Einzelbild herunterladen
 

Freitag, teil B. SkvI. 1928

Die ^Vbrrb-sML« Srihmg" er­scheine sechsmal wLchenllich. De» zugsprei« monatlich 2 GM. aus. schNeßl. Zustellungsgebühr, durch dt«Post2.2L SM.Aür etwa infolge Streik«, Maschinendefekte »der elemrntarer Lreigniffe ausfallend« Nummern wird kein Ersa» ge- ieistrt. «erlag v.Dr. §. Hwersth. Druck der Unib.-Buchdruckerei d. Zoh. Suq. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Nr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5016. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und hl1 Uhr.

SberlMsche

mmbmm jWAifiHHHM *** m«mk 4ZI|Ib7»1 Illi11 b *******

Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen

lstr.LA sr.Mrg. Marburg a.Laba

Der Anzeigenpreis beträgt ffli den lOgespalt. Zestenmilltmete, 0.08 GM., kleine Baranzeigeqs 0.06 GM., amtliche und ftu#-, wärtige Anzeigen 0.10 GM. Sn schwierigem Sah sowie bei Platz» Vorschrift 50»], Aufschlag. Gammelanzeige« 100 °/« Auf­schlag. Reklamen der Milli«. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Sarrabatt. Ziel 5 Tag«. Stieg« werden berechnet, ebenso Auskunft, durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­füllungsort Marburg.

1 Soldmark/«,,Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die vierte Fahrt -esGraf Zeppelin"

Stute frfih 7 M Start Sm 8 Uhr 40 in Mänchm Um 9 Uhr 35 in Rotenbrlm

ff. Friedrichshafen, 28. Sept. (Vom Sonderberichterstatter des W.T.B.): Der(Brey Zeppelin" ist heute morgen Punkt 7 Uhr zu seiner heutigen Fahrt auf- gestiegen. l.urz vor 7 Uhr wurde er aus der Halle gebracht und bald darauf war er schon in den Lüften verschwunden, ob­wohl der Nebel sehr starf auf ihn drückte. Es herrschte leichter Nordwestwind und Regen. Dr. Eckener erklärte dem Sonder­berichterstatter des W. T. B. beim Aufstei­gen, daß der Besuch von Men wegen der Witterungsverhältnisse heute zweifelhaft sei. Die Fahrt wird nicht so lange dauern wie ursprünglich in Aussicht genommen. An Bord befindet sich auch Reichstags- prasident Lobe.

Me Strecke FriebrichshafenWien be­trägt hin und zurück etwa 1200 Kilometer, dürfte also etwa eine elfstündige Fahrt beanspruchen. Sollten die Wiener Pläne verschoben werden, so würde der®iaf Zeppelin" wahrscheinlich nach Norden ab­biegen und u. a. auch Nürnberg besuchen. 2ln der Reise nehmen teil: Reichstags- Präsident Löbe, Reichstagsvizepräsilbent von Kardorff und seine Gattin, ferner der Schöpfer des Deutschen Museums, Oskar von Miller, Staatsrat Rau (Stutt­gart), Ministerialrat Steiger vom tourt- tembergischen WirtschaftSmiuisterium, sc wie die englischen Luftschiffsachverständigen Scott und Bvolh und Commander Ro­sendahl.

Dr. Eckener hat etwa 1200 Kubikmeter Blauga« mitgenommen. Das DaS wird auf 14 Zellen des Luftschiffes verteilt, um die Dichtigkeit nachzuprüfen. ES ist auch möglich, daß auf dieser Fahrt be­reits versucht wird, den Antrieb des Schifffes von Benzin auf Gas umzustellen.

ff. München, 28. Sept. Das Luft- fchftfGraf Zeppelin" hat um 8,40 Ahr morgens die Stadt München er reicht und kreuzt zur Zeit über der bayerischen Hauptstadt. Don Bord des Luftschiffes wurde ein Gruß der Besatzung an die Münchener Bevölkerung gesandt, der fol­gende Worte enthielt:

Der unvergeßlich schönen Stadl Mün­chen entb.etetGraf Zeppelin" seine Grüße, der Hauptstadt Bayerns, der treuen Hüterin von Kunst und Wissenschaft. So­eben fliegen wir dem alten Wahrzeichen der Stadt, den mächtigen Frauentürmen, entgegen. Hier grüßen uns die grünen Plätze des englischen Gartens, das grüne Band der Zsar. Ansere Grüße gelten Euch Münchener Bewohnern."

ff. München, 28. Sept.Graf Zep­pelin", der wie bereits kurz gemeldet, aus westlicher Richtung kommend, um 8,45 Ahr über der Stadt erschien, überflog zu­nächst den Bahnhof und flog dann über dem Rathausturm und den Frauentürmen, dem Wahrzeichen Münchens, eine große Schleife. Etwa 8,45 Ahr überflog das Luftschiff das Deutsche Museum, überall von jubelnden Menschenmasscn, di« die Straßen und Plätze und die Dächer be- letzt hielten, stürmisch begrüßt.

Ansprache vom Luftschiff aus.

ff. München, 28. Sept. Während das LuftschiffGras Zepelin" über der Stadt München kreuzte, hielten in der Funk- kabine des Luftschiffes Dr. Eckener, ReichstagsvräsiVent Lode und Oskar o. Miller, der Schöpfer des Deutschen Museums, Ansprachen an die Münchener Bevölkerung. Dr. Eckener führte u. a. au-; Me.ne sehr verehrten Damen und Her­ren! Ich wünsche Ihnen von Bord des

Luftschiffes aus einen schonen guten Mor­gen und daß Sie alle gut geschlafen haben mögen. Dies ist

das erste Mal. daß ein Luftschiff an den deutschen Rundfunk angeschlosien ist.

und ich möchte diese Gelegenheit benutzen, allen lieben Hörern und Hörerinnen, die zum Bau dieses Luftschiffes beigetragen haben, von Bord des Luftschiffes aus hier­mit meinen herzlichsten Dank zu übermit­teln. Wir sind in einer schönen Fahrt in IM Stunden von Friedrichshafen nach München gekommen. Wenn ich über die Schönheit und Annehmlichkeit dicser Fahrt zu Ihnen sprechen wollte, so würden Sie mich für den Wortführer halten. Aber wir haben an Bord den Reichstagsprä­

sidenten Löbe und S. E. Oskar v. Miller und diese beiden Herren werden jetzt mit kurzen Worten Ihnen über den Eindruck der Fahrt, den sie gewonnen haben, sprechen."

In der Ansprache, die der Reichstags­präsident Löbe von Bord des Zeppelins an die Rundfunkteilnehmer richtete, führte er u. a. aus:Guten Morgen, Münchener! Mit Ihrem Oberbürgermeister Scharnagl, Bürgermei^er Dr. Äufnet und mit meinen Kollegen vom Reichstagspräsidium be­grüße ich die Bewohner von München und grüße die Bewohner der Stadt, die diesen Morgen uns so freundlich zugewinkt haben. Sie haben das majestätische Flugzeug nur kurz erblickt, aber Sie haben keinen Be­griff von der unbeschreiblichen inneren Erhebung, die es gewährt, an einem sv

Der Malt der amerlkanWen Rote

Ete wird Stute in Konten und Paris titemW

ff. Paris. 28. Sept. Am Donnerstag nachmittag begab sich der amerikanische Botschaftsrat A r m o u r nach dem Quai d'Orsay, wo er eine längere Unterredung mit dem politischen Direktor des auswär­tigen Amtes hatte. Dabei teilte er mit. daß die amerikanische Botschaft im Besitz der Washingtoner Antwortnote sei und gab die allgemeinen Richtlinien der Rote bekannt.

Im Laufe des Freitags, spätestens aber am Sonnabend vormittag wer, den die Regierungen von Paris und London den Text der Antwortnote erhalten.

Die Verzögerung in der Uebergabe ist darauf zurückzuführen, daß die Rote von einer mündlichen Mitteilung begleitet sein wird, für die die amerika­nischen Botschafter noch genauere Anwei­sungen aus Wa hington erwarten. Der Quai d'Orsay und die Botschaft der Ver­ein >gten Staaten bewahren völliges Still­schweigen. Immerhin scheint doch so viel durchgedrungen zu sein, daß nach demPe­tit Parisien" der huptsächlichste Inhalt der Note folgender sein wird:

Die Washingtoner Regierung sprech« sehr höflich das Bedauern darüber aus, daß sie dem englisch-französischen Flotten­kompromiß in seiner gegenwärtigen Form nicht beitreten könne, das vielleicht de« be­sonderen Bedürfnisien Englands und

Frankreichs entspreche, aber de« Bedurf- nisien der Bereinigten Staaten keine Rech­nung trage. Washington betont, es könne die amerikanische Marine nicht zulasien, daß die Beschränkung der großen Kreuzer nicht durch eine entsprechende Beschränkung der leichten Kreuzer, Tauchboote . und Hilfsschiffe ausgeglichen werde, mall die unbeschränkte Anzahl der leichten Kriegs­schiffe die Bereinigten Staaten in eine ungünstige Lage gegenüber den anderen Mächten versetzen würde, da dies« eine kleine Zahl Kriegsoinheiten, eine starke leicht umwanndelbare Handelsflotte «nd außerdem England in allen Teilen der Welt Marineftationen besäßen. Die ameri­kanische Regivrmig mache keine Vorschläge für einen andere« Plan, laste aber die Tür für später« Verhandlungen offen und er- «Sre sich bereit, jede ander« Möglichkeit ins Auge zu fasten, die geeignet sei, die Beschränkung der Flottenrüftungeu zu er­leichtern.

Wie aus London gemeldet wird, wird die amerikanische Antwortnote zu dem englisch,französischen Flottenkompromiß am Freitag 12 Uhr gleichzeitig in Paris und London übergeben werden. Die Freigabe des Note für die Veröffentlichung erfolgt gleichzeitig für die Morgenpreste am Sonn­abend.

schönen Morgen wie heute über Wälder, Seen und Städte zu fliegen. Dabei hoben wir ein Gefühl der absoluten Sicherheit, das uns alle beseelt. Wir sitzen hier wie im heimatlichen Sofa, wie in einem Ab­teil eines V-Zuges, nur daß die Fahrt ruhiger ist und die Gegend schneller vorbei fliegt. Wir beglückwün chen den genialen Schöpfer dieses Luftschiffes, Dr. Eckener und seine tapfere Mannschaft und hoffen auf eine weitere glückliche Fahrt.

ff. München. 28. Sept. DerGraf Zeppelin" nahm von München Kurs über Rosenheim, bei Kufstein nach Salzburg.

ff. Rosenheim, 28. Sept. Am 9,35 Ahr erschienGraf Zeppelin" über der Stadt Rosenheim, die in geringer Höhe überflogen wurde. Das Sch.ff nahm Kurs auf TraunsteinSalzburg.

ft München, 28. Sept. Das Luft­schiffGraf Zeppelin" hatte auf seiner Weiterfahrt nach Salzburg sehr schlechtes Wetter und ma« rechnet damit, daß das Wetter heute nachmittag noch schlechter wird. Zn diesen Fall wird mit der R ck k« h r des Luftschiffes noch Friedrichshafen für heute mittag ge. rechnet.

». Sünefelds Oftafienflu«.

Allahabad, 27. Sept. v. Hünefeld ist Heu:« früh um 9.30 Ahr hier abgeflogen und beablich'.igt den Flug nach Tokio auf der bisher nicht beflogenen Linie über Mandala- Kanron- und Nanking auSjuführen. Gr hofft, heute ohne Zwilchenlandung Mandalay in Dri.jfch.Birma zu erreichen, doch tft es mög­lich. bah er feine Pläne ändert, toe.l daS Wetter in der Bucht von Bengalen gegen- toärtia Deräiwerltcb ist.

BüMonNabtt

Don stud. theol. Herbert Eoltzen.

Dalmatien.

Die andre Küste" ist für die italienisch« Dolkssehnsucht beuteunerlöstes" Gebiet und durch unablässige Werbung wird die Volks­leidenschaft täglich gegen Südslawien gepeitscht wie früher gegen Oesterreich. Die andere Küste das ist Dalmatien, der slawische Ostrand der Adria. Von Fiumes Dorstadt Sujchak bis zum großartigen Naturhafen Cattaro grenzt der Südslawenstaat ans Meer, und auch diese Strecke ist von beiden Seiten vom italienischen Zugriff bedroht. Denn eine halbe Million Slowenen in Istrien steht jetzt schon unter der gleichen italienischen Schreckensherrschaft wie die Südtiroler Deutschen, Fiume ist noch nach dem Kriege gewaltsam herausgerissen und die Kroaten mutzten zusehen, wie sie in dem küm­merlichen Suschak dicht neben der entrißenen Hafenstadt sich einen neuen Zugang zur Se« bauen könnten.

Wir hätten ia eigentlich gar keinen Grund, immer diese klingenden Namen Fiume, Sva- lato, Sebenico, Ragusa zu gebrauchn und da­mit falschen Vorstellungen Vorschub zu leisten. Denn in Rijeka, Split, Schibenik, Dubrovnik, wie diese Orte mit ihren alten oolkmätzigen und jetzt im Lande selbst gebräuchlichen Namen beihen, wohnen eben Slaven und die romanti­schen venezianischen Reste und die verspreng­ten italienischen Kaufleute'vermögen nicht über den Grundcharakter des Landes hinweg»«» täuschen.

Dies Land ist so seltsam zerrißen und'steinig! und doch wieder schön und fruchtbar: der Eindruck auf uns ist auch so zwiespältig wie das Gesicht der Landschaft und die Geschichte der Städte.

Freilich, wer sich nur von den groben, früher österreichischen Dampfern nach Ragusa fahren labt und dort vom gepflegten Hotelgarten aufs blaue Meer schaut, empfindet vielleicht bloß die beglückende Fülle und Weichheit des Sü­dens. Aber schon der Blick rückwärts auf die hoben grauen Felsbarre, die den schmale« Küstenstrich vom Hinterland absverrt, zeigt, wie karg und bedroht das Leben dieses schein­bar so bunten Landes ist. Wir wanderten tagelang an der Küste entlang, wo die Villen- straßen aufhören mit ihren blühenden immer­grünen Hecken, da gerät man in diese grauen­volle, das Auge ermüdende Karstwüste, von der die Bora jede Erdkrume weggefegt hat. wo jedes Reis im Garten mit einem Stein­wall umfriedigt werden muh, nm die paar Brocken Erde zusammenzuhalfen Steine, Steine, Steine, die die Schube zerreißen und jeden Schrift schmerzhaft machen, Dürre und Staub. Die Inseln liegen tot und erstarrt in der bleiern aussehenden See, meist unbewohnt oder nur kümmerlich bestellt; der alte Holz- vflug lockert das Geröll ein wenig und fast nur Wein wächst zwischen dem heiben Gestein. Nm an einigen Stellen, wo kleine Flüße ins Meer münden, im Ombla- und Brenotal, hat das befruchtende Sübwaßer kleine Oasen geschaffen, sonst findet man Drangen und Lorbeer meist nur in den Anlagen der Kurorte und in den kühlen Kreuzgängen der Klöster.

Die Stadt Svalato zeigt fast bildhaft SchiS» sal und Wesen des Lands. Das versteinfe Le­ben, das jetzt noch aus den Denkmälern uralter Zeiten spricht, Schuld und Not der Jahrhun­derte, die durch Raubbau und Kriegszüge, durch Waldabholzung und Zerstörung aus dem alten Kulfurgebief nur noch die Trümmer» ftätte seines früheren Reichtums werden lieben.

Die Häuser an der breiten Uferstraße durch­zieht eine merkwürdige Säulenreihe, die die verschiedenen Schauseiten zu einer Einheit bin­det: der Rest des alten Diokletianoalastes. Der Römerkaiser und grobe Cbristenverfolger Diokletian batte sich hier in seiner illyrischen Heimat seinen riesigen Alterssitz gebaut, ei« grobes quadratisch angelegtes römisches Laaer mit rechtwinklig gekreuzten Straften, mit Bä­dern und Tempel und seinem groben Mauso- leum, von einer Mauer umzogen und mit Toren und Türen bewehrt. In der Völker­wanderung zerstörten die Avaren die Anlage und nach dem Sturm nistete sich die auf die Inseln geflohene Bevölkerung der Gegend in den Riesenruinen an, in den breiige,Bannten Mauern schachtelten sich jetzt die Häuser ein, aus den alten Trümmerstücken erbaut, der Rundbau des Mausoleums wurde zum Dorn, der Aeskulaotemoel zur Taufkavelle, die Kreu­zung der Straßen zum Domvlatz. noch heute Stadtmitte, von den alten Säulenreihen um­geben und an der Stirnseite vom Eingangstor zu den kaiserlichen Gebäuden geschloßen. Ein Durcheinander von antiken Resten, mittelalter-