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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Marburger rugesaWiger
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
KommumWche Agitation mit -em Panzerkreuzer
Ein NMserrtscheib Sache -eö AeichSpmUenten — Vor dem ss.B.V.Stticht
tu. Berlin, 17. Atlg. Nunmehr hat auch der Bezirksvorstand der SPD. D st s a ch s e n s zu der durch den Panzer» kreuzer-Deschluß des Reichskabinetts geschaffenen Lage einen Beschluß gefaßt, in dem es unter anderem heißt:
„§>ie Versammlung erwartet von der Tcichstagsfraktion eine klare Stellung- vahme, die eine Mitverantwortung der Partei für die Bewilligung der ersten Rate zum Panzerkreuzer 21 ausschließt, gleichzeitig aber die Bewilligung der weiteren »aten für den Kreuzer 21 und die Kreuzer D, C und D verhindert. Die Reichstags- staktion hat die sofortige Einberufung des Reichstages zu.veranlas- Rn, damit eine Entscheidung des Reichstages über den Dau des Panzerkreuzers yerbeigeführt werden kann. Hält die Dehrheit des Reichstages an dem Dau des Panzerkreuzers fest, so haben die So- ^aldemokraten ihre Vertreter aus der Legierung zurückzuziehen.- Der Beschluß fordert, daß eventuell ein außerordentlicher Parteitag zur schnelleren Älä« rung des Falles einberufen wird.
Den Kommunisten ist der Kamm mächtig geschwollen. Sie glauben, nunmehr sei die Gelegenheit zur Bildung der von ihnen geplanten „proletarischen Einheitsfront"" gegeben. Das Zentralkomitee der kommunistischen Partei hat es deshalb für notwendig erachtet, den Beschluß zu fassen, alle Schritte zur schnellen Durchführung eines Volks- e n t f ch e i d s wegen dem Panzerkreuzer einzuleiten.
Den Kommunisten ist natürlich bekannt, daß sie aus Grund der bestehenden Gesetze g a r keine Möglichkeit haben, durch einen Volksentscheid eine bewilligte Ewtsposition ausheben zu lassen. Nur der Reichspräsident hat das Recht, das Haushaltsgesetz zum Volksentscheid zu bringen. Die Kommunisten werden kaum der Auffassung sein, daß ihnen Reichspräsident von Hindenburg den Befallen erweist, einen Volksentscheid wegen des Panzerkreuzers zu veranlassen. Diesen Zweck hat ja auch das ganze Ge- schrei nicht, denn den Kommunisten kommt es nicht daraus an, auf dem Wege des Rechts ihr Ziel zu erreichen, sondern sie wollen nur einen gewaltigen Lärm Stadien, um die Augen der sozialistischen Wähler aus sich zu lenken. Bei der Aufregung, die sich in der sozialistischen Wählerschaft zeigt, werden die Kommunisten sicherlich manchen Gewinn verbuchen können. Vor allem wird die Linksopposition m der Sozialdemokratie lautere Töne anschlagen müsfen, um der kommunistischen Konkurrenz das Gleichgewicht zu halten. Reichskanzler Müller und seine drei Ministerkollegen vom Reichskabinett wer-. den sich daher wacker ihrer Haut wehren müssen. Wahrscheinlich wird es aber auch den Kommunisten gelingen, manchen schwankenden sozialdemokratischen Wähler anzulocken. Das ist umso mehr zu bedauern, als die „proletarische Einheits- front" nichts weiter sein soll als eine Tchutztruppe für Rußland. Wer die „Rote Fahne" lieft, merkt genau, wohin die Reise gehen soll. Tagtäglich verkündet das kommunistische Organ, gegen die Sowjetunion würden Kriegs- vorbereitungen getroffen. Auch der Panzerkreuzer bedrohe den bolschewistischen Staat. Selbstverständlich lacht über solche Unwahrheiten jeder, der einen Einblick in den wahren Stand der Dinge hat. Es kann keine Rede davon fein, daß das abgerüstete Deutschland sich mit kriegerischen Plänen trage, und was Rußland anbelangt, so lebt Deutschland mit 'hm in gutem Einvernehmen.
Zn der Funktionärversammlung, der dieser Beschluß vorlag, stellte ReichStagsab- geordneter A u f h ä u s e r (Berlin) unter anderem fest, daß die sozialdemokratischen Minister kampflos wichtige Forderungen der Arbeiterschaft preisgegeben hätten.. Nach einem Hinweis darauf, daß man bei dieser Regierung die Ernennung von Sozialisten zu Beamten vermisse, so wie es umgekehrt die Deutschnattonalen gemacht hätten, erklärte der Abgeordnete weiter: „Unsere Minister haben vergessen, bas Wahlergebnis vom 20. Mai in unserem Sinne auszuwerten. Dafür muß die Partei von ihnen 2rechenschaft fordern."
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Die „Germania" beschäftigt sich in ihrer gestrigen Abendausgabe mit der Panzerkreuzerfrage. Das Blatt schreibt: Die Haltung der sozialdemokratischen Reichsminister in der Frage des Panzerschiffes hat in der sozialdemokratischen Partei eine Erregung ausgelöst, die einen Ansicherheitsfaktor darstellt, der leicht zu folgenschweren Aeberraschungen
Die Parlier Reife
ft. Paris, 18. Aug. Das französische Ministerium für Auswärtige Angelegenheit erhielt gestern die offizielle Mitteilung daß Reichsminister des Aeuheren Dr. Gtrefemann zur Unterzeichnung des Kriegsächtungswakt nach Paris kommen wird.
Oberhof (Thüringen), 17. Aug. Wie hie Kurverwaltung Oberhof mitteilt, wird Reichsaußenminster Dr. Strefernenn am Sonntag nachmittag Oberhof Verlagen, um sich zur Uebernahme seiner Amtsge- schäste nach Berlin zu begeben.
Unter Ueberschrist „Stresemann reift nach Paris" schreibt die „Nationalliberale Korrespondenz" u. a. folgendes: Wir haben die Einladung aus guten Gründen angenommen, und der deutsche Reichsaußenminister kann jetzt der feierlichen Unterzeichnung nicht fernbleiben, weil die zufällig in Paris, der Hauptstadt Frank-
führen kann. ES wird Sache der Sozialdemokratie selbst sein, zwischen dem nun einmal Geschehenen und den Ausgaben der Zukunft den notwendigen Ausgleich zu finden. Darauf allein kommt es an. Die jetzige Reichsregierung und ihre politische Arbeit sollte die Basis vorbereiten, auf der mit stärkerer Bindung und mit festerem Zusammenhalt die große Koalition zu gegebener Zeit herbeizuführen war. Diese ist und bleibt die Koalition, die Sinn und Aufgabe des neuen Reichstages am ehesten erschöpft. Diesem Reichstage ist zu- dem in anbetracht der großen innen- und außenpolitischen 2lufgaben, die vor uns liegen, die Verpflichtung auferlegt, sich durch Stabilität der Regierung und Festig- teil der RegierungHnehrheit eine der we- sentlichen Chancen erfolgreicher Arbeit zu verschaffen. Es sollte daher auch der Sozialdemokratie möglich sein, die Auseinandersetzung um den Panzerkreuzer ruf jene Bedeutung zurückzuführen, die' ihr in diesen größeren Zusammenhängen in Wirklichkeit zukommt.
Dr. Arefemanns
rcichs, erfolgt. Der genesene Stresemann könnte es umso weniger, als Staatssekretär Kellogg die unvergleichlich größere und beschwerlichere Reise über den Ozean nicht scheut. Stresemanns Reise nach Paris bedeutet mit Nichten eine Verbeugung vor Paris und Frankreich, noch weniger eine Preisgabe deutscher Würde, sondern nur einen Akt selbständiger und politisch kluger Höflichkeit gegenüber den Vereinigten Staaten. Eine Politik fester Führung, die sich ihre Ziele gesteckt hat, kann sich nicht nach jedem Nadelstich ändern ober preisgeben. Mögen diese Nadelstiche noch so boshaft geführt fein und noch so empfindliche Teile treffen. Heber Nadelstiche. Entleibungen, Zwischenfalle, oder wie man immer die mit der Besatzung des Rheinlandes in Zusammenhang stehenden höchst unliebsamen Vor- kommnisie der letzten Zeit nennen will, brauchen wir uns ja nicht zu beklagen.
Ein anderes Blatt verweist auf die Stellungnahme der Schwäbischen Tagwacht, dem Landesvrgan der württember- gischen Sozialdemokratie, in der sich der Landtagsabg. Dr. Schumacher mit der Haftung der sozialdemokratischen Reichsminister befaßt und sich dagegen wendet, nun etwa Halsüberkopf aus der Regierung herauSzustürzen. Es sei politisch nicht möglich, schonbeimZusammenstoh eine sogroßangelegteStellung zu räumen. (!) Das würde der Sozialdemokratie als Mangel an Ernst in ihrer Regierungspolitik bis tief in die proletarischen Massen hinein angekreidet werden. Zn der gleichen Nummer schreibt der Reichstagsabg. K e i 1, es handele sich um einen Beschluß des alten Reichstages, den rückgängig zu machen viel schwieriger sei als einen noch nicht gefaßten zu vechin- dein. Das könnte nur mit Hilfe der Kommunisten geschehen, die aber für die Regierungsbildung nicht in Betracht kämen. Die Sozialdemokratie dürfe sich durch einen Austritt aus der Regierung nicht der Möglichkeit berauben, in Zukunft ähnliche Beschlüsse zu verhindern.
ftln NanzkrkttUtt-MttiMkid
Berlin, 17. Lug. Die kommunistisch« Ankündigung eines Begehrens auf Volksentscheid über den Bau des Panzerkreuzes
trägt ledigKch agitatorischen Charakter, den der Artikel 73 der Reichsversassung bestmmt, daß über die Haushaltsfragen, über Abgabegefetze und Besoldungsfragen nur der Reichspräsident einen Volksentscheid veranlassen kann. Der kommun ftische Wunsch wird also njicht in Erfüllung gehen.
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Berlin, 18. Aug. (Funkmeldung). Die kommunistische Partei hat sich daran überzeugen lasten, daß ihre Operation gegen den Panzerkrenzer A in nichts verläuft. Infolgedessen ist sie dazu übergegangen, von ihrem Volksentscheid gegen den Panzerkreuzer A abzusehen und ihre Aktion generell gegen den Bau von Panzerkreuzer zu richten. Der Bau des Pan- zerkreuzes A wird dadurch nicht im geringsten behindert. Da der Bau von Panzerkreuzer in den nächsten Jahren kaum in Frage kommt, so ist bic ganze Aktion der kommunistischen Partei hinten- runter gefallen.
Der § des kommunistischen Gesetzentwurfes über dem Volksentscheid soll nach der „Roten Fahne" folgendermaßen lau- „Der Sau von Panzerschiffen und Kreuzern jeder Art ist verboten."
WiM» MAmübrrM
Deutschland konnte in der vergangenen Woche auf einen für die Gestaltung der politischen Verhältnisse in den letzten Jahren außerordentlich bedeutsamen Gedenktag zu- rückblicken: Dor 5 Jahren hat Außenminister Stresemann die Führung der deutschen Politik übernommen. Die deutsche Außenpolitik hat in dieser Seit ein ganz bestimmtes Gesicht gewonnen, das die Züge Dr. DtresemannS trägt. Zwei Tatssachen sind es vor allem, die in den Pressebetrachtungen hervorgehoben werden. Dr. Stresemann hat durch den einen starken moralischen Mut erfordernden 2lbbruch des Ruhrkampfes die Dorbedingungen zu der wirtschaftlichen und finanziellen Festigung Deutschlands geschaffen, das politisch und wirtschaftlich mit reißender Geschwindigkeit dem Chaos entgegentrieb. Minister Stresemann hat ferner der deutschen Außenpolitik, mag man zu ihr stehen wie man will, die feste Linie gegeben, die ihr auch bei den anderen Ländern ein besonders stark auf der Perfön- keit Dr. Stresemann beruhendes Dertrauen verschafft hat. Auf diesem Wege ist eS Deutschland wieder möglich geworden, mit Taft und Dorsicht seine Stellung im inter« nationalen Leben der Doller wieder geltend zu machen.
Durchaus in der Linie die von Dr. Stresemann geführten deutschen Außenpolitik liegt die Unterzeichnung des Kriegsächtungspaktes. Mißtönende Begleitmusik zu dieser großen Friedensdemonstration bietet aber die Abhaftung kriegerischer Manöver, ausgerechnet auf deutschem Boden, im Rheinlande. Daß sich auch englische Truppen an diesen MaNövern beteiligen, gibt diesen kriegerischen Demonstrationen eine peinliche Spitze gegen die verbündete Locarnomacht Deutschland. Wenig taktvoll ist es auch gewesen, daß die englische Presse den großen Luftmanövern über London, die sich unter dem Kennzeichen „Ostland gegen Westland" abspieften, ausdrücklich die Bedeutung der Abwehr eines deutschen Revanchekrieges unterlegte. Man weiß, daß England erheblich mehr durch die französischen Luftrüstungen als durch Deutschland beunruhigt ist, daß überhaupt über keine Luftrüstung verfügt.
Eine Geste für die Entspannung des Gegensätze ist die Kundgebung des Brüsseler internationalen Sozialisten-Kvugreses für sofortige und bedingungslose Räumung gewesen. Frankreich hat hier eine Möglichkeit in der Hand, der Sache des Friedens wirklich zu dienen, ohne daß es tatsächliche Opfer dafür zu bringen hat. Denn Deutschland wird niemals die vertraglich und termin- mäßig fcftgeitfrte Räumung durch neue Zugeständnisse ekkausen, nachdem die DorauS- zahlung im Locarnoabkommen feftliegt. Die französische Presse und Oefsentlichkeit hat sich sehr laut gegen diese Beschlüsse des Brüsseler Kongresses gewendet. Wenn die Brüsseler Entschließung auch keine unmittelbaren Folgen haben wird, so ist sie doch eine wertvolle Unterstützung für die deutschen Forderungen.
Das Nichterscheinen des „erkrankten" englischen Außenministers Chamberlain macht allerdings ein Ausschneiden der Räumungsfrage bei der geplanten Zusammenkunft in Paris anläßlich der Unterzeichnung des Kellvgpaftes unmöglich, obwohl die konkrete Behandlung dieser Frage bei dieser Friedensdemonstration nahegelegen hätte.
Eine Sonderftage in der Behandlung des Kellvgpaftes ist die Stellung Sowjetrußlands. Tschitscherin hat die Kellogaktion anfänglich mit stärkstem Mißtrauen verfolgt, weil er in ihr einen Tell der angeblich gegen Rußland gerichteten englischen EinkreisungS- polltik zu sehen glaubte. Dor kurzem, hat nun Sowjetrußland eine Schwenkung in seiner Haltung vollzogen. Cs hat den Anspruch auf Mitunterzeichnung angemeldet. Grundsätzlich würde die Einbeziehung Rußlands sicherlich eine erhebliche Steigerung der Bedeutung dieses Paktes mit sich bringen, da ohne Etn- beziehung Rußlands jedes Friedensabkvmmen die wirklich internationale und umfassende Bedeutung verliert. Schwierigkeiten macht das Doppelgeftcht dieses großen Landes, das als Staat internationaler Anerkennung beansprucht, als Parteiorganisation aber Welt- redolution und Ämstürz predigt. Wenn auch bei der letzten Tagung der kommunistischen Internationale in der Form wiederum eine scharfe Grenze zwischen Staat und Partei gezogen ist, so läßt sich doch die Tat ache nicht verbergen, daß die kommunistische Parteiorganisation tatsächlich in weitgehendem Maße die Politik des Staates bestimmt.,
Sowohl im Rordosten wie im Südosten sind zwei Ereignisse friedlich vorübergegangen, von