Einzelbild herunterladen
 

Monlug, etnl0.6t6t.1928

fitt ^0brrh«sstsch« Zeitung- cf j^einf («fctoiol wöchentlich. ®e» pgflptti» monatlich 2 GM. «»#• schließt. Zustellungegrbübr, durch diePcst2.25 GM-Aür etwa infolge ettclt», Maschinendefekt« oder elementarer Ereignisse auffallend« Kummern wird kein Ersatz go» letflel. Verlag v. Dr. §. Kitzerolh, Druck der Unid.-Buchdruckerei d. Zod. Slug. Koch. Markt 21/23, gernsprecher: Nr. 54. n. vir. 55. Postscheckkonto: ®mi Frankfurt <_ W. Nr. 5015. — Sprechzeit btt Sledaktio» von 10—>11 und

1,1—1 Uhr.

>

ÄberhMsche

— —

kngtiiWir« Z ■ ■/ ■ ■ II I I | S ramMiiiM

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

ft. 213 63.Ä0.

Marburg a.Laho

Der Dn,etg-npret« detrLgt für de» 10 gespalt. Zelleumilltmeter 0.08 «M. kleine iSaranzeige» 0.06 0595. amtlich» and <m-> »Lrttg« Anzeigen 0.10 SSL ®d schwierige» Satz sc-toie bei PUltz. »orschrtft 60°i, Aufschlag. - S-nnael-n zeige» 100 *k Auf­schlag. Reklame« der MMotz 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt eia Varrabatt. Ziel 6 Lage, belegt werden berechnet, ebenso Auskunft durch 6te GeschLflfstell, and Zusendung »er Angebot«. <tr füllungsoo Warburg,

• Sotdmuck ■ '/«^Dollar.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

w

Boifchaster Graf BroSöorff Rantzau t

Berlin, 9. Sept. Der deutsche Bot­schafter in Moskau. Dr. jur. Ulrich Graf Vrockdorff-Rantzau, ist am Samstag abend in Berlin in der Wohnung seines Bruders infolge eines Schlaganfalls plötzlich ver­schieden. Graf Brockdorff-Rantzau, der im 60. Lebensjahre stand, hat sich durch seine historische Rolle und durch seine Segen« wartslelistungen gleichermaßen um da» deutsche Volk verdient gemacht. Der plötz- liche Tod dieses Diplomaten bedeutet einen schweren Berlust für die deutsche Politik. Sein Name wird in der Geschichte sortle. den.

Zum Hinscheiden des Botschafters in Mos­kau wird noch gemeldet: Graf Drockdvrff« Aantzau chatte am 24. Juli seinen Erholungs­urlaub angetreten. Er kam nach Berlin und »ahm bei seinem Bruder Wohnung. Einige Wochen später begab er sich auf seinen Land­sitz nach Schleswig, wo er sich vollkommen erholte. Gesundheitlich w-ieder ganz auf der Höhe, kehrte er dann nach Berlin zurück. Bor etwa einer Woche erkrankte Graf Brvckdorsf- Aantzau an einer Halsentzündung, die ihn ans Zimmer fesselte. Bor etwa drei Tagen trat dann plötzlich eine ernste Verschlimme­rung seines Zustandes ein. Za der Angina gesellte sich eine HerzaffÄktion. Am Sonn­abend wurde dann der Zustand des Kranken ganz unerwartet bedenklich. Das Herz setzte mehrfach aus. Der Botschafter war voll­kommen bei Besinnung, fühlte sich jedoch sehr schwach und ließ seine Umgebung wissen, daß er sein Ende nahen fühle. In den Abendstunden versammefte sich seine Familie um das Krankenlager. Einige Minuten nach 12 Llhr erlitt er einen Schlaganfall und ver­lor das Bewußtsein. Um i/2ll Uhr trat der Tod ein. Die Beisetzung findet am Don­nerstag Mittag in der Familiengruft Anetten- höh statt. Am Dienstag vormittag wird in der Berliner Dreifalrigkeitskirche im Det­kin der Behörden und des diplomatischen Korps ein Trauergotiesdienst abgehalien.

Baden-Baden, 9. Sept. Reichsautzrn- ntinifter Dr. Stresemann sandte zum Tode «s deutschen Botschafters in Moskau, des «rasen Drockdvrff - Rantzau, an dessen Druder in Berlin folgendes Beileids-Tele- gramm:

»Tief erschüttert von der Aachricht des un- trirarteten Hinscheidens Ihres Herrn Bruders, des Botschafters Graf Drockdorss-Rantzau, mtte ich Sie, mein herzliches und auftichtiges Aeileid entgegenzunehmen. Ich bebaute cs, Ar, Ihnen nicht persönlich die Empfindungen, die mich bei der Aachricht von dem Tode 2?res Herrn Bruders berührten, aussprechen äs können und bitte Sie, im Geiste meinen Händedruck entgegenzunehmen. Der Tod des Drafen Drockdorff-Aantzau hinterläßt eine nahezu unausMlbare Lücke in unseren Reihen, keine Dertretung des Reiches in Versailles Und die mit großem Erfolg durchgeführte Ausgabe in Moskau werden ihm ein dau­erndes Andenken sichern."

Berlin, 9. Sept. Der Reichspräsident «t zum Tode des deutschen Botschafters Trat Brockdorff-Rantzau im Laufe des «eutigen Vormittags durch Staatssekretär Deihner dem Bruder des Verstorbenen, Ernst ^raf Drockdorss-Rantzau. sein herzlichstes Deileid aussprechen lassen.

Genf. 9. Sept. Die Aachricht von dem Tode des deutschen Dotschafters in Moskau M bei der deutschen Delegation in Genf tiefe ««wegung hervorgerufen. Reichskanzler Düller. Staatssekretär v. Schubert, sowie Mitglieder der deutschen Delegation haben ^graphisch ihr herzliches Beileid zum Aus­guck gebracht.

. ® e n f, 9. Sept. Reichskanzler Hermann Mller hat an den Druder des plötzlich Der» *°tbenen Dotschafters folgendes Beileids-, ^kgramm gerichtet:

m.3u dem so plötzlichen Tode deS Grafen M>ckdorsf-Rantzau sende ich Ihnen den 2tu8* "^sck meines herzlichsten Beileids. S,e hassen, wie sehr ich Ihren Druder schätze, der schwerster Zeit als Außenminister Deutsch- E^ds Wortführer war. Aus seinem für die putsch« Republik erfolgreichen Wirken berief. W der unerbittliche Tod viel zu früh ab."

Die Pariser Presse.

Ein Teil der Pariser Presse nimmt in kurzen Kommentaren zu dem Tode Brock- dvrff-Rantzaus Stellung, indem sie besonders seine Rolle bei den Friedensverhandlungen uMerstreicht.

DaS .Journal" schreibt u. a.: »Alle diejenigen von uns, die den Versailler Be­ratungen beiwohnten, haben die Erinnerung an jenen Mann behalten, der schneidig m seinen Reden tote in seinen Gesten war."

Der „21 mi du Peuple erklärt: Drock- dvrf Rantzau war ein Original, vielleicht in gewissen Punkten demokratischer als die offt- ziellen Demokraten und Sozialdemokraten. Er war überzeugt, daß die Demokratie einer neuen Dlutzufuhr bedürfe. Der gleichfalls rechtsstehende „G a u l v i s' läßt sich fol­gendermaßen aus: Als es sich darum ge­handelt habe, ein amtliches und und unwider­rufliches Dokument, das nicht nur die deut­sche Riederlage, sondern auch Deutschlands

Verbrechen und Verantwortlichkeit am Kriege festgelegt, zu unterzeichnen, empörte sich der Stolz 6e8 Aristokraten und der Patriatismus deS Deutschen. Der damals noch unbekannte Zentrumsabgeordnete Bell und der Sozialist Hermann Müller nahmen diese Mission auf sich.

Die englische Presse.

Die englischen Morgenblätter widmen dem am Sonnabend verstorbenen bisherigen deut­schen Botschafter in Moskau. Graf Drockdorss- Rantzau, ausführliche Aachrufe. Besonders die Tätigkeit Drockdorft-Rantzaus als Außen­minister und Führer der deutschen Delegation für Versailles und später seine fünfjährige Arbeitszeit in Moskau finden hierbei größere Beachtung. Die Weigerung Brvckdorff-Ran- tzaus den Friedensvertrag zu unterzeichnen, und fein Brief an Clemenceau, in dem er be­tonte. daß der Friedensvertrag, das Todes­urteil für Millionen von deutschen Männern, Frauen und Kindern bedeute, werden in Er­innerung gebracht.

Schweres SngM auf der NeuuMn

21 r»dts«vstk eines Unfalls in Monza

Mailand. 9. Sept. Auf der Monza, Bahn fand heute das Autorennen «m den Grog«« Preis von Europa statt. Dabei streifte das Auto Materasfis, der mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 200 Kilome- rte fuhr, einen anderen Wagen, stürzte um und wurde in das Publikum geschleudert. 19 Personen, darunter Materasfi, wurden getötet. 26 verwundet, darunter einige sehr schwer.

ft. Monza. 10. Sept. Zu dem schwe­ren Unglück bei dem gestrigen Automobil- rennen auf der Monzabahn werden fol­gende Einzelheiten bekannt. Die Kata­strophe ereignete sich um 11.30 Uhr, als Materaisi die 18. Runde fuhr und sich in gerader Fahrt vor den Tribünen befand. Materasst. der mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometer fuhr.

versuchte Foresti zu überholen.

Plötzlich sah man. datz das Auto Mrterissis aus der Bahn heraussprang und in den

<5t^en, der sich vor den Tribünen befin­det. sauste.

Das Auto stietz gegen die Eraben- wand, sodaß es einige Meter hoch ge­schleudert wurde, sich in der Luft um, drehte und schließlich in Vie Menge fiel, die am Rande des Grabens versammelt war. Der Rennfahrer wurde weit hinweg geschleudert. An der llnglücksstelle sah man verstümmelte Leichen und große Blut­lachen. Der Rennfahrer Materassi starb in dem Krankenhaus.

Bi» zur Stunde sind 21 Tote «nd 26 Verletzte festgestellt.

Der Unterstaatssekretär beim Minister­präsidium und die anwesende Vertreter der Behörden eilten herbei, um das Hilfswerk zu organisieren. Die Verletzten wurden ins Hospital nach Monza gebracht. Die Trauerfeier wird morgen stattfinden. Das Rennen wurde trotz des schweren Unglücks durMeführt.

Dir Surchführung der lanbtoltl Mfflitlidftn RolvwskammS

Berlin, 8. Sept. Für die Orgaur- satlon und Förderung des Absatzes von Schlachtvieh und Fleisch sowie für Ein­richtungen. die diezen Zwecken dienern, wa­ren tm Rahmen des landwirtschaftlichen Rotproaramms acht Millionen Reichsmark an Beihilfen und 22 Millionen Reichsmark mit Reichsgarantie ausgestattete Darlehen bereitgestellt. Wie das ReichSminifterium für Ernährung und Landwirtschaft mit- teilt, ist über diese ReichSnrittel nunmehr vollkommen verfügt. Sie fanden bezw. finden Verwendung für bie Gewinnung neuer Absatzgebiete für Schweine, und Schweinefleisch, für Rationalisierung der Schweinezucht und der Schweinemast, für Organisation des genossenschaftlichen Vieh- abzatzes sowie zur Zinsverbilligung und als Sicherheitsrücklage für die nickt Reichs- garantten auägeftatteien Darlehen. Solche wurden aufgrund der vom Reichstag und Reichsrat genehmigten Richtlinien und in Uebereinstimmung mit dem Länderaus- schuh beim ReichSministerrum für Ernäh- rung unb Landwirtschaft zugebilligt für

TMjtentn-dtjme bön unb

Schweinefleisch durch Fleischwarenfabrkken aus den Hauptmärkten für den Ausbau der Viehabsatzorganisation, für Fettverwer- tungseinrichtungen in Berlin und Hamburg sowie für die Errichtung von Flekschver- wertungsanlagen der Landwirtschaft in Kö­nigsberg (Ostpreußen) und in Schleswig. Den beiden letzteren sind mir Rücksicht auf

die in den Provinzen Schleswig-Holstein und Ostpreußen auf dem Gebiete des Biech- und Fleischmarktes besonders gelagerten Verhältnisse verbilligte Kredite gegeben worden. Bei der schleswig-hvlfteintschen Anlage erscheint eS zur Zeit noch ftaglich, ob sie in der geplanten Weise zustande« kommen wird. Für weitere derartige Ein­richtungen stehen zinSverbMitzte Äcebtie nicht mehr zur Verfügung.

versuchter verrat von vetriebsgeheimuifie«.

Berlin, 8. Sept. Wie wir erfahren, wurde der Sauptinbaber der Holländischen Fabrik Bernet & Fuchs in Tbiel, Herr Ber- met senior, mit mehreren Selfersbelfern in Köln verhaftet, weil er versucht batte, Meister unb Arbeiter der Aktiengesellschaft für Stick­stoffdünger, die in Knavsack bei Köln eine große Essigsäurefabrik betreibt, zum verrat von Betriebsgeheimnissen su verleiten. Ber­net war nach Köln gekommen, um von einem Meister die genauen Einzelheiten der von der deutschen Ftrma angewandten Verfahren zur Herstellung der Essigsäure aus Talcium-Car- bid zu erhalten und mit ihm einen Kontratt abzuschließen. Da der Meister seine Arbeit­geberin hiervon unterrichtet batte, war es möglich, Perm et festzunehmen und bas ihn schwer belastende Material zu beschlagnahmen.

Im Faltboot über »en Ozean.

Rewyork, 8. Sept. Nach einer Mel­dung der Associated Preß aus St. Thomas auf den Pirain-Jnseln (Kleine Antillen), ist der Deursche Franz Römer heute in feinem Faltboot in Richtung Rewyork roch teogefatzven.

»Mrr Sei Md eiWnbim

Dens. 8. Sept. In Verfolg der am Freitag zwischen Reichskanzler Müller und Driand getroffenen Vereinbarung stattete am Sonnabend vormittag noch während der Sitzung der Dölkerbundsverfammlung Reichskanzler Müller im Hotel Beau Rivage Lord Cushendun einen Besuch ab. Hierbei wurde vom Reichskanzler als weitere Etappe der gegenwärtigen Räu­mungsverhandlungen der Standpunkt bei englischen Regierung mitgeteilt.

Sri« MMndMg ton Räumung und Rrvmniivnrn!

Köln, 9. Ssvt. Bei der Eröffnung des 7. allgemeinen deutschen Dankiertages gab Reschswirtschastsminister Dr. Curtius in seiner Begrüßungsrede im Namen dsr Reichsregierung und der Preußischen Regierung zum ReparationSProblem folgende Erklärung ab:

„Ihre bedeutsame Tagesordnung wird mit einer Darstellung der Finanzwirtschaft beginnen. Sie werden dabei das Repa« rationsproblem in den Mittelpuntt stellen. So fällt der Schatten dieses deutschen Finanzproblems auf ihre ganzen Beratun­gen. Die Zurückhaltung der Reichsregie­rung in der öffentlichen Erörterung der Lösung der Reparativnsfrage hat bisher allgemeine Billigung gefunden. Solche Zurückhaltung ist heute doppelt geboten. Genf ist Brennpunkt der deutschen Politik. Die Reichsregierung hat, gestutzt auf unser Recht und auf politische Vernunft, durch den Reichskanzler die volle alsbaldige Räu­mung der besetzten Gebiete gefordert. Die Verhandlungen darüber find im Gange. Die Gegenseite hat dabei auch Verhand­lungen über die Reparativnsfrage angeregt.

Wir erkennen die Abhängigkeit des Räumungsverlongens von einer Neu­regelung unserer finanziellem Verpflich­tungen nicht an

und wissen, daß gerade das Rheinland eine Erlaufung der Räumung ablehnt. Daß die Reichsregierung aber jederzeit deren war und sich bereiterklärt, über die Re- parationsfrage zu verhandeln, möchte ich ausdrücklich betonen."

Konferenz aller an der Rheinlandfrage interessierten Mächte in dieser Woche?

fk. London. 10. Sept. Der Genfer Korrespondent des „Daily-Tele­graph" meldet, erfahre, datz eine Kon­ferenz der Vertreter aller für die Rau- mungsfrage in Betracht kommenden Staa­ten in dieser Woche zusammentreten werde, die, wie man hofft, die Lösung bringen werde.

Kellogg gegen die Verwendung seines Paktes für Parteifragen.

ff. London. 10. Sept. Blättermel­dungen nus Washington zufolge hat Kel­logg den ungewöhnlichen Schritt unter­nommen, vom Dampfer Leviathan, mit dem er nach Rewyork fährt, einen draht­losen Protest gegen die Verwendung des Paktes für Parteifragen zu übermitteln. Er betonte, daß der Vertrag, der von allen polittschen Parteien in den Vereinigten Staaten unterstützt worden sei, nicht als Werk der Republikaner allein beansprucht werden dürste. Kelloggs Protest ist an­scheinend eine Antwort auf die Absage Hoovers, diese „republikanische Friedens­bemühungen" in seinem Feldzug für die Präsidentenschaft zu benutzen, und Kellogg befürchtet, wie hervorgehoben wird, datz der Senat die Rattfikation des Paktes ver­weigert. wenn er eine Parteifrage wird.

Die bulgarische Kabinettsbildung.

Sofia. 10. Ecot. Der bisherige Minister­präsident Liaotschew ist mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut worden.