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Daily Telegraph" berichtet aus Newyork: Nach der letzten hier veröffent­lichten Meldung zur Frage des englifch französischen Flottenabkommens ist Präsi­dent C o o l i d g e jetzt damit beschäftigt, eine Note zu entwerfen, die vom Staats-' departement versandt werden soll und in der die angeblichen

britischen Vorschläge, das englisch-fran­zösisch« Abkommen als Grundlage für weitere Abrüstungsoerhandknngen zu

benutzen, abgelehnt werden.

Es wird erklärt, daß diese Ablehnung damit begründet wird, datz das Abkommen zwischen Frankreich und Großbritannien, wie es in Amerika verstanden wird, offen­sichtlich gegen amerikanischen Flottsn- intereffen gerichtet ist, weil es

die Beschränkung der io 000 Tinnen-

Kreuzer und der 600 Tonnen-Untersee- boote. die Amerika wünscht, fordert und eine unbegrenzte Zahl von «ei­nen Kreuzern und Unterseebooten, die England und Frankreich benötigt, billigt.

WieÄewhork Herold* meldet, gab ein höherer Warinebeamter der An­sicht Ausdruck, daß der Vorschlag, den Lau von Kreuzern zwischen 7500 und 10000 Tonnen, sowie von Tauchbooten über 700 Tonnen zu beschränken, ohne kleinere., Kreuzern und Tauchboolen eine Be­schränkung aufzuerlegen, auf eine Aicht- tigkeitserklärung der Grundlage des Was­hingtoner Flottenabkommens hinauslaufe. Andere offizielle Persönlichkeiten seien der Ansicht, eine glatte Ablehnung des eng­lisch-französischen Seeabkommens würde die Bereinigten Staaten in den Verdacht bringen, sie wollten die Flottenabrüsiung verhindern, besonders wenn Japan und Italien, sowie andere Mächte später dem Abkommen beiträten. Deshalb glaube man, daß Präsident C-oolidge England und Frankreich um weitere Aufklärung über das Abkommen ersuchen werde, daß aber die Bote derart gehalten sein werde, daß England und Frankreich das Unrecht gegen­über den Vereinigten Staaten zugeben und selbst die amerikanische Opposition gegen dieses Abkommen rechtfertigen müßten.

fremder Truppen auf deutschem Boden stattfindrn. Diese Tatsache werde als u n - vereinbar angesehen mit der Politik von Locarno, mit den Besprechungen vo» Thoirh, mit dem Kelloggpakt und mit der engen Zusammenarbeit in Genf. Selbst in gemäßigten und verantwortlichen deut­schen Kreisen in Genf werde geltend ge­macht, daß die Befriedungspolitik gefährdet sei. Die französisch- britische Flottenvereinbarung werde als weiterer 'Beireis für die deutsche Auffassung angeführt, daß die Politik der vormaligen Alliierten sich eher auf die Kriegsgemeinschaft gründe, als auf die Grundsätze von Locarno. Diese Befürch­tung und dieser Argwohn seien natürlich ilöertrieben,

jedoch kein sehr günstiger Hintergrund für eine ernste Erörterung

Der Möglichkeit der Erzielung finer Bei- ei'nbarung über die Räumung Der zweiten und dritten Zone vor Ablauf der im Bersäiiler Vertrag vorgesehenen >-:riobe.

Besprechungen in Genf.

fk. Gen f, 7. Sept. Reichskanzler Mül­ler erwiderte gestern nachmittag den Be­

such des Bundeskanzlers Seipel. Ferner empfing Staatssekretär v. Schubert den ungarischen Außenminister. Der Zeitpunkt für den Besuch Briands bei dem Reichs­kanzler ist noch nicht festgelegt.

Der Völkerbund will Genf verlassen.

fk. P a r i s, 7. Sept. Sauerwein drahtet heut« demMatin aus Genf, ein höherer Beamter des Völkerbundes habe ihm versichert, daß sich der Bund wahr­scheinlich genötigt sehen werde, Genf zu verlassen und sich nach einer gastlich Stätte umzusehen.' Es sei bisher nicht möglich gewesen, für den geplanten Völker- bundspalast von der Stadt Genf einen Bauplatz zu cchalten. Der bereits ange­kaufte Platz sei zu klein und die Stadt weigere sich, die Anlieger zu 'Gunsten des Völkerbundes zu enteignen. Es sei je­doch nicht daran gedacht, so ver­sichert Sauervein ausdrücklich, bei einem Umzug des Völkerbundes den Schwei­zer Boden zu verlassen.

Brian- muß jetzt lavieren"

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Der Genfer Berichterstatter desEcho de Paris" stellt mit Befriedigung fest, daß bte Besprechungen über die Rheinlandfrag« voraussichtlich er st in der nach st en Woche fortgesetzt würden. Dadurch werde Briand und seinen Ministerkollegen tn Paris Zeit zur lleberlegung gegeben. Briand müsie man vorwerfen, daß er sich weder mit Lord Cushendem noch mit Hy­mans und Scialofa über die ganze Ange­legenheit besprochen habe. Er habe Hy­man nur wissen lassen, daß er ihn zu einer Borbesprechung mit dem britischen und ttalienischen Vertreter hinzuziehen werde und daß die Verhandlungen bald beginnen sollten. Die Frage, ob Briand sich in seiner ersten Unterredung mit dem Reichskanzler strikte an den Ministerratsbeschluß vom 23, August gehalten und Müller zu verstehen gegeben habe, daß

der Rhein unter allen Umständen erst geräumt werden könnte, wenn die all­gemeine Regelung der Reparationen

und Schuldenfragen im Gange sei, könne man nicht bejahen. Briand sei sich anscheinend klar darüber, daß die Lösung der Rheinlandfrage auf unbestimmte Zeit

l vertagt würde, wenn man an dem Mi- msterbeschluß festhalte.

Der französische Außenminister sei ; aber zu tief in die sogenannte Lo- earnopoitik verstrickt, um sich ihren Folgen entziehen zu wollen. Aus die- l je» Grunde sei er jetzt im Begriff, zu lavieren.

Briand habe am Donnerstag nicht von einer allgemeinen, durch die diplomatische Zusammenarbeit erzielten Regelung, son­dern von einer Eesamtregelung durch die 5 Mächte, Deutschland, England, Frank­reich, Italien und Belgien gesprochen. Das würde bedeuten, daß diese 5 Mächte ge­meinsam dem Dawesplan seine endgültige «Festsetzung der Annuitäten geben würden. Die Festsetzung der deutschen Ecsamtschuld würde man wohl angesichts der Unmöglich- kett einer Regelung der Schulbenfrage auf günstigere Zeit verschieben.

Auffallend ist gerade, daß die fxanzösi- sche Linkspresse, wieQuotidien" und »Peuple", als Ausgleich für die Rheinlandräumung neben finanziellen Vorteilen für Frankreich ein« Sicher­heitsgarantie und eine Völkerbunds­kontrolle über die geräumten Gebiete

L verlangen.

Die radikale sozialistischeVolants" steht allein mit der Auffassung, daß die Rhein- mndverhandlungen bereits in ein entsckei- i i Andes Stadium eingetreten seien. Zur Begründung weist das Blatt darauf hin, Mi der diplomatische Dolmetscher Hes- n.a r d. der bei den Thoiryoerhandlungen Une wichtige Rolle gespielt habe, auch bei °er Besprechung zwischen Müller und «nand zugegen gewesen sei. Das Blatt Et'lärt weiter, die französische Regierung Ue sich Rechenschaft darüber ab, daß die ^heinlandbesatzung nur noch Wert hätte, $enn sie in den kommenden Monaten um- ^münzt werden könnte. Frankreich sei be-

eine neue endgültige Reparations- llller festzusetzen.

Es zeug« entweder von schlechtem Willen oder von Dummheit, i wenn man behaupte, die ganze Ange­legenheit sei vom Ausgang der ameri­kanischen Präsidentschaftswahlen ab- ts. hängig.

D'-e Amerikaner würden zweifellos gerne wt Kapital für die Operationen zur' Li- Mdierung der Reparationsfrage zur Ver­

fügung stellen, sobald Frankreich verspre­chen werde, seine Schulden zu bezahlen.

Times" berichten über die Stimmung in'Genf: Zweifellos lasse im gegenwärtigen Augenblick die Herzlichkeit der deutsch- franzLs suchen Beziehungen in Gens ma.- *.5 zu wünschen übr> Die enge persönliche Bekanntschaft i * das Zusammenwirken in 'der Völkerbundsar- bsst zwischen Stresemann und Briand seien vielleicht ein etwas irreführender Anhalt für di« Beurteilung der wirklichen Be­ziehungen zwischen der deutschen Te'e- gativn aus Der einen Seite und der fran­zösischen und britischen auf der anderen, wie sie seit langer Zeit nicht bemerkbar gewesen sei. Eine Angelegenheit, die un­

verhältnismäßig an den Deutschen zu nagen scheine, seien

die militärischen Manöver, die jetzt im Rheinland ftattfinden.

Die Tatsache, daß da ein britisches Ka­vallerieregiment mit dem französischen Heer zusammenwirke, werden ausgebauscht zu einem Gerede vonkombinierten eng­lisch-französischen Manövern", und es werde in deutschen Kreisen für besonders ke- bäuerlich angesehen, daß diese Manöter gerade in dem Augenblick abgehalten wer­den. wo sich die Deutschen und di« vor­mals alliierten Minister in Genf treffen. Der wirkliche Grund der Versttmmung sei natürlich, daß überhaupt noch jetzt, zehn Jahre nach Ende des Krieges, Manöver

Stellas, »in 7. @161. ISA

CitObrrhessisch« Zeitung" er.

(«fremd wöchentlich. Be- -gfljtets in endlich 2 EM. aue- LMßl. ZusiellungegebLhr, durch

SM.Für etwa Infolge "gttttte, Maschinen defekt« oder «emeniarer Ereignisse ausfallend« Kummern wird kein Ersetz ge­mistet. Verlag v. Dr. 5. Kttzeroth, Druck der Unid.-Buchdruckeret v. geh. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Nr. 54. a. Nr. 55. Postscheckkonto: dmt Frankfurt gL Nr. 6016. Sprechzeit Itt Redaktion von 1011 und tj.11 Uhr.

ÄberlMsche

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Anzeiger für (das frühere knrheffische) Oberheffen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Nstiase der klemm un- mittleren slüdte

Heidelberg, 6. Sept. Hier begann Donnerstag die Mitglicdervolloersammlung des Reichs st ädtebundes.

Bundespräsident, Oberbürgermeister Dr. B e l i a n , begrüßte die Versammlung und entbot einen besonderen Gruß der letzten Ruhestädte des ersten Reichspräsidenten Ebert. Er betonte dann, datz in Rhein­land-Westfalen ein Kamps begonnen habe, der zunächst in diesem Landcsteil um Sein oder Nichtsein der kleineren und mittleren Städte gehe. In den Fra­gen der ausländischen Siedlungsvolitik habe man einen Aufkauf leistungsfähiger Bauern­wirtschaften durch große Nachbarn als un­zweckmäßig anerkannt. In gleicher Weise sollte man leistungsfähige Selbstverwaltungen davor schützen, daß sie ohne zwingende Gründe von großen Verbänden aufge- sogen würden. Die Heidelberger Ver­sammlung müsie zum Notschrei an alle Volks­genossen werden, daß die kleinen und mitt­leren Städte weiterleben und arbeiten wollen in ihren Selbstverwaltunaen für ihre Bürgerschaften und für die grobe deutsche Volksgemeinschaft. Würde der Kampf in Rheinland-Westfalen zu ungunsten der kleinen und mittleren Städte entscheiden, so würden dem rheinisch-westfälischen Vorgang bald ähnliche andere deutsche Landes- teile folgen.

Steuervereinheitlichung und Finanzausgleich.

Das Hauptverhanblungsthema auf der Ta­gung des Reichsstädtebundes lautete: Steuerveüeinbeitlichung und end­gültiger Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern, Eemeindeverbänden und Ge­meinden". Der erste Vortragende zu diesem Thema, Ministerialdirektor Dr Hog vom Preußischen Finanzministerium führte u. a. aus: Es sei nicht zu verkennen, daß der zur­zeit dem Reichsrat vorliegende Gesetzentwurf einen entscheidenden

Eingriff in die Finanzhoheit der Länder bedeute und in dieser Form verfassangS- ändernd sei. Trotzdem dies die Zu­stimmung mancher, namentlich süddeutscher Länder erschwere, sei doch auf das baldige Zustandekommen des Gesetzes zu hoffen. Vor­aussetzung müsse aber fein, daß die Steuer­vereinheitlichung den Ländern und Gemein­den, die mit Rücksicht auf ihre sehr ver­schiedene wirtschaftliche Struktur nötige Be­wegungsfreiheit zur selbstverantwort- lichen Durchführung der ihnen obliegenden wichtiaen Aufgaben 'belasse. Das gelte vor allem für das Verhältnis der Anspannung der beiden Realsteuerarten (Erund- und Eebätidesteuer und Gewerbesteuer) und ihre einzelnen Bemessungsgrundlagen. Das in dem Entwurf vorgesehene Anhörungs- recht »der Wirtschaftsvertretun» gen zu den Umlaa-ebeschlüssen der Gemeinden babe sich in Preußen im all­gemeinen bewährt und sei geeignet, zu einem verständnisvollen Zusammenwirken zwischen Gemeinden und Wirtschaftskreisen zu führen: es dürfe aber

nicht zu einem Einspruchsrecht der Wirtschaftsvertretungen ansgebaut werden.

Ein zahlenmäßig endaültiger Finanz­ausgleich werde erst nach abschließender Regelung unserer nuß.e apolitischen Verpflichtungen und Stabilisierung unserer Wirtschaft möglich fein.

AS letzter Referent nahm dann der ge° fchäftssührende Präsident des Äeichsstädte- bundes. Dr. Haeckel, das Wort. Er be­sprach die Frage des Finanzausgleichs Als

Grundsätze für einen endgültjgen Finanz­ausgleich

bzw. eine zum 1. Avril 1929 notwendige Aenderung des bestehenden Finanzausgleichs- aesetzes sind zu beachten: Der Finanzausgleich hat n i ch t nur den Ausgleich des Reichs­etats, sondern auch zugleich den Ausgleich der Haushaltspläne der Länder und Gemeinden sicherzustallen, denn auch diese stellen in ihrer Gesamtheit das Ganze dar. Bei der Ver- reilung der Steuereinnahmen müssen neben öen äußeren Kriegslasten des Reiches auch die überwiegend den Gemeinden zur Last fallen­den inneren Kriegslasten in ihrem ganzen Umfange gewürdigt werden. Die ix>t= wendige Milderung der gemeindlichen Ftnanz- not erfordert Einführung eines Anteil- be stimmungsrechtes der Gemeinden an der Einkommen- und Körverschaftssteuer als Hilfsmittel, wobei jedoch bemerkt wird,