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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Verlängerung der Besetzung statt vrrreltlger Räumung?
»hat noch nW genügend „mcrnlifth" abgerüstel — Anwendung des Artikels 429
Mit
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«»gefichts der bevorstehenden Zusam« «enkunft der Diplomaten in Paris und der Genfer Unterhaltungen unternimmt das »Echo de Paris" «inen neuen Feldzug gegen die vorzeitige Rheinlandräumung. Zn einem drei spaltenlangen Aufsatz verseift das Blatt darauf, daß der Versailler Vertrag zum Ziele gehabt habe, allen Ra- tiouen die notwendige «6 herheit zu geben. Die Rheinlandbesetzung, die eine Earan- tie für die Durchführung der Versailler Vertrages während der Dauer von 15 Zähren sei. sei eine Friedensgarantie und ei« Sicherheitspfand. Deutschland habe die Vertragsklausel über die Abrüstung >ur in viel längeren als im vertrage vor- grzeichueten Fristen erfüllt. Cs habe nicht moralisch entwaffnet, sondern im Eegen- teil, seine militärische Tätigkeit auf Gebiete übertragen, die der Versailler Vertrag nicht habe vorsehen «innen.
Keine der von den Unterhändlern von
ISIS vorgesehenen Bedingungen für die Räumung des Rhoinlandes feien derart erfüllt, dah man de« Verzicht auf das einzige Pfand zuftimmen könne.
Der Aufsatz geht dann weiter mit dem Sedanke« der Verlängerung der Rhoin- laudbesatzung über den 10. Januar 1935 hinaus, wie dies unter ganz bestimmten Bedingungen im Artikel 429 des Berfailler Vertrages vorgesehen sei. Weiterhin wird Me Räumung der Kölner Zone uud des linken Rheinufers zwischen Köln bis Befel bedauert und wörtlich erklärt, dah Ser französtsche Eeneralftab seine Auge« »uf dieses strategische Gebiet richten solle, ein neuer Schlag gigtn dar
SWlbWmmmigSrrchl
Es hat in Deutschland niemanden über- tascht, dah di« ebenso glänzenden wie würdigen Kundgebungen für den politischen -Zusammenschluß des deutschen und des österreichischen Brudervolkes, deren Zeugen wir kürzlich in Wien bei dem Sängerfest und in Köln bei dem großen Treffen der deutschen Turner gewesen sind, in Frankreich ein weniger freudiges Echo gefunden haben. And wenn wir jetzt lesen, daß einige nationalistische Abgeordnete, an chrer Spitze Herr Louis Marin, sich entschlossen haben, nach dem Miederzusammen- tritt des französischen Parlaments den Außenminister Briand über die Anschluh- srage zu interpellieren, so werden wir auch das mit Geduld und Fassung zu tragen wissen. Hier handelt es sich zunächst um eine rein innerpolitische Angelegenheit, in die uns einzumischen wir keinen Anlaß haben, solange wir nicht wissen, wie Herr Briand diese Angelegenheit als französischer Außenminister behandelt. Vorläufig hat es damit noch gute 'Weile, denn die französisch« Kammer tritt erst im Herbst wieder zusammen. Dagegen hat es in deutschen politischen Kreisen ein nicht geringes Erstaunen hervorgerufen, daß man m Paris, Blättermeldungen zufolge, mit dem Gedanken umgeht, die Anschluhfrage in den Kreis der Erörterungen einzubeziehen, wenn demnächst — was man in Paris nicht ganz ohne Grund befürchtet — die Frage der Rheinlandräumung vom deutschen Außenminister zur Diskussion gestellt werden^>llte. -Ueberrascht hat auch die weitere Meldung, es habe schon auf diplomatischem Wege eine Fükstungnahrne zwischen Poris und Berlin stattgefunden, lu» fcöwrffcefl—•. wie die Reichsreaieruns
zu den verschiedenen Anschlußkundgebungen der letzten Zeit, insbesondere zu den — in der französischen Presse stark entstellten — Ausführungen des Professors Radbruch bei der Derfässungsfeier im Reichstag, sich stellt. Wir sind nicht darüber unterrichtet, ob eine solche diplomatische Fühlungnahme stattgefunden hat, halten es aber nicht für ausgeschlossen. Wir werden jedenfalls gut daran tun, uns darauf einzustellen, daß Frankreich zum Mindesten den Versuch machen wird, die Frage der Rheinlandräumung, jetzt oder später, mit der Anschlußfrage irgendwie zu verquicken. Schon heute fordern französische Blätter, dah Briand vor Gewährung irgendwelcher «Konzessionen" von Stresemann bestimmte und bindende Erklärungen über die Anschlußfrage
verlangen müsse. Welcher Art diese Erklärungen sein sollen, ist nicht schwer zu erraten. Deutschland soll zum zweiten Mal den- Versailler Vertrag unterschreiben und — diesmal freiwillig — «men feierlichen Verzicht auf die Wiedervereinigung mit Oesterreich aussprechen. Vorläufig möchten wir noch annehmen, daß der französische Außenminister Briand sich nicht verleiten läßt, den Weg zu beschreiten, der ihm hier von gewissen französischen Blättern gewiesen wird. Wie im deutschen Volk keinerlei Meinungsverschiedenheit darüber besteht, daß wir unser wohlverbrieftes Recht auf bedingungslose Räumung Les Vheinlandes nicht erst durch neue Leistungen zu erkaufen brauchen, so wird man sich gegebenenfalls an der Seine
Frankreichs wahre -FriebelisMlitlk
SmWel Litauen gegen ba§ IlvltenMoimmn
Die Nervosität wegen des mysteriösen englisch-französischen Flottenabkommens wird in der ganzen Welt fortgesetzt stärker. Von offizieller englischer Seite wird zwar ohne Unterlaß geleugnet, daß es sich bei den getroffenen Abmachungen um ein regelrechtes Bündnis handele, und daß eine neue Erntente Cordiale, wiesie.l9S4 zustandegekommen war, geplant sei. Auch gegen Deutschland sollen sich angeblich die Flottenabmachungen nicht richten.
All das kann ohne weiteres als wahr angenommen werden, aber von den französisch-englischen Vereinbarungen ist be- resis so viel in die Oeffentlichkeit gedrungen, daß an ihrem politischen Charakter nicht gezweifelt werden chann. Diese Auffassung wird auch bestätigt durch offenherzige Auslassungen eines Jacques S e y - doux, des früheren Ministerialdirektors im französischen Auswärtigen Amt. S e y- d o u r, der bisher als ein Verfechter der deutsch-französischen Verständigungsidee gegolten hat, äußert sich im „Petit Pari- sien" über die englisch-französchen Abmachungen in einer Art, die jeden Zweifel beheben kann.
Die Beziehungen zwischen England und Frankreich seien niemals so intim gewesen wie jetzt-, Paris und London würden keinen außenpolitischen Schritt ohne gegenseitige Berstiindi- gung unternehmen;
Chamberlain sei der Vorkämpfer einer englisch-französischen Entente. Auf diesen Ton sind die ganzen Ausführungen Seydoux's gestützt, dem man dankbar sein muß, daß er einmal die Dinge beim richtigen 9<amen nennt.
In Amerika, wo die Tragweite der zwischen Paris und London getroffenen Ab- inachungen immer deutlicher erkannt wird, ist man daher auch außerordentlich verstimmt. Präsident C o o l i d g e hat es für notwendig erachtet, in London weitere Informationen einholen zu lassen. >
Allerdikgs wurden ihm die gewünschten Auskünfte verweigert. Meldungen aus Washington besagen, daß der amerikanische Staatspräsident die
Lage als sehr ernst ansieht.
Auch in Italien mehren sich von Tag zu Tag die Stimmen, die sich recht enttäuscht über die Schwenkung Londons aussprechen. Seit Jahren betrachtete man in Italien England als das natürliche Gegengewicht gegen Frankreichs Ansprüche. In der englischen Einstellung erblickte man so etwas wie eine Rückversicherung für den Fall, daß zwischen Italien und Frankreich Differenzen entstehen sollten. Dieser Glaube ist jetzt in Rom aufgegeben. Seit dem Bekanntwerden des englisch-französischen Flottenabkommens fühlt man sich in Italien beunruhigt.
Man sieht sich in der Zukunft allein der englisch-französischen Militärgewalt gegenüber.
Mqn wird umso nervöser, als England Hand in Hand mit Frankreich auf dem Balkan, wo Italien seine Interessen verletzt wähnt, eine Demarche unternommen hat.
Und wühlgemerkt: diese politische Unruhe in der Welt macht sich bemerkbar wenige Tage vor Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes!
auch davon überzeugen müssen, daß das deutsche Volk eine Verquickung der An- schluhfrage mit der Rheinlandfrage unter keinen Umständen zulassen wird.
Vielleicht legen sich die deutschen Pazifisten, die immer Zeter und Mordio schreien, wenn man die Friedenspolitik der Franzosen in bas rechte Licht rückt, einmal die Frage vor, wie es kommt, dah ausgerechnet einer überwiegend sozialdemokratischen Koalitionsregierung es passieren muß, dah sie in der Außenpolitik eine Situation vorfindet, wie sie schwierieger nicht gedacht werden kann. Nicht nur, daß eine vorzeitige Räumung, auf die Deutschland selbst nach Ansicht Danderveldes Anspruch hat, abgelehnt
wird, vielmehr wird noch versucht, aus Deutschland einen feierlichen Verzicht auf den Anschluß herauszupressen, womit der heilige Grundsatz vom Selbstbestimmungsrecht mit Füßen getreten wird. Was nützt aller Optimismus, wie verlogen sind alle Versprechungen, wie sinnlos ist das Geschrei: „Wenn w i r erst am Ruder find" angesichts einer Entwicklung, der nicht mit Phrasen begegnet werden kann, sondern der vor allem der nüchterne Selbsterhaltungswille entgegengesetzt werden muß unter Verzicht auf jeden Versuch, mit der unsagbaren Not des.deutschen Volkes parteipolitische Geschäfte zu machen.
(Sergi, auch Letzte Meldungen.)
AMrmng des Panzerkreuzer- ober Rücktritt des S. P.
Minister!
fk. Berlin, 2. Aug. Ser Bezirksvorstand der S. P. D. Berlin stellte in einer Revolution fest, daß der Beschluß der Re« gierung, den Bau des Panzerkreuzers A zu beginnen.» im Widerspruch steht zu der Haltung der Sozialdemokratie in dieser Frage und zu den Voraussetzungen, die zur Regierungsbildung führten. Die sozialdemokratische Partei lehnt daher die Mit« Verantwortung für die Bewilligung der ersten Rate ab und beschließt, die sofortige Einberufung des Reichstages zu fordern, um eine Entscheidung des neugswählte» Reichstages über den Bau des Panzerkreuzers herbeizuführen. Sofern die Einberufung des Reichstages nicht zu erlangen ist, werden die Eenosien in der Regierung ausgefordert, die Wiederaufhebung des Beschlusies vom 10. August zu verlangen und im Falle der Ablehnung der Wie« deraufhebung zurückzutreten. Ferner werde» die Eenosien in der Reichsregierung ausgefördert, die übrigen Raten für den Panzerkreuzer A abzulehnen.
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Santeretlte fiter SeuWom Anspruch auf Räumung
Paris, 21. Aug. (WTB.) Der Soir gibt Aeuherungen Danderveldes zür Frage der Rheinlandräunmng wieder.
„Was kann man“, so führt Vandervelde aus, „Dr. Stresemann entgegnen, wenn er morgen fragt: „Worauf wartet Zhr, um uns nach zehnjähriger Besetzung das Recht wieder zu geben, uns auf unserem gesamten Staatsgebiete frei zu bewegen?“ Es wäre unmöglich, ihm zu erwidern: „Zhr sollt weiterhin ein Staat sein, der sich nicht im Sinn« des Artikel I des Völkerbundspaktes frei regiert.“ Die Aufrechterhaltung der Besetzung ist vom Standpunkt der Sicherheit, wie von demjenigen der Reparationen vollkommen zwecklos geworden, und ist andererseits für alle, nicht zuletzt für uns Belgier, eine Belastung. Die wahre Garantie der deutschen Zahlungen ist, wie bei allen andere» Ländern, die Tatsache, daß jede Großmacht Kredit braucht und sich genötigt sieht, ihre Verpflichtungen inne zu halten. Die Rheinlandbesetzung istwederrecht- li ch noch tatsächlich zu rechtfertigen. Sie dient nur dazu, bei uns in Belgien die Verstärkung der Rüstungen zu recht- fertigen. Sie bildet ein Hindernis für den Frieden und eine ständig« Ursache für Reibungen und Konflikte."
$it Stanbitatuten für Otnf
Genf, 21. Aug. (WTB.) Für die neunte Dölkerbundsversammlung, die am Wontag, 3. September, von dem neue» Ratspräsidenten, dem finnischen Außenminister Prvcop«, eröffnet wird, werden wie alljährlich, bereits jetzt die ‘Ttarnen der Präsidentschaftskandidaturen in Umlauf gesetzt. Gerüchtweise verlautet, dah dem japanischen Ratsmitglied und Botschafter in Paris, A d a c i, der voriges Jahr ernsthaft in Frage kam, nunmehr die Präsidentschaft der neuen Dölkerbundsversammlung angeboten werden soll. Andere Gerücht« sprechen davon, dah Holland für di« Präsidentschaft in Frage komme. Auch für di« Nachfolger der drei ausscheidenden nicht ständigen Ratsmitglieder, China. Kolumbien und Holland, werden bereits die ersten. Kandidaturen ausgestellt. Während tne;