Mittwo». ttn 26. Sept. 192$
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhesse«
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachung«« für Stadt u«d Kreis Marburg.
Man redet vom Frie-en «nö rüstet zum Kries
SeiMlaad etmöglidit »nrch Stimmenthaltung die wette« SttÄltmmng ter AteüstungSkonserenz — Crft Nt .Stcherhrtt"
die heutige Resolution nicht mir
Jas Echo der BernstorsfÄede in London-Wrls
Anschluß an Locker
immer noch den
Will man denn
darstelle, der bei der Beurteilung internationalen Lage irgendwie Gewicht fiele. Der Sachverhalt aller Welt bekannt. Deutschland
Boncour
Paul Boncrmr setzte
der ins ist be-
Teutschland gewünschten Entschluß zu bestimmten konkreten Maßnahmen für unratsam oder sogar für gefährlich erklärt. Trotz unseres aufrichtigen Wunsches, den Standpunkt der anderen Te egationen zu verstehen, haben wir uns doch
sich in seiner Rede im wesentlichen mit den grundsätzlichen deutschen Kritiken an den bisherigen Arbeiten des Völkerbundes auseinander und bezeichnete diese Ve* denken als eine schwere Ersck»ätterung der Hoffnungen, die allgemein auf die Durchführung der Abrüstung durch den Völkerbund gehegt würden. Er
Sicherheit»- dem Abrüstungsgedanken entgegensetzen?
-rund gestellt, die der schnellen Erreichung ' ■_? der allgemeinen Ab
ständen und hat den von
nur gewisse Rechtspunkte nicht erledigt, bei denen es sich nm Auslegungsfragen handelte.
Es ist ebenso wenig richtig, daß die
„Rüstung" Deutschlands auch heute «och einen militärischen Machtfaktor
sitzt keine schwere Artillerie, keine Tank, keine militärische Luftflotte. Es fehlt ihm jede Reserve an Material und Munition. Der Bestand an ausgebildete» Mannschaften wird von Jahr zu Jahr geringer. Seine Kriegsindustrie ist vernichtet.
auferlegt ist, und daß man friedliche Wiederaufbauarbeit als Argument gegen uns benutzt.
Ebensowenig kann ich mich den aus der augenblicklichen politischen Situation entnommenen Argumenten cmschließen, mit denen man die deutschen Vorschläge zurückgewiesen hat. Selbst die vorliegende Resolution muß in ihrem ersten Absatz die unleugbare Tatsache feststellen. daß die gegenwärtig gegebene Sicherheit der S'aaten schon setzt den Abschluß einer ersten Konvention ermögliche. Wo liegen die Gründe dafür, daß die Bun- desver'ammlung aus dieser Feststellung nicht die einzig gegebene Schlußfolgerung zieht?
Anmittelbar im Lampson betrat
Paul die Rednertribüne.
Schlußfolgerungen erhöbe! land aus der Tat
Mr können nur immer wieder auf den elementaren Gedanken Hinweisen, daß zur Verstärkung der Sicherheit nicht mehr beitragen kann. a'S der Deginn der allgemeinen Abrüstung selbst. Mr können auch nicht zugeben, daß die vvrberci ende Abrüstungskommission lediglich dazu da sei. eines Tages die zwischen den Staaten bereits direkt er-ielte Aebereinstimmmg herbe'zuführen. Es kommt ganz allein darauf an. daß man mit dem positiven Willen zu wirksamen Maßnahmen an das große Problem herangeht, und gerade wir hatten gewünscht, diesen positiven Willen mit Kraft und Zuversicht in der Resolution der neunten Bundesversammlung ar-gedrückt zu sehen. Man sollte nur einmal die zahlreichen Resolutionen der Dunt-eS- Versammlung aus den letzten Jahren Himer« einander abdrucken, und man würde ein seit» , siyn.es Bild vor sich haben. Man würde ' vor allem feststellen, daß
nicht von der Stichhaltigkeit dieser Einwendungen überzeugen können
and müssen unseren Standpunkt, wie er von dieser Stelle aus dargelegt wurde, aufrecht erhalten. Leider sehe ich mich genötigt, auf die hier aufgeworfene Frage der Durchführung der deutschen Entwaffnung nochmals zurückzukommen:
Es ist nicht angängig, da» schleppende Lempo der Genfer Verhandlungen irgendwie mit dem Hinweis auf die Zeitdauer in Verbindung brngen zu «ollen, die die Durchführung der deutdeutschen Entwasfnnngsverpflichtun- gen in Anspruch genommeu hat.
ffiie steht es denn damit? Am 1. Januar 1921 war die Stärke der d-utschen Reichswehr auf 100 000 Mann herabgesetzt. Schon im Sommer 1920 war die vorgeschriebene Reduzierung der deutschen Flotie vollzogen. Bis Ende 1922 war die vertragsmäßig Vvroesrhere Zerstörung und Ab- Ab.ieterung von Waffen und Munition zu 95 Prozent erfolgt. Damir war die Abrüstung ! n allen ihren Kardinal- Punk!»» durchgeführi. Es blieben
gründ gestellt, 6t her ersten Etappe rüstung entgegenstü Deutschland gewünf
ff. Parts, 26. Sept. Zu der Diskussion über die Abrüstungsfrage in der gestrigen Sitzung der Wlkerbundover- sammlung schreibt Sauerwein dem „M a - tin": Die Aeußerungen des Grafen Bernstorff gingen bei weitem über die Grenzen einer technischen Diskussion hinaus. Ist e- notwendig .die Deutschen davon zu überzeugen, daß sie 10 Jahre nach dem Kriege sich nicht als Richter über die Sicherheit eines anderen Staates aufwerfen dürfen? Daß sie in der Frage der Abrüstung nicht Richtlinien zu geben haben? Muß man sich so viel Sorgen machen um die Haltung die Deutschland einnehmen wird? Ich glaube das nicht! —
Der Genfer Berichterstatter des „P e t it P a r i s i e n" schreibt, die sorgsam vorbereiteten Erklärungen des Vertreters Deutschlands hätten bei weitem nicht das erwartete Ergebnis gehabt. Die Doktrin von der jeden Angriff verbietenden Ent- tvaffnung Deut'chlands sei zu tendenziös gewesen, um jemand zu überzeugen: der große Eifer, mit dem die deutschen Vertreter auf die Notwendigkeit der allgemeinen Abrüstung hingewiesen hätten.
Die Aufnahme der Rede Bernstorff in der englischen Presse.
ff. London. 26. Sept. Graf Bern- storffs Protest gegen die Verzögerung der Einberufung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz wird in der liberalen und Arbeiterpresse viel beachtet. „Daily News" führt am Kopfende die fettgedruckte Ueberfchrift: „Deutschlands bittere Klage in der Völferbundsversammlung" Der Genfer Berichterstatter des Blattes nennt den von Benefch unterbreiteten Bericht der dritten Kommission „ein wirklich ent
täuschendes Dokument," mit dem zwischen den Zeilen zu lesenden Eingeständnis, daß der Versuch, irgend welche wesentlichen Fortschritte auf dem Gebiete der Abrüstung während der letzten 12 Monate zu erreichen, gescheitert ist. Der Korrespondent hebt hervor, daß die Erklärung Dern- storffs beträchtlichen Beifall fand. Z
„Daily Heralb" führt in einem Leitartikel aus: Vor zwei Wochen erklärte Briand in Genf, daß keine Regierung in Europa wagen würde, ihre Rüstungen zu vermehren. Heute wird mitget tlt. daß der französische militärische Voranschlag für das nächste Jahr um 6 Millionen Pfd. Sterling höher sein werde als im Vorjahr. Dieser Gegensatz zwischen den Beteuerungen der Staatsmänner und ibrer Praxis ist nicht auf Frankreich beschränkt.
Sie alle reden von Frieden, während sie Krieg verbreiten. Trotz aller Versprechungen sind die Großmächte der Welt heute mächtiger ausgerüstet als 1914.
Die kleinen Mächte äffen ihnen, jede nach Maß ihrer -Fähigkeit nach. Natürlich kommt das Abrüsiungswerk des Völkerbundes zu einem Stillstand. Zwar nicht meßen „technischer Schwierigkeiten", sondern
weil bei der großen Mehrheit der Regierungen der Welt kein Wille zur Abrüstung besteht.
Die Abrüstung wird niemals von den „Briands" oder den „Cu henduns" oder den Regierungen, die sie vertreten, kommen. Der Genfer Korrespondent des Blattes schreibt, die Rede Bernstorffs machte auf die Versammlung einen tiefen Eindruck.
ES würde vieler Monate bedürfen, um neue Mannschaften militärisch auSzubstden und noch vier länger, um eine selbst hochentwickelte Friedensindustrie auf die Bedürfnisse des Krieges umzustellen. Bea Deutschlands geographischer Lage und der militärischen Stärke seiner Nachbarn wate ein Krieg längst zu seinen Unaunsten entschieden, ehe es seine Volkskraft und seine industrielle Kraft wirksam werden lasten könnte.
Es kann von Deutschland nicht anders als mit Bitterkeit empfunden werden, wenn man die loyal durchgeführten Entwaffnungsverpflichtungc» in ihrer außerordentlichen Tragweite verkennt oder sogar soweit geht, Deutschland seine Wehrverfasiung vorzuwerfen, die ihm durch den Versailler Vertrag
keinen Fortschritt bedeutet, souder» daß in ihr viel eher ein Erlahme« des Willens zu energischen Schritten erkennbar wird.
Von der Einberufung einer ersten ©nttoaff* nungskonferenz ist in der Resolution überhaupt nicht mehr die Rede. Statt dessen kö ite man glauben, daß die weitere Behandlung der AbrüstuncSfrage in erster Linie dipolmatischen Verhandlungen überlassen bleiben soll. Warum geht man nicht selbst daran, festumrissene Grundsätze für die Abrüstungsarbeit aufzustellen. Man redet ost von der Gefahr, die dem anfehen des Völkerbundes drohen könnte, wenn eine zu schnell einberufene Entwaffnungskonferenz zu keinem positiven Ergebnis führen sollte.
Für weit größer halten wir die Gefahr, daß in der Welt der Gedanke entstehe« kön«te. als wenn der Bölker- bund vor seiner dringlichsten Aufgabe, die so eng mit der Erhaltung des Friedens verknüpft ist, untätig di«
Hände in den Schoß legt.
DaS find die Gründe, die eS der deutschen Delegation unmöglich machen, für die neuen Verzögerungen, die sich aus der Resolution ergeben können, die Mitverantwortung zu übernehmen.
Die deutsche Delegation wird nicht gegen die Resolution in ihrer jetzige« Form stimmen.
Was die Resolution Positives enthält — nach unserer Ansicht allzuwenig — darf nicht noch weiter abgeschwächt werden. Die deutsche Delegation wird sich deshalb der Stimme enthalten. Sie möchte die Hoffnung nicht aufgeben, daß die vorbereitende Äbrüstungs- kommiffion, die ju Deginn dös Jahres 1929 zusammen!reten soll, zur schleunigen Einberufung der Entwaffnungskonferenz führen wird, die das Ziel unserer Bemühungen bleibt.
Die Aussprache wurde nach dieser Rebe des Grafen Dernstorff durch eine Erklärung des englischen Delegierten
Locker Lampso«
fort gefegt. Der englische Delegiert« wieS auf die bisherigen Ergebnisse der Abrüstungsarbeiten des Bölkerbundes hin, die er als bedeutungsvoll und fördernd bezeichnete. In den Verhandlungen wären die Gegensätze über toiffe Fragen aufgetaucht. Die betreffenden Regierungen hätten jetzt durch gegenseitig« Zugeständnisse sich über di« strittigen Punkt« geeinigt Es sei zu hoffen, daß auch andere Regierungen sich diesem Abkommen anschlichen damit eine Fortsetzung der Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission möglich würde. Von einigen Regierungen feien Zweifel ausgesprochen worden, ob die Einberufung der Abrüstungskonferenz überhaupt stattfinden werde. Die englische Delegation vertrete demgegenüber den Standpunkt, datz
die Konferenz erst stattfinden könne, wenn die Einigung «her die Hauptpunkte Misckien den Regierungen vorher bereits erzielt sei.
Die englische Delegation fei weiter der Ansicht. daß die Festsetzung eine« festen Termin- für den Zusammentritt der vorbereitenden Ab- rüstungSkommistion gegenwärtig nicht praktisch fei, und daß eine derartige Forderung eher als ein Zeichen des Mißtrauens gegen die Kommission ausgefaßt werden könnte.
Genf, 25. Sept. In der Völkerbundsversammlung ergriff heute
Graf Bernstorff
das Wort zu einer Rede über die Abrüstungsfragen, in der er zunächst daran erinnerte, daß bereits der Reichskanzler bve Bundesversammlung ersucht habe, sich endgültig über die Einberufung einer ersten Entwaffnungskonferenz schlüssig zu werden und Vorsorge dafür zu treffen, daß die technischen Arbeiten der vorbereitenden Ab- rüstungSkommission nunmehr unverzüglich zum Abschluß gebracht würden. Er habe hinzugefügt, daß es die Aufgabe der ersten Entwaffnungskonferenz sein müsse, als erste Etappe eine fühlbare Herabsetzung des gegenwärtigen Rüstungsstandes und zwar aller Faktoren der Rüstung zu Lande, zur See und in der Luft herbeizuführen und ferner die volle Publizität aller Rüstungselemente zu gewährleisten. Während der Beratungen der brttten Kommission hat bie deutsche Delegation dieses Ersuchen zum Gegenstand eines förmlichen Antrages gemacht und den Entwurf einer Resolution vorgelegt, deren Tenor dahin lautete, die Bundesversammlung möge den Völkerbundsrat bitten, die erste Entwaffnungskonferenz tm Laufe des Jahres 1929 einzuberufen und dem Präsidenten der vorbereitenden Abrüstnngskom- mlssion die Einberufung dieser Kommission zum Zwecke der rechtzeitigen Aufstellung eines Konferenzprogramms anheimzugeben. Ist es nötig, fuhr Graf Bernstorff fort, Ihnen zu sagen, wie sehr die deutsch» Delegation es bedauert, mit ihren Antra« f gen nicht durchgedrungen zu fein'?
Die Argumente, die man uns entgegengehalte« hat,
bewegen sich in doppelter Richtung. Man hat einerseits Einwendungen gegen bie Schlußfolgerungen erhoben, bie Deutsch- _____ ... - tfache seiner eigenen Entwaffnung herleiten zu können glaubt, inbetn man sowohl an ber Art der Erfüllung der beutschen Ent- waffnungSverPfllchtungen Kritik übte, als auch bie Bedeutung und den Grund dieser Abrüstung anzuschwächen suchte. Daneben hat man die Möglichkeiten, die heute für eine wirksame Inangriffnahme der allgemeinen Abrüstung gegeben sind, mit überraschender Skepsis und Zurückhaltung beurteilt. Man hat technische und politische Schwierigkeiten tn den Vorder-