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ÄkertMsche

Zeitung

Anzeiger für (bas frühere kurheffifche) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburgs

Kr.M ßZ.Mrs. Marburg a.Lahn

Marbmen TasrSüMigtt

LlM-tzWwug

Stenötag.

ton 25. Sept. 1928

»er Anzeigenpreis beträgt für den 10 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., kleine Baranzeige« 0.06 GM., amtliche und aus­wärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» dorschrist 50% Aufschlag. Sammeian zeigen 100 el« Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM. Zeder Rabatt gilt alS Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege­werden berechnet, ebenso Auskunft durch bie Geschäftsstelle uni Zusendung der Angebote. <E> füllungSort Marburg.

1 Goldmark Dollar.

Die ^Oberhesstsche Zeitung" er­scheint sechsmal wöchentlich. Be- zrgsvreis monatlich 2 GM. aus. schließ!. ZustellnngSgcbübr, durch »WP»st2.25 GM.Aür etwa infolge Streik», Maschinendefekte »der elementarer Ereignisse ausfallend« Kümmern wird kein Ersan ae» leistet. Verlag d. Dr. §. KiNeroth. »ruck der Univ.-Buchdruckere, b. geb. Auq. Koch. Markt 21/23, Fernsprecher: 911. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt *. M. Rr 6015. Sprechzeit der Redaktion von 1011 und M1 Upr.

ung des

Berlin, 24. Sept. Auf einer da'cr- länbischen K: n' g:b ng In der ,2te;:en QTcll" hielt Graf Westarp eine Rede, in oer

Herzzerreißende Szenen spielen fich in den Sanitätswachen ab, wo Hunderte von Personen nach ihren vermißten Familien­angehörigen ängstlich fragen. In der Leichenschau-alle wurden bereits 34 Tote identifiziert.

Eine einzige Familie zählt sieben Todesopfer.

Um 13 Uhr waren 68 Leichen aus den Trümmern herausgeholt worden. Die bald nach Ausbruch des Feuers eingetretene nkelheit führte zu grausigen Taten un- "er den Flüchtenden.

Mehrere Leute wurde« mit Mesier» ftichen im Rücken verwundet, andere weisen erschreckende Bisie ans.

Die Gemeindeverwaltung beschloß, für bas Begräbnis der Opfer aufzukommen. Der Anblick des Innern des Theaters ist unbe­schreiblich. es ist ein wahres Chaos von rauchenden Trümmern, verbogenen Eisen­trägern, blutigen Holzteilen und Herum­liegenden menschlichen Gliedern.

T«r Ti -stahl »eS «e'wimschveiv-mS anfseNSrt.

DemMatt n* zufolge scheint die über den Diebstahl deS Geheimschreibens einge- leilere Untersuchung ergeben zu haben, dah der Pariser Vertreter deSNewhorker Ame- itcan" sich eine Abschrift des französ'.fchen Schriftstückes beschafft Hal. Daraus würde hervorgehen, daß es sich nicht um eine im voraus vereinbarte Tat der Gegner der französischen Abrüstungsthrse handelt, tote das französisch« Blatter glaubhaft machen wollten.

er auf Grund der widerrechtlichen Ablehn, der Räumung der besetzten Gebiete und

SruWvatlomle Kritik an Genf

NakrlknMe Suntstiang in Sttiin

SKreckEmn bei tun Amüerbm» in Mntrit

SMr 75 LMen geborgen linier ton MnlWerien ist kein AuSiSnter

Scheiterns der Abrüstungsve:Handlungen zu­nächst betonte, dah die Episode der von Dr. Strefemann im Herbst 1924 und Februar 1925 eröffneten deutschen Derständigungs- vffensive mit schwerstem Mißerfolg geendet habe. Dar sollte in Deutschland ohne Partei­streit erkannt und festgestellt werden können. Die gegebene Folgerung aus der in Genf geschaffenen Lage sei der

Schlußstrich unter die Locarno-Politik. Roch nach der Einigung vom 16. September habe ihn Driand noch einmal klar und deut­lich mit erneutem Hohn und Spott gezogen. Den Schlußstrich auch für Deutschland zu ziehen, fei für Reichs'anzler Müller und für seine sozialdemokratischen und demo­kratischen Freunde ein fchwe'eS Opfer. Der Reichskanzler habe daS sei anerkannt den für ihn vpserdollen Weg betreten, in Genf auf vollständige Klarheit zu bringen. Der Aufklärung bedürfe, ob der deutsche Delegierte Dr. Dreitscheid und der demo­kratische Begleiter der Delegation, Georg Bernhard, andere Wege gegangen fe'ei. Eben­falls habe man die Linie nicht inne gehalten, als man sich auf die neuen Scheinverhand­lungen eingelassen habe, die za dem

Abkommen vom 16. September geführt hätten. Di:S Abkommen sei gegen den Einspruch der Deutschnationa­len abgeschlossen worden. 3n Wahrheit sei in Genf keine Ginigung erz'elt worden. Heber leben der Punkte des Abkommens beständen unüberbrückte und unüberbrückbare Gegensätze. England und Frankreich erwarten, dach sie bei den geplanten Berhandlunren Deutschland zu neuen Dorleistungen und Ovsern bewegen würden. Erneut müsse darum betont werden, dah daS deutsche Volk für die besetzten Gebiete jedes neue Opfer, jede neue Konzession für die ablehnt, die Deutschland zustehe und zusallen müsse. Bei der in dem Abkommen geplanten Feststellung»- und Dergleichskommisllon han­dele eS sich um die elements stableS, ein ständiges Kontrollorgan für die entmilitari­sierte Zone. Driand selbst habe entsprechend den Richtlinien des französischen Kabinetts vom 23. August dieses Jahres die Dauer- komrolle als Gegenstand der Derhandlungen bezeichnet. Ernsteste Wachsamkeit fei darum nötig.

Sehe militärische Dauerkoutrokle über das Rheinland, über die entmilitari­sierte Zone, über ganz Deutschland, in jeder Form sei absolut unannehmbar.

Sie sei eine Hohn auf Frieden und Verständi­gung. Wer sie fordere oder auch nur zur Erörterung stelle, begehe ein Verbrechen an Deutschlands Zukunft.

Was die Verhandlungen über

das Reparations-Problem.

angehe, so dürfe Deutschland entsprechend dem ursprünglichen Plan deS Dawesgutachtens sich nut auf solche Verhandlungen einlassen, bei denen die Revision eines Abkommens durch eine unparteiische Untersuchung neutraler wirtschaftlicher Sachverständiger durchgeführt werde. Ferner dürfe Deutschland in die durch das Genfer Abkommen vorgesehenen Verhandlungen nicht eintreten, wenn nicht Amerika von vornherein daran beteiligt sei. Frankreich wolle nur eine Teillösung der Reparationen, Deutschland müsse eine solche Lösung jedoch ablehnen und könne sich auf eine Erörterung hierüber nicht eintaffen. Bei den geplanten Verhandlungen mühten die politischen Bindungen des DawesabkomrnenS beseitigt, auch nicht als Gegenstand der Er­örterung zugelassen werden.

Zum Schluß erflärte Graf Westarp u. <l: R-chdem die Locarno-Politik versagt hat, muh äußerste Zurückhaltung den Westmäch­ten und dem Völkerbund gegenüber an diese Stelle treten. Wir fvrdmm Wahrheit und Klarheit I Einen echten und keinen Schein­frieden! Die deutschnationale Partei und vaterländische Bewegung find sich einig über daS, worauf es ankommt. Deshalb geloben wir, dah unser Doll über alle Gegensätze und Unterschiede von Partei. Beruf und Klasse hinweg sich zurückfindet, dah unsere Jugend heranwächst zu dem Fron kämpferge'st opfer­williger Pflichterfüllung, zum Dienst am Bat erlande in nationaler Einheit und Kameradschaft. Wir müssen wieder lernen, nur auf die eigene Krall zu bauen. Der alte deutsche Gedanke treuer und stolzer Wehr­haftigkeit muh zu neuem Loben erwachen."

Madrid, 24. Sept. (WTB.) Die Zerstörung des Theaters Roveda- des durch eine Feuersbrunst stellt,die schrecklichste Katastrophe dar, die je über Die Bevölkerung Madrids hereingebrochen ist. Zn den ersten Morgenstunden waren über 60 Leichen geborgen, doch befinden sich zweeifellos noch zahl­reiche Opfer, wahrscheinlich insgesamt über 100, unter den Trümmern. Die Bergungsarbeiten gestalten sich überaus schwierig, da das ganze Dach auf den Zuschauerraum gestürzt ist. Die ersten Personen, die den Brand bemerkten, waren Zuschauer auf der Salerie. Sie sahen plötzlich um eine elektrische Lampe oer Bühne eine Flamme emporschlagen, die mit äußerster Schnelligkeit die Dekora­tionen ergriff. Diese Zuschauer liehen sich in äußerster Bestürzung aus dem 3. und 4. Rang an den Sitzballen herunter, an­dere wiederum stürzten sich herunter und fielen auf die Zuschauer, die im Par­kett saßen, was die allgemeine Verwirrung aufs Aeußerste steigerte.

Aks das Dach einstürzt«,

Richter sind mit der Untersuchung der An­gelegenheit beauftragt worden. Zwischen verschiedenen Leichen wurden Mesier auf­gefunden, woraus man schließt, daß

einzelne Personen versuchten, fich mit dem Mesier einen Weg durch die Men- schenmasien zu bahnen.

Verschiedene Leichen wiesen auch Schnitt­wunden auf. Einzelne Familien sind außerori^entlich schwer betroffen, da 5, 6 und mehrere Personen einer einzigen Fa­milie umgekommen sind. Das Personal des Theaters ist mit Ausnahme einer Cho­ristin wohl behalten Der Orchester-Diri­gent wurde leicht verletzt.

Wie weiter gemeldet wird, hat Primo de Rivera für heute, Dienstag, einen Ministerrat einberufen, der sich über die Kredite schlüssig werden soll, die zur Lin­derung der Lage der Hinterbliebenen der Opfer des Theaterbrandes bestimmt sind. Auch der Stadtrat von Madrid wird Kre­dite für die Unterstützung der betroffenen Familien verlangen.

Uhr früh erschienen der Justizminister, das Oberste Gericht und andere Behörden an der Unglücksstätte, und es gelang ihnen beim Licht der Scheinwerfer bis zu der Treppe vorzudringen, die zu den ersten Rängen führt. Auf den Stufen der Trep­pen lagen aufeinandergetürmte Leichen. Weitere Berge von Leichen ver­sperrten den Zugang zum Zuschauerraum. Der Minister und die Behördenvertreter mußten vor dieser Mauer von Leichen Halt machen. Außerdem drohte die Decke des zweiten Ranges, die nur noch auf einer Säule ruhte, einzustürzen. In einer Ecke eines Theaterportals fand man ein zwei­jähriges Kind, das nur eine leichte Quet­schung am Kopf erlitten hatte, trotzdem Hunderte über das Kind hinweg gestürtzt waren. Die Künstler, die Musiker und die Theaterhandwerker konnten fast alle durch die Hinteren Türen das Theater recht­zeitig verlassen.

Die Bergung bet Toten gestaltete sich deshalb sehr schwierig, weil o.e Treppen vom ersten Rang an ein­gestürzt waren und. der Zugang zu den oberen Räumen sehr schwer war. Der erste aufgefundene Tote war ein völlig verkohlter Schutzmann. 26 gleichfalls ver­kohlte Leichen wurden aus dem Hinteren Test des Zuschauerraums geborgen. Die Anzahl der Verwundeten scheint fich auf 400 zu belaufen. Das Theater dar im Jahre 1850 erbaut worden.

ff. Madrid. 25. Sept. Bis M3 Uhr früh waren insgesamt 75 Leichen g e- borgen, von denen jedoch nur 30 iden­tifiziert werden konnten, während die übrigen unkenntlich sind. Unter den bis­her festgestellten Toten und unter den Verletzten befindet sich kein Auslän­der. Ein Teil der Leichen wird heute vormittag 11 Uhr auf Kosten des Staates beigesetzt werden. Die Regierung wird voll» iäh.ig an den Feierlichkeiten teilnehmen.

Sitte Anzahl der aufgefundenen Lei­chen ist aüsgeraubt worden.

verschiedene Per onen wurden als der Tat verdächtig verhaftet.

Hebet den Verlauf der Brandkatastrophe selbst wird noch berichtet, daß

die Feuerlöfchapparate des Theater» offenbar wicht in Ordnung waren.

Das Theater fei den Behörden bereits mehrmals als sehr feuergefährlich gerne!, bet worden. Die Behörden hätten seit längerer Zeit Maßnahmen für die Er­höhung der Feuersicherheit erwogen. Vier

See Pakt von Rom

Der Cäsar von Italien bat sich mit dem Cäsar von Griechenland zusarnmengesunden. Griechen und Römer, vor Jabrtausenden die eifersüchtigen Rivalen im Mittelmeer schlichen beute Freundschaft. Freilich gebt es beute auch nicht mebr um d>e Herrschaft über das ganze Mittelmeer, wie einst, und freilich ist das Mit» telmeer von beute, nicht mebr das Weltmeer, wie in den Tagen des Perikies oder des Kai. fers Augustus. 3m Mittelemeer selbst baden andere Mächte mebr miizusvrechen, als die bei­den Halbinseln, die vor Jahrtausenden die universalen Herrscherfitze trugen und beute sind für die Weltbeherrschung die fünf Ozeane so- viel wichtiger, als sie größer sind. Trotzdem ist diese Begegnung der Cesaren und diese Ver­knüpfung romanischer und belenischer Inter­essen am Ende doch für die ganze Welt be­deutungsvoll- Sind auch Balkanhalbinsel und Italien heute nicht mehr Weltmittelvunkt, wie in den Tagen des alten Rom und des alten Vizanz, einen Weltwetterwinkel stellen sie im­merhin noch dar, und gegenwärtig minde­stens eben wieder so sehr, als tn den kritischen Jahren vor dem Weltkriege.

Der Pakt von Rom ist unterzeichnet: feier­lich ist Denizelos von Musiolini empfangen worden, feierlich hat er am Grabe des unbe­kannten Soldaten einen Kranz ntedergelegt. Feierlich bat er die Königsgräber in Pantheon besucht, dann kamen die Trinksvrüche, in denen die friedliche Bedeutung des Paktes umso kräf­tiger unterstrichen wurde, je mehr die Welt Ursache bat, daran zu zweifeln. Hat doch schon der Pakt eine schwache Stelle in sich selbst, auch wenn man von seiner Wirkung auf die Nach­barvölker zunächst noch absieht. Denn rote steht es mit der Zwölftnselgruvoe an der Klein-Asi­atischen Küste da ist Patrnos, auf der die Offenbarung Johannes geschrieben sein soll. Da ist Rodos, aus der Zeit der Kreuzzüge, als langjähriger Sitz des Johanniterordrns be­rühmt. Da sind all die dazwischen liegende Felseneilande, die mit der griechischen Ge­schichte seit den Tagen der Perserkriege durch gemeinsames Schicksal und durch gemeinsame Kultur verbusiden sind. Run weht über ihnen die italienische Fahne, nun muh sich die griechischsorechende Bevölkerung in römischer Sprache die Gesetze ihres alltäglichen Lebens vorschreiben lassen. Wohl noch nie ist die Dodekannesfrage in den griechischen Zeitungen so ausführlich und so leidenschaftlich erörtert worden, als gerade jetzt. Eine merkwürdige Begleitmusik zu den Feierlichkeiten der Pakt­unterzeichnung in Rom.

Wie will nun überhaupt die griechische Poli­tik mit diesem Problem fertig werden? Das Italien, und ganz besonders dieses Musiolini- sche Italien, einen Raub nicht wieder heraus­zugeben bereit ist, darüber wird sich auch Veni- zelos kaum täuschen. So beruft er sich denn auf sein Schreiben vom 29. Januar 1923, da­mals fanden in Lausanne die Friedensver- bandlunaen statt, nach Griechenlands unglück­lichen Kämvfen mit der Türkei. Um Italien sich schon damals günstig zu stimmen, erklärt« sich Benizelos bereit, mit einer Regelung der Dodekannesfrage auf Gründ des Minderbeiten­rechtes zufrieden zu sein. Aber was beißt in der gegenwärtigen Welt Minderheitenrecht? Was bedeutet Minderbeitenrecht für einen Musiolini? Wenn er die zwölf Inseln nach dem Tiroler Rezept behandeln sollte, so würde das griechisch-italienische Verhältnis trotz des Paktes von Rom das schwer aushalten.

Vielleicht, daß trotzdem gemeinsame Feind­schaften diese etwas merkwürdige Freundschaft zusammenbalten. Aber auch der Gegensatz zu Jugoslavien, das Hauvivroblem der italieni­schen Dalkanvolitik, hat für Griechenland sein besonderes Gesicht. Man zankt sich hier mit den Serben um Mazedonien, der Kamvf zwi­schen Griechenland und Serbien um Saloniki ist uns vom Weltkriege her noch in deutlicher Erinnerung. Den Durchfuhrhandel soll Jugo­slavien auch äuneftanben bekommen, aber die weitergehenden Ansorüche sind für Erichenland so unbequem, dqß es nicht mal die Existenz einer serbischen Minderheit in Mazedonien »u- gesteben möchte. Minderheitenrecht für sich selbst auf den zwölf Inseln, ja! aber Minder­heilenrecht für andere Völker aus griechischem Boden, das ist natürlich eine andere Sache, Trotzdem wird Venizelos Anfang Oktober auch Belgrad besuchen. Man wird gemeinsam die Durchbrechung der Salonikifront feiern. Veni­zelos selbst gilt als Serbenfreund, ob aber diese Freundschaft auf die Dauer den maze­donischen Jnteresiensatz ausbaltcn wird? Vielleicht wird die Salonikifront in der Zu­kunft einmal im anderen Sinne durchbrochen.