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Sonnabend. dkN 22. Skpl, ISA

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Anzeiger für (das frühere kurhesfifche) Oberhessen

Mr. 224 sr.Mre. Marburg o. Katin

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

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Kelnllche Enthüllungen Wer das Flottennkkomm^n

Sie amitltanltot M Oiröffcnllitbt eine wetroulidie Snftrnklion für die französischen Boischn-ier

Der Llniverfal-Nachrichten-Dienst und der Aetoyork-American veröffentlichen ein als authentisch bezeichnetes Schreiben, bas der Quai d'Orsay an die französischen Bot­schafter im Auslande über das geheime englisch-französische Flottenabkommen ge­richtet haben soll. Dieser Erlaß enthält die Mitteilung, daß Frankreich auf die Fest­setzung einer Gesamttonnage verzichte, da- für aber die Berechtigung erhalten habe, eine unbeschränkte Zahl kleiner Tauchboote zu bauen. Dieser Modus entspreche auch den Wünschen der japani­schen Marine. Auf Englands Wunsch hin sei ferner

dke Beschränkung des Baues kleiner Kreutzer und der Berwenduug sechs- zölliger Geschütze aufgehobc« worden.

Dadurch werde Englands Stärke in dieser Waffe erheblich vermehrt, da es diel mehr in Hilfskreuzer umwandelbare und für die Bestückung mit sechszölligen Geschützen ge­eignete schnelle Handelsdampfer besitz« als die Vereinigten Staaten.

Washingtoner, über die Einzelheiten und den Geist des Abkommens zwischen Paris und London zu unterrichten.

Der Kommentar habe zur Unterlage für die m L n d l i ch e n E r k l ä r u n, gen der französischen Vertreter ge­dient.

Das amerikanische Staatsdepartement habe von Anfang an gekannt, was die ameri­kanischen Zeitungen als eine Enttäuschung darstellten.

Mas Amkeikn dazu sagt

„Havas" meldet aus Aewhork: Der Wa­shingtoner Korrespondent der „Netoyvrk American" will aus maßgebender Quelle erfahren haben, daß sofort nach RSck- kehr Coolld ges eine Aote, die ener­gisch und kategorisch das ge­heime englisch - franz ösische Flottenabkommen" mißb illige. der englischen und französischen Regieruna übersandt werden würde. Diese Note würde

besagen, daß erstens die Vereinigten Staa­ten die Ausführung des Bauprogramms von dreiundzwanzig Zehntausend-Tonnen- Kreuzern fortsetzen würden, zweitens die vorbereitende Abrüstungskon­ferenz, deren Zusammentritt in Genf für den Herbst vorgesehen sei. abgesagt werden müßte, drittens, daß keine Ände­rung in der Schiffstonnage eintreten würde bis zum Zusammenttitt der Mächte in Washington im Jahre 1931, viertes die französische und die englische Negierung ihre Zustimmung zu der amerikanischen Forderung geben müßten, daß die K r e u - zertonnagenicht300000Tonnen übersteige, wodurch den Mächten er­möglicht würde. Schiffe sämtlicher Ton­nagen bis zur Grenze von 10 000 Tonnen, toi« sie der Washingtoner Vettrag fest­setze. zu bauen. Die Note werde zu Be­ginn Der kommenden Woche veröffentlicht werden. — Das französische Außenmini­sterium hat zu dieser Meldung noch keine Stellung genommen.

—. und man hoffe, daß auch Italien die Vor- MI teile dieser Neuregelung einsehen werde.

3« Zukunft soll nur der Bau der «rotze« Kreuzer und große« Tauch» boote beschränkt sein.

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45 D-nzelh.itcn über die britisch-franzö- fer. i stich«« Flottenvorschläg« im wcsent.

Leber die angeblichen briti­schen Zugeständnisse inbetrefs der französischen Landreserven, von denen in der Presse oft die Rede war. sagt der französische Erlaß, soweit er vom Aniversal-Nachrichten-Dienst veröffentlicht wird, nichts. Cs ist allerdings nicht sicher, daß man in Paris dem Universal- Nachrichten-Dienst den vollen Text des Rundschreibens zur Verfügung gestellt hat.

Während das amerikanische Staats­departement keinerlei Stellung zu diesen Enthüllungen nimmt und erklärt, Coolil^es Rückkehr von seiner Neise abwatten zu wollen, erfährt Reuter: Zn britischen amtlichen Kreisen gibt man zu, ohne sich über die Authentizität des an­geblichen Schreibens zu äußern, daß die darin enthaltenen

{lichen zutreffen,

|ie den Regierungen der Vereinigten Staaten. Japans und Italiens mitgeteilt wurden. Japan habe ihnen bereits im Grundsatz zugestimmt, und Italien sei eben- Ikalls dazu bereit.

Beträchtliche Bestürzung in Paris.

fk. Paris. 22. Sept. Die Deröffent- / lichung des Schreibens des französischen Außenministers an die diplomatischen Ver- iretungen in Washington, Tokio und Rom W Erläuterung des französisch-englischen Ilottenkompromisses hat in Pariser zu- ständigen Kreisen starkeSWißfallen wid einige Bestürzung hervorgerufen. Man stagl sich besonders, wie es möglich war. /daß die Hearst-Presse in den Besitz des tertraulichen Schreibens gelangte. In dem <nrai d'Orsay nahestehenden Kreisen gibt wan zu. daß der Text in der in einem Londoner Blatt erschienen Form die gemeinsamen, von der französischen und englischen Regierung gemachten Vorschläge imr^eine Flottenabrüstung falsch dar-

Der i« Frage kommende sei tat­sächlich am 3. Aug. a» die franzöfischen Agenten geschickt worden.

®r enthalte 10 Maschinenfetten und habe den Zweck gehabt, das französisch-englische Kompromiß den Vereinigten Staaten. Ia- dan und Italien zu erläutern. Die Sorge °et französischen Regierung sei gewesen.

. öur 'Beseitigung von Mißverständnissen die Orderen Regierungen und besonders di«

Fortgesetzte Sabotage -er Abrüstung

Immer na» rein Termin für die nfcblte Vorkonferenz

Genf, 21. Sept. Der neue Entfchlie» 8 un gstext über die Festsetzung der Arbeiten des vorbereitenden Ab­rüst ungs ausschusses wurde heute nachmittag nach längerer Aussprache im Ab­rüstungsausschuß der Völkerbuudsversamm- lung an das Redaktivnskomiteszu- rückverwiesen, das heute abend seine Arbeiten wieder aufnimmt. Tii mit wach­sendem Interesse verfolgte Debatte wurde von Pa ul Doncour eröffnet, der, zu Graf Bernstorfs gewandt, auf die Notwendigkeit der Einstimmigkeit der Annahme des Re- folutionsentwurfes hinwies, damit die Ent­schließung ihren vollen Wert erhält. Nach einer kurzen Stellungnahme des italienischen Generals de Ma r in i s begründete unter größter Spannung des dicht besetzten Saales

Graf Bernstorfs

die Stellungnahme der deutschen Delegation, die nach Instruktion ihrer Regierung die Resolution nickt annehmen könne. Rach einem Hinweis aus die vom Reichs­kanzler aufgestellte Forderung nach Einbe­rufung d-er Abrüstungskonferenz erklärte er mit erhobener Stimme:

.Der vorliegende Desolu^ionsentwurf ist für uns auf Grund unserer Auffassung über die großen Gesichtspunkte des Völkerbundes, wegen deren wir in den Völkerbund einge­treten sind, nicht annehmbar. Der Völkerbund ist für uns die große Weltin^itntion, die die Befriedigung und die Abrüstung der Welt zum Ziele hat. Ich verstehe di« zur Geltung gebrachten Schwierigkeiten Wohl. Aber diiser Entschließungstext bedeutet die vollständige Abdankung des Völ­kerbundes in der Abrüstungs­frage. da ste den Regierungen die Bei­legung der Schwierigkeiten überläßt, während der Völkerbund warten muß. bis diese Schwie­rigkeiten behoben find. DaS ist vom Stand­punkte des Völkerbundes aus eine vollständige Abdankung in der Abrüstungs-rage. Die Völkerbundsversammlung mühte im Gegenteil erklären, daß die Regierungen sich verständigen müssen, da sonst der Völkerbund seine letzte große Anstrengung zur Verwirklichung der Abrüstung von sich aus unternehmen müsse. Wir können nicht einfach warten, bis die Seegroßmächte die zwischen ihnen vorhan­denen — ganz abgesehen von anderen — Schwieriakeiten besei igt haben. W r könnten sonst bis zur Revision des Washingtoner Seeabrüstungsabkommens in 1931 warten müssen. Allerdings sei die Lage, so fuhr Graf Dernstorsf fort, durch den Vorschlag Paul Doncours. der ver^öhnlicherweise eme Drücke bauen wolle, etwas geändert. Aber trotzdem müsse er Vorbehalte machen, bis ein veränderter Resolutionstext mit für

Deutschland tragbaren Wendungen vvrliegen werde.

' Trotz heftigen Widerspruchs des polnischen Vertreters Svkal, der schroff erklärte, daß der vorliegend« Resolutionstext bereits die äußerste Anstrengung zur Erreichung der Einstimmigkeit darstelle, und bah er der Zu­rückverweisung der Entschliehung an das Re» daktionskomi ee mit einem entsch ebenen Rein widersprechen müsse, falls die deutsche Dele­gation der Meinung wäre, dah sie bei dieser Gelegenheit all« weiteren Vorbehalte vor­bringen könnte, wurde die Zurückverweisung Entwurfs an das Redaktionskomitee be­schlossen.

Das Redaktionskommitee hat heute abend in l'/e stündiger Sitzung den Resolutionstext entsprechend den von deutscher und anderer Seite vorgeschlagenen An­regungen abgeändert.

Die wichtigste Aenderung betrifft den Pas­ses über die Zufatzgarantien für solche Re­gierungen, die ihre Sicherheit nicht für ge­nügend gewährleistet halten, „um ihre Rü­stungen herabzusetzen oder beschränken zu können". Diese in Anführungszeichen gesetzten Wotte, die ein wichtiges Hindernis aus dem Wege zur Aufstellung einer ersten Ab» rüstungskondention hätten darstellen können, sind nunmehr gestrichen worden. Ferner wurden in dem Absatz, in dem die Re­gierungen aufgefordert werden, unverzüglich „gemeinsame Lösungen zu suchen, die die ra'che Wiederaufnahme und den Verfolg der Ar­beiten d-s vo'chrrei enden Abrüstungsaueschuh erlauben", die Worte „dir rasche Wiederauf­nahme" gestrichen. Schließlich find di« beiden letzten Absätze der heut« nachmittag vor­gelegten Resolution in einen einzigen Schluß- ab'atz zusammengezvgen worden, der nunmehr folgendermaßen lautet:

„Die Böllerbundsversammlung legt dem Dot nahe, den Präsidenten d«S vorbereitenden Ab» rüstungsausschusses zu beauftragen, sich mit den interessierten Regierungen in Verbin­dung zu halten, damit er den Stand ihrer Verhandlung kennen lernt und

den vorbereitenden Abrüstungsaus­schuß am Ende dieses Jahres oder auf jeden Fall zu Anfang des nächsten

Zahres einberust."

Die endgültige Stellungnahme der deut­schen Delegation zu diesem neuen Entschlie- ßungsiext ist noch nicht bekannt. Doch muh betont werden, daß die deutsch« Forderung nach Einberufung der eigentlichen Aorüstungs- konserenz am Jahre 1929 noch immer nicht erfüllt ist.

Der mm Kurs ter tneiitotn 9rtell«i»aft

Von Dr. Marquardt-Hamburg.

Fast zu gleicher Zeit haben die deutschen und englischen Gewerkschaften ihre Jabres- tagung abgehalten, und doch waren die Ver­handlungsgegenstände und Methoden auf bei­den Kongressen grundverschiedener Art. Die Engländer hatten sich zu ihrem 60. Kongreß in Swansea versammelt und sahen sich vor Entschiedungen gestellt, daß sowohl das poli­tische als auch das wirtschaftliche England mit großer Spannung den Verhandlungen folgte. Als ein stark industrialisiertes Volk haben wir Deutschen aber ebenfalls ein gro­ßes Interesse daran zu verfolgen, welche Fol­gerungen man in England aus der nach dem Kriege einsetzenden neuen Entwicklungs» veriode der Industrie zu ziehen gedentt.

Bekanntlich bat sich schon der Gewerkschafts­kongreß des letzten Jahres vrinriviell von einer Politik des Kamvfes, der Streiks und der Radikalisierung abgwandt und sich bereit erklätt, den Unternehmern am Verhandlungs­tisch zu begegnen und den „harten Tatsachen der Wirtschaftsdevression ins Auge »u sehen", sowie dem Eeneralrat Bewegungsfreiheit zu lasten, Wege zu suchen, die zu einer Wieder­herstellung des hohen Lebensstandards für die Arbeiterschaft führen. Auch die Gewerkschaften haben die wirtschaftlich« Depression in den Urindnstrien zu fühlen bekommen. Von einer Rekordzahl von 6,5 Millionen Mitgliedern im Jahre 1920 sind sie 1928 auf 3,874 Millionen gefallen und haben allein im letzten Jahre rund 290 000 Mitglieder verloren. Neben der Devression war aber auch die innere Uneinig­keit der Gewerkschaftsbewegung an dem Rück­gang schuldig. Vor allem bat die radikale Politik, die zum Generalstreik und dem gro­ßen Bergarbeiterstreik führte, der Bewegung viele Anhänger entfremdet, und so war der diesiährige Kongreß zu einem großen Teil heftigen Auseinandersetzungen über die Schädlinge in der Bewegung gewidmet, bei denen die beiden Richtungen, die radikale Cook-Marton mit ihrem kommunistischen Ein- 'blag nutz die gemäßigte, zu der vor allem die Kewerkschaftsbürokratie zählt, scharf und er­bittert auseinandeistietzen. Der Kampf endigte mit einem vollen Sieg der gemäßigten Partei. Aufs neue wurde jede Verbindung mit kom­munistischen Gewerkschaften, mit den russischen Verbänden und ähnlichen fremden Gruppen abgelehnt. Dann aber und das ist das erste wesentliche Ergebnis des Kongrestes, erhielt der Generalrat der Gewerkschaften, d. 6. die Exekutive, Vollmacht, sofort und Überall Un­tersuchungen darüber anzustellen, wie die s» genannten destruktiven Elemente, feien sie Einzelpersonen oder Eruvven, seien sie in Ge­werkschaften oder im Generalrat selbst, ihre zerstörende Politik durchführten. Der Gene­ralrat bat das Recht, deren Tätigkeit sofort zu unterbinden und dem Kongreß Maß­nahmen ru ihrer Ausstoßung vorzuschlagen. Damit haben die alten und vernünftigen Führer eine scharfe Waffe gegen die soge­nannte Minderheit bekommen und können nun eine energische Säuberung der Gewerk­schaften vornehmen. Wurde somit unzwei­deutig die klastenkämvferische und internatio­nale Richtung unschädlich gemacht, so konstte der Kongreß die zweite wichtige Entscheidung fällen, die in der sechzigiährigen Eewerk- schaftsvolitik schlechthin eine revoluätionäre Wendung bedeutet. Der Kongreß entschied sich mit. rund 3 075 000 gegen 566 000 Stimmen dafür, an Stelle des Kampfes gegen. Arbeit­geber und Kavitalismus eine Politik der Verständigung und «Zusammenarbeit zu trei­ben, mit dem Ziel, durch eine erhöhte Pro­sperität der Industrie und eine verantwort- liche Teilnahme an der Entwicklung der Wirt­schaft dem Arbeiter angemessene Löhne und Lebenshaltung zu verschaffen.

Im Einzelnen handelte es sich bei dieser Entscheidung um die Billigung der Verhand­lungen, die eine Anzahl von Gewerkschafts­führern im Laufe dieses Jahres mit einer ©ruDoe einflußreicher Industrieller unter dem Vorsitz Lord Melchetts, ehemals Cir Alfred Monds, geführt hatte Die Verhandlungen zeitigten damals die Annahme von sechs Punkten, die nun dem Kongreß zur Billigung unterbreitet wurden. Danach soll etn Ratio- naier ^ndustrierat errichtet werden, in dem bie Gewerkschaften einerseits, der Arbeitgeber- und der Jndustriellenverband andererseits

Die Heutige Nummer i*6t 20 Seiten