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Montag, ten 1 Sept. i»A

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ÄstelmzetM Zeitung Strom

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«

St. 207 63.5nhtg. Nmdukg a.Mn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Schwere Flugzeugkataftrophe m Frankreich

SantelSminllter Nokanowiki und M wekgoa Kisaffo» votbranal

Paris. 2. Sept. Das Verkehrsflug­zeug, das den Handelsminister B o k a - «owski, der zugleich Leiter der Han­delsluftschiffahrt ist. heute vormittag von dem Flugplatz Le Bourget zu einer Flug- »eranstaltung des Luftsahrtverbandrs der Auvergne nach Cleremont-Ferrand führe« sollte, ist um 9.15 Uhr zwei Minuten, nachdem es den Flugplatz verlassen hatte, ht 500 Meter Höhe über der Croix de Neige in Brand geraten und abgestürzt. Sämtlich« Znsassen haben den Tod gefun­den. und zwar außer Handelsminister Bo- kanowsK der Direktor der Internationa­len Luftfchiffahrtsgesellschaft, der Pilot, der Mechaniker und der Funkentelegra­phist.

ff. Paris, 3. Sept. Die ersten Ergeb­nisse der eingeleiteten Untersuchung über das Unglücks, dem der Handelsminister Lokanowski zum Opfer fiel sind, daß der Unfall auf Eeschwindigkeitsverlust zurück- luführen ist.

Erst nach dem Aufschlag geriet das Flugzeug in Brand.

Der Apparat legte sich vollkommen über hi« Insassen.

Rohere Erimlhetten

Leber den Unfall des Flugzeuges, bas den Handelsminister Dokanowski von Toul nach Clermont-Ferrand bringen sollte, liegen nun­mehr Einzelheiten vor. Das Flugzeug legte nach dem Aufstieg etwa zwei Kilometer zurück Md befand sich in einer Höhe von 100 Metern, als der Motor Fehlzündungen hatte. Er stürzte plötzlich senkrecht ab, und als es den Boden berührte, geriet es sofort in Brand. Aach Ansicht von Fachleuten soll die Touren­zahl des Motors plötzlich nachgelassen haben, Md der Führer soll zu einer Notlandung ge­zwungen worden sein. Ein Augenzeuge schil­dert den Vorgang folgendermaßen: Ich befand mich an der Grenze des Flugplatzes, als das Flugzeug in etwa 150 Meter Höhe vor beiflog. Plötzlich machte der Apparat eine Rechtskurve, man hatte den Eindruck, als ob er landen wollte. Er stürzte jedoch steil ab und geriet etwa 100 Meter von der Straße, die den Flugplatz begrenzt, in Brand. Als kurz nach­her Soldaten des dort stationierten Flieger- regimentes herbeieilten, konnten sie nur noch einige Äeberreste des Flugzeuges feststellen, sämtliche Insassen waren bereits verkohlt. Die Leiche des Handelsministers konnte an der Platinarmbanduhr fest gestellt werden, die «r trug. •

Dokanowski war vor einiger Zeit aus An­laß des Fluges von Le Drix und Cochet be­schuldigt worden, er habe diesen Fliegern bei ihrem Dauersluge nicht die nötige amt­liche Unterstützung zuteil werden lassen, und «r mußte deshalb schwere Angriffe über sich »gehen lassen. Namentlich in Fliegerkreisen fall er auf gewisse Widerstände gestoßen fein. Dohl aus diesem Grunde erklärte er, wie Haras berichtet, scherzhafterweike kurz vor dem heutigen Aufstieg zu einem anwesenden Gene­ral: „Die Journalisten behaupten, daß ich niemals ein Flugzeug besteige und daß sie, inenn ich mich einem Apparat nähere, sehr be- lvrgt sind, mich gegen alle Gefahren zu sichern. ®ie sehen, daß eine Lustreise mich keineswegs schreckt." Frau Bakanowski bestndet sich in Compiegne in der Sommerfrische. Die Mit­teilung von dem Unfall wurde ihr durch den Minister des Innern, Sarraut, überbracht. Der Präsident der Republik und Außen­minister Driand haben Frau Dokanowski fo- fott ihr Beileid ausgedrückt. Dokanowski hniterläht drei Söhne. Minister Pamleve hat sich an die älnsallstelle begeben und ist -tute nachmittag in Toul eingetroffen. Mi­nister Dokanowski hatte am 31. August seinen 49. Geburtstag gefeiert. Er gehörte feit 1914 ytt französischen Kammer an und übernahm 1926 den Posten des Handelsministers, dem aus Sparsamkeitsgründen das slnterstaats- lekretariat für Luftschiffahrt unterstellt wurde.

Es ist anzunehmen, daß die fünf Insassen bereits vor dem Ausbruch des Feuers ge» Horben sind. Sämtliche Zeugenaussagen

stimmen darin überein, baß das Flugzeug noch gestern nachmittag in Le Bourget be­sonders eingehend geprüft worden war. Es führte 700 Liter Brennstoff mit sich, die auf zwei Behälter verteilt waren. Es flog gegen den Wind in östlicher Richtung an und stieg schnell 150 Meter hoch. In diesem Augenbllck befand es sich nicht mehr über dem Flug- platzgelände, sondern über einem Getreidefeld: wahrscheinlich wurde dann die Schwenkung ausgeführt, um südlichen Kurz einzuschlagen. In diesem Augenblick setzte der Motor aus und das Flugzeug stürzte senkrecht auf das Getreidefeld ab. Propeller und Motor schlugen mit großer Wucht auf den Boden, der infolge der Trockenheit befonders hart war, auf.

lieber

die übrigen Opfer

werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der Pilot Sanin gilt als einer der besten fran-

zösifchen Zivilflieger. Er hat seit der Ab- legung seines Pilotenexamens im Jahre 1916 mehr als 6000 Flugstunden zurückgelegt. Er wohnt in Straßburg und hinterläßt zwei Kinder. Der Generalsekretär Le Franc, der einigen Zeitungsmeldungen zufolge der Direktor der Compagnie Internationale de Navigation Aerienne fein soll, war ebenfalls Vater von zwei Kindern. Er gilt als der Begründer der Fluglinie Frankreich—Ru­mänien. Der Mechaniker Vidal, der 25 Jahre alt war, war unverheiratet. Der Funk- telegraphist Willi ns war 26 Jahre alt und erst seit kurzem verheiratet.

Im Zusammenhang mit dem Tode Doka- nvwskis erinnert man daran, daß bereits ein­mal ein französischer Minister durch einen ^lugzeugunfall den Tod erlitten hat, nämlich Kriegsminister Derteaux. Am 21. Mai 1911 stürzte ein Flugzeug, das am soge­nannten „Rundflug nach den Hauptstädten" teilnehmen und zunächst nach Madrid fliegen

Air schm-Wm Smuttleger gerettet

ft Newyork, 3. Sept. Dste schwedi­schen Flieger H a s s e l und K r a m e r, die Mitte August zum Fluge von Amerika nach Schweden mit einer Zwischenlandung auf Grönland startete« und seitdem ver­schollen waren, find, wie aus Mount Evans auf Grönland gemeldet wird, gerettet worden. Nach einer zwei­wöchigen außerordentlich beschwerlichen Wanderung durch die Eiswüste wurde« st« von der Habbs-Expedition gesichtet und geborgen. Die Habbs-Expedition «ar durch Eskimos auf die Rauchsignale der beiden Flieger aufmerksam gemacht wor­den. Beide find wohlauf. Sie wurden mit einem Motorboot von Habbs nach Monnat Evans gebracht.

Rotlandang des Fliegers Sönning.

Düsseldorf, 2. Sept. Der Flieger Sönning, der gestern abend in Düsseldorf zu einem Flug nach Konstantinopel ge­startet war, um den Langstrecken-Flugre­kord anzugreifen, geriet während der Nacht in dichtem Nebel, der ihm die Orientierung unmöglich machte. Ter Pilot irrte bis heute früh im Nebel umher, bis er schließlich gegen 9 Uhr bei Luzern eine Notlandung vornahm, wobei das Flug­zeug einen Bruch erlitt. Der Pilot blieb glücklicherweise unverletzt.

Risticz und Zimmermann zum Lang- ftreckenflug gestartet.

Dessau, 2. Sept. Die beiden Piloten Risticz und Zimmermann sind heute früh um 6 Uhr mit dem Iunkersflugzeug W 33 der Deutschen Verkehrsfliegerschule zu dem geplanten Langstreckenflug gestartet. Das Flugzeug schlug nach glattem Start die Richtung auf Dresden ein.

Start zweier sranzöfischer Flieger zu einem neuen Weltrekord.

Paris, 1. Sept. Savas berichtet über den Start der Flieger Arrachart und Rignot zu einem Weitstreckenflug, um den Welt­rekord von Chamberlain und Leviue (New­york—Kottbus 6396 Kilometer) und den offi- ziell noch nicht homologierten Weltrekord der Italiener Ferrarin und del Petri (Rom- Natal 7136 Kilometer- zu verbessern. Der erste Start erfolgte gegen 6 Uhr, mißlang aber. Die Abfahrt erfolgte schließlich um 6.12 Uhr. Die Flieger nehmen Kurs auf Kalkutta und »war über Wien und Konstantinopel. Sie führen 4100 Liter Benzin und 195 Liter Del bei sich.

Der sranröfische Rekordversuch im Lang­streckenslug gescheitert.

Paris, 1. Sept. Die Flieger Arrachart und Rignot, die heute früh in Le Bourget zu einem neuen Rekordversuch im Langstrecken- ilug aufgestiegen waren, mußten über Stutt­gart wegen einer Panne am Benzinbehälter umkehren und in Strasburg landen. Sie kehren heute abend nach Paris zurück.

sollte, kurz nach dem Aufstieg auf die Zu­schauertribüne, wobei Kriegsminister Derte­aux getötet wurde.

Die fünf verkohlten Leichen, unter denen sich auch noch die des Radiotelegraphisten be­fand, konnten erst nach zweistündiger Anstren- aus den Trümmern hervorgehalt wer- Der Wilitärgvuverneur von Toul sowie

Vertreter der Zivilbehörden haben sich sofort an die Unfallstelle begeben, um eine Unter­suchung einzuleiten. Der Präsident der Re­publik, Dournergue, Ministerpräsident Poincare und alle übrigen Minister haben sofort nach Dekannrwerden des Unfalls der Farnllie des Handelsministers Beileidstele­gramme gesandt.

Das verunglückte Flugzeug ist der Doppel­decker .Spad" der Firma Dleriot, der über 420 PS. verfügte. Flugzeuge von der Bau­art des verunglückten Flugzeuges fliegen seit Jahren regelmäßig auf der Strecke Paris- Konstantinopel.

Bokanowskis Leiche nach Paris überführt.

fk. P a r i s. 3. Sept. Ein Sonder­wagen mit der Leiche Bokanowskis ist am Montag kurz vor 6 Uhr in Paris einge­troffen. Sie wurde unmittelbar vom Bahnhof nach dem Handelsministerium überführt, wo eine Notkapelle hergerichtet

wurde. Die Beisetzung findet voraussicht­lich am Mittwoch Vormittag auf Staats­kosten statt. An der Beisetzung werden sämtliche Minister, mit Ausnahme des in Genf weilenden Außenministers Briand, teilnehmen.

Sie Verhaftung SWiS

Lugano, 1. Sept. Die von den schweizerischen Behörde« eingeleitete Unter­suchung in der Angelegenheit der durch italienische Agenten erfolgten Verhaftung des früheren rialienischen Pressechefs wurde gestern abend mit der Ausarbeitung eines eingehenden Bericht» abgeschlossen, der an da» Eidgenössische politische Departement übermittelt wurde. Die Polizei hat m dem Hotel, in dem Rossi und feine Be­gleiterin abgestiegen waren, dessen aus Frankreich stammenden Briefe beschlag­nahmt. Es wurde festgestellt, daß die Be­hauptung der mit Rossi bekannten Per­sonen, sie wohnten in Bissoni bei Lugano, falsch ist. Die Verhaftung Rossi» in Camplone ist vermutlich vom Bürgermeister von Eampione, Vitalini, vorgenommen worden.

Dar mgeM AbMungösroblm

Der französische Sozialist Paul Boncour, der durch seine positive Einstellung zu allen die Aufrüstung Frankreichs betreffen­den Fragen und durch seine negative Hall- hing der allgemeinen internationalen Ab­rüstung gegenüber schon ost von sich reden gemacht hat, hat nach den neuesten Mel­dungen aus Genf erklärt, man könne jetzt dank des letzten englisch-französischen Ab­kommens in der Reservistenfrage bald die vorbereitende Abrüstungskommission wie­der einberufen, ja sogar schon fast be­stimmt mit der Abhaltung der großen Ab­rüstungskonferenz rechnen. Nach den un­gezählten Versuchen Frankreichs, die Ab* rüstungsverhandlungen zu verschleppen^ müssen diese letzten Aeuherungen Bvnco-urS überraschen, wenn sich nicht schon in ihnen selbst die Begründung für diesen Plötz» lichen Wandel in der Einstellung Frank­reichs zur Abrüstungsfrage finden würde. Der Hinweis Boncours auf das englisch- französische Abkommen, in dem bekanntlich England sich bereit erklärt hat, der fran­zösischen These beizutreten, daß die An­zahl der ausgebildeten Reservisten bei der Beurteilung der Rüstungsbeschränkung eines Landes nicht in Anrechnung gebracht werden dürfe, dieser Hinweis ist nichts anderes als das gerade zynische Ginge- geständnis, daß Frankreich nun gegen einen raschen Fortgang der Abrüftungsverhand- lungen deshalb nichts mehr einzuwenden habe, weil es dank des englischen Um* falls nun sicher ist, daß das Ergebnis der Llbrüstungsverhandlungen nur noch tm französischen Sinne ausfallen, d. h. der französischen Aufrüstung in keiner Be­ziehung mehr hinderlich werden kann.

Ein bestimmter Termin für den Wieder­beginn der Verhandlungen der vorbe­reitenden Abrüstungskommission ist zwar bisher noch nicht angefetzt, doch kann nach den Andeutungen Boncours wohl damit gerechnet werden, daß die Kommission schon kurz nach der Völlerbundstagung nach Genf einberufen werden wird. ES empfiehlt sich in diesem Zusammenhang daher wohl, einen kurzen Rück- und Ueber- blick auf den gegenwärtigen Stand der Abrüstungsverhandlungen zu geben. Zum letzten Mal hat die Vorbereitende Ab* rüstungSkvmmission vom 15. bis 24. März getagt. (Bei den in der Zwischenzeit statt* gefundenen Abrüstungsverhandlungen wie z. B. kürzlich über die industtielle Rüstungskontrolle handell es sich nur um die Beratungen von Anterkommisstonen). Die Märztagung hatte sich mit drei Punk­ten befaßt, 1. mit dem Ergebnis der Be­ratungen des Sicherheitskomitees, 2. mit den Abrüstungsvorschlägen der Sowjet­union und 3. mit dem Stand der Arbeiten der Kmomifsion selbst. Der erste Punst wurde lediglich durch Kenntnisnahme er­ledigt. Die Beratungen über den zweiten Puntt führten zu dem Ergebnis, daß die Entwürfe der Sowjetunion eine allgemeine Ablehnung sanden. Ein während der Ver­handlungen von den Russen neu ausge­arbeiteter Teilabrüstungsentwurf wurde auf die nächste Tagung der Kommission verschoben. Auch diese Verschiebung spielte die letzte russische Note an, in der bekannt­lich Litwinow gegen die Verschleppungs­tendenzen der Westmächstte einen äußerst scharfen Protest eingelegt hat. Man kann wohl annehmen, daß sich die Kommission nunmehr dazu bequemen muß, den am Schluß der Märztagung vorgelegten russi- fchen Entwurf zu diskutieren. Auf eine Mehrheit können die Russen aber umso weniger rechnen, als inzwischen ja die von Herrn Boncour mit so großer Genug­tuung erwähnte englisch-stanzösische An­näherung erfolgt ist. Was den dritten Puntt der Märztagung angeht, nämlich die Erörterung des Standes der Kvmmifsions- arbeiten, so ergab sich damals auch hier wieder, daß die überwiegende Mehrzahl der Kommission nicht zu posttiver Arbeit war. Trotz der deutschen Bemühungen gelang es nicht einmal, den im Herbst 1927 in erster Lesung ausgearbeiteten Entwurf einer Abrüstunasronvention in die zweite