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StnnaLend, reu 1. Sept. ISA

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1,11 Uhr.

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) OSevhsssen

8fr. 206 6$.3ai!tp. Marburg a. State

»er «*|etgei»tet» txttdgt für 6ce lo gespalt. ZeÜenmillimerer 0.08 SSL. kleine iSaranzeig« 0.08 SSM» «ntlich« iwd xnfr leärilcte Dnzeigrn 0.10 GM. Bei schwienger» Satz sowie bei Platz- tzorschrift 6CI. Aufschlag. - Sammelanzeig« 1001, Auf |4>lag. OkflaateB der Milkt» 0,40 GM. Sehet Rabatt gilt atr Barrabatt. Mel 6 Sagt. Beleg» werden berechnet.ebenso Auskunft durch »U SeschLftSstell» anf Zusendung eer Angebot». Cf küHungeort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen ffir Stadt und Kreis Marvrsr'g

Der srößtr Brtr«ssveef«ch am bevtfchsn WsKs

zz Milliarden statt 20 Milliarden Mit angemeldet - Ein unentwirrbares Reh betrügerischer Macheaschastr» Ser Mn desfauimonto aus WW - «uWeaerrerende Aussagen v. WM« aus der galt enllaWn

Die Verhaftung des Sohnes des am 10. April 1924 verstorbenen Jndustrie-AIlgeroal* ligen Hugo S t i n n e s. der seinen gleichen Sem amen trägt, und der auch dazu be­rufen war, das nach der Stabilisierung der Währung zusaminengebrochene Gründerwerk seines Vaters wieder aufzubauen, ist geeignet, das stärkste Aufsehen zu erregen. Aicht nur im Inland, sondern auch im Ausland wird dieser Fall die größte Beachtung finden.

Der Verdacht, unter dem Hugo Stin» «es jun. steht, ist ein unendlich schwerer. 9t wird beschuldigt des Betruges am Leich, begangen durch Kriegsanleiheschie- bungen.

,Wie man weiß, macht das Aufwertungs­gesetz einen sehr wichtigen Unterschied tn der Bewertung beziehungsweise Aufwertung des LriegSanleihebesitzes, je nachdem es sich um Alt* oder Aeubesitz handelt. Der Alt­besitz, also solche Kriegsanleihestücte, die vor Lari 1920 erworben worden waren, sollte mit 15 Prozent des Goldwertes aufgewertet Verden, während die danach erworbenen und alS Aeubesitz geltenden Anleihestücke nur mit 5 Prozent aufgewertet werden sollten. Diese Unterscheidung und die damit verknüpfte be­trächtliche Gewinnspanne ist. wie man ja eigentlich von Anfang an erwarten mutzte. Mbald zu .betrügerischen Operationen nutz­bar gemacht worden. Der Sitz dieser Machen­schaften war weniger im Inland, als im Aus» lwd, und so fiel es auch auf, daß die größten Lltbesitz-Anmeldungen aus dem Auslande, vor allem aus Holland, Frankreich und auch aus südlichen Landern gekommen waren. Während die Aeichsrsgierung nach den im Leichstag« abgegebenen Erklärungen damit rechnete, daß der Altbesitz sich auf etwa 20 Milliarden Mark stellen würde, nahmen die Anmeldungen dieses Besitzes, insbesondere ton diesen eben genannten Auslandsstellen nach und nach einen Umfang an, der diesen Betrag um mehr als das Doppelte überstieg. Insgesamt sind etwa 43 Milliarden Mark an Mrbesitzanleihe angcmeldet worden und die über > den wirklich vorhandenen Altbesitz gehend« Summe beläuft sich zwischen 320 und 350 Millionen Goldmark. £t m diesen Betrag also hatte man das Aeich lchädrgen wollen.

Schon seit etwa einem Jahr sind die Untersuchungen nach den geheimnisvollen Quellen dieser Fälschungen und Betrügereien im Gang. Man hat herausgefunden, daß in Holland wie in Frankreich, aber auch in anderen Ländern förmliche Zentralen errichtet Laren mit der alleinigen Aufgabe, deutschen Aeubesitz an Kriegsanleihen in Altbesch um­zuwandeln, um auf diese Weise den zehn- drozentigen Zwischengewinn zu erlangen. Seit geraumer Zeit ist man Bei diesen Unter» suchungen auch auf den Namen Hugo Vtinnes gestoßen. Die Derdachtsgründe sind durch die letzten Vernehmungen derartig stark ge­worden, daß eine Verhaftung erfolgen muhte. Sie stand schon vor Einigen Wochen in Nede. Dan glaubte aber selbst an staatSanwalt- schaftlicher Stelle, daß mit dieser äußersten Maßnahme gegen Hugo StinneS noch nicht ovrgegangen zu werden brauchte, weil er als Träger eines bekannten Namens sich unmöglich einem eventuell erforderlichen Zu­griff entziehen konnte, und weil man anderer­seits der Meinung War. daß eine Ver­dunkelungsgefahr nicht mehr gegeben wäre. Diese Ausfassung hat nun revidiert werden müssen, nachdem sich herausstellte, daß der ganze Kreis der Machenschaften und der hinter ihnen stehenden Persönlichkeiten noch nicht ersaht war, und man muh daher noch mit weiteren aufsehenerregenden Verhaftungen rechnen.

Dieser Fall StinneS ist wieder mal ein Beitrag zu dem Thema: Geschäft und Moral. Es ist unbegreiflich, wie sich gerade Hugo Stinnes, wenn er sich schon einmal ent­schlossen hatte, den zusammengerafsten Be­sitz seines Vaters wieder aufzubauen, nun auch noch dazu verleiten lieh, zur Beschleuni­gung dieser Entwicklung einen Betrug am Aeich zu begehen. Der Vater Slinnes halte schon den ^schäftsgelst über die Moral da­durch gesetzt, dah er unter rücksichtsloser Aus­nutzung der Inflation allen nur irgendwie rrrasfbaren Besitz an sich zog, der sich jreiltch Bann nach der Stabilisierung ebenso rasch ver-

flüchtigte. Zwischen den Brüdern Stinnes, Hugo und Edmund, hob dann ehl in aller Oefferrt l:chkeit ausgetragener, sehr unerfreu­licher Erbschaftsstreit an, der zugunsten von Hugo, hinter den sich auch seine Mutter stellte, endete. Man sah in Hugo offenbar den robusteren, und der weichere Edmund wurde abgefunden. Wohin nun das ließet« wuchern des Geschäftsgeistes geführt hat, zeigt in geradezu tragischer Weise die jetzige Ver­haftung des Trägers eines im deutschen Wirt­schaftsleben einst großen und berühmten NamenS.

Ob mit der Verhaftung von Hugo Stinnes jun. nun der Ning geschlossen ist, ob dann die völlige Ausklärung des ungeheuerlichen KriegSanleihe-Schwindels, ci.res Skandal?, tote er in der Finanzgeschichte aller Länder wohl selten dasteht, möglich ist. steht noch dahin. Tausende sind in diese Affäre verwickeft.

Alles, was sich bei der Liquidatwn dieser Dinge vollzieht, ist wohl als letzte Etappe des großen, aus der morallosen Inflationszeit bis in die heutigen Tage hinemragenden Neins- gungsprozesses anzusehen, von dem man nur wünschen tonnte, dah er nun endgültig er­ledigt würde. Ehe aber nicht wirklich dl« Moral über den Geschäftsgeist die Oberhand gewinnt, ist eine wirkliche Gesundung nicht zu erhoffen.

3it StWbfgungtn

Mit den! betrügerischen Geschäften, die Stinnes rum Vorwurf gemacht werden, hat es. wie dasVerl. Tageblatt'' mitteilt, fol­gende Bewandtnis: Bekanntlich befand sich das HausStinnes im Jahre 1926 in sehr kritischer finanzieller fiese, insbesondere Hugo Stinnes junior, der sich im Herbst 1925 mit

Keine großen velitischen EntsKeldungen

Ran «artet bte Stahl M SrWenten ton Amerika ad

»Times" berichtet aus Paris zu den dort abgehaltenen Besprechungen mit Strese- mann. es kann kein Zweifel bestehe«, dah sowohl von französischer als auch amerikanischer Seite dahin gewirkt wor­den ist. nicht über eine einfache Er­klärung von Ansichten hinauszu­gehen. Allgemein scheine man zu erwar­ten, dah eine ähnliche Zurückhaltung in Genf in allen Frage« wie Rhcinland- räumung, Revision der Kriegsschulden, Anschluhfrage ufw. beobachtet werden wird. Abgesehen von allem anderen be­stehe der offenkundige Wunsch, alle ein­gehenden Erörterungen bis nach den Präsident sch a ft swahlen in den Vereinigten Staaten zu verschieben. Zn Paris hoffe man aufrichtig, daß bi« un­freiwillige Abwesenheit Stresemanns von den Verhandlungen in Genf nur eine zeit­weilige sei, da man der Ansicht sei, dah er allein die Fähigkeit gezeigt habe, seine Landsleute davon zu überzeugen, dah eine friedliche Politik in den bi« deutschen Oftgrenzen betreffenden Problemen jetzt eine Frage nicht nur der Aufrichtig­keit sondern auch der Zweckmähigkeit fest.

Zurückstellung der Paktratifizierung? rRew-qorl. 31. Aug.United Pretz" meldet aus Washington, dah Präsident Coolidge wahrscheinlich den Senat ersuchen werde, die Verhandlungen über eine Rati­fizierung des Kellogg-Paktes so lange zu- rückzuftellen, bis das Flottenprogramm durchberaten und angenommen worden sei. Präsident Coolidge stimme zwar mit dem Kellogg-Pakt überein, aber trotzdem ver­trete er die Ansicht, dah die Berteidi- gungsmahuahmen Amerikas leiden könn­ten, wenn das Flottenprogramm erst nach der Ratifizierung des Kellogg-Paktes durchberaten würde. Es könne auherdem möglich lein, dah Coolidge das 71-Schiffe- programm anstelle der 15-Kreuzervorlage empfehlen könnte, die jetzt dem Senat vor­liege.

Unterredung Wsldemaras mit v. Schubert

fk. Genf, 1. Sept. Der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, von Schubert, hatte am Freitag eine längere Unter­redung mit dem litauischen Ministerpräsi­denten Woldemaras. Die Erörterungen galten vor otl-">n den deutsch-litauischen Beziehungen. Auch der Konflikt zwischen Litauen und Polen wurde gestreift. Das Ergebnis wird vertraulich behandelt.

allen seinen Unternehmungen der Aufsicht der Darmstädter und Nationalbank unterstellen rnuste. Anfang 1926 soll ihm nun von seinem Privatsekretär v. W a l d o w einerseits und von seinem Hamburger Geschäftsführer an­dererseits je eines der Geschäfte vroponiert worden sein, die beute beide Gegenstand der kriminellen Untersuchung sind. Nach der Dar­stellung Stinnes sollen von Waldow und sein Hamburger Geschäftsführer an ihn heran- getreten sein, und ihm die Finanzierung von Kriegsanleihegeschäften unter folgender Ar­gumentation vorgeschlagen haben:

Ein französisches Konsortium

habe eine grobe Zahl von Ansprüchen er­worben. Die Frankbaisse, die damals ihren Höhepunkt erreicht hatte, machte es ibm aber möglich, sich die Stücke zu beschaffen Stinnes solle nun das französisch? Konsortium finanzieren, um die Durchführung der Ge­schäfte zu ermöglichen Das tat Stinnes und steckte nach seiner Darstellung nicht mehr als 400 000 in die beiden ihm vorgeschlagenen Geschäfte. Die Pariser Zentrale hatte die Aufgabe, in Paris Personen zu suchen, die sich bereiterklärten, . Eigentumserklärungen über die Stücke zu unterschreiben, mit anderen

SßOTteni falsche eidesstattliche Ver­sicherungen abzugeben. Unter diesen Ver- sonen befindet sich auch ein früherer fran­zösischer Parlamentarier, der sich als Besitzer von nicht weniger als 28 Millionen Mark An- lethe ausgegeben haben soll. Hugo Stinnes steht nun auf dem Standpunkt, daß er von an diesen Zusammenhängen nichts gewußt habe und nichts habe wisien tonnen. Er fei

wn seinen Angestelltenbereingelegt"

morden. Aus diesem Grunde bestreitet er auch, sich strafbar gemacht zu haben. Seiner Darstellung steht nun die Aussage seiner bei­den Angestellten gegenüber, durch die er be- lastet wird. Ferner wird er verdächtigt, in erheblich größerem Maße als von ibm be­hauptet, an den Geschäften beteiligt zu sein und darauf erstreckt sich jetzt die Untersuchung"

Srilnr S8tneSmazg*n

Hugo Stinnes junior wurde aus der Un­tersuchungshaft heute vormittag wie­derum dem Untersuchungsrichter, Land- gerichtSrat Brühl, vvrgeführt. Di« Ver- nehmunge« erstrecken sich hauptsächlich auf

die Pariser und rumänischen Bezieh««, gen,

durch die Hugo Stinnes mit den aus» ländischen Kriegsanleiheschiebern, die hauptsächlich ihren Sitz in Frankreich und Holland hatten, in die Angelegenheit ver­wickelt worden ist.

Die Verteidigung von Hugo Stinnes hat noch gestern nacht in einer gemein­samen Erklärung betont, daß sie sich mit den gesetzlichen Mitteln gegen die Unter- suchungshaft. die unzulässig sei, wenden wolle. Hugo Stinnes habe von den Schwindeleien, die in Paris vorgekommen sind, bis zum Ablauf der Anmelde­frist am 2 0. November 1 926 keine Kenntnis gehabt. Bei dem rumäni­schen Geschäft habe Hugo Stinnes bis heute keine Kenntnis von Inkorrektheiten gehabt. Bisher hat die Verteidigung noch keinen Antrag auf Haftentlaf- s u ng gestellt, sie hat aber im Laufe des Vormittags mit dem Untersuchungsrichter und dem Leiter des SonderdezernatSh Staatsanwaltschaftsrat Dr. Berliner, Füh­lung zu nehmen versucht, um zu erfahren, welche Vorwürfe im einzelnen gegen ihren Mandanten bcrliegen.

Im Laufe des Freitags wurden noch eine Anzahl von Zeugen vernommen, die unter von Waldow und Direktor Noth- mann gearbeitet haben. Es handelt sich zum Teil um höhere Angestellte früherer Stinnes-Betriebe in Hamburg, die von von Waldow dafür benannt worden sind, dah er nicht selbständig gearbeitet habe, son­dern daß er seine Direktiven von Hugo Stinnes jr. erhalten habe. Im übrigen habe sich der Streit zwischen von Waldow und Hugo Stinnes jun. noch weiter ver­schärft, und es soll damit zu rechnen fein, daß von Waldow in den nächsten Tagen sich noch ausführlicher zu den Vorgängen äußern werde. Es muß damit gerechnet werden, daß die Schutzschrift Hugo Stinnes erst Mitte der nächsten Woche dem Unter­suchungsrichter überreicht werden wird, da einer der Verteidiger sich am Frei­tag nach London begeben hat. wo in der deutschen Botschaft eine wichtige Vernehmung stattfinden wird. Nach Er­ledigung dieser Angelegenheit wollen di« Verteidiger dann ausführlich die Stellung- nähme ihres Mandanten darlegen. In- zwischen ist auch

Frau Stinnes in Berlin ei«getroffen, um hier die Mahnahmen zur Vertei­digung ihres Sohnes selbst zu über­wachen.

Frau Stinnes hat noch nicht die Ge­nehmigung erhalten, ihren Sohn zu sehen, da erst nach dem Abschluß der augenblick­lichen Vernehmung Hugo Stinnes daran zu denken ist, dah dieser seine Verwandten im Untersuchungsgefängnis sprechen kann.

ErmNmgSver«» an Sage EtinmS?

Der verhaftete Hugo Stinnes jr. hat . während seiner heutigen Vernehmung di« Aufsehen erregende Erklärung abgegeben, daß man vor einiger Zeit an ihn heran» getreten sei und ihm mitgeteilt habe, der- Reichskommi ssar für die Anmeldung von Anleihebesitz wolle die Unter­suchung gegen ihn nieder schla- gen, wenn er den Vorschlag des Pari­ser Bankiers CalmauL annehme. Ealmaux habe ihm durch Herrn von Wal­dow, der durch einen besonderen Kurier davon unterrichtet worden sei, sagen lassen, daß

gegen Zahlung von 50 000 Reichs­mark an die Adresie Calmaux das