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Marburger

ZagMüMger

WM LanbeöDttW

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. 222 «.Stete. Rllkburg niete

Der Anzeigenpreis beträgt fte den 10 gespalt. Zellenmillimeter 0.08 GM^ kleine Baranzeigeu 0.06 SM^ amtliche und aus», wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50»,, Aufschlag. — lvammelan,eigen 100•/. Aus­schlag. Reklamen der Milli«. P,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Varrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. E» füllungsort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

Das beste Luftschiff -er Weit

Utter looo fflfomttet in 91- Stunden - SuWKnlttMHtendigkelt 120 «llemttet

Die Berichte des X. U. Berichter­statters während der Fahrt

1. Fahrtbericht (Basel): Um 7,45 Ahr wird das Schiff bei ruhigem sonnigen Wetter aas der Halle gebracht and wieder, wie bet der ersten Ausfahrt, mit dem Bug nach Osten völlig umgedreht. 3m Speisejaal. wo Dr. Eckener den Fahrgästen noch kurz vor der Abfahrt als Beweis dafür, daß an alles ge­dacht worden ist, die S ch i f f s ä r z t i n Dr. Opitz vorgestellt hat, erfährt man von alle­dem nichts. Durch die Fenster stellt man fest, daß das Schiff wieder still liegt. Es ist letzt Punkt 8 Ahr. Die Haltemannschaften geben das Schiff frei. Es steigt. Die Mo­toren fetzen ein. Ihr Geräusch ist nicht stärker zu hören, als das Rattern der Eiseubahnräder im Schnellzug, nur fehlt jede Erschütterung, und Seekrankheit ist wirklich nicht zu be­fürchten. Aach einer Schleife über Friedrichs­hafen ist das Schiff in wenigen Augenblicken • über dem Bodensee. Schon sind wir so hoch, daß der von Romanshorn kommende Dampfer nur noch wie ein Kinderspielzeug aussieht. Jetzt gibt uns einer der Steuer­leute, Herr von Schiller, das Fahrt- ziel an. Zugleich die erste Aeberraschung: Zürich — Basel. Schon überfahren wir bas Hügelland zwischen dem Bodensee und dem Züricher See. Es' geht in 100 bls 200 Meter Höhe teilweise zwischen leichten Wvlkenfetzen hindurch. Dann aber breitet sich das Land unter uns wieder tote eine lebende Landkarte aus. Eine Herde Bieh läuft, von dem ungewöhnlichen Lärm er­schreckt, davon. Run wird das Garten- und Wiesenland von prächtigen Wäldern abgelöst. Ein Flugzeug begleitet das Schiss zur Aus­nahme ötnt Filmen. Wir sind über Frau­enfeld. Bald wird Zürich erreicht sein, Aussicht auf die Alpen. 8,40 Ahr wird Mi nterthur überflogen. Im Spei'esaal und in den Passagierkabinen wird fast ebenso eifrig gearbeitet wie im übrigen Schiff. Presse­vertreter, Filmleute, Zeichner und Photo­graphen sind am Werk, die denkwürdige Fahrt in Wort und Bild festzuhalten. Zehn Mi- nuten später find wir schon

über Zürich.

der ersten großen Stadt auf unserer Reise. Während die nahen Doralpen im Morgen- dunst liegen, ist tn der Stadt selbst alle- genau zu erkennen. Der Verkehr ist in dieser Zeit noch nicht lebhaft. In den Hauptstraßen steht man überall lebhaft diskutierende Men­schengruppen. Die Dächer füllen sich rasch, und lebhaft winkt alles dem .Gras Zeppel in" zu. Rach einer Schleife über dem Züricher See geht es über Waldshut de» Rhein entlang nach Basel.

2. Fahrtbericht (Mannheim): Um 9,45 Uhr ist

Basel

erreicht. Ein schwerer Flugzeug fährt neben pent Luftschiff her, vermutlich auf einem Der- kehrsflug. Der Hafen, die große Rheinbrücke, eine Schiffsbrücke, eine Eisenbahnbrücke we den den Rhein entlang nacheinander Passiert. Der Münsterplatz wimmelt von Menschsi, offenbar War die Ankunft des Luftschiffs von Zürich vorauSgemeldet und schon bekannt. Jetzt find wir nahe der französischen Grenze. Run geht es ganz nahe am Rhein auf deutscher Seite nach Borden.

lieber allen größeren Städten roirb

Post abgeworfen.

4>iefe Gelegenheit wird von allen Fahrgästen ftdesmal eifrig benützt. Bet der gleichmäßigen Geschwindigkeit von etwa 120 Kilometer in bei Stunde geht es rasch vorwärts. Zur Rechten erheben sich die bewaldeten Kuppen des Schwarzwaldes, bald werden wir in Frei­burg fein. Der Steward sorgt bis dahin für die allmählich hungrig werdenden Passagiere. Die Speisekarte wird gereicht, und bald wirb an allen Tischen gefrühstückt. Freiburg! Die saubere Stadt an der Dreisam" ist er- »eicht. Es ist jetzt 10,20 Uhr. Auf dem Platz um das Münster ist gerade Markt. Alles ist in Bewegung und jubelt dem Luft- tiefen zu. Baden-Baden ist die nächste Etappe. Die an Bord befindliche« Sourna- »sten nutzen die Gelegenheit,

dem tn Baden-Baden zur Kur weilen­den Reichsautzenminister Dr. Strefe, wann einen Kartengrutz abwerfen

8U lassen. Im Führer- und RavigationS- raum, dem ll^rvenzentrum des Schisses, steht Dr. Eckener mit den Führern und Steuerleuten und gibt feine Weisungen. Alles geht mit einer bewundernswürdigen Ruhe und Selbst­verständlichkeit vor sich. Die Führer — außer Dr. Eckener find dies Lehmann und Flemming — lösen sich alle vier Stunden ab, während die Steuerleute alle zwei Stunden wechseln. Die Funkstation ist inzwischen mit der Werft in Friedrichshafen in Verbindung getreten und gibt von Zeit zu Zeit eine Standvrtmeldung durch. Zehn Mi­nuten lang, bis 11,30 Uhr, kreist das Luft­schiff über Baden-Baden und umfährt den Merkur in weitem Bogen. Ein Verkehrsflug­zeug war vom Flugplatz aus aufgestiegen, als das Schiff in Sicht kam, und nähert sich jetzt dem Luftschiff auf wenige hundert Meter. Jetzt gönnt sich um 11 Uhr Dr. Eckener eine Ruhepause, utfb im Speisesaal erfahren wir von ihm, daß wir bereits seit geraumer Zeit

München, 20. Sevt. Anläßlich der Tagung des Reichsverbandes des Deutschen Groß- und l Uebrseehandels führte Finanzminister öövket- Aschoff in der Ausschubsitzung zu dem Thema

„Einheitsstaat und Rationalifierung der Verwaltung"

u. a. aus: Die Mängel des beuiign Zustandes liegen klar zu Tage. Zunächst die Zerfvlitte- rung des Rechtes. Aber auch die Verwaltung leidet unter der großen Zersplitterung Hier vor allem die Steuerverwaltung. Diese Zersplitte­rung wird dadurch doch größer, daß das Reich nach und nach ohne jedes System versucht, Ver­waltungen an sich zu bringen. Dies führt da­zu, daß neben den allgemeinen Verwaltungen der Länder neue Verwaltungen entstehen und die Verwaltung immer unübersichtlicher wird. Daß auf vielen Gebieten die Gesetzgebung beim Reich, die Verwaltung dagegen bei den Län­dern liegt, hat schädliche Auswirkungen zwi­schen Reich und Ländern und auf manchen Ge­bieten einen heftigen Kompetenzstreit gezeitigt. Wir brauchen, so fuhr der Minister fort, eine starke Reichsgewalt und eine vernünftige Glie­derung des Reiches, damit große, woblabgerun- dete Verwaltungsbezirke für die Mittelbebör- ben und für eine starke Selbstverwaltung ent­stehen. Bei der Bildung dieser Bezirke muß man anknüpfen an die preußischen Provinzen, mit denen die kleinen norddeutschen Länder zu vereinigen wären, und an süddeutsche und mit­teldeutsche Mittelländer. Es würde sich dann

folgender Ausbau

ergeben: In Norddeutschland würden die Län­derregierungen in der Reichsregierung auf­gehen. Wie bisher würden Reichssonderbehär- den in der mittleren Instanz bestehen für Post Ei en.ahn, Reichswehr, Rellysarbe.tsverwal' tuns und auch für die Reichsjuftizverwaltung. wenn diese zu einer Reichsverwaltung ausge­baut würden. Dabei würden Behörden der all­gemeinen Verwaltuna in den aus den gebilde­ten Bezirken, em besten Länder genannt, vor­handen fein unter der Leitung eines Obcrvräsi- benten deren Aufgabe die Polizei, Komrnun«-

diese EüddeutschlanL fahrt, soweit es möglich war,

zu einer LegrStzungssahrl für das besetzte Eebief

geworden.

4. Fahetbericht (Stuttgart): Kurz nach 13 Ahr wird Mainz berührt. Der Rhein ist von zahlreichen Dampfern und Kähnen ftcut belegt. Das Luftschiff fährt möglichst tief, damit es von der S.adt aus noch deutlich zu fefjei- ist. Jetzt geht es nach Osten, main- auftoärts. Ilm 13,15 Uhr liegen Die Höchster Farbwerke direkt unter uns, und wenige Augenblicke später ist

Frankfurt

erreicht. Auch hier stocki in der Stadt der ganze Mitiagsverkehr. Die Siraßenvahnen

in 600 bte 700 Meter Höhe fahren, wobei eine mäßige Geschwindigkeit von 110 Kilometer eingehalten wird.

3. Fahrtbericht (Frankfurt a. M.): Zwilchen Karlsruhe, das um 11,45 Ahr überflogen wurde, und Mannheim steigt das Schiff toiebet etwas tiefer. Jetzt ist es etwas dunstiger und anscheinend auch etwas böiger geworden. Trotzdem spürt man im Schiff kaum mehr Schwankungen als in einem Dampfer bei leichtem Seegang. Im Industriegebiet von Mannheim grüßen die Pfeifen und Si­renen das LustschUft Es ist 12,15 Ahr. Dr. Eckener weist für die kommende Rhemstrecke darauf hin, daß einDesuch der Städte im besetzten Gebiet bekanntlich verboten ist, weshalb Mainz nur gestreift werden kann. Man wird nun so nahe wie mjtelich an der Grenze des besetzten Gebietes entlang fahren, so daß wenigstens das Luft­schiff von weitem sichtbar sein wird. So ist

aufsicht, die innere Verwaltung, die Bauver­waltung und die Verwaltung des 'Staatsuer= mögens sein würde. Außerdem würde in diesen norddeutschen Ländern eine Selbstverwaltung bestehen unter einem Landeshauptmann nach der Art der preußischen Provinzialverwaltung, aber in ihrem Wirkungskreis weiter ausge­baut. In Süddeutschland sind schon heute die­selben Reichsmittel-Behörden vorhanden wie in Norddeutschland, die allgemeine Verwaltung ist Staatsverwaltung. Aber sollte es nicht mög­lich sein, wenn die allgemeine Verwaltung in Norddeutschland Reichsverwaltung würde, ge­wiße Gebiete der allgemeinen Verwaltung in Süddeutschland als Reichsauftragsverwaltung nach den Weisungen der Reichsregierung zu führen und

fo die Unterschiede zwischen norddeutsche» und süddeutschen Ländern allmählich aus- zugleichen?

Die Selbstverwaltung der norddeutschen Länder ist in Süddeutschland als Staatsderwaltung vorhanden und würde bestehen bleiben. Der Reichsrat würde in Zukunft aus Vertretern der norddeutschen und süddeutschen Länder zusam­mengesetzt fein, deren Zahl durch die Bevölke­rung bestimmt würde. Die vorgeschlagene Um­gestaltung müßte dann aber auch zu einer Aenderung des parlamentarischen Systems in den siid- und mitteldeutschen Ländern führen. Sie müßten alsdann ihre Regierungen bilden, wie heute die preußischen Provinzen ihre Pro­vinzialregierungen bilden, also Wahl auf Zeit.

Zum Schluß betonte der Minister, daß man sich bei allem von der Erkenntnis leiten lassen müsse, daß wir nur e i n Vaterland haben, daß es nur e i n Volkstum und eine Kultur in Deutschland gibt und daß auch die deutsche Wirtschaft eiste Einheit darstellt. Das wesent­liche aber sei, daß die Entwicklung des deutsche» Volkes eine starke Einheitswillensbildung vor­aussetzt, daß dieses nur möglich ist, wenn die Grenze zwischen starker Reichsgewalt und aus­geprägter Selbstverwaltung vernünftig geglie­derter Länder gefunden wird.

Balten, und auS allen Häusern in* von den Dächern wird öas Luftschiff begrüßt. Nun ist das nördliche Endziel der Fahrt durch Eüddeutschland erreicht, und das Schiff fteueet nach Süden zurück Zwilchen Darmstadt und Heidelberg erreicht daS Schiff eine Höhe von 1700 Meter. Trotzdem sieht man zwischen der Dunstschicht noch deutlich das wellige Land an ber_ Bergstraße. Die Marschgeschwindigkeit beträgt bei schwachem Nordwind 120 Kilometer in der Stunde. Um 14,10 Uhr ist Heidelberg erreicht. Inzwischen ist man wieder einige hundert Meter tiefer gegangen, und so wirkt dieses herrliche Stück deutschen Landes mit seinem Schloß und den bewaldeten Höhen in seiner ganzen Schön­heit auf uns ein. Der Königstuhl bleibt

(Fortsetzung siehe Seite 2.)

Einheitsstaat und Rationalisierung

Nftentimm Htiilanmiotn tft »ntefltten NmmrmiWerS .

o. Melkst in Sagte»

Berlin. 20. SSept. Wie der „Tag" meldet, ist die »Ca top a“, di« am Donnerstag Morgen in Angora startete, nach fiebenftündkgem Flug auf dem Zivil« flugplatz in Bagdad glatt gelandet.

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SMhllmrmMgmig ftir Stetig- foretter

Berlin. 20. Sept. Der Reichspost­minister hat da« Verwaltungsrat der Deutschen Reichspoft soeben eine Vorlage auf Ermäßigung der Fernsprech« gebühre« für Wenig,Sprecher zugehen lassen. Hiernach soll vor allem die Forderung einer Mindeftzahl von Ort», gesprächen entfallen. De« Teilnehmer« werden künftig nur di« wirklich geführten Ortsgespräche in Rechnung gestellt werde«. Ferner werde« di« einmaligen Apparate beiträge, die bei Herstellung «euer Haupt» und Nebenanschlüsse zu entrichten find, er« heblich herabgesetzt werden. Schließlich wird die Einrichtung öffentlicher Sprech, stellen auf dem flachen Lande weseutlich verbilligt werde«.

Im Paketverkehr wird die Ge­bühr für unvvrfkegÄte Wertpakete «t« mäßigt werden. Empfänger, bi« ihr« Pakete regelmäßig von der Post abhole«, sollen eine Vergütung gewahrt erhalte«.

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Sintenterg in SoMiiait

Li egnitz. 20. Sept. (WSB.) Am heutigen Sage weilte Reichspräsident von Hindenburg an den Stätten, wo er seine Iugendjahre verlebte und seine erste mili­tärische Erziehung gefunden hatte. Am 9,15 Ahr traf er mit dem Schnellzug von Breslau in L i e gnitz ein, von wo er sich zunächst unter dem Jubel der Bevölkerung zu der ehemaligen Kadettenanstalt, jetzi­gen Schule Wahl statt begab. Rach Besichtigung der Anstalt, bei der die Zög­linge auch ein Schauturnen vorführten, kehrte der Reichspräsident nach der Stadt L i e g n i tz, deren Ehrenbürger er ist, zu­rück. Hier fand mittags ein Festakt statt, bei der der Oberbürgermeister Dr. Char» bonnier und Reichspräsident von Hinden­burg sprachen. i

Bon Liegnjtz fuhr der Reichspräsident nachmittags nach Glvgau, wo er eben­falls stürmisch gefeiert wurde, und nach Frau stadt.

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5« M an Admiral Senkt

Berlin, 20. Sept. Der Re ichS- Präsident richtete heute mittag folgen­den Funkspruch an den Chef der Marine­leitung: »Am heutigen Sage, an dem Sie Ihre Flagge auf der Flotte nieder­holen, gedenke ich Ihrer aufopfernden Sä­ugte it im Dienste des Vaterlandes, ge­denke Ihrer hervorragenden Leistungen in Krieg und Frieden, gedenke vor allen Dingen Ihrer großen, unvergeß­lichen Verdienste um den Wie- deraufbauunsererFlotte — ein Lehrmeister im Frieden, ein Führer im Krieg, ein Organisator nach dem Zu- ammenbruch. Mit Stolz und tiefer Be- tiebigung dürfen Sie bei Ihrem Aus- cheiden auf Ihre Lebensarbeit zurück-

1 chauen. Ich danke Ihn en im Na­men des Vaterlandes und wünsche Ihnen alles Gute für Ihren ferneren Le­bensweg. Ich bitte, der Marine, die heute ihren langjährigen Chef berliert; diese Abschiedsworte bekannt zu geben und meine besten Grüße zu übermitteln.“