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DeMschland soll ewig unfrei fein
Sor Sielnlonb warnt
Ein Telegramm der Rheinischen Volks« partoi an St. Stresemann.
Anzeige» für (das frühere kurhessische) Oberhessen Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
$>tt Anspruch au! Räumung ohne Skgtnlrlstmig nicht anerkannt—SnrrttMare Segensorbrrungea Richt einmal ter Seilpuntt iflt He Räumung ter tweflen Jene porauSzMen
Das Etgebuis der letzten Genfer Besprechung über die RheinlandrSumung.
Genf, 16. Sept. Tie dritte gemeinsame Besprechung über die Frage der Rheinlandräumung wurde Sonntag Nachmittag nach mehr als dreistündiger Dauer gegen 342 Uhr beendet. Deutschland war wieder durch Reichskanzler Hermann Müller und Staatssekretär v. Schubert vertre, ten. Für England nahm Lord Cushen - dun teil, für Frankreich Briand, für Belgien Hymans, für Italien Scia- o j a und für Japan Adaci. Das gemeinsam vereinbart« Kommunique über die Besprechung hat in der amtlichen beut» ßhen Uebersctzung folgenden Wortlaut:
«Am Schluß der dritten Besprechung, die die Vertreter Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens und Japans abhielteu, haben sie mit Befriedigung die freundschaftlichen Bedingungen festgestellt, unter denen die wichtigen Fragen erörtert worden sind, welche der Gegenstand ihres Meinnungsaus- tauschs waren. Eine Einigung ist in folgenden Punkten zwischen ihnen zustande gekommen:
1 lieber die Eröffnung einer offiziellen
Verhandlung über die vom Reichskanzler vorgebrachten Forderungen «ach vorzeitiger Rhein la ndriiu- m un g,
2. über die Notwendigkeit, das Repa, rationsproblem vollständig und endgültig z« regeln und zu die. Jem Zweck eine Kommission von Finanzsachverständigen der sechs Regierungen einzusetzen,
3. über den Grundsatz der Einsetzung einer FeststellungS, und Vergleichs, kommifsion. Sie Zusammensetzung, das Funktionieren, der Gegenstand und die Dauer dieser Kommission find einer Verhandlung zwischen den Regierungen Vorbehalten.«
Rach der Besprechung waren die Teilnehmer einschließlich der Dolmetscher Gäste beim Frühstück bei Lord Cushendun. Eine weitere Besprechung während der jetzig « Tagung wird nicht mehr erwartet.
*
Es ist zu befürchten, daß die ausdrückliche Erwähnung der Bereitschaft, über die Dauer der Rheinlandkommission zu verhandeln. von der alliierten Seite als ein Abweichen vom bisherigen deutschen Standpunkt aufgefaßt werden wird. Ohne Zweifel wird dieser Absatz des amtlichen Tommuniquäs dahin ausgelegt werden,
Deutschland jetzt bereit sei, über eine Ausdehnung der Kontrolle über das Jahr <935 hinaus zu verhandeln.
Soft Caihenten erklärt
ff. London, 17. Sept. Lord Cus - hendun gab gestern den britischen Pressevertretern nach einer Reutermeldung eine Ws Einzelne gehende Darlegung der Rhein» lanobesprechungen und des dabei vertretenen britischen Standpunktes. Dieser ging bah in, daß Srohbritanien eine möglichst frühe Räumung des Rheinlandes anstrebe. Aber es halte gleichzeitig auf die Regelung bes Repararionsproblems, obgleich nicht darunter verstanden würde, daß ein notwendiger logischer Zusammenhang zwischen den beiden Problemen besteht. Es wurde weiterhin nachdrücklich betont, daß die Räumung, auf jeden Fall
die der zweiten Zone, ziemlich
rasch (?) stattfinden soll. 1
Die Mächte sollten dann dazu übergehen, das gesamte Reparationsproblem zu er» örtern und. wenn dies befriedigend geregelt wird, eine Beschleunigung der Räumung der 3. Zone erwägen. (?) Lord Cushendun betonte, daß während der ganzen Besprechungen auf allen Seiten wirklich der Wunsch bestanden habe, die Frage auf eine bessere Grundlage zu stellen.
Es sei nicht bekannt, wann und wo die Besprechungen wieder ausgenommen werden.
Deutschland, bei dem die Initiative liege, werde zweifellos bald Vorschläge über die Wiederaufnahme machen. Ein friedlicher Geist habe während der ganzen Zeit zwi- fen der deutschen und der französischen Delegation geherrscht. Briand, der eine äußerst versöhnliche Haltung zeigte, habe selbst den Vorschlag gemacht, daß die FeststellungS» und Vergleichskommission nicht militärischen Charakter tragen solle.
Die Pariser Presse bespricht eingehend daS offizielle Communiqus, das nach der Genfer 6-Mächte-Vesprechung vorn Sonntag veröffentlicht wurde. Dabei wird hervorgehoben, bah in dem Kommunique
dem Buchstaben und d-m Geiste nach offiziell die Frage der Rheinlandräumung, die Regelung der Reparationen «nd der Sicherheit mit einander verbunden worden seien .
Jede Beweisführung, die darauf abzielen sollte, diese Fragen seien getrennt behandelt worden und ihre Lösung würde in getrennten Verhandlungen gesucht werden, fei falsch.
Eines der wichtigsten Ereignisse der letzten Tage sei, daß
der Grundsatz einer Gegenleistung
für eine vorzeitige Rheinlandräumung endgültig angenommen.
worden sei. Was die Sicherbeilsfrage angehe, (o findet sich in dem Kommunique die Betätigung dafür, daß die alliierten Regierungen in keinem Augenblick diese Seite der Rheinlandfrage außer acht gelassen hatten. Ais wichtigste Tatsache müsse ferner vermerkt werden,
daß von Deutschland die Einsetzung eines Sonderorgans anerkannt werde, daß dazu bestimmt fei, den alliierten Regierungen im allgemeinen und Frankreich im besonderen in der entmilitarisierten Zone die notwendige Beruhigung zu geben.
3m Einzelnen sieht der halbamtliche ,P e - tit Parisien" in dem Abschluß der Vorbesprechungen den Beginn der eigentlichen Verhandlungen. Einen Vorteil für Deutschland erblickt das Blatt darin, daß Reichskanzler Müller auf der Habenseite für feine Regierung und vor der öffentlichen Meinung Deutschland« das erste offizielle Zugeständnis der Alliierten im Sinne einet vorzeitigen Räumung der zweiten und dritten Rheinlandzone buchen könne. Das offizielle Communique bringt vieles oder nichts! Es bringt vieles für eine endgültige Lösung der mvrÄifchen Konflikte au« dem Kriege, es bringt nichs wenn Deutschland nicht durchaus loyal feine Pflichten gegen die Alliierten und besonders gegen Frankreich erfüllt.
Der .Ezcelsi or" bezeichnet es als logisch, daß die FeststellungS- und Vergleichs« kommission solange im Amte bleibe, wie die Garantie der französi'H-deutschen Grenze durch England und Italien laufe. (Also bis in alle Ewigkeit!- D. R.).
Auch der „Mali n“ ist der Auffassung, daß die FeststellungS- und Dergleichskvm- • Mission ewigen Charakter haben soll.
In der Reparationsfrag« kann Großbritannien keine finanziellen Opfer bringen,
nicht einmal als Preis einer allgemeinen Vereinbarung über andere Fragen. Großbritannien ist fähig und entschlossen, seine Schulden an Amerika voll zu bezahlen. Was die Frage der künftigen Kontrolle der entmilitarisierten Zone betreffe, so sei einer der erörterten Punkte gewesen, ob die Kontrolle über das Jahr 1935 hinaus dauern könnte. Die Deutschen hätten von Anfang an geltend gemacht, daß die Kon- trolle im Jahre 1935 zu Ende gehen soll. Anderseits hätten die Franzosen, Italiener und Belgier daran festgehalten, daß
jede Form von Kontrolle, die a« Stelle der Besatzung tritt, entsprechend dem Vertrag von Locarno fortdauernd
sei« soll.
Diese Frage soll bei den bevorstehenden Verhandlungen erörtert werden.
Es wäre absurd, eine derartige Einrichtung, &ie für beide Parteien nö ig sei, in ihrer Dauer auf 6 Vahre beschränken zu wollen. Sie ReiWregierung und der Reichstag hatten Muße, die Modalitäten zu studieren, die auf dipolmalischem Wege geregelt werden sollen. Wesentlich fei die Annahme des Grundsatzes, wenn die deutsche Schuld endgültig festgelegt werde, fo dürfe sie nicht auf Kosten Frankreichs geschehen.
Englische Stimme«.
Ein der englischen Regierung ntchestebendes Blatt erklärt, daß man in englischen «reifen mit dem in Genl abgeschlossenen llebereinkom- men vllkommen zufrieden sei. Dennoch vertrete man nicht bft Auffassung, das irgend welche greifbaren Ergebnisse bald und leicht zu erreichen seien. Das englische Blatt weist ferner auf die Schwierigkeiten der in Aussicht stehenden finanziellen Regelung bin. Die Vorgänge in Genf deuten darauf hin, das die französische Regierung viel von ihrer Festigkeit ausgegeden babe, mit er sie noch vor kurzem im Rahmen der Sicherheit an der Fortdauer der Besetzung bis zum Ablauf der Frist gehalten habe. Weiter behauptet das Blatt, daß bie Rheiniandräumung durch das gestrige abgeschlossene Abkommen r u einem Handel gemacht worden sei. Das Blatt bezeichnet es weiterhin als zweifelhaft, ob über bie Frage einer Oberaufsicht über das Rheinland und einen entsprechenden Teil des französischen Gebietes nach der» Räumung j e - mals eine Einigung zwischen Deutsch- N"tz nutz Frankreich erzielt werden könne.
Ein liberales Blatt behauptet, datz Frank- reich seinen Willen weitgehend durchs es etzt habe. Das Blatt betont die Notwendigkeit bie osteneWunde derRheinland- besetzung zu bellen und weist ferner darauf bin, baß die finati»ie,e Regelung die Mitwirkung Amerikas notwendig sei.
Sie Feststellung- und Bergleichskommisfion
fk. L 0 nd 0 n, 17. Sept. Reuter meldet aus Dens: Lord Cushendun beabsichtigt, am Sonnabend nach London abzureisen. Er ist überzeugt, daß das Kabinett in seiner Sitzung am folgenden Montag seiner Haltung zustimmen werde, und daß die Mitglieder des Kabinetts alles tun werden, um die Forderungen der Fest- stellungs- und Vergleichskommission zu fördern.
Zu der Reutermeldung über die FeststellungS- und DergleichSkommission erfährt WTB. von maßgebender Seite, daß die Anregung einer FeststellungS- und Der» gleichskommission von Frankreich vorgeschlagen wurde.
Dlr MW Presse triumphiert SIt tngiiW Steife erwartet große cKatterlgkellen
Sie „Köln. Ztg." meldet: Ser Wahlkreisverband Köln-Aachen der Deutschen Bolkspattei hat an den Reichsaußen. Minister Sr. Stresemann in Baden-Baden folgendes Telegramm gesandt:
Die Bevölkerung der Rheinprovinz verfolgt mit größter Besorgnis die Verhau- lungen in Genf und befürchtet bei Ein. gehen auf die bekannt gewordenen Vor. stetige der Gegenseite unabsehbare Folgen, die in keinem Verhältnis zu dem erstrebten Ziel stehen und unvereinbar sind mit der Politik von Locarno.
Sie rheinischen Demokraten an die deutsche Selegation in Genf.
Köln. 15. Sept. Im Namen bet rheinischen Demokraten richtete Iusttzrat Falck folgendes Telegramm an dre deutsche Delegation in Genf zu Händen des Bot- -chafters Graf Bernstorfs:
Die rheinischen Demokraten sind überzeugte Anhänger der Berständiaungspolr- tif Diese Politik legt allen Beteiligten die gleichen Verpflichtungen auf. Sie gipfelt in dem Siege des Rechtsgedankens unter den Völkern. Der Anspruch auf sofortige Rcnnnung des gesamten besetzten Gebietes ist ein Recht des deutschen Volkes, erwachsen aus den bestehenden völkerrecht-
' n Abmachungen. Zu irgendeiner Gegenleistung ist das deutsche Volk nicht gehalten, das alles, auch die drückendsten Verpflichtungen, getreu et« -rillt hat
Sie Rheinländer werden, wie bisher, Stu» und Rot zu ertragen wissen; sie werden aber keinem Schritt zustimmen. der die Ehre der Ration oder die Rechte des Reiches beeinflussen würde. Säuernde hattbe Freiheit ist noch schlimmer als die vollkommene Unfreiheit des besetzten Gebietes.
Abreise des Reichskanzlers aus Genf.
Genf, 18. Sept. Reichskanzler Müller hat gestern nacht in Begleitung von Staatssekretär St. Pündet und Ministerialdirektor Zechnn Genf verätzen und wird nach einem Besuch beim Reichsaußenminister Sr. Stresemann in Baden-Baden am Dienstag vormittag wieder in Berlin eintreffen.
Chamberlain i« Havanna angekommen.
fl. London, 17. Sept. Einem Bericht aus Havanna zufolge ist der Dampfer „Oreoma" mit Chamberlain an Bord in Havanna eingetroffen. In dem Telegramm wird mitgeteilt, Chanrbevtaim erfreue sich bester Gesundheit.
Die französische Aktenpublikation über die Ursachen des Weltkrieges.
Paris, 16. Sept. (WTB.) Außen- Minister Briand hat in Beantwortung einer Anfrage der Liga für Menschenrecht mit» geteilt, daß die Arbeiten des mit der Vorbereitung der französischen Aktenpublikation über den Ursprung des Weltkrieges beschäftigten Ausschusses so weit gediehen sind, daß man die Veröffentlichung von je einem Band der augenblicklich gleichzeitig bearbeiteten Perioden von 1901 bis 1911 und von 1911 bis 1914 Ende dieses Jahres oder in» den ersten Wochen des kommenden Jahres erwarten könne. Die Vorbereitung des dritten Bandes, der sich auf die erste Periode von 1870 bis 1900 erstreckt, werde unmittelbar beginnen.