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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
Anzeiger »er amllichen Bekanntniachunge« für Stadt und Kreis Marburg.
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Die ersten Bechan-lungen über öre Räumung
tintottuno zwischen Müllte und Vrland — znzichung der ütrigen BrsatzunsSmüchle
Die im In- und Auslande mit großem Interesse erwartete Aufrvllung der Räu- wlngssrage durch den deutschen Reichskanzler ist nun erfolgt. Aeber das Sr- zebnis der ersten Unterredung, die zwischen Hermann Müller und Briand am Mittwoch nachmittag stattfand, ist im Augen- Sid noch nichts bekannt. Aus beiden Seiten hat man sich in den letzten Tagen die größte Zurückhaltung auferlegt. Die deutsche Delegation war kurz vor der Unterredung zwischen den beiden Staatsmän- mrn noch einmal zusammengetreten, um Sie letzten Vorbereitungen für diese bedeutungsvolle Besprechung zu treffen. Da wir über den Standpunkt der deutschen Negierung in der Mumungsfrage hinreichend unterrichtet sind, dürfte es nicht schwer sein zu erraten, was Hermann Mller Herrn Briand gesagt hat. Der Leichskanzler wird vor allem das Rüu- «ungsverlangen Deutschlands mit den Bestimmungen des Artikels 431 des Versailler Beitrages und mit dem, moralischen und -Uoitischen Anspruch, der sich aus der Verständigungspolitik Deutschlands wäh' «ad der letzten Jahre ergibt, begründet haben. Lieber die mutmaßlich? Haltung Lriands läßt sich zur Stunde um so weniger etwas sagen, als in Kreisen der französischen Völkerbundsdelegation hartnäckigstes Stillschweigen über die ganze Angelegenheit bewahrt wird. Außerordentlich stark ist das Interesse des Auslandes. Die Pariser Presse legt dieser ersten Zusammenkunft der beiden Minister große Bedeutung bei. Führende englische 'Blätter haben in den letzten Tagen wiederholt das Recht Deutschlands auf Räumung des RheinlandeS anerkannt, und einen Appell an die britische Regierung gerichtet, dengistenS di« englischen Truppen aus dem Aheinland zurückzuziehen. Die englische Legierung dagegen hält sich in der ganzen Angelegenheit stark zurück. Das ist wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß "ach den bisher unwidersprochen gebliebe- "en Mitteilungen über das englisch-französische Flottenkompromiß England sich bereit erklärt hat, Frankreich am Rhein freie Hand zu lassen. Die Meldung des Senser Korrespondenten des „Manchester Suar- töan“, daß man bei der britischen Dele- Kttion die französische Forderung nach einer Derguickung der Rheinlandräumung "W der Kriegsschuldenfrage nicht billige, ist mit großer Vorsicht aufzunehmen. Man wird sich darauf gefaßt machen müssen, daß das Ergebnis dieses ersten deutschen Dor- lkotzes in der Mumungsfrage nicht allzu- Swß sein wird. Wir wissen, daß Herr Pvincare, der augenblicklich mehr denn Je der französischen Politik Richtung und 'Äeg gibt, aus der Wuinung ein Geschäft "rachen will. Wenn die englische Zeitung »Edening Po" meint, daß bereits in Senf Besprechungen begonnen hätten mit dem Biel, die RäumungS- und Reparations- stage miteinander zu verquicken, so dürfte das vielleicht etwas verfrüht sein. Wir $nnen uns nicht denken, daß man sich Deutscherseits überhaupt auf solche Verhandlungen entläßt.
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Konversation"
Der Eindruck der ersten Unterredung Müller-Briand in Paris.
Die Pariser Morgenblätter beschäftigen sich in ihren Genfer Berichten eingehend mit der ersten Zusammenkunft Müller- Briand. Sie heben ziemlich einmütig hervor, daß diese erste Zusammenkunft in französifck^n Kreisen einen guten Eindruck gemacht habe und daß man erwartet, sie werde den deutsch-französischen Beziehungen förderlich sein. Man unterstreickit auch allgemein die Tatsache, daß sich Briand der deutschen Absicht nicht widersetzt, die früheren Alliierten mit der Rheinlandfrage zu befassen. da der Versailler Vertrag diese Möglichkeit offen gelaßen habe. Außerdem wird betont, daß Polen, entgegen der noch kürzlich von
Zaleski ausgesprochenen Ansicht, sowie auch die Tschechoslowakei an den Besprechungen nicht beteiligt sein würden. Die Blätter vertreten die Ansicht, daß
die kommenden Bsrhandlungen durch die Etaatskauzleien geführt würden.
„Petit P a r i i i e n“ glaubt, Reichskanzler Müller habe noch kein endgültiges Angebot für die Rheinlandräumung gemacht. Der „Mati n" stellt fest, Müller habe Anregungen mitgebracht, fodaß in gut unterrichteten französischen Kreisen die Meinung vertreten werde, die gestrige Unterredung bilde eine loqi che Fortsetzung der Abmachungen von Thoary.
„Echo de Paris" spricht die Meinung aus, daß sich die französische These vom 23 August kaum aufrecht erhalten lassen werde, da die ganze Poliftk von Locarno und Genf, sowie auch der Kellogg-Pakt die
Englands Vertreter „erwartet" Müllers Besuch
3n Kreisen der englischen Abordnung wird gegenwärtig darauf hingewiesen, daß I iSher von deutscher Seite keinerler 3nitia« tive ergriffen worcheß sei. um eine Zusammenkunst zwischen dem Reichskanzler Müller und Lord Cushendun herbei - zuführcn. Man weist hierbei darauf hin. bah nicht die Absicht bestehe, von englischer Seite Schritte zu ergreifen, um eine Aussprache zwischen den beiden Staatsmännern zustande zu bringen. Hierzu kann von deutscher Seite zunächst darauf hingewiesen werden, daß Eushendnn lediglich stettvertretender englischer Außenminister ist. während der deutsche Abordnungsführer Reichskanzler ist. Somit hätte die Form der Höflichkeit nach zunächst Lord Eushendun die notwendigen Schritte für eine Zusammenkunft mit dem deutschen Reichskanzler ergreifen müsien. Ferner kann darauf aufmerksam gemacht werden. daß die englische Abordnung die Führung in den kommenden Rheinlandverbandlungen eindeutig der französischen Abordnung überlassen hat. Don englischer Seite ist hierüber keinerleiälnklarheit gelassen worden. Somit kann für das deutsche Interesse keine dringende Rotwendrgkeit bestehen, vor den Derhandlungen mit der französischen Abordnung in Fühlungnahme mit der englischen zu treten.
Sie SrmraMM in Senf
Senf. 5. Sept. In'der heutigen Vor- mittagSsitzung der Völkerbundver- fammtung konnte nach dem gestrigen vergeblichen Versuch des Präsidenten mit der Generaldebatte begonnen werden, die voraussichtlich die ganze Woche ausfüllen wird. Der englische Dichter Bernard Shaw wohnte auf einem Ehren
platz zum ersten Mal« einer Sitzung der Völkerbundsversammlung bei.
Der chinesische Hauptdelegierte führte aus. die chinesische Regierung habe keinen -lebhafteren Wunsch, als an der zielbewuh- ten Friedensarbeit des Völkerbundes immer enger mitzuwirken. Allerdings, so führte er zum Schluß aus. müssen noch einige Aenderungen in unseren wirtschaftlichen Beziehungen mit gewissen ausländischen Mächten erfolgen. Die westlichen Länder werden in China ein ungeheueres Tätigkeitsfeld finden. Ich bleibe der Aeberzeugung, daß auf dem Weg« über den Völkerbund zwischen dem fernen Osten und dem Abendland ein Boden der Verständigung und Zusammenarbeit gefunden werden kann.
In Fortsetzung der Generaldebatte sprach der holländische Minister des Aeuheieu, Beelaerts. Bei Behandlung des Ab» rüstungsprvblems begrüßte er die Unter* zeichnung des Kelloggpaktes und erklärte, daß Holland ihm beitreten werde.
Der frühere schwedische Außenminister Minden behandelte fast ausschließlich das Abrüstungsproblem. Die öffentliche Meinung erwarte mit Angeduld ein Ergebnis der Abrüstungsarbeiten, das nach seiner Meinung durch das Zustandekommen des englisch-französischen Flottenkompromisses erleichtert werden könne. Die Völlerbundversammlung vertagte sich hierauf auf Donnerstag vormittag 10.30 Ahr.
Räumung fordere. Wenn Belgien ent- schlosien sei, Frankreich Schritt für Schritt | zu folgen, bestehe die Wahrscheinlichkeit, daß sich auch die Kabinette von London und Rom der vom Reich beantragten Maßnahme günstig zeigen würden.
Der Genfer Berichterstatter der „Chicago Tribüne" will aus zuverlässig:! Quelle erfahren haben, daß der Reichskanzler endgültige Vorschläge über deutsche Gegenleistungen für die vorzeitige Räumung des Rheinlandes unterbreitet habe. (?) Die deutschen Vorschläge seien allgemein gehalten.
Sie sähe« die Mobilisierung eines Teiles der französischen Obligationen sowie die Liquidierung eines großen Teiles der französischen Reparations- ansprüchr »et.
Neben der Räumung habe der Reichskanzler weiter gefordert, die im Versailler vertrag vorgesehene Bestimmung über
eine Volksabstimmung im Saarge b i e t fallen zu lassen. Aehnlich berichtet auch der „R e w Parker Herold" aus Genf. Müller habe Briand eine Anzahl Aenderungen zu den Vorschlägen unterbreitet, die Stress mann zur Paktunterzeichnung mit nach Paris gebracht habe. Das abgeänderte deutsche Angebot sei nach'Paris übermittelt worden, wo es von Poincar^ geprüft werde, bevor Briand den Besuch des Reichskanzlers erwidere.
In den Kreisen der deutschen Delegation wird verlautbar, daß der Degenstand der Besprechung die Frankreich uni) Deutschland betreffenden Probleme (Rheinlandräu- m u n g) bilderen. Die Besprechung hatte der Ratur der Sache nach vorbereitenden Charakter. Es besteht beiderseits der Wunsch, daß weitere Desprechugen mir den Besatzungs- mächlen folgen. Kurz noch Schluß der Anler- redung ernpfing die französische Delegation
<8ottletuna Rebe Seite $.)
Sie Manöver im belegten Stickt
Vorn Hunsrück wird starke französische Einquartierung gemeldet. Die Truppen befinden sich auf dem Marsch in die West- eisel, wo die englisch-französischen Manö« ver ftattfinden. sowie zur französischen Grenze, da weftlßch des Saargebietes von Diedenhofen bis Zubern zu gleicher Zeit die großen französischen Herbstmannöver abgehalten werden und anschließend Manöver im angrenzenden besetzten Gebiet geplant sind. Die Einquartierung soll 2 bis 3 Tage dauern. Aus Birkenfeld wird berichtet, daß in sechs kleinen Orten insg«. samt 1650 Mann mit 1200 Pferden und einem großen Wagenpark in den letzten Tagen einquartiert waren. Um Verkehrs, behinderungen zu vermeiden, find di« Straßenbauarbeitcn während des Vorbei, morsches der Truppen einzustellen.
Schwerer Autounfall bei den Besatzung?« mannövern.
Trier, 5. Sept. In Kyllburg stürzt» Mittwoch morgen kurz nach 6 Uhr ein zu einer Mannöver-Forrnation der 47. französischen Kavalleriedivision gehörender Lastwagen die 30 Meter hohe Böschung am Kyllburger Eüterbahnhof zur Kyll hinunter und wurde vollständig zertrümmert. Von der aus 5 Mann bestehenden Bemannung des Wagens wurde ein Soldat tot aus der Kyll herausgezogen, während die übrigen schwer verletzt wurden. Die Bevölkerung war sofort zur Hilfeleistung her, beigeeilt und brachte die Verletzten in das Kyllburger Krankenhaus. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht ermittelt.
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das BvlkSbegeiirrii tot Äemmimfiten
Berlin, 5. Sept. Das Zulassungsverfahren in dem von der Kommunistischen Partei gewünschten Volksbegehren ist im Gange. Der Antrag dazu ist von 5 000 Stimmberechtigten gestellt worden. Weitere Stimmen sollen noch nachgebracht werden. Der Reichsminister des Innern hat zu entscheiden, ob der Antrag zuzulassen ist. Es ist Üblich, daß das Reichskabinett hiervon verständigt wird. Das ist geschehen. Gestern erfolgte im Reichsmini- fierium des Innern eine kommissarische Besprechung zwischen dem Reichsministerium des Innern und den beteiligten Ressorts, nämlich dem Reichswehrminrsterium, dem Reichsfinanzmrnisterium und dem Reichsjustiz Ministerium. Alle Ressorts traten der Stellungnahme bei, welche der Reichsminister des Innern dem Kabinett vor' zittragen beabsichtigt.
Wird der Anttag auf ein Volksbegeh, reu zugelafieu, so schließt sich das Eintragungsverfahren an.
Dis zum Beginn des Verfahrens soll eine Frist von 14 Tagen laufen, die Erntragungs- frist beträgt ebenfalls 14 Tage. Erforderlich sind ein Zehntel der bei der letzten Reichs - tagswahl Stimmberechtigten. Damals wurden 41 Millionen Stimmberechtigte ermittelt, eS müßten also diesmal ungefähr 4 Millionen 129 000 Stimmen abgegeben werden. Die Kommunistische Partei hat seinerzeit 3 262 000 Stimmen aufgebracht, es fehlen danach also etwa 766 000 Stimmen, welche Zahl aus anderen Kreisen aufgebracht werden müßte. Kommt das Volksbegehren zustande, so hat die Reichsregierung unverzüglich einen entsprechenden Gesetzentwurf beim Reichstag ein$ubringen. Dimmt der Reichstag diesen Gesetzentwurf nicht an, so ist darüber der Volksentscheid anzuberaumen. Der Reichstag kann auch ein neues Gletz beschließen, etwa ein solches, welches den Bau des Panzerkreuzers a u f s ch i e b t. Dann würden.
zwei Gesetzentwürfe zur Volksabstimmung durch Leu Volksentscheid kommen. Für den Reichstagsentwurf würde einfache Mehrheit genügen. Der kommunistische Entwurf könnte nur angenommen werden, wenn sich die Mehrheit der Stimm-