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CteObrrhessisch« Zeitung" er­scheint ivkchenllich- Se-

,ag«pret« monatlich 2 GM. au«- schließl. ZuslellungSgedühr. durch di«Posl2L5 SW.Aür etwa infolge Streik«, Maschinendefekt« oder elewontarer Lreignisie ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hihcrclb» Druck der Univ.-Buchdruckerei b. geb. Such Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 54. tu vir. 65. Postscheckkonto: Am» Frankfurt «. M. 91«. 6016. Spr«ch»eit NX Redaktion do« 1011 und

1.11 Uhr.

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Marburger Ämeöümejüer

Äbechesstsche Zeitung

Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen

St. 196 61Ä0 MardMS «.Lahn

Bet NiqetgeupretS detrckgt ffc den Iv gefpalt. Zellenmilllmeter 0.08 SM, kleine Baranretg« 0.06 SW, «utUche en» en* todrtlgt Anzeigen 0.10 SM. 8d schwierigem Latz sowie bei PickH» Vorschrift 50°/, Aufschlag. Sanonelan zeige» 1001» llust schlag, Reklamen btt WlDm, 0.40 SM Jeder Rabat« gilt «M Sarradatt. Ziel 6 Tage. Beleg« werden berechnet, ebenso Auskunft durch Wr Seschäftestell. und Zusendung der Angebot», <0 füllunqsort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der Kampf am -ie poMche WocheeMsfi

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Mißtraue« in Amerika

Eine Exchange-Meldung aus W a - s h in g t o n von gestern abend besagt, »ort maßgebender Seite werde mitgeteilt, Präsident C o o l i d g e glaube, daß die französisch-britische Flottenvereinbarun­gen die Vereinigten Staaten möglicher­weise in Mitleidenschaft ziehen werden, und er habe deshalb beschlossen, sich mit der Angelegenheit persönlich zu befassen. Weiter wird erklärt, daß die letzte bri­tische Note, von der gesagt wurde, sie ent­halte eine vollkommene Schilderung und Erläuterung der Vereinbarungen, alles andere als deutlich sei. Das Staats­departement habe deshalb London um Aufklärung gebeten, bisher aber fei keine Antwort eingegangen. Präsident Coo- lidge habe jetzt weitere Anfragen bis zu einer Rückkehr im September unter« agt. In der Exchange-Meldung aus Wa- hington heißt es weiter, von zuständi- . ger Seite fei noch erklärt worden, daß der Präsident die aus dem Abkommen sich ergebende Lage als ernst betrachte und der Meinung sei, daß das Abkom­men möglicherweise für die Stellung der Bereinigten Staaten zur See eine Ge­fahr bedeuten könne, in dem es die amerikanische Flotte in eine Stellung bringe, die der vereinigten französisch­englischen Flotte unterlegen wäre. Dies .mürbe nach Ansicht der Marinesachver- 'ständigen eine Verletzung des Washing­toner Marineabkommens von 1922 be­deuten. Gerüchte, daß die Vereinigten Staaten keine Delegierten zu der näch­sten vorbereitenden Abrüstungskommission nach Genf schicken würden, sind bisher unbestätigt und anscheinend auch unbe­gründet.

ImWashington Star" bezeichnet der politische Schriftsteller Paul Scottwarer den englisch-französischen Schritt als eine Entente gegen die amerikanische führende diplomatische und wirtschaftliche Stellung.

Robert Dell behauptet in derBalti- nore Sun", daß der ehemalige Sekretär Lord Crews, der jetzige englische Bot­schafter in Paris, Tyrrell, nur deswegen bei der Uebernahme seines Postens von der französischen Presse so enthusiastisch begrüßt worden sei, weil er Crews Werk der Entente cordiale wieder zum Leben erweckt habe. Robert Dell behauptet weiter, daß Frankreichs Niederlage in den Verhandlungen über den Kelloggpakt England veranlaßt hätte, sich mit Frank­reich gegen die Vereinigten Staaten zu vereinigen, um Frankreichs Hegemonie in Europa wieder zu befestigen, und die weitgehenden Abrüstungsideen Deutsch­lands, Rußlands und der Vereinigten Staaten dadurch unmöglich zu machen.

DieWashington Post" führt in einem langen Leitartikel aus, daß Chamberlain den Kelloggvorschlag anfangs sehr ungern Öen und sich erst durch Canada und alien zur Annahme habe bewegen lassen. Canadas Premierminister Macken- sie King könnte, wenn er wolle, sehr in­teressante Auskünfte darüber erzählen. Da Chamberlain so den Kelloggvorschlag nicht gut habe ablehnen können, habe er wenigstens die Stimmung für den feier­lichen Akt der Unterzeichnung durch das Flottenabkommen mit Frankreich zu Hören versucht und sich selbst durch Krankheit entschuldigt. Er sei aber offen­bar nicht zu krank für eine Automobil- fohrt von San Franzisko nach Vancouver. Unter diesen Umständen habe Coolidge mit Recht sich entschlossen, das Flotten­programm im Kongreß vor der Debatte über die Ratifikation des Kelloggvaktes beraten zu lassen.

Der außenpolitische Redakteur des Journals" beschäftigt sich mit der in der

amerikanischen öffentlichen Meinung laut gewordenen Kritik an dem französisch-eng­lischen Flottenabkommen und schreibt, wenn England in Genf den amerikani­schen Vorschlag über den Kreuzerbau an­genommen hätte, dann würde man in Washington die Tatsache mit Beifall be­grüßt haben, daß England bei Frankreich sich für die Beschränkung seiner Untersee- bootsstreitträste einsetze.

Die Herabsetzung der Rüstung der An­deren sei nur eine neue Form des

Wettrüstens.

Die ganze Frage laufe auf eine Macht­probe zwischen England und Amerika hinaus.

Die kleineren Länder hatten nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, entweder ruhig zuzusehen, wie die Gro­ßen sich auffressen oder die Koste« ihrer Versöhnung zu tragen.

Das habe man bei der Washingtoner Kon­ferenz gesehen, wo Frankreich die Kosten der Verständigung zwischen Amerika und England in der Frage des Kreuzerbaues getragen habe. Frankrcich müsse Coolidge dankbar sein, daß er ihm diese Opfer in die Erinnerung zurückgerufen habe.

Warum angeblich das Abkommen nicht veröffentlicht wird

Time s" veröffentlicht folgende offen­bar inspirierte Mitteilung:

Angesichts der Tatsache, daß die englisch­französische Verständigung über die Ab­rüstung zur See, von der Chamberlain am 30. Juli im Unterhaus« Mitteilung machte, häufig alsUebereinkommen" be­zeichnet wird, muß daraus hingewiesen werden, daß Chamberlain sie als Kompro­miß bezeichnet und daß keine Rede von einem formellen Vertrag ist.

Dr. Wemoim nur 2 Tose in Paris Rr oolftlMe Sesvmimmn bieibl ke'm Seit

Der Reichsaußenminister Dr. Stvefe- tnann, der infolge schwerer Erkrankung fast dreieinhalb Monate sich den Amts­geschäften fernhalten mußte, ist, wie be­reits gemeldet, wieder nach Berlin zurück­gekehrt. Durch einen längeren Kuraufent­halt im Schwarzwald, in Karlsbad und zu­letzt in Oberhof hat er feinen Gesundheits­zustand wieder so weit gefestigt, daß es ihm möglich ist, sich wiederum den An- sttengungen seines Amtes, das in der näch­sten Zeit besonders große Forderungen an ihn stellen wird, zu unterziehen. Dr. Sttesemann hat am Montag die Geschäfte des Auswärtigen Amtes wieder übernom­men, und seine Tätigkeit besteht zunächst vor allem darin, die seit Wochen ange­kündigte große Kabinettssitzung vorzube- relten. in der die mit der Pariser und Genfer Reise des Außenminffters zu­sammenhängenden Fragen besprochen wer­den sollen. Diese Kabinettssitzung wird vermutlich am Mittwoch stattsinden.

Nachdem jetzt von Paris aus das Pro­gramm, das sehr knapp gehalten ist, deut­lich und einwandfrei ersehen, daß für große und diplomatische Verhandlungen in Paris kaum Zeit sein wird. Die zwei Sage in Paris werden durch repräsentative Veranstaltungen so ausgefüllt sein, daß auch für unverbindliche politische Be­sprechungen kaum ein paar Minuten übrig bleiben werden. ES ist jedenfalls gänzlich ausgeschlossen, daß die in der letzten Zeit immer wieder genannten Themen, Rhein­landräumung, internationale Schuldenrege­lung, Reparationen usw. in Paris irgend­

wie ernsthaft und mit bestimmten Zielen diskutiert werden können. Dagegen ist es sehr wahrscheinlich, daß sich im Laufe der Pölkerbundsverhandlungen in Genf Ge­legenheit bieten wird, das eine oder das andere der im Vordergrund des politischen Interesses stehenden zwischenstaatlichen Probleme zwischen den in Genf weilenden Staatsmännern zu besprechen. Daß man auch in Paris damit rechnet, geht aus der bekannten Tatsache hervor, daß der fran­zösische Ministerrat entgegen den ursprüng­lichen Dispositionen vor der Abreise Bri- ands nach Senf noch einmal zusammen- tteten wird. And wir haben Grund zu der Annahme, daß die deutsche Kabinetts­sitzung am nächsten Mittwoch nicht so sehr der Pariser Reise Dr. StresemannS als der DölkerbundStagung, zu der sich Dr. Sttesemann direkt von Paris aus begibt, gilt. Daß der Genfer Tagung auch deutscherseits die größte Bedeutung bei­gelegt wird, ergibt sich rein äußerlich auch schon aus dem Umstand, daß außer den ständigen Begleitern Dr. SttesemannS, wie bei ftüheren Anlässen, diesmal auch be­kannte Parlamentarier die Reis« nach Genf mitmachen wird, wie man hört, sind von der Regierung zur Teilnahme eingeladen worden: Graf Bernstorff, der frühere demokratische Abgeordnete, Prälat Dr. Kaas vom Zentrum, Abg. von Rhein­babe n von der Deutschen Volkspartei, Dr. Breitscheidt von den Sozial­demokraten und von Lindeiner-Wil­dau von den Deutschnationalen.

Die AusdrückeKompromiß" und Ueber- einkommen werden gebraucht als ein Aus­tausch technischer Dokumente, die von den britischen und französischen Marine-Sach­verständigen ausgezeichnet und von bei­den Regierungen bekräftigt worden find. Diese Dokumente ermöglichen es Groß­britannien und Frankreich, einer anderen an der Unterzeichnung der See-Rüstungen interessierten Macht Vorschläge zu unter­breiten, die beide Mächte unterstützen wer­det Cs wird nicht für wünschenswert gehalten, das sogenannte Uebereinkommen zu veröffentlichen, bevor bic Komentare aller interessierten Parteien chtgegonnen sind. Ein weiterer Grund für eine Nicht­

veröffentlichung ist in dem sehr technischen Charakter der Dokumente zu suchen, die für andere als Sachverständige schwer be­greiflich (!!) sein würden.

Wenn das nicht hilft.. .

WieJournal" aus Le Hava meldet, wird der Bürgermeister der Stadt Paris, Staatssekretär Kellogg bei seiner Ankunft im Namen der Stadt einen massiv golde­nen Faderhalter mit einer Widmung und der InschriftSie vis pacem, para pacem" überreichen und dazu den Wunsch aus­drücken, daß sowohl Kellogg, wie auch die anderen Staatsmänner sich bei der Unter­zeichnung des Antikriegspaktes dieses Fe­derhalters bedienen möchten

Ermins milet weiter ad

fk. Bielefeld, 21. Aug. Zn einer Mitgliederversammlung des sozialdemo- krattschen Ortvereins erklärte hier gestern Minister Severing über die FragePan­zerkreuzer und Deichsregierung" u. a.: Die Ablehnung des Panzerkreuzers be­stehe sowohl in der sozialdemokratischen Partei als auch bei der sozialistischen Mit­gliedern der Regelung nach wie vor wei­ter. Es werde alles versucht werden, bei den Abstimmungen über die Raten im Reichstag ein anderes Ergebnis herbeizu­führen. Die Sozialdemokraten denken nicht daran, als Folge des Panzerkreuzer­beschluffes der Bürgerblockregierung wei­tere Bauten auf sich zu nehmen, wie die Sozialdemokratie auch nicht daran gedacht habe, um des Panzerkreuzes willen aus der Regierung herauszugehen.

Bttitärkt« WtrMmgm In England

Dieser Tage fanden bekanntlich über London große Luftmanöver statt, die den Zweck hatten, den Beweis zu erbringen, ob eine große Stadt durch feindliche Luft­geschwader vernichtet werden könne. Nach dem Urteil der Sachverständigen wäre London heute ein großer Trümmerhaufen, wenn es sich in der Tat um einen feind­lichen Angriff in dem als Manöver be­nutzten Ausmaße gehandelt hätte.

Der angeblich ungenügende Schutz Lon­dons bildet nun natürlich in England den Grund zu einer gewissen Aengstlichkeit, die auch im Hinblick auf die bevorstehende Unterzeichnung des KriegÄichtunaspaktes nicht ohne weiteres zu beseitigen ist. Die englische konservative Preffe als Vorkämp­ferin auf dem Gebiete möglichst starker nationaler Rüstungen vertritt nicht die Forderung, England muffe mit Nachdruck in der ganzen Welt für eine umfassende Abrüstung eintreten, sondern sie verlangt im Gegenteil.

daß die britische Regierung sofort Schritte unternehme, um eine starke

Luftrüstung zu schaffen.

Auch in liberalen englischen Kreisen wird das Ungenügende des britischen Luft­schutzes betont. Allerdings wäre den Li­beralen die Abrüstung lieber. Da aber hierfür bei den waffenstarrenden Nationen feine günstige Meinung anzutreffen ist, so wird empfohlen, daß

England sich von der Luftflotte als Verteidigungswaffe abwende und sie als Angriffswaffe ausbauen solle.

Nicht durch Kampfflieger könne das schlimmste Schicksal der englischen Haupt­stadt vermieden werden, sondern durch Bombenflieger, die für den Angriff geeig­net seien.

Vorläufig ist unbekannt, was die eng­lische Regierung zu tun gedenkt. Man wird jedoch damit rechnen können, daß dem Ausbau der Luffflotte die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn London ist in Gefahr". Ein solches Schlagwort in die Massen geworfen, zieht immer. Nur muß man sich dabei fragen, von welcher Seite England eigentlich einen Angriff befürchtet. Zn einigen Ta­gen wird der Kellogg-Pakt in Paris un­terzeichnet. Durch diese Urkunde sollen Angriffskriege verfemt sein. Glaubt etwa England, das sich auch zu dem Vertrag« bekennt, nicht an eine solche Wirkung?

Zwischen London und Paris wurden ge­heime Abmachungen über die Seerüstung getroffen. Sind hierbei vielleicht die Zu- geständniffe an Frankreich so weitgehend gewesen, daß man es jetzt irr England mit der Angst zu tun bekommt? Von Amerika ist doch wohl kein Luftangriff zu befürch­ten. Denn wenn, was tatsächlich nicht der^