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Mniag, XU 27. Aügujl 1928

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Empfang Dr. Sirefemanns in Paris

Ser Soltnrnüilfter Ml von Paris no® Naden-Iadea

Außenminister Dr. Stresemann hat mit btm Nordexpreß die Reise nach Paris ztzer Köln-Äachen angetreten. Der Mi­nister reiste nur in kleiner Begleitung, da sie Einladung an ihn persönlich gerichtet »ar. Sein Gefolge beschränkte sich auf seinen Privatsekretär Konsul Bernhard ,nd den Vortragenden Rat im Auswärti- gen Amt von Redlhammer und auf seinen Arzt Prof. Dr. Zondek. Der Minister hat seine ursprüngliche Absicht, nach den Pari­ser Unterzeichnungsfeierlichkeiten wieder «uh Berlin zurückzukehren, um an den Vorbereitungen für die Völkerbundsta- gunfi teilzunehmen, wieder aufgegeben. Fach den neuesten Dispositionen wird sich Di. Stresemann vielmehr von Paris iMtelt nach Baden-Baden begeben und dort für einige Zeit das Sanatorium Whlerhöhe aufsuchen, wo er sich bekannt­lich kurz nach seiner Erkrankung einige Monate aufgehalten hat.

. Die deutsche Delegation für die Völker- iundsverhandluLgen in Genf wird ge­trennt reisen. Am kommenden Dienstag Lhtt die Vordelegation unter der Füh- mng des Staatssekretärs von Schubert Ad des Ministerialdirektors Dr. Gaus. Ne deutsche Hauptdelegation für die der Tagung des Dölkerbundsrates folgende Mllversammlung wird die Reise nach tzenf unter Führung des Reichskanzlers Hermann Müller am Samstag, dem 1. September antreten Auster den voraus- fthrenden beiden Delegierten von Schu­bert und Dr. Eans setzt sich die Haupt­delegation noch zusammen aus den Abgg. 'N. Breitscheid, Prälat Dr. Kaas, Frei­herr von Rheinbaben und dem Grafen Bernstorfs.

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Die Ankunft Reichsaußenmimsters

Dr. Stresemann in Pari».

LParis, 26. Aug. Um 3 Uhr nachmit­tags ist mit dem Nordexprest Reichsautzen- mnister Dr. Stresemann angekommen, be­gleitet von Botschafter v. Hoesch, der an der belgisch-französischen Grenzstation Zeu- mont den Salonwagen bestiegen hatte. Zur Begrüßung namens der französischen Legierung war der Chef des Protokolls, ?^ugui^res, erschienen. Außerdem hatten sch eingefunden der Polizeipräfekt von Baris. Chiappe. der Chef der Sicherheits- ttlizei, Guichard. sowie die Mitglieder der deutschen Botschaft, mehr als 100 fran- josische und ausländische Jurnalisten, so- sie ein zahlreiches Publikum, das trotz der Absperrung sich Zuzug zum Bahnsteig verschafft hatte. Als Dr. Stresemann dem Tagen entstieg, wurde er von Fouguiö- ke- und dem Polizeipräfekten Chiappe be- Srüßt. Fräulein Doehle, die Tochter des Nsandschaftsrates an der Botschaft, Doehle, überreichte ihm einen Blurnen- hlauß, worauf der Reichsaußenminister Begleitung des Botschafters und der chstziellen Persönlichkeiten sich in die Vor­halle des Bahnhofes begab. In diesem Augenblick setzten etwa 25 Photographen chre Apparate in Tätigkeit.

Das Publikum in der Vorhalle des Bahnhofes begrüßte das Erscheinen des ^eichsmi nisters Dr. Stresemann mit Händeklatschen und Hochrufen. Die Ova- llone setzten sich bis auf die Straße fort. Einige Personen versuchten durch Zischen «e Kundgebung zu stören, wurden aber ^Urch den Beifall der Menge übertönt. Dr. Stresemann fuhr alsdann in Beglei­tung von Botschafter v. Hoesch beim Elys6e Und bei dem in der amerikanischen Bot­schaft abgestiegenen Staatssekretär Kel- s°3g vor, um seine Karte abzugeben. Als ®?5 Auto mit Reichsaußenminister Dr. stresemann in der Rue de Lille in den dof der deutschen Botschaft einsuhr, be­nützte ihn auch hier eine zahlreiche Menge

in herzlicher Weise. Sofort nach seiner Ankunft in der Botschaft, hat sich Dr. Stresemann in seine Privatzimmer zurück­gezogen. Um 6 Uhr abends wird Außen­minister Dr. Stresemann Briand einen Besuch abstatten.

Der Besuch Stresemanns bei Briand.

Reichsminister Dr. Stresemann stattete um 6 Uhr abend in Begleitung des Dol­metschers Dr. Schmidt dem französischen Minister des Auswärtigen, Briand einen Besuch ab. Di« Unterredung dauerte 40 Minuten. Vor dem Ministerium des Aeusteren hatten sich etwa 1000 Personen eingcfunden, die Dr. Stresemann bei seiner Ankunft begrüßten. I

ff. Paris, 27. Aug. Am Sonntag abend gab Staatssekretär Kellogg in der Botschaft der Vereinigten Staaten zu Ehren der Paktunterzeichner ein großes Bankett. Unter den Gästen befanden sich Ministerpräsident Poincar 6, die Botschafter der Vereinigten Staa­ten, die an der P a k t u n t e r z e i ch - n u n g teilnehmen, sowie die Delegierten, die mit der Unterzeichnung beauftragt sind, ferner die Mitglieder der amerikani­schen Botschaft und mehrere hohe Beamte des Quai d'Orsay. Reichsaustenminister Dr. Stresemann habe sein Fernbleiben mit seinem Gesundheitszustand entschul­digt und sich durch den deutschen Botschaf­ter. Herrn von Hoesch, vertreten lassen.

®»bleibt He WhmgWW? eine Anfrage SmüniMnU

Moskau, 25. Aug. Die sowjetrussische Delegation zur vorbereitenden Wrüstungs- kommission hat dem Vorsitzenden deS vor­bereitenden Abrüstungsausschusses des Töller- bundcS dem Gesandten der Niederlande in Paris, Loudon, ein vom 20. August d. 3, datiertes, von Litwinosf unterzeichnetes Schrei­ben zugehen lassen, in dem daran erinnert wird, daß die sowjetrussische Delegation auf der 5. Tagung der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz, nachdem der russische Vorschlag einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung abgelehnt worden war. den Entwurf eines Abkommens über die teilweise Abrüstung unterbreitet hat. Der Ausschuß habe, ohne eine Begründung zu geben, mit Stimmenmehrheit beschlossen, die Prüfung dieses Entwurfs bis zur nächsten Tagung des Ausschusses zu verschieben, und zwar trotz des russischen Einspruchs, ohne einen bestimmten Termin für diese Tagung festzusetzen.

Seitdem seien fünf Monate verflossen, ohne daß man etwas über die Einbe­rufung einer neuen Tagung der Kom­mission gehört habe, obwohl seiner- zeit Einigkeit darüber bestand, daß die Kommission vor der demnächst zu­sammentretenden Bölkerbundsver- sammlung zu einer Tagung zusam, meuberufen werden solle.

Als Grund für den vorzeitigen Abschluß der letzten Tagung des Abrüstungsausschusses feien seiner Zeit die Unstimmigkeiten zwischen zwei Mächten in der Abrüstungsfrage ange­geben worden, denen man Gelegenheit zur AuSiprach« geben müsse. Der englische Mi­nister des Auswärtigen, Chamberlain, der Vertreter einer dieser Mächte, habe vor kurzem offiziell erklärt, daß eine Einigung über die strittigen Fragen erzielt sei. Damit sei ein Grund für die Vertagung der Arbeiten der Abrüstungskommission aus der Welt ge­

schafft. Bei der letzten Tagung deS Ab­rüstungsausschusses habe ferner zweifellos der größte Teil der Delegation unter dem Ein­druck deS Kelloggschen Pattvorschlages ge­standen, den man sogar dem russischen Vor­schlag einer allgemeinen und völligen Ab­rüstung als weit wirksameres Mittel zur Sicherung des Friedens entgegengehalten habe. Es sei nicht Sache des Schreibens zu unter­suchen, inwieweit der Kellogg-Pakt in seiner gegenwättigen Form und mit den beigefügten Vorbehalten tatsächlich als eine Garantie für den allgemeinen Frieden gelten könne.

auf alle Fälle hätten die Urheber des Paktes selbst erklärt. daß zwischen dem Patt und Abrüstung und demzu­folge auch zwischen dem Patt und der Sicherheitsfrage keinerlei innerer Zu­sammenhang bestehe, das bestätig«, daß auch mit der Unterzeichnung des Pattes das Problem der Abrüstung keineswegs gelöst fei.

Die fowjetrusfische Delegation erlaube sich deshalb, gestützt auf die formellen Beschlüsse der letzten Tagung des Abrüstungsausschüsses, an den Präsidenten des Abrüstungsausschuss«? die Frage zu richten, welche Umstände es unmöglich gemacht haben, in Uebevetnstim- mung mit dem auf der letzten Tagung ge­troffenen Beschluß die vorbereitende Ab- rüstungSkommission vor der Tagung der Völ­kerbundsversammlung zusammenberufen, welche Hindernisse nunmehr noch einer raschen Ein­berufung im Wege stehen, sowie schließlich, für welchen Zeftpuntt die Einberufung nunmehr geplant sei. Die fowjetrusfische Delegation erlaube sich, da die von ihr dem Präsidenten des Ausschusses gerichtete Frage die gesamte öffentliche Meinung der Welt und sämtliche Völker interessier«, eine baldige Antwott auf ihr Schreiben zu erwarten, von dem eine Abschrift auch dem GeneralsÄkretariat des Völkerbundes zugeleitet worden sei.

Eintreffen des belgischen und de» irischen Delegierten in Paris.

Paris. 25. Aug. (WTD.) Der bel­gische Außenminister Hymans ist heute am späten Nachmittag in Paris eingettoffen; ebenso der Präsident des irischen Frei­staates, CoSgrave.

Ein« Erklärung deS Reichsmintttrrs Dr. Strefcman» an die französisch« Presse.

Reichsminister Dr. Stresemann hat der französischen Presse eine schriftliche Er­klärung überreicht, die folgenden Wort­laut hat:

„Ich bedauere aufrichtig, daß die Un- nachgiebigkeil meiner Aerzte mich zwingt, mich auf diesem Wege und nicht persönlich, rote ich es gewünscht hätte, an die Ver­treter der französischen Presse zu wenden. Ich habe immer angenehme Beziehungen zu den-französischen Journalisten gehabt,

deren Bekanntschaft ich vor allem in Genf gemacht habe. Daß wir manchmal ver­schiedener Ansicht über gewisse Angelegen­herren gewesen sind, ist nur natürlich. Aber dies hat mich niemals gehindert, ihr« Be­gabung und ihre hervorragenden Berufs- ergenschafien anzuerkennen. Der Grund meiner Reise ist die Unterzeichnung des Kellogg-PakteS, eines internationalen Ver­trages zum Zwecke des Verzichtes auf den Krieg als Werkzeug der internationalen Politik. Es genügt, diesen elementaren Grundsatz des Vertrages auszusprechen, um die außerordentliche Tragweite des bevor­stehenden internationalen Abkommens zu begreifen. Die zahlreichen ablehnenden Stimmen, die wir auch heute noch ver­nehmen, erklären sich durch die, Tatsache, daß das Ereignis uns zu nahe steht. Ans jeden Fall glaube ich, daß die Geschichte seine beirächtliche Bedeutung würdigen

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Der neue König von Albanien

Belgrad, 25. Aug. Aus Tirana wird gemeldet: Die vor einigen Tagen ge» wählte verfassungsgebende Nationalver­sammlung hielt heute ihr« erste Sitzung ab, auf der auch Achmed Zogu erschien. Die Eröffnungsrede hielt der Minister des Aeußern, Elias Beg Birgni, worauf die Abgeordneten Achmed Zogus eine stür­mische Ovation bereiteten. Daraus verließ dieser das Parlament. Di« Nationalver­sammlung nahm sodann das Gesetz über die Proklamierung des Königstums an vnd faßte einen formellen Beschluß, die Krone Achmed Zogn anzubieten. Dieser Beschluß wurde durch eine besondere Ab­ordnung Achmed Zogu mitgeteilt» der die Wahl zum König annahm. Gleichzeitig wurde die königliche Standarte auf dem Parlameutsgebäude gehißt. Die Geschütze feuerten einen Ehrensalut ab, womit dem Volke Albaniens die Wahl des Kist nigs bekanntgegeben wurde.

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Amerika und tat Zlvttrn- eMommm

ff. London, 27. Aug. Laut einer von den Blättern veröffentlichten Washingtoner Meldung verfolgen die amtlichen ameri­kanischen Kreise aufmerksam die Pariser und Londoner Berichte über das englisch- französische Flottenabkommen. Infolge des Fehlens amtlicher Erklärungen über das englisch-französische Abkommen halten die amerikanischen amtlichen Kreise mit ihren Kommentaren zurück, verheimlichen je­doch nicht ihre lvaachsende Ungeduld. Kel- loggS Beschluß, London nicht zu besuchen, wird teilweise als ein Anzeichen dafür an­gesehen, daß dieser Beschluß auf eine An- Weisung des Präsidenten Coolidge zurück­gehe und mit der infolge des englisch­französischen Abkommens entstandenen un­geklärten Lage in Zusammenhang stehe. Man fürchtet, daß, wenn die Lage nicht bald geklärt wird, der Kelloggpakt bald Gegenstand scharfer Auseinandersetzungen werden könnte. Sie könnten dazu führen, daß der Senat sich weigere, den Vertrag zu ratifizieren.

Sozialdemokratie und Danzer kreuzer

Breslau, 26. Aug. Eine außeror­dentliche Bezirkskonferenz Mittelschlesiens der S. P. D. nahm, nachdem an Stelle des verhinderten Reichstagspräsidenten Löbe Reichstagsabgeordneter Wendemuth-Wal- denburg zur Tagesordnung gesprochen hatte, als Abschluß einer sehr erregten Aussprache mit großer Mehrheit eine Ent­schließung an, in der es u. a. heißt: „Die Bezirkskonfetenz der S. P. D. für den Be­zirk Mittelschlesien mißbilligt aufs schärfste das passive Verhalten der vier Genossen in der Reichsregierung bei per Beschlußfassung über die Inangriffnahme des Baues des Panzerkreuzers A. Sie fordert von allen Genossen, auch denen, die in der Reichs­regierung und den Länderregierungen sitzen, engste Fühlungnahme mit der Parteigenos­senschaft. Ueberzeugt von dem Willen der Relchstagsfrakiion, alle Kräfte zur Ver­hinderung von weiteren Rüstungen aufzu­bieten, erwartet sie auch von der Meichs- tagSfraktion und den parteigenössischen Mi­nistern die Ablehnung aller übrigen Raten für den Bau des Panzerkreuzers 91."

Weitere Resolutionen, von denen die eine den Ausschluß der vier Minister wünscht (ne erhielt nur drei Stimmen), wurden cbgelehnt. Dagegen stimmte man einstimmig einem Antrag zu, der die Ein­berufung eines außerordentlichen Partei­tages zu der Panzerkreuzer'gefordert.