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Nonnersias, ten 27. Sept. 1928

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Sbechessische

raman-tig« [7, I II I 1 M ^EellM

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlicken Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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ff. Washington. 27. Sept. Dem Vernehmen nach wurde gestern den Bot­schaftern der Vereinigten Staaten in England und Frankreich die Ant­wort der Washingtoner Regierung zum englisch-französischen Flottenkompromiß zur Äebermittelung an die Regierungen beider Länder übersandt. Wie verlautet,

weift die Antwort den Vorschlag, dt« Ver­handlungen über die Beschränkungen der Seeüstungen auf der Grundlage des fran- zöfisch-englischen Kompromisses wieder auf- »unehmen, zurück.

Daily Aews" berichtet aus Retv- hork: Die amerikanische Rote zum fran­zösisch-englischen Flottenabkvmmen wird auf die internationale Stimmung die W i r° tung eines Eisblockes haben. Sie ist tatsächlich eine Weigerung, irgend etwas mit der von der britischen und der fran­zösischen Regierung während des Sommers entfalteten Tätigkeit za tun zu haben. Sie wird die offiziellen Andeutungen, daß .Europa einen Vorschlag von Seiten Der Vereinigten Staaten begreifen würde, un­berücksichtigt lassen. Lord Cushenduns, durch einen Zeitungskorrespondenten an Amerika gerichtete Einladung wird igno­riert werden. Die Vereinigten Staaten werden keinen Vorschlag machen, außer zu vfffenen und aufrichtigen internationalen Verhandlungen. Die Vereinigten Staaten haben ihren Standpunkt im letzten Som­mer klar gemacht und sind nicht von diesem Standpunkt abgegangen. Sie sind bereit, einen Delegierten zu der geeigneten Körperschaft, nämlich der vorbereitenden Abrüstungskommission in Senf, zu ent­senden. Britische Beobachter in Amerika sind ernstlich besorgt über die augenblick­liche Lage und empfinden, daß man

am Beginn einer zweiten Periode der Entfremdung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, die beim Abschluß der Genfer Konferenz eingetreten ist. stehe.

Auch derPetit Parisien" glaubt zu der Annahme berechtigt zu sein, daß die Antwort der amerikanischen Regierung über das englisch-französische Kompromiß in London und Paris vorliege. Segen die Enthüllungen der Sowjet-Presse über ge­heime Abmachungen wird am Quai d'Orsay ein neues Dementi veröffentlicht, indem betont wird, daß außerdem den interessier- ten Mächten mitgeteilten Flotten-Koinpro- miß keine weiteren Abmachungen zwischen London und Paris bestehen. Das Dementi bezieht sich in gleicher Weise auf die nicht weniger sensationellen Meldungen der Tribuna" über ein angebliches Luft­abkommen zwischen England und Frankreich.

*

DerDaily Telegraph" veröffentlicht in großer Aufmachung einen sehr ausführ­lichen Bericht seines diplomatischen Korre­spondenten, der davon spricht, daß die eng- li ch-franzöfische Flottenoerständigung nur einen Teil eines Abkommens bilde, das in Wirklichkeit eine neue Entente zwischen Großbritannien und Frankreich darstelle und die

Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern auf diplomatischem, militäri­schem, maritimem Gebiete und in der

Luftfahrt

oorsehe. Der Korrespondent stützt sich auf zwei Deröffentlichungen derTrtbuna", des Sprachrohrs des italienischen Außen­ministeriums, die bisher weder vom Quai d'Orsay, noch vom Foreign Office mit einem autoritativen und entscheidenden Dementi beantwortet worden seien.

Im einzelnen führt der Bericht aus, daß das britische Zugeständnis des unbe­

grenzten Baues kleiner Unterseeboote an Frankreich damit zu erklären sei, daß Frankreich seinerseits als Gegenleistung darauf verzichtet habe, den Dau eines Gürtels macht ger Quotationen entlang der Küste des Kanals gegenüber der briti­schen Küste mit Cherbourg als Hauptbasis fortzuführen.

Frankreich soll außerdem Großbritan­nien das Recht zugestanden haben, die französischen Flugstat'onen entlang der deutschen Grenze zu benützen, falls Deutschland Großbritannien allein angrrifen sollte, ohne mit Frankreich oder Belgien in einen Streit zu geraten. Die Anwesenheit führender Persönlichkeiten der briti chen Luftstreitkräfte bei den kürz­lichen französischen Lustmanövern in .ans und die Inspektion der französischen 'i'estatianen durch die englischen Offizi"re seien hierfür Beweis. Der Mitarbeiter des Blattes bestätigt sodann, daß die brasche Regierung in der Frage der

Melilla, 26. Sept. Ein in dem Fort Tabrerizas ntergebrachtes Munitions­lager flog in die Luft. Hierbei wurden etwa 40 Personen getötet und 200 verwun­det.

Das Fort Eabrerizas Bajas, das letzte Nacht um 12 Uhr 45 in die Luft flog, lag bei der alten Grenz« des Melilla-Gebietes und war fetzt von zahlreichen bescheidenen Häusern umgebe«. 20 000 Kilogramm schwarzes Pulver waren in dem Fort ge­lagert. Das neue Viertel ist fast ganz zer- :ört worden. Man vermutet, daß weitere Todesopfer noch unter den Trümmern liegen. Unter den Vermißte« befinden sich Mei Artilleristen aus der Fortwache. Der Oberkommisiar für Marrokko. San Zurfo, wird heute abend in Mslilla erwartet.

st. L 0 ndon, 27. Sept. ' lieber das Explosionsunglück im Fort Eabrerizas Ba­jas bei Melilla wird ergänzend berichtet, daß die große Zahl der Verletzten darauf zurückzuführen ist, daß das Fort zu nahe an einem ziemlich stark bevölkerten Vier­tel der Stadt lag.

Bo« dem Fort blieb trat noch ein gro­ßer Trichter übrig.

Das Unglück ereignete sich kurz vor 1 Uhr morgens, als die Menge die Theater und Kinos verließ und sich durch die Stadt be­gab. Da erhellte plötzlich ein ungeheurer Lichtschein den Himmel, worauf ein «chreck- liches Getöse folgte. Die Menge stürzte nach allen Seiten unter Hilferufen ausein­ander, da jeder glaubte, es handele sich um ein Erdbeben. Die Rettungsarbeiten ge­stalteten sich wegen der Dunkelheit schwie­rig und konnten erst um 4 Uhr morgens aufgenommen werden. Bisher wurden 42 Tote, darunter 7 europäische Soldaten und ein Eingeborener Gendarm, geborgen. Die übrigen Opfer sind Zivilisten, fast ausschließlich Eingeborene. Im ganzen wurden 220 Verwundete gezählt, beson­ders Frauen und Kinder. Ganze Fami­lien kamen bei der Explosionskatastroph« um und wurden unter den Trümmern be­graben. Der spanische Oberkommissar hat 'ch sofort von Madrid nach Melilla bege­ben.

Nichteinbeziehung der militärischen Reser­ven in die Abrüstung dem französichen Standpunkt beigetreten sei. Dieses Zuge- nis sei für Frankreich überdies außer­ordentlich wertvoll, da es unabhängig von der Flottenverständigung bestehen bleiben würde.

Mn Verzicht auf das Flottenabkom- men, der angesichts des amerikani'chtzn Widerstandes ja möglich fei, würde also keinen Verzicht auf dieses englische Zugeständnis bedeute«.

Endlich behauptet der Korrespondent zu wissen, daß das briti ch-französische Abkom­men weit über die bisher bekanntgeworde­nen Texte hinausgehe und in einer selbst­verständlich unverbindlichen Form eine

politische Zusammenarbeit zwischen London und Paris

vorsehe, wie sie so eng und unter so starkem Ausschluß anderer Mächte bisher noch nicht zu verzeichnen gewesen sei..

Richt weit von dem Explosionstrichter wurden die Leichen einer Frau und ihrer beiden kleinen Kinder gesunden. Die ganze Stadt beteiligt sich eifrig an der Sorge für die Geretteten und der Pflege, der Ver­letzten. Die Stadtverwaltung, die Mili­tärbehörden und hervorragende Persön­lichkeiten der Gesellschaft und des Handels haben bereits bedeutende Summen zur Verfügung des Komitees gestellt, das mit der Unterstützung der von der Katastrophe Betroffenen beauftragt ist, denn fast sämt- liehe Bewohner der um das Fori herum gebauten steinen Häuser lebten in großer

Der Oberkommisiar von Marrokko, Ge­neral San I u r j o , erklärte zu der Ka­tastrophe. das Unglück sei sicherlich auf Un­vorsichtigkeit zurückzuführen, denn schwar­zes Pulver explodiere nicht von selbst, son­dern nur unter irgend einer äußeren Ein­wirkung. . Die Explosion war so außer­ordentlich heftig, weil das Pulver sich in einem Teil des Forts befand, in dem di« Zwischenwände von riesiger Dicke waren. San Jurjo glaubt sich zu erinnern, daß neben dem Pulverdepot noch andere Ex- plostonsstoffe lagerten.

fk. M ad r i d . 27. Sept. Zn den Hospi­tälern von Melilla befinden sich 215 bei der Explosions-Katastroehe Verletzte in Behandlung. Soviel sich übersehen läßt, beträgt die Zahl der Toten 57. Verschie­dene Gebäude, vor allem das Forts Maria Cristina, sind beschädigt worden.

Die neue Katastrophe hat in Madrid, das noch von Trauer über den Theater­brand erfüllt ist, einen niederschmetternden Andruck gemacht.

Arue«ti«te» und der Völkerbund.

* Paris, 26. Sept. HavaS berichtet aus .Buenos Aires: Die Kammer hat nach einer lebhaften Diskussion die Strei­chung des argentinischen Bei­trags zum Völkerbund beschlossen.

Rücktritt de» schwedische« Kabinetts.

Stockholm, 26. Sept. (WTB.) Mi­nisterpräsident Ekman übergab heute vormittag das Rücktrittsgesuch des Kabinetts. Der König ersuchte ihn, bis auf weiteres die Geschäfte weiterzu­führen.

Die DupllrM ter großen Katastrophen

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SüdlanMrt

Bilder aus den deutschen Siedlungen tit Slowenie n.

Von sind, tbeol. Herbert Eoltzen.

Unsere Anteilnahme an Südtirol sei nicht echt, hat uns Mussolini neulich vorgeworfen; um unsre in andern Staaten versprengten Volksgenosien kümmerten wir uns ja lange nicht so wie um die wenigen Südtiroler. Hat er etwa recht? Muh er uns erst mahnen, den lebendigen Zusammenhang mit all den deut­schen Vorposten außerhalb der Grenzen nicht zu verlieren; nicht den fremden Völkern und Staatsformen zuliebe oder zuleide, nicht nur rechnend, wie groß der deutsche Volksteil dort sei sondern aus reiner, von den Berechnun­gen der großen Politik ungetrübter, innerer Verbundenheit mit allen eigengeprägten Stammesiormen deutscher Volkssiedlung, deren wir keine misien möchten?

Märztage vor einem Jahr wir wander, ten von Graz nach Süden. Tausende fahren jährlich an die blaue Adria zum Genießen. Sie denken im lauten Reisebetrieb der weit­läufigen Badeorte nicht, über was für Gebiets sie achtlos fuhren: Steiermark, Krain, heuteSlowenien", deutscher Kampfboden der Sehnsucht nach dem Fruchtland und der Fülle des Südens. Verlorene Posten:St. Veit am Pflaum" heut streiten nur noch Ita­liener um ihr Fiume das den Slawen Rijeka heißt den deutschen Stamm kennt keiner mehr. Wie der Pflanzenwuchs im Karstland ist der deutsche Same hier verdorrt. ssAber auf der Höhe der Karstberge, zwei Tagmärsche von der Küste, aus den letzten Ausläufern des grünen Krainer Waldlandes, ist noch ein Tropfen der deutschen Wanderung nach dem Süden geblieben: Gotischen. Seit 600 Jahren bat sich der kleine Gau gehalten, karge Dörfer um das kleine deutsche Städtchen ge­schart. In Treue und Dulden unter der slo­wenischen Umwelt. Jetzt nimmt man auch ihnen die deutsche Schule und in Sägewerken und Fabriken dringt der slowenische Arbeiter ein. Roch sind es 28 000 Deutsche in geschlosse­nem Siedlungsgebiet. Aber keine Brücke führt zum zusammenhängenden deutschen Volks­boden. llmkränzt von Bergen in einer herr­lichen weiten Ebene liegt die slowenische Hauptstadt Ljubljana. Auf unseren deutschen Karten steht noch ein andrer Name: Lai­bach- Und wer offene Augen bat, sieht unter der dünnen Tünche der Schauseiten noch die deutschen Aufschriften und siebt neben den zahl­reichen eindrucksvollen Denkmälern slawischer Dichter und Führer die leeren Sockel mit den ausgekratzten Buchstaben, auf denen die Bil­der des alten Oesterreich standen. Noch erhält man deutsche Antworten, wenn man des Slo­wenischen nicht mächtig ist, es ist noch nicht lange her, daß es noch deutsche Theater und Schulen gab, daß im jetzigen Gebäude der slo­wenischen Hochschule der österreichische Statt­halter seineBurg" batte. Aber unter 60 000 Bürgern sind nur noch 2000 Deutsche ob der Wachtmann in 20 Jahren noch deutsch kann? Es gab einmal ein Herzogtum Krain . . .

Südliche Steiermark, Land blanker Flüsie, sonniger Rebgebäude, uralter Städte aus Römerzeit, zerfallener Burgen kann sich unter diesen Namen ein Reichsdeutscher etwas denken? Weiß er, daß einen Tagmarsch südlich Graz die weiß-blau-roten Grentzviähle des großserbischen Staates auf der Landstraße stehen? Die schwäbischen Bauern vor Mar­burg an der Drau hatten gehofft, sie wür­den bei der Grenzziehung nochherauf" nach Oesterreich kommen, jetzt ist ihnen das Mutter­land und das Absatzgebiet vor der Tür abge­schnitten. Wir trugen den schweren Lehm ihrer Felder noch tagelang an den Sohlen; diese Rebenbügel und Obstwiesen, diese Bauernhäu­ser, einzeln auf den Hügeln und in den Senken verstreut, jeder mit seinem ganzen Grund und den Waldstücken um sich! So sollte Hof an Hof ein Wall von deutschen Bauern gebildet wer­den als Hinterland für Marburg an der Drau, die deutsche Stadt. Zu spät das kaum an- gefangene Ciedlungswerk unterbrach der Krieg, ausgesverrt sind jetzt die paar hundert Familien und rund um Marburg wohnen nur Slawen. Marburg (Maribor!) ist noch zum Driiteil deutsch, aber keine deutsche In­schrift zeigt mehr den wirklichen Besitzstand an. Nach der Form der Namen kann man gar nicht mehr gehen; die Nationalitäten haben sich so überkreuzt, daß deutsche Führer slawische und slowenisch fühlende Bürger und Dauern deut­sche Namen haben. In allen Stabten findet man eine Strosmaverova ulica (Straße) zu Ehren des großen Erweckers des slawischen Volks- und Kulturbewußtseins im oerigen