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JenmrMg, W A. August ISA

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachrrngen für Stadt und Kreis Marburg.

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FwuktMS Milttükbudgkl um 1 RMardr erbebt — SnMutietbate RäuimmgSbebingurigen

Parts steht in diesen Tagen geschlossen unter dem Eindruck eines großen Ereig­nisses, das von der gesamten französischen Presse ohne Unterschied der Parteien wirk­lich als das Ereignis dieser Epoche ange- pnesen wird. Mir allem, was die Forma- lttäien der Unterzeichnung andelangt, ift Paris zwar nicht ganz zufrieden. Aber Duai d'Orsay und die ihm nahestehenden Zeitungen haben den Ton angegeben, der die Stimmung, das Ehrende des ganzen Unierzeichnungsaktes verdeutlichen soll. Alles heißt Optimismus, alles heißt Be- tonung eines angeblich moralischen Im­pulses der kommenden Kundgebung für einen ewigen Frieden. Bewußt bemüht sich die Pariser Presse, altes Störende beiseite zu schieben. Man spricht nicht mehr von den in Kürze beginnenden Manövern im Rheinland. Man begrüßt die Beilegung des Zweibrücker Zwischenfalls, man kann absolut nicht die deutschen Bedenken ver­stehen, man ist im Tone dem deutschen Nachbar gegenüber liebenswürdig, man läßt sich weitschweifend darüber aus, wie man Dr. Stresemann, den ersten deutschen Minister, der nach dem Kriege wieder nach Paris kommt, ehren und feiern will, man zählt Tag für Tag einem aufmerksam lou= schenden Leserkreis vor, was alles an Feier­lichleiten geplant ist, wie Kellogg vom Prä­sidenten der Republik empfangen werden soll, wie das Frühstück sich , gestalten soll, das Präsident Doumergue den Ministern der Unterzeichnungsstaaten geben will. So ist alles im Tone der französischen Presse und in der Stimmung des politischen Frankreichs auf Freude, Genugtuung und Optimismus gestimmt.

Aber die Kehrseite bleibt doch nicht ver­borgen. Da hat jetzt das französische Fi­nanzministerium der Presse als Einleitung der Verhandlungen über das Budget des nächsten Jahres die Begründung des Staatshaushaltes übergeben. In dieser Begründung ist ein sehr großer Passus Len Ausgaben für die Flottenrüstungen, für die Vorbereitungen der einjährigem Dienstzeit und für die Defensivorganlsatio- nen zur Deckung der Ostgrenzen gewidmet. Und aus diesem Passus kann man es klipp und klar entnehmen: die Vermehrung der militärischen Ausgaben gegenüber 1928 be­trägt rund eine Milliarde Franc! Zwangs­läufig wird man zu einem Verg.eich ge­zwungen. Im gleichen Zeitpunkt, wo un festlichen Saale des Quai d'Orsay ein Ver­trag feierlichst unterzeichnet wird, der für ewige Zeiten den Krieg ächten soll, fast in dem gleichen Zeitpunkt wird in der fran­zösischen Presse mitgeteilt, daß man sich gezwungen steht, eine runde Milliarde mehr für militärische Ausgaben auszugeben. Lies ist „eine Summe, die nicht verringert werden kann, wenn wir nicht auf die Ausführung von Gesetzen verzichten wollen, welche das Parlament als richtig betrachtet hat". So heißt es in der Be­gründung. Man wird Begründung unld Shtteilung vergleichen müssen mit dem, was die Pariser Presse über Sinn und Zweck des Kelloggpaktes und seiner großen historischen Bedeutung zu sagen hat. Sehr kennzeichnend ein anderer Vergleich: die Pariser Presse bezeichnet den Kellvggpakt als das moralische Weltereignis „zur Ehre Frankreichs". Zu gleicher Zeit muß sde einen Artikel der Moskauer „Jswestja" wie­dergeben, in dem es lautet: „Der Kellogg- Pakt ist der Bankrott, weil der Pakt als em Versuch gewertet werden muß, die Jn- akilvität der Großmächte in Bezug auf die Befestigung des Friedens zu legalisie­ren." Das russische Blatt zitiert Erklä­rungen Coolidge und Bridgemans, die in der Ansicht übereinstimmen, daß der Pakt mit der Abrüstung nichts zu tun habe. Und dann heißt es wieder wörtlich: „Wir wußten, daß die Mächte während der Ab­rüstungskonferenz in Genf nur Brei ge­redet haben. Jetzt wissen wir, daß auch der Kelloggpakt nur Brei ist."

die „Bedingungen" für die Rheinland­räumung.

Seit einigen Wochen schon tauchen in bei Pariser Presse die absurdesten Bedin- ßungen auf. die Frankreich angeblich für eine vorzeitige Räumung des Rheinlandes

stellen will. Man könnte zunächst versucht sein, Las Ganze als Versuchsballons anzu­sehen, die Bedingungen tauchen aber mit einer solchen Hartnäckigkeit immer wieder auf, daß man sich ernstlich darauf gefaßt machen muß, daß sie in der einen oder an­deren Form von Frankreich in die dem­nächst zu erwartenden Verhandlungen über die Rheinlandfragen geworfen wer­den. Die Bedingungen sind: Mobilisierung eines erheblichen Teiles des Dawesbonds, permanente internationale Kontrolle im Rheinland, ein Ostlocarno zwischen Deutschland und Polen und erneuter Ver­zicht auf den Anschluß Oesterreichs an

Das „Eche de Paris" veröffentlicht einen anscheinend von militärischer Seite beeinflußten ernsten Artikel, der den Wert der Rheinlandbesetzung als Sicher­heitsunterpfand hervorhebt und von einer vorzeitigen Räumung des Rheinlandes warnen will. Der Autor behauptet, daß Frankreich aufgrund des Artikel 245 des Versailler Vertrages die von Deutschland angebotenen Garantien gegen einen nicht provozierten Angriff als ungenügend be­trachten muffe.

Die Rheinlandbesatzung müsse also be­stehen bleiben, umsomehr, als sie praktisch gesehen heute noch eine wichtige Sicherheitsgarantie sei. Das „Echo de Paris" kommt dann zu einer Betrachtung des Wertes der Besetzung vom militärischen Standpunkte aus und ent­wickelt babsi eine Art

Operationsplan für die französischen Truppen.

„Es wäre übertrieben zu behaupten, daß die Heere, die Frankreich im Rheinlande unterhält, seiner Sicherheit nur eine illu­sorische Garantie geben."

Gewiß könne ihre geringe Stärke von nur 50 000 Mann und die Zerstreuung nach örtlichen, aber nicht strategischen Punkten, die aus Ersparungsgriinden er­folgt sei, diese Truppen im Falle eines Abbruches der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland in eine heikle Lage ver­setzen. Nichtsdestoweniger würde der Er­öffnung der Feindseligkeiten eine mehr ober minder lange Periode verangehen, in deren Verlauf es außerordentlich leicht wäre, die Truppen nach Kampfstellungen zu werfen, die ihnen schon in Friedenszei­ten angewiesen seien. Es würde infolge des wahrscheinlichen Versagens der rheini-

€ng!anb fitot SnmkreW RiMrhmjchaft

In MebereinfHmtmmg mit der Haltung der amtlichen Stellen werden die gestrigen Ver­öffentlichungen des „M anchester Guar­dia n“, wonach das englisch - französische Flottenkvmpromih von England durch einige bedeutsame militärische Zuge­ständnisse bezahlt wvrden sei, in den amtlichen Dlättern völlig unbeachtet gelassen. Lediglich der arbeiterparieilichi „D a i l y H e - r a l d" nimmt von diesen Darlegungen Notiz und berichtet, daß in amtlichen Kreisen diese Behauptungen dementiert worden feien. 3n einem Leitartikel hierzu sagt der „Daily He- rald", daß die Welt ein Recht habe, zu er­fahren, waS zwischen _ den beiden Außen­ministern und den militärischen Stellen Frank­reichs und Großbritanniens vorginge. Das Blatt richtet an die britische Regierung fol­gende Fragen:

Deutschland. Die „Nationalliberale Kor­respondenz", die bekanntlich Dr. Strese­mann nahe steht, weist in sehr beachtens­werten. herzerfrischenden Ausführungen dieses Ansinnen folgendermaßen zurück:

„Wir halten diese Meldung für erfun­den. weil! man an allen maßgebenden Stellen Belgiens und Frankreichs ge, nau weiß, daß sich in Deutschland käme wie immer zusammengesetzte Regierung finden würde, die bereit wäre, auf einer derartigen Basis auch nur zu diskutieren: nicht 5 Minuten."

schen Eisenbahnen wohl schwer sein, die französischen Besatzungstruppen rasch zu verstärken, aber

man könne ja in einigen Stunden Flugzeuggeschwader nach dem Rhein­land« senden,

die die deutschen militärischen Vorberei­tungen in recht starkem Maße in Frage stellen und die Reichsregierung ein wenig zum Nachdenken anregen könnten. Das deutsche Oberkommando würde natürlich so sehr wie möglich den Stützpunkt aus­nutzen. den Frankreich ihm durch die Räu­mung der Kölner Zone ausgeliefert habe. Aber falls Deutschland durch Belgien und nach dem Maastal vorrücken wolle, würde es durch die Konzentration seines In- vasionsheeres in dem Stützpunkt Köln zum Angreifer werden.

Frankreich könnte dementsprechend seine Truppen im Rheinland verstärken, die dann im Rücken des deutschen Heeres ständen.

Bevor also das deutsche Oberkommando eine ähnliche strategisch« Operation wie im August 1914 durchführen könnte, müsse es erst einmal mit der französischen Armee am Rhein fertig werden. Schon die Tat­sache, daß bann aller Voraussicht nach ber Kampf auf deutschen Boden stattfinden würde, genüge, um bie Besetzung bes Rheinlanbes zu rechtfertigen. Ilebrigens könnten französischerseits längs des Rhei­nes durch an den Verkehrsmitteln vorzu­nehmende Zerstörungen auch auf lange Monate hinaus die Operationen der deut­schen Truppen praktisch unmöglich gemacht werden, die den Rhein überschreiten und die Richtung nach ber französischen Grenze einschlagen sollen.

Kommt das Abkommen einem Defen­siv- ober Offensiv bündnis nahe?

Gibt es Frankreich und Großbritannien Marinerechte in anderen Gebieten?

Enthält das Abkommen Bestimmungen für einen Kompromiß über Land­rüstungen und für gegenseitigen Aus­tausch zwischen den beiden General­stäben?

Besteht ein Abkommen Über die Zu­sammenarbeit der Luftstreitkräft« beider Länder?

Tie liberale „Daily Aews" ist gleich­falls der Ansicht, daß die Ablehnung der offiziellen britischen Kreise, die in der aus­ländischen Presse erschienenen Veröffent­lichungen über militärische Zugeständnisse an Frankreich zu dementieren, kaum noch ein Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptung zulasse. Dieses Zugeständnis bedeutet aber die Stabilisierung der französischen Militär- Herrschaft und die Anerkennung dieser Mili­tärherrschast durch Großbritannien.

8ur 25. Konferenz bet ZnlttpnrlnmrnlnrWen Union

In Berlin

Der Konferenz der Jnterp'ar- lamentarischen Union, bie tat die­sen Tagen zum zweiten Mal in Berlin tagt, ist nachfolgender Aufsatz gewidmet, den der „Weg zur Freiheit", .die Halbmonats­schrift des Arbeitsausschusses deutscher Verbände, aus der Fe­der seines Präsidenten veröf­fentlicht. '

Von Gouverneur z. D. Dr. H. Schnee, M. d. R.

Vom 23. bis 28. August d. I. tritt in Berlin — zum zweiten Male seit ihrer Gründung — die 25. Konferenz der In­terparlamentarischen Anion zusammen. Ge­nau 20 Jahre sind verflossen, seit im Jahre 1908 die erste Tagung in Berlin stattfand, eine der glänzendsten und erfolgreichsten, die die Anion vor dem Kriege abgehalten hat. Vieles hat sich seitdem ereignet, Anter völlig veränderten politischen Ver­hältnissen begrüßen wir die Vertreter bei­nahe aller nationalen Parlamente Europas und der übrigen Welt in den Mauern der NeichShauptftadt. Es ist vielleicht nicht ohne eine gewisse symbolische Bedeutung, daß dem vorjährigen Kongreß in Paris der diesjährige in Berlin folgt, und es mag als gutes Omen für die Zukunft gebeutet werden, daß dem fteundlichen Empfang der deutschen Znterparlamentarier an der Seine ein gleicher der ftanzösischen an der Spree unmittelbar folgt. Denn darin liegt ja eben wesentlich mit die Bedeutung die­ses „Weltparlaments", daß sich dessen ein­zelne nationale Gruppen und Mitglieder dieser Gruppen, die ja gleichzeitig Mit­glieder der gesetzgeberischen Kammern ihres Landes sind, persönlich kennen zu lernen und in der Erörterung der internationalen Probleme, der nationalen Dendenzen, in der internationalen Politik gegenseitig Füh­lung nehmen und sich offen aussprechen können. Wenn auch auf den Konferenzen der Interparlamentarischen Anion die Ab­geordneten nur mit dem Gewicht sprechen, das ihnen die Bedeutung ihrer Persönlich­keit und ihrer Stellung in dem Parlament ihres Landes verleiht oder allenfalls noch mit dem Gewicht ihrer Gruppe, wenn auch die gefaßten Beschlüsse nur bindend für die Mitglieder der Anion sind und nicht für irgendein Land oder gar für alle Län­der, so enthalten sie doch die Verpflichtung der Gruppen, ihre Verwirklichung in ihren heimatlichen Parlamenten zu betreiben und damit zugleich einen eindrucksvollen Appell 4tn alle Völker und Negierungen. Damit nehmen die Konferenzen der Anion auch eine gewisse Einwirkung auf die sogenannte politische Atmosphäre und können sehr wohl ein stimulierender Faktor der An­näherung und Verständigung sein.

Die Pariser Tagung im vorigen Jahr hat gezeigt, daß die Interparlamentarische Anion bereits ein beachtlicher Faktor der internationalen Politik geworden ist. Zum ersten Male nach dem Kriege waren Ver­treter aller namhaften politischen Parteien Deutschlands zugegen. Aus Belgien waren zum ersten Male seit Kriegsende außer den sozialdemokratischen Abgeordneten solche ankeret Parteien erschienen. Auch Aeuher- lichkeiten sind von Bedeutung. Nicht nur wurde der Sitzungssaal des Senats im Palais du Luxemburg eingeräumt, son­dern Poincare selbst begrüßte in einer viel bemerkten, Friede und Versöhnung feiernden Ansprache die Konferenz, deren Arbeiten Driand beim Schlußbankett in einer groß angelegten Friedensrede pries. Noch zeigten auch hier die einzelnen De­batten trotz aller Begeisterung für den Frieden die fundamentalen Gegensätze der einzelnen Persönlichkeiten und Gruppen im 'Temperament wie in der Auffassung, •ies trat vor allem in den Erörterungen aber die Fragen der Abrüstung, der Sicher­heit und der Nheinlandbesetzung am schärf­sten zutage, wo die französische Delegation

„Echo So Karis" erörtert KrleMöne 9er Bett einer anbauernben Shtinlanbbefebung