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Mittwoch, den 5. Sept. 1928

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füllmigsort Marburg.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

An Genf mol-et sich moman- zum Wort!

Sie SeaemMuWn muß »«lagt werten Ein vrinWes SiaAo

Genf, 4. Sept. Die dritte Vollsitzung der Bölkerbundsversammlung. in der heute nachmittag mit der Generaldebatte über den Jahresbericht begonnen werden sollte, gestaltete sich sehr kurz, da sich trotz längeren Wartens kein Redner zum Wort meldete und insolgedesieu die Sitzung auf Mittwoch vormittag i%11 Uhr vertagt werden mutzte.

Die Verschiebung des Beginns der Generaldebatte.

Sie heute nachmittag zur Rotwendigkeit ge­worden war und allgemein einen recht pein­lichen Eindruck hinterlassen hatte, war bereits heute vormittag ernstlich erwogen worden. An Stelle der Vollversammlung sollte der Hat eine Sitzung zur Behandlung des polnisch-litauischen Konfliktes abhalten. Wvldemar as lieh jedoch mit­teilen, daß die Besprechungen mit den Mäch­ten, von deren Haltung er seine Stellung­nahme abhängig macht, noch nicht genügend fortgeschritten seien. Der polnisch-litauische Streitfall dürste aber noch in dieser Woche im Rat zur Behandlung kommen, da der Berichterstatter, der holländische Außen- Minister van Dlookland, nut den aus Anfang nächster Woche angesetzten Leu- Wahlen aus dem Rat ausscheidet.

Der Genfer Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt zur Vertagung der Debatte über den Jahresbericht des Völ- kerbunges mangels Wortmeldun­gen: Da haben nun 50 Staaten Dele­gierte aus 4 Ecken der Welt nach Genf ent­sandt, aber im Augenblick ist keiner in der Lage, die Arbeiten des Völkerbundes zu erörtern, die Fragen von derartigen in­ternationalem Interesse umfassen. Es scheint nicht ein Mitglied der Delegierten den Wunsch zu haben, seine Ansicht auszu­drücken. Datz das ein Gefühl von Ver- Verblüffung in den Wände.gängen des Sekretariats ausgelöst hat, ist kern Wun­der. Das Blatt bezeichnet selbst den Vor­fall in einer Ueberschrist alsSelt­sames Fiask o.

Genf, 4. Sept. Das Präsidialbüro der Bölkerbundsversammlung hat sich heute abend abermals mit dem Antrag auf ausnahmsweise sofortige Zuerkennung der Wiederwählbarkeit Spaniens in den Böllerbundrat befaßt. Außerdem setzte das Büro die nächste Voll­sitzung der Bundesversammlung endgültig aus Mittwoch vormittag fest, nachdem ver­schiedene Delegationen sich zum Wort ge­meldet haben.

Genf, 4. Sept. Die Unterredung des Reichskanzlers Hermann Müller mit dem französischen Außenminister Briand zur Einleitung der Besprechungen über das Rheinlandproblem ist nunmehr für Mittwoch nachmittag in Aussicht genommen und soll am Sitz der französischen Dele­gation stattfinden.

Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, der bereits gestern abend eine Anterrredung mit Briand hatte, hat heute vormittag seine Besprechung fortgesetzt und den tschechoslowakischen Außenminister Be­ne s ch, das italienische Ratsmitglieü S c i a » l o j a und den jugoslawischen Außenminister Marinkowitsch besucht.

Reichsminister des Aeußeren, Dr. Stress- mann, hat telegraphisch für das an ihn un Auftrage des Präsidenten der Bundes- versamml un g gerichtete Begrüßungs ele- gramm gedankt und der Hoffnung darin Aus­druck gegeben, daß er an der nächsten Sitzung wieder teilnehmen kann.

Die Rheinlandbefprechung in Genf.

DemExcelfior" wird aus Eens berichtet, datz nach der Unterredung BriandMüller eine Zusammenkunft der Delegierten der Mächte, die an der Rhein­landbesetzung teilnehmen, und der deut­schen Delegierten stattfinden werde. Es könne sogar möglich sein, datz alle Mächte, die in der Botschafter-Konferenz vertreten sind, aufgefordert werden, an dieser Unter­redung teilzunehmen.

Die Genfer Besprechungen Seipels.

Pertinax berichtet demDaily Telegraph" aus Genf, Bundeskanzler Seipel habe im Laufe der Besprechungen mit dem französischen und dem itglieni- schen Vertreter versucht, die in Frankreich und Italien wegen der Haltung der öster­reichischen Regierung gegenüber dem An- schlutzprogramm gehegten Befürchtungen zu zerstreuen. Außerdem habe Seipel Scialofa mitgeteilt, datz er nicht beabsich­tige. in das Wirken des italienischen Re­gimes in Südtirol einzugreifen.

Die verbesierie Eröffnungsrede Procopes.

Wie der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" berichtet,

Zu dem englisch-französischen Abkom­men über die Einschränkung der Bewaff­nung zur See, bei dem es sich um Be­schränkungen im Bau größerer Ge­schütze und besonders kostspieliger Marine-Äeubauten handelt unter Edem Gesichtspunkte, daß die englische und französische Marine in der Gesamtheit stets stärker ist als die amerikanische, wird von gut orientiertem Gewährsmann gemeldet:

Dem Abkommen liegen beiderseits ver­schiedene Ziele zu Grunde. Einerseits wol­len England und Frankreich damit eine kommende See-Abrüstungs-Konferenz aus einer neuen Basis vertreten können.

wobei Amerika stets schwächer bleiben mutz, als die Marine der Entente.

Andererseits war das aber auch die Absicht Englands, der stark anwachsenden fran­zösischen Marine ein Ziel zu setzen, damit die Rivalität zwischen den Marinen beider Staaten endlich aufhört.

Bei den Verhandlungen hat Frank­reich als Begründung seines ge- steigerten Flvttenbaues ange­geben, einmal die Rvtwendigkeit des Schutzes seiner ausgedehnten K ü st e, dann aber auch

die Sicherstellung der Verbindung mit seinen afrikanischen Kolonien

bei etwa notwendig werdenden Truppen­transporten. Daraufhin wurde englischer­seits erklärt, daß England selbst in diesem Schutze interessiert sei. Die daraufhin ge­machten englischen Vorschläge sind dann näher ausgearbeitet und zu einem Entwurf für ein Geheim-Abkommen sertiggestellr worden. Dies Abkommen ist jedoch noch nicht unterzeichnet. Damit will man war-

9er KriesZanleiWetrug

Wie wir erfahren, erstreckt sich die Unter­suchung in der Kriegsanleihe-Betrugsaffai-e jetzt auch auf den Umstand, daß statt 20 Milliarden Kriegsanleihe-Alt besitz, 42 Milli­arden an gemeldet worden sind. Diese un­geheure Mehranmeldung läßt darauf schließen, daß der Kreis derjenigen Personen, die Kriegsanleihe-Reubesitz als Aktbcsitz anmel­deten, um dadurch die höhere Aufwertung zu erhalten, sehr groß ist. Da vermutet Witt», daß die Schuldigen fast ausnahmslos im Aus­land sitzen, wird sich die Untersuchung sehr schwierig gestalten. Gelingt es, die Schuldigen zu entdecken und die Höhe der gefälschten Kriegsanleihescheine festzustellen, dann wird di« Angelegenheit ihren ordnungsmäßigen Gang gehen. Was aber die Regierung zu tun gedenkt, wenn die Schuldigen nicht er­mittelt werden, steht einstweilen noch dahin. Der Regierung wird in diesem Falle wohl nichts anderes übria bleiben, als die nanse

hatte der finnische Delegierte Procope im Entwurf seiner Rede zur Eröffnung der Völkerbundsversammlung auch dem eng­lisch-französischen Flottenübereinkommen einen Abschnitt gewidmet, in dem er darauf hinwies, datz die vorbereitende Ab­rüstungskommission auf das englisch-fran­zösische Flottenkompromis neue Hoffnun­gen für das Zustandekommen eines'allge­meinen Abrüstungsvertrages fetze. Seit der Uebermittelung dieses Textes an die Mitglieder des Völkerbundsrates habe Scialofa Einwendungen gegen diesen Ab­schnitt erhoben, weil seine Regierung eine gegenteilige Auffassung über die Wirkung dieses Flottenabkommens habe. Der finnische Delegierte habe daraufhin den Teil gestrichen.

ten, bis die Diskussion über das neue Ab­kommen erledigt ist, und man die Hal­tung Amerika genau kennt.

Zn englischen diplomatischen Kreisen, die über die Vorgänge orientiert sind, wird mit keinem Motte Italien erwähnt. Der Inhalt des Geheimabkommens scheint eine Spitze gegen Italien zu enthalten, insofern als England nach allem, was über die Geheimklauseln verlautet,

im Kriegsfälle Frankreichs maritime

Verbindung mit Afrika garantiert.

An den im September stattfindenden französischen LandungSmanövern an der italienisch-französischen Grenze sollen be­reits Offiziere der englischen Admiralität zum Studium der Blockade-Frage teil­nehmen.

Angeblich enthält der Geheim-Vettrag nur vier Punkte. Die Idee des Vertrages gepest darin, daß im Falle eines Krieges an dem England oder Frankreich be­teiligt werden, seitens der Entente eine See-Blockade einseht, indem England mit seiner Marine den Kanal und die französische Aord- und Westküste dech und im Mittelmeer die ftanzösische Ver­bindung mit Rordafrika durch Blockade ge­meinsam mit ftanzösischen Stteitttäften sichett. Dadurch erhält die ftanzösische Flotte eine größere Bewegungsfteiheit zu gemeinsamen Operationen.

Seitens englischer diplomatischer Kreise heißt es, daß man beiderseits äußerst zu­frieden ist über das Zustandekommen, das eine seit zwei Jahren zwischen den Entente- Staaten gewünschte Erneuerung des En- tente-Vettrages nach den neuzeitlichen Er­fordernissen darstelle.

Summe der an gemeldeten Scheine, mit Aus­nahme der vom Stinnes-Konzern einge­reichten, aufzuwetten. Der Schaden, der da­durch dem Reiche zugefügt würde, dürfte dann sehr beträchtlich sein.

Was den Fall S t i n n e s angeht, fv ridjiet die ttntersuchungsbehörde augenblicklich ihr Hauptaugenmerk darauf, inwieweit die An­schuldigung, die Stinnes gegen einen höheren Reichsbeamten erhebt, auf tatsächlicher Grund­lage beruhen. Rach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchungen werden die 'Beschuldi­gungen zu Unrecht erhoben.

Rücktritt des bulgarischen Kabinetts.

fk. Sofia, 5.Sept. Da Ministerpräsident Lioptschew die Umbildung des Kabinetts unter Ausschluß des Kriegsmintsters Wolkow entschieden verweigerte, erklärten drei Mit­glieder ihren Rücktritt. Lioptschew bat darauf­hin die Dewission des Eesamtkabinetts ein- aereicht.

galt 2 Milliarden Memchen

Schätzungen und Volkszählungen, die Be­völkerung der ganzen Welt betreffend ergaben im Jahre 1913, dem letzten Vorkriegsjahr, eine Summe von 1808 Millionen Menschen. Mit dieser Zahl waren alleSeelen" erfaßt, die zu jener Seit sich des Lebens auf unserem Pla­neten erfreuten. Dann kam der Krieg und mit ihm riß auf viele Jahre hinaus jede inter­nationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Bevölkerungsstatistik ab. Alle Listen verstaub­ten, gerieten in Unordnung, konnten nicht mehr geführt werden, da keinerlei auch nur halbwegs zuverlässige Daten 3u erreichen waren. Man tappte im Dunkeln. Erst nach Jahren setzte sich der.Völkerbund »ur Aufgabe, auch auf diesem Gebiet internationalen Ge­meinschaftswirkens wieder die ersten Fäden fruchtbringender Beziehungen anzuknüpfen. Er war in der Lage dazu dank seines außerordent­lichen Nachrichtenapparates und dank des un­geheuren Lluellenmaterials, das ihm jederzeit zur Verfügung steht. Nun ist vor kurzem von ihm ein großes internationales statistisches Handbuch herausgegeben worden, in dem ein ungeheuerliches Zahlenmaterial zusammenge­tragen worden ist. Es enthält Statistiken auf fast allen Gebieten menschlicher Betätigungen und Zusammenarbeit enthält eine Fülle von Material, das für jeden Politiker, Volks­wirtschaftler und Sozialpolitiker von grund­legender Bedeutung ist. Unter anderem aber finden wir in diesem Handbuch auch die neuesten statistischen Angaben über die der­zeitige Erdbevölkerung, über ' ihre Zahl und vor allem über die Veränderungen, die stattge­habt haben in dem langen Zeitraum von dem letzten Vorttiegsiahr an bis zum Jahre 1926; und diese Angaben sind selbst für die Breite Allgemeinheit und nicht nur für den Fach­mann außerordentlich interessant und auf­schlußreich.

Aus ihnen geht nämlich hervor, daß die Menschheit zahlenmäßig trotz aller Kriege, trotz aller Revolutionen, trotz aller Epidemien, die in ihrer Gesamtheit viele Millionen an Opfern gefordert haben in gewaltiger Zu­nahme begriffen ist. Binnen dreizehn Jahren hat sich die Bevölkerung der Erde um sage und schreibe 124 Millionen Köpfe vermehrt; denn zu Ende des Jahres 1926 ergaben die Er­hebungen des Völkerbundes rund 1392 Milli­onen Menschen gegen 1808 im Jahre 1913. Um sieben Prozent also hat in dem genannten Zeitraum die Menschheit sich vermehrt! Auf das Jahr umgerechnet würde das mehr denn ein halbes Prozent ausmachen. Rechnet man dies auf das vergangene Jahr und die letzten Monate um, so ergibt sich, daß heute demge­mäß die Erdbevölkerung rund 1950 Millionen Köpfe ausmachen muß, und die Zeit steht be­reits dicht bevor, in der die zweite Milliarde voll sein wird!

Von dieser irdischen Gesamtbeoölkerung fällt heute mehr als die Hälfte, fallen 1026 Milli­onen Menschen allein auf Asien! Dieser Erdteil hat auch die zahlenmäßig stättste Devölke- rungszunahme in den letzten dreizehn, be­ziehungsweise vierzehn Jahren erfahren, und zwar berechnet das Material des Völkerbun­des eine Zunahme um 48 Millionen Menschen. Was das beißt, wird am besten klar, wenn man sich verdeutlicht, daß das ganze Deutsche Reich gegenwärtig 63 Millionen Einwohner zählt also nur fiinfiehn Millionen mehr, als Asiens Bevölkerungszunahme in der genannten Zeit­spanne betrug. Naturgemäß hat an dieser Zu­nahme China den weitaus stärksten Anteil, ob­schon dott ein Menschenleben immer noch so billig ist wie eine Brombeere um einen vul­gären Vergleich zu gebrauchen. Das Schlag­wort von der gelben Gefahr erhält also auch durch diese Statistik eine grelle und beachtliche Beleuchtung, llebrigens soll China zurzeit 450 Millionen Einwohner in feinen Grenzen beherbergen das sind nur 64 Millionen Köpfe weniger, als der Erdteil zählt, der die zweitgrößte Bevölkerung unter den Kontinen­ten aufweist, nämlich Europa! Man kann sich heute schon ausrechnen, wann der Zeitpuntt da sein wird, zu dem das chinesische Reich die Be­völkerungsziffer ganz Europas nicht nur er­reicht haben, sondern übertreffen wird. Ob bann, wie oft prophezeit worden, wirklich der Zug der Mongolenauf den Spuren des Dfchingis-Khan" gegen das Abendland ein- setzen wird? .... Beängstigend ist jedenfalls die Tatsache, daß die Bevölkerungszunahme in Asien seit Kriegsbeginn viermal so stark gewesen ist wie die Europas. Europa zählt gegenwärtig 514 Millionen Einwohner. Die Zunahme der Bevölkerung seit 1913 betrug nur drei Prozent. Schuld daran ist rum Teil der Krieg, mehr aber noch die Nachkriegszeit mit ihren Entbehrungen, ihren Seuchen und vor

Das Nottenabkommen gegen Amerika

Wie England Frankreichs SeerWimg Ml und beschneidet