdings tn der amerikanischen Note nicht angegeben wird. Da es schließlich tn der Hauptsache auf die Festlegung dieses Prozentsatzes ankvmmt, so dürfte Annahme oder Ablehnung des Washingtoner Vor­schlages durch Frankreich und England erst von einer genaueren Mitteilung über düe Höhe dieser Prozentsatzes durch Amerika abhängig fein. ES ist jedenfalls anzu- nehmen, daß die letzte amerikanische Note dre Kabinette von London und Paris be­wegen wird, in neue Unterhandlungen mit Washington einzutreten.

Wiederwahl Dr. Schachts zum Reichsbank- präsidente«.

Berlin, 29. Sept. (WTB.) 3« der heutigen Sitzung des Deneralrates der Reichsbank wurde Deichsbankpräsivent Dr. Schacht für eine neue Amtsdauer von vier Jahren einstimmig wiedergewähit. Die geschäftlich vorgeschriebene Bestätigung durch den Reic^ptäsidenten ist erfolgt.

6thwtte8 EitenbnhnnngM.

ft. Mannheim, 1. Okt. Die Eisen« bahudirettion Ludwigshafen teilt amtssich mit: Kurz vor 5.30 Uhr heute vormittag stieß bei der Einfahrt in den Bahnhof KaiserSlauten-West der Perfonenzug 1325 Mit dem Leerzüge 1376 zusammen. Der zweite Wagen des Personenzuges schob sich in den ersten Wage« hinein. Dis jetzt find festgestellt: 1 Tote, 2 Schwerverletzte und 6 Leichtverletzte. Einzelheiten fehlen noch. Auch die Ursache ist noch nicht 6t* könnt.

Zu dem Eisenbahnunglück erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Beide Signal« standen auf freie Fahrt. Als der mit Ar« 6eitern besetzte Zug, aus dem Lautental kommend, etwa 60 Meter in das falsche Geleise gefahren war, kam die Lokomotive des Leerzuges von Kaiserslautern-West und stieß auf den Personenzug auf. Zwei Wagen wurden ineinandergeschoben. Mit vier Sanitätsautos wurden die Verletzten! abtransportiert. Bei den Verletzten han­delt es sich um die Arbeiter Karl Locken- Erfenbach, Rudolf Schrode-Erfenbach, Walter Koch-Erfenbach. Der Bruder des letzgenannten konnte nur als Leiche gebor­gen werden. Die Lokomotive und die zwei Wagen sind schwer beschädigt.

Das Eisenbahnunglück im Bahnhof Kai« serslauten scheint leider doch größer zu sei« als zuerst angenommen wurde. Wie das städtische Krankenhaus Ludwigshafen dem W. T. B. mitt eilt, find dort allein 8 Schwerverletzte eingeliefert, darunter 3 Frauen. Außerdem eine Frau mit einem Nervenschock. Sämtliche Verletzte stammen aus der Pfalz.

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SenW Ober dir Engt auf dem Kaltau

Paris, 29. Sept. Die Havasagentu» gibt in einer Belgrader Meldung Erklä­rungen des griechischen Ministerpräsiden» ten Veniselos über die Lage auf dem Bal­kan wieder. Veniselos erinnerte daran, daß Griechenland sich durch den serbisch^ griechischen Bündnisvertrag vom Jahrs 1913 verpflichtet hatte, dem serbische» Handel über Saloniki sämtliche Erletch» terungen zu gewähren, die mit der Aus­übung der Souveränität Griechenlands vereinbar seien. Dieser Artikel des Ver­trages btlde'die Grundlage für die künf­tige Verhandlungen in Belgrad. Auf die Balkanfrage im allgemeinen eingehend, erklärt Veniselos, daß die albanische Frage nur die Adria betreffe und daher außer­halb der nationalen Interessen Griechen­lands bleibe. Das italienisch-albanische Bündnis interessiere also Griechenland nicht. Zur Haltung Griechenlands gegen­über der Kleinen Entente erklärte Veni- selos, daß sein Land nicht wünsche, in dies« politische Gruppierung einzutreten, die in erster Linie für die Verteidigung der Staaten Mitteleuropas geschaffen worden sei. Griechenland sei aber ein Südbalka» float

Die Klein« Entente würde Grieche» land nicht in ihren Kreis aufnehmen und Griechenland seiuerselits wünsch« sich nicht der Kleinen Entente anzu­schließen.

Auf die Verhandlungen mit Jugoslawke« zurücklommend, die der griechische Minister­präsident dieser Tage in Paris mit dem jugoslawischen Außenminister Marinkv- witsch aufgenommen hat, führte er aus: er fordere von der Belgrader Regierung, daß der Freundschaftsvertrag so weit­gehend wie nur möglich sei und daß da» Abkommen betreffend Saloniki für 50 Jahre abgeschlossen werde. Zum Schluß vfies Veniselos darauf hin, daß er auch einen Freundschastsvertrag mit Bulgarien