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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Keine neuen Spfse für -je Näumnns!
Auch tot MllÄllMauMuß für die befetten Mitte warnt cor wetteren AigWadMen
Berlin, 17. Sept. Der Wirtschafts- «lusschutz für die besetzten Gebiete, mit dem Sitz in Koblenz, hat durch seinen Vorsitzenden, den Reichstagsabgeordneten Dr. Kalle, dem Reichsminister für die besetzten Gebiete folgendes Schreiben zugehen lasien:
„Zn einer Sitzung des geschäftsführen- ben Ausschusses des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete, die am Sonntag in Mainz stattfand, und an der Vertreter der Handelskammern, der Handwerks- und Landwirtschaftskammern aus dem ganzen besetzten Gebiet teilgenommen haben, kam als einmütige Auffassung zum Ausdruck, daß das besetzte Rheinland von der Reichsregierung erwarte, daß wegen einer früheren Räumung keinerlei über die heute schon bestehenden schweren Lasten hinausgehende neue Verpflichtungen, wie etwa die Einführung einer Dauer-Kontrolle, zugestanden werden. Ehe Deutschland neue Opfer zugemutet werden, will das Rheinland lieber die Besatzungsnot dis zum Endtermin tragen. Ich beehre mich, hiervon Kenntnis zu geben, mit der Bitte, das Reichskabinett von dieser Auffassung des Wirtschaftsausschusses für die besetzten Gebiete zu unterrichten."
des Dawesvlanes auch die Frage der alliierten Kriegsschulden hinzukomme.
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Die „Deutsche 3 t g." meint, das Gesamtkabinett müsse aus dem Zusammenbruch seiner Politik die Folgerungen ziehen und sofort den Rücktritt erklären.
Die „K r e u z z g." sagt, es bestehe die Möglichkeit, daß Deutschland durch einen solchen Dreh in der Revarationsvolitik mit Amerika in Verwickelungen gerate, ja man könnte wohl geradezu sagen, daß es in der Absicht der französischen Politik liege, Deutschland für eine Front gegenüber den Vereinigten Staaten zu gewinnen wobei es sich des Rheinlandes als Druckmittel bedienen wolle. Bei der voraussichtlichen Unmöglichkeit einer Regelung des Rrvgrationsorovlems würde rio dst Räumung der dritten ,3one ins Unendliche verzögert werden.
Die „Deutsche Tagesztg." sagt, die tltmosvbäre sei beute ungünstiger als vor dem deutschen Schritt in Genf. Durch seine Zustimmung zur Feststcllungskommission habe Deutschland eine neue schwerwiegende Konzession gemacht.
Der „L o k. - A n z." betont, man habe auf französischer und englischer Seite für die Augen der Welt aus diesem Kompromiß das
gemacht, was man ursprünglich beabsichtigte: die Einleitung zu einet weiteren Unterwerfung Deutschlands unter das System der Pfändervolitik.
Die „D. A. Ztg." führt aus es sei dringend zu wünschen, daß die Vereinigten Staaten in der in Genf vorgesehenen Regelung der Reparationsfrage nicht etwa die Bildung einer einheitlichen Front Europas gegen den großen Gläubiger jenseits des Wassers erblickten. In eine solche Front gehöre Deutschland unter gar (inen Umständen hinein. Als Rückwirkung von Locarno verlasse nicht ein emziger fr*'” zöstscher Soldat das besetzte Gebiet. Ein öffentlicher Bruch sei nicht eingetreten. isin sehr großes Minus sei die grundsätzliche Anerkennung der Einsetzung einer Kontrollinstanz, für die die Franzosen garnichts bezahlt hätten.
Das „B. T." erklärt, Frankreich habe eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Atmosphäre des Vertrauens und der Verständigung wie- derherzustellen, versäumt.
Rur die „Voss. Ztg." meint, es scheine überraschend gut, wenn man die nöheren Umstände in Betracht ziehe, unter denen das Eregbnis der Genfer Verhandlungen zustande kam. In der Räumungsfrage sei ein gewisser Erfolg erzielt worden. Ganz offiziell seien nunmehr Verhandlungen über die Räumung eröffnet worden.
Renten bleckt IkevM
Wie P e r t i n a x im „Daily Telegraph" aus Genf berichtet, hält man in dortigen diplomatischen Kreisen die Zukunft der Rheinlandkommission für die Feststellung des Ausgleiches für unsicher. Die Forderung der Deutschen, daß die Dauer der Kommissionen nicht über das Jahr 1935 hinaus gehen dürfe, sei vielleicht der bemerkenswerteste Zwischenfall auf der dritten und .letzten Sitzung der sechs Mächte gewesen. Die französische Regierung werde, wie Pertinax meint, Deutschland die Räumung der zweiten Zone als „spontane Geste" zugestehen sobald die Deutschen im Verlaufe der Vorverhandlungen klare Beweise ihres guten Willens (?) gezeigt hätten. Die Haltung der offiziellen englischen Kreise gegenüber dem Ergebnis der Rheinlandbesprechungen bleibt, wie der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" meint, skeptisch. Man glaubt nicht, datz der notwendige Betrag der Reparations-Bonds mit amerikanischer Teilnahme aufgebracht werden könnten, ebensowenig daß Deutschland einer ausländischen Ueberwachung des Rheines über den im Friedensvertrag festgelegten Zeitpunkt von 1935 hinaus zustimmen werde. Von französischer Seite werde vorgeschlagen, daß diese Kommission ihren Sitz in Luxemburg haben solle; vielleicht würde ein Teil des Personals der gegenwärtigen interalliierten Rheinlandkommission in Koblenz Beschäftigung in Luxemburg suchen und finden.
In einer Würdigung des Ergebnisses der Senser 6-Mächte-Besvrechungen gibt die »Times" der Ansicht Ausdruck, daß ein wirklicher Fortschritt bisher nicht er- öielt worden sei. Berücksichtigt müsse jedoch »erben, daß die in Genf besprochenen schwierigen Probleme nicht auf einmal gelöst werden könnten. Wesentlich erscheine die Tatsache, daß die Frage der Sicherheit nicht erwähnt (?) sti. Daraus scheine hervorzugehen, daß die These der Verquickung der Räumung mit der Sicherbitsfrage aufgegeben worden sei. Die stark auseinandergehenden Ansichten in Deutschland und Frankreich über die Ver- kfuickung der Rbeinland- und Revarations- llage sviellen angesichls der weiten Basis späterer Verhandlungen leine sehr große Rolle. Wesentlich sei im Augenblick, daß die Mächte ubereingekommen seien, die Arbeit des Aus- Sleichs fortzusetzen und einen ersten Versuch tu machen, die beiden noch ungelösten Hauvt- »robleme Europas zu regeln. Die Schwierigkeiten eines io bedeutsamen Werkes seien Sanz unverkennbar, um so mehr, als zu der Aheinlandfrage und der Frage der Revision
Der RelKsvrWent in SSerWelleu
Oppeln, 17. Sept. Reichspräsident v. Hindenburg traf Montag früh mit dem fahrplanmäßigen Berliner Schnellzug in Oppeln ein. Auf dem Bahnsteig wurde er von den Spitzen der Behörden begrüßt, u. a. von dem zuständigen Wehrkreiskommandeur General Hasse- Berlin. Hierauf wurde der Reichspräsident nach dem Bahnhofs-Vorplatz geleitet, wo er die Front der dort aufgestellten Ehrenkompagnie abschritt. Darauf hieß der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien ProSke den Reichspräsidenten auf oberschlesischem Boden willkommen. In seiner Ansprache gab der Oberpräsident der Ehrerbietung der Bevölkerung Oberschlesiens vor der Perlon des Reichspräsidenten als dem leuchtenden Vorbild deutscher Treue, deutscher Liebe zum Vaterlande und selbstloser aufopferungsvoller Pflichterfüllung gegenüber dem Vaterlande und der unaussprechlichen Dankbarkeit gegenüber dem ruhmreichen Feldherrn aus dem Weltkriege Ausdruck, der das südöstliche Grenzgebiet Oberschle- stens vor den unmittelbaren Schreck,
nissen des Weltkrieges bewahrt hat. Der Oberpräsident schloß mit einem Hoch auf den Reichspräsidenten, in das die Bevölkerung freudig einstimmte. Ter Reichspräsident dankte dem Oberpräsidenten für seinen freundlichen Willkommengruß und trat dann eine Rundfahrt durch die Stadt und ins Industriegebiet an. Bis zur Stadtgrenze bildeten die Oppelner Ver- eine, Innungen, Feuerwehr, Eisenbahner und Schüler Spalter.
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In Hindenburg nahm der Reichspräsident die Grundsteinlegung des neuen Kinderkrankenhauses vor. Er wurde von Oberbürgermeister Luka- schek mit einer Ansprache begrüßt. Der Oberbürgermeister sagte u. a.: „Ew. Exzellenz sind, wie für das ganze Deutschland, so besonders für uns als Namenspatron unserer Stadt das leuchtende Vorbild, daß man nicht verzagen darf. Freilich, wir sind die ärmste Stadt in Deutschland, freilich, wir stellen die Rekordzahlen für soziales Elend und völkische Not. Aber wir haben auch die Ge- ewißheit, daß Reich und Staat uns nicht vergessen und unsere Sache als Sorge des Staates ansehen. Und dazu ist ein mächtiger Vermittler der Name Hindenburg, der das staatliche Gewissen immer aufrütteln wird ... Wir Hindenburger wollen Ihnen, fierr Reichspräsident, aber versprechen, daß wir stets eingedenk sein werden, was uns der Name Hindenburg bedeutet; Pflichterfüllung, Treue und Deutlch- fetn".
In Gletw itz wurden dem Reichspräsv- denren ebenfalls von der Bevölkerung herzliche Kundgebungen dargebracht. Nach einer Rundfahrt durch die Hauptstraßen schritt der Reichspräsident vor dem „Haus Ober- schlesien" die Front einer Hundertschaft der Schutzpolizei ab. Bet dem darauf stattfindenden Frühstück, das die Kommunal- derwaltungen des Jndustriebezirks gaben, Wurde der Reichspräsident von Oberbürgermeister Dr. G e i tz l e r - Gleiwütz für die Stadtkreise und von Landrat Dr. llrba- nek-Beuthen für die Landkreise des Jn- dustriebczirks willkommen geheißen.
In seiner Antwortrede sagte der Reichspräsident u. a.t „Wie kern anderer Teil Deutschlands ist diese Südostecke des Reiches
(Boitieiano siede Seite 2J
Der Reichspräsident antwortete etwa: „Die Sorge für das Heranwachsende Geschlecht, das Träger der deutschen Zukunft sein wird, ist eine der wtchttgsten Aufgaben unserer Nation. Die Heranziehung und Erhaltung einer gesunden Jugend muß Gegenstand der besonderen Sorge und gemeinsamen Arbeit von Reich, Staat und Gemeinden fein. In verstärktem Matze mutz diese Fürsorge tm dicht bevölkerten Industriegebiet herrschen, in Städten mit Wirtschafts not und Wohnungselend, wo infolge ungünstiger Verhältnisse der Prozentsatz der Todesfälle von Kindern stark gestiegen ist und der Heranwachsenden Jugend die Gefahr der Verelendung droht". Der Reichspräsident vollzog bann die Grundsteinlegung des Kinderkrankenhauses.
Bon Hindenburg fuhr der Reichspräsident weiter nach der Grenzstadt Beuchen, wo er gegen 11.45 Uhr eintraf. Unterwegs fuhr er an der Grenze bei Ruda- hammer vorbei, wo die Chaussee
unmittelbar an der polnische» Grenze entlang
führt. 30 Meter von der Landsttatze entfernt standen polnische Grenzzollbeamte mit dem Karabiner in der Hand. Auf dem Ringe in Beuthen wurde der Reichspräsident von einer ungeheuren Menschenmenge lebhaft begrüßt. Oberbürgermeistev Dr. K n a ck r i ck entbot dem Reichspräsidenten den Willkommensgruß. An dem Hindenburg-Gymnasium, in dem der Reichspräsident als Befehlshaber der Ostarmee im Jahre 1914 sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, wurde zur Erinnerung an den Besuch von damals und heute eine Gedenktafel angebracht. Nach einer Rundfahrt durch die Straßen der Stadt fuhr« der Reichspräsident von Beuthen nach Glei- witz weiter.
Sie Wtfaürl toS „6tof »kvptlln"
Wie der Sonderberichterstatter , des WTB. von Dr. Eckener erfährt, ist nun» mehr auch die Angelegenheit der Haftpflicht» Versicherung, die einer der Hindernisgründe für den Aufstieg des Zeppelins war, ge» klätt. Dr. Eckener hat dem Reichsverkehrs» Ministerium mitgeteilt, daß diese Frage in Ordnung ist. Da außerdem die vor» läufige Zulassung vvrliegt, hat
Dienstag früh unter allen Umständen zum ersten Start aufzusteigen,
Dr. Eckener die Absicht, wenn die die Windverhältnisse es gestatten; er hofft, daß der Wind sich bis Dienstag legt. Zn den nächsten Tagen werden wir über dem Bodensee wahrscheinlich eine starke Veränderung der gesamten Wetterverhält- bekommen, weil über England ein Tief vorhanden ist, das voraussichtlich auch das Bodenseegebiet nicht unberührt lassen wird. Diese Veränderung der Wetterlage würde aber keine olle spielen, denn auch die Probefahrten des „Z. R. 3" sind bei außerordentlich schlechter Witterung unternommen worden. Die einzige Frage ist bei den engen Platzverhältnissen die Wind» r i ch t u n g.
Entsprechend der Beschränkung der vorläufigen Genehmigung werden die ersten Fahrten
mit Benzol statt mit Triebga, unternommen. Zn Friedrichshafen sind bereits zwei Vertreter der Deutschen Ver» suchsanstalt für Luftfahrt eingetroffen, die als Prüfungs- und Abnahmebeamte figurieren. Dr. Eckener hat mit ihnen verhandelt. ES ist anzunehmen, daß dabei auch die Frage des Triebgases behandelt worden ist. Dr. Eckener hofft, daß es ihm gelingen werde, die Versuchsanstalt für Lust- fahtt davon zu überzeugen, daß das neue Gas eher ungefährlicher als Benzin ist. Don technischer Seite der Zeppelingesellschaft wird betont, es sei bei der Anordnung der Zellen ausgeschlossen, daß die von der Versuchsanstalt befürchtete Mischung des Triebgases mit dem TraggaS eintreten kann. Auch die Durchlüftung sei aus Grund sorgfälliger Versuche durchaus einwandftei geregelt.
Ser neue SeMeWofi
Friedrichshafen 17. Sept. Die Verwendung von Triebgas statt Benzin beim „Graf Zeppelin" steht neuerdings durch das Verhalten des AeichsvettehrsministeriumS und der Versuchsanstalt für Luftfahrt in der Frage der Fahrtgenehmigung für das Zeppelinlustschiff wieder im Vordergrund des Interesses, weshalb in Folgedem die Votteile der Tttebgas Verwendung dar getan werden sollen:
Die gesamte Tragkraft eines Luftschiffes beträgt ebensoviele Kilogramm wie das Luftschiff Kubikmeter Wasserstoffgas enthält. „2. Z. 127“ wird normalerweise 70—80 000 Kubikmeter WasserstoffgaS mitführen, also
eine Eesamttragkraft von durchschnittlich etwa 75 000 Kilogramm besitzen. Wäre das Luftschiff wie bisher nur für Denzinverwendung eingettchtet, dann würde der gesamt« Schiffsraum von 105 000 Kubikmetern zur Aufnahme Traggas verwendet werden können. Die gesamte Tragkraft wäre in diesem Falle allein um 30 000 Kilogramm höher als bei Triebgasverwendung, jedoch wäre bei ausschließlicher Verwendung von Benzin etwa Vs der gesamten Tragkraft des Schiffes zur Hebung der riesigen Benzinlast benötigt, sodaß die restliche Tragkraft nur 75 000 Kilogramm betragen würde. Die Tragkraft des Luftschiffes bleibt also ziemlich gleich. Ob man 105 000 Kubikmeter Wasserstossgas und 30 000 Kilogramm Benzin oder ob man 75 000 Kubikmeter Wasserstoffgas und 30 000 Kilogramm Triebgas vom spezifischen Gewicht der Luft mitfühtt, jedesmal verbleibt für das Leergewicht des Schiffe« und für die Nutzlast eine Tragkraft von 75 000 Kilogramm. Es ist also durchaus nicht so, daß allein durch die Verwendung des Tttebgases an Stelle von Benzin die Autz- tragkraft des Schiffes um das Gewicht der