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Marburg« rasrsmristt

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SjenS!as,

W 28. AllgUjt 1928

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen Mr Stadt und Kreis Marburg

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Sie felerWe linlcrzclilmung des Krllogg-Pakits

Ser Bttiuch, «ewallordnungm durch RechMdiwuseu zu ersetzen

Pari«, 27. Aug. Am heutigen Dienstag nachmittag drei Ahr nahm im Quai d'Orsay die feierliche Sitzung zur Unter­zeichnung des Kellogg - Paktes ihren Anfang. Eine riesige Menschenmenge hatte sich vor dem Gebäude versammelt. Sn der Vorhalle über der Freitreppe bildeten die Amtsdiener in rvtsamtner Hose und Weste, weihen Strümpfen und blauen mit Silber» aessen und Orden geschmückten Aeberröcken Spalier. In allen Sälen im ersten Stockwerk echrahlt daS Licht der vielhundertkerzigen Kronleuchter, 12 Pilonen der Vorderfront des chchäudes tragen die Farben der französischen Lepubik. Aus dem Balkon stehen fünf riesige Scheinwerfer. Am 14,15 Ahr werden die Türen zu den Sälen weit geöffnet. Als erster der bevollmächtigten Anterzeichner trat 14,30 Lhr der amerikanische Staatssekretär Kel­logg« Begleitung des Pariser Botschafters «in. Vereinzelt folgten dann die hohen Be­amten deS Quai d'Orsay mit den: Generat- fckretär Berthelot an der Spitze, die Mitglieder des französischen Kabinetts, die Präsidenten der Kammer und zahlreiche Ab­geordnete und Senatoren. Es folgten der Delegierte Kanadas, der italienische 8 t a f Manzoni. der Japaner Graf A,chida. die Außenminister der Tschechoslowakei und Polen. 14,45 Ahr erschien der Minister» präsident Poincare, darauf der belgische Außenminister Hymans. Am 14,5 0 Ahr kommt Bewegung in die harrende Menschen­menge: Neichsauhenminister Dr. Strese- «an n fährt in einem Mercedes-Wagen vor, auf dessen Vvrdersitzer zwei weihgekleidete Diener fitzen. Zur Linken des Ministers sah btt deutsche Botschafter v. H o e s ch. Die Heiden Diplomaten entsteigen dem Wagen und begeben sich in das Kabinett Driands, der dre »äste feierlich begrüstt.

Die feierliche Sitzung

begann Punkt 15 Ahr. Driand erscheint fat Saale, gefolgt von den Delegierten der Mächte. Zur Rechten Briands nehmen die Vertreter Deutschlands, Belgiens, Italiens, Japans. Polens und der Tschechoslowakei, zu seiner Linken die Vertreter der Vereinigten Staaten, Englands, Kanadas, Australiens, Neuseelands, Südafrikas und Irlands Platz. Während die Scheinwerfer und Kinoopera­teure in Aktion treten, erhebt sich

Briand

zu einer längeren Ansprache. Einleitend hebt et hervor, wie sehr sich Frankreich geehrt fühle, die ersten Signatare des allgemeinen Kriegsverzichtspaktes zu empfangen. Wenn man darin die moralische Situation erblicken wolle, die Frankreich in seinem ständigen Be­mühen im Dienst des Friedens kennzeichne, so nefjtne er im Rainen der französischen Re­gierung eine solche Huldigung an und

bringe die Genugtuung eines großen Volkes zum Ausdruck, das glücklich fei, sich endlich im Innersten ferner natio­nalen Psychologie verstanden zu fühlen.

Driand begrühte dann die erschienenen S!aats- männer, die in ihrer Eigenschaft als Außen» minister persönlich an den Vorbereitungen »der an der Ausarbeitung des neuen Paktes teilgenommen hätten, um besonders dem ameri­kanischen Staaissekretär Kellogg zu huldigen, der sich nicht gescheut habe, mit der ganzen Moralischen Autorität seines Ramens und des von ihm vertretenen großen Landes die Versicherung seines Glaubens in dem Anter« zeichnungsakt zum Ausdruck zu bringen. Driand wandle sich dann an Dr. S t r e f e - Mann, indem er ausführte:

»Welche höhere Ehre kann der zivilisierten V^lt geboten werden als dieses Schauspiel einer Versammlung, in der zur Anterzeich- nung eines Paktes gegen den Krieg Deutsch­land aus eigenem Antrieb mit ganzem Herzen Unter allen anderen Signatarinächten zusam­men mit feinen früheren Gegnern terlnimmt? Tine noch treffendere Illustration ist es, wenn sich so dem Vertreter Frankreichs die Gelegen­heit bieiet,

zum ersten Mal seit mehr als einem halben Jahrhundert einen deutschen Autzenminister auf dem Boden Frank­reichs zu empfangen

Mrd ihm den gleichen Empfang zu bereiten tote allen seinen ausländischen Kollegen. Ich füge hinzu, daß man sich, da dieser Vertreter

Deutschlands Stresemann heißt, besonders glücklich preisen kann, dem ausgezeichneten Geist und dem Mut deS hervorragenden Staatsmannes zu huldigen, der währen- mehr als drei Jahren nicht gezögert hat, seine ganze Verantwortung für das Werk der europä­ischen Zusammenarbeit für den Frieden in die Wagfc^tle zu werfen."

Anschließend gedachte Driand deS ab­wesenden englischen Außenministers Cham­berlain mit dem Wunsche für seine baldige Wiedergesundung und rühmte die unwandel­bare Ergebenheit des englischen Außenmini­sters für die Sache des Friedens.

Der Redner fuhr dann fort: Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich versichere, daß das Ergebnis dieses Tages einen

neuen Zeitabschnitt in der Geschichte der Menschheit

bedeutet. Zum ersten Mal macht auf Grund eines allgemeinen und allen Rationen der

Pari», 27. Ang. Reichsautzenminister Dr. Stresemann staitt-te Henle vormittag gegen 11 Uhr dem französischen Minister­präsidenten Poincare im Finanzministe­rium einen Besuch ab. Die Unterredung beider Staatsmänner dauerte 1 Stunde. Dr. Stresemann. der sich in Begleitung des Dolmetschers Dr. Schmidt befand wurde bei seiner Ankunft und Abfahrt von einer beträchtlichen Menschenmenge, die die Einfahrt zum Finanzministerium umlagerte, respektvoll begrützt.

Die Pariser Morgenpresse beschäftigt sich eingehend mit der Besprechung, die Dr. Stresemann mit P oincar6 am gestrigen Vormittag gehabt hat. Der gewöhnlich sehr 'gut unterrichteteEx- celsior" schreibt:Die beiden Staats­männer hatten beschlossen, keine Mittei­lung über ihre Zusammenkunft heraus­zugeben und sich jeder Erklärung gegen­über der Presse zu enthalten. Es wäre aber nicht anzunehmen, datz der Besuch sich auf den Austausch von Höflichkeits­formeln beschränkte. Stresemann habe sicher die starken Anstrengungen seiner Pariser Reise nur in der stillen Hoff­nung auf sich genommen, datz eine Unter­haltung mit Poincare den Besprechungen von Thoarv eine logische Folge und viel­leicht eine für die deutschen Ziele günstige Lösung geben würde.

allen Signataren dieses Abkommens eine vertraute Vorstellung. Aber dieses Ab­kommen, bestimmt, politisch den Frieden in einem begrenzten Teil der euro­päischen Welt zu garantieren, konnte nicht Anspruch auf den allgemeinen Charakter erheben, der die Bedeu­tung des allgemeinen Kriegsverzichts­paktes ausmacht. Der Völkerbund, von dem gleichen Geist beseelt, hatte feierlich eine Formel angenommen, die das gleiche Endergebnis wie der neue Pakt erstrebt. Aber, abgesehen davon, datz er nicht die Teilnahme der Vereinig­ten Staaten umsaßt, konnten seine Auf­fassung und seine Meth öden nicht die gleichen sein wie die, die wir für einen so allgemeinen und so absoluten Pakt wie den neuen Pakt anwenden konnten. Der Völkerbund kann sich nur über die Un­terzeichnung eines internationalen Pak­tes ireuen, aus dem er Nutzen zieht, da

Welt zugänglichen Planes ein Friedenskon­greß etwa- anderes als die politische Rege­lung der unmittelbaren Bedingungen eines besonderen Friedens, so wie sie tatsächlich aus den Entscheidungen deS Krieges hervorge­gangen sind. Zum ersten Mal leitet hier ei t wahrer gerade der Schaffung des Friedens gewidmeter Vertrag ein neues Recht ein, das von allen politischen Zufälligkeiten frei ist.

Es handelt sich um eine Kriegs-Liquida­tion. Der aus dem Frieden geborene Pa­riser Pakt ist von einer freien juristi­schen Vorstellung beseelt und kann und soll ein wahrhafter Vertrag der Eintracht werden. Die Locarno-Abmach­ungen haben nach dem Dawesplan be­reits von diesem neuen Geist gezeugt, der heute seinen vollen Ausdruck findet, denn wie es in einer Botschaft vom 6. April 1927 an das amerikanische Volk hieß der Verzicht aus den Krieg war

Poincarö habe aber, obwohl et Strese­mann mit aller Sympathie empfan­gen habe, keineswegs die Absicht gehabt, die Aussprache über die poli­tischen, wirtschaftlichen und finanziel­len Fragen, die mit der Unterzeich­nung des Kriegsächtungspaktes nichts zu tun hätten, gründlich anzuschneiden.

Bevor er sich mit Dr. Stresemann unter­halten habe, habe Poincare alle Akten­tücke seiner zuständigen Abteilungen ab- ;elehnt. Das sei ein Zeichen für seinen esten Vorsatz, sich an Allgemein- ) e i te n zu halten.

Es sei dagegen nicht daran zu zwei­feln, daß Dr. Stresemann die drin­genden Wünsche seiner Regierung für die Rhein la ndräumung dargelegt habe.

Vielleicht habe er die Möglichkeiten einer allgemeinen Regelung der Reparationen und Kriegsschulden ins Feld geführt, um bis zu einem mehr oder weniger nahen Zeitpunkt die Befreiung der dritten Zone zu veranlassen. Das Blatt glaubt zu wissen, datz die persönliche Auffassung Poincarös in Uebereinstimmung mit sei­nem Autzenminister Briand und mit sei­nen Regierungskollegen dahin gehe, zu­gunsten von mehr oder weniger vorteil­haften Verhandlungen nicht die fi­nanzielle Seite des rheinischen Problems von den rein politischen Angelegenheiten isolieren zu lassen.

dieser neue Pakt, fern davon, auch nur in etwas mit einer seiner Verpflichtungen unvereinbar zu sein, im Gegenteil

eine Art allgemeiner Rückversicherung darstellt. Daher werden alle diejenigen seiner Mitglieder, die dem Völkerbund zur Registrierung die Verpflichtungen unterbreiten werden, die sie heute ein- qehen, das Bewutztsein haben, dem Völ­kerbund ein wertvolles Pfand ihrer An- ncrlichkeit und ihrer Treue zu bringen. Welches ist also letzten Endes die neue Aufastung, die das wesentliche Charakte­ristikum des Paktes gegen den Krieg darstellt?

Zum ersten Male wird vor den Augen der Welt in einem feierlichen Akt, der die Ehre der großen Nationen, die alle eine schwere Vergangenheit politischer Kämpfe hinter sich haben, verpflichtet,

(8oit|«8uno Rebe Seite 2J

Rem schwere Kßmvse in Wna

fr. London. 28. Ang.Daily Mail­berichtet aus Peking. Schwere Kämpfe find zwischen den chinesischen Nordtruppen und den siegreichen Nationalisten im Gange. Viele Verwundete treffen in Peking und Tientsin ein. De^ Eenreal der Rordtruppen Tschangtsuntschang hält die Eisenbahnen zwischen Mukden und Tientsin besetzt. Den Südtruppen fehlt es fast vollkommen an Eisenbahnmaterial.

Sie LmlOuns an -re anöerea

Paris, 27. Aug.Havas" verbreitet folgende Meldung: Heute haben Vertreter von nur 15 Mächten den Kriegsächtungs­pakt unterzeichnet. Um diesem Vertrag den Charakter zu geben, den seine Erstun­terzeichner wünschen, ist die amerikanische Regierung beauftragt worden, den Text allen Mächten der Welt ohne Ausnahme mitzuteilen. Die amerikanische Regierung hat also ihre Vertreter in den interessier­ten Staaten angewiesen, noch heute den Regierungen der Mächte, die den Pakt nicht unterzeichnet haben, die Tatsache der Unterzeichnung und den Text des Vertra­ges mit den Beitrittsbedingungen mitzu­teilen. Um jedoch Zeitverlust zu vermei­den, werden die Vertreter der Vereinigten Staaten den interessierten Regierungen zur Kenntnis bringen, datz sie schon jetzt dem Vertrage beitreten können, ohne sein Inkrafttreten abzuwarten, das stattfinden wird, sobald die verschiedenen Ratifi­kationsurkunden von den Erstunterzeich­nern niedergelgt sein werden. Die ameri­kanische Regierung sah sich jedoch bei zwei Mächten nicht in der Lage, diese Mittei­lung zu machen, erstens bei Sowjetrutz- land. mit dem sie keine diplomatischen Be­ziehungen unterhält, und zweitens bei Afghanistan, das sie anerkannt hat, wo sie aber noch keinen offiziellen Vertreter be­sitzt. Die amerikanische Regierung hat also die Vermittlung der französischen Regie­rung in Anspruch genommen, die die Mit­teilung an diese beiden Mächte übernom» men bat.

Die Wmfcw Etrejmlmns mit Bmnd

Ueber die Unterredung, die Reichs­autzenminister Dr. Stresemann gestern mit dem französischen Autzenminister Briand hatte, berichtetPetit Pari- sien": Beide Minister, die seit ihrer letzten Begegnung in Genf schwer krank waren, erkundigten sich gegenseitig zunächst nach ihrem Gesundheitszustand. Briand dankte Stresemann für die Anstrengung, datz er nach Paris gekommen sei, um den Anti­kriegspakt zu unterzeichnen, und sprach sein Bedauern darüber aus, daß der Ches der Wilhelmstratze sich in diesem Jahre nicht nach Genf begeben könne. Unter die­sen Umständen sei es natürlich gewesen, datz die beiden Minister von Fragen ge­sprochen hätten, die auf der Tagesordnung des Völkerbundrates und der Vollver­sammlung stehen oder neben den ordent­lichen Arbeiten des Völkerbundes erörtert werden. Es handelt sich um einen kurzen Ueberblick, und in diesem Zusammenhang wies Stresemann auf das Interesse hin, das die Tatsache in sich schließe, daß Deutschland diesmal durch den Reichskanz­ler Hermann Müller selbst in Genf ver­treten werde. Tas gebe die Möglichkeit, 'die grundlegenden Probleme anzuschnei­den. die seit Locarno nicht gelöst worden seien, deren Lösung Deutschland wünsche. Stresemann habe in seiner Unterredung mit Briand, so erklärt das Blatt zum Schluß,

nicht die Wünsche des Volkes präzisiert und sich enthalten, irgend etwas zu for­dern. was einer Einleitung zu einer Der» Handlung ähnlich gesehen hätte.

Am Rheln herrscht die Gewalt!

Stresemann bet BotmarS Wgemetnbeiten atS Antwort