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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt «nd Kreis Marburg.
Stapellauf -es Szeamresen „Europa" rauirede keß mnttitanütbra Bolschnsleri Sburmanu
Hamburg, 15. Aus. Als erster der beiden für den Norddeutschen Lloyd erbauten 46 000 Tonnen großen Vierschi:auben- schnelldanrvser ist heute nachmittag 17,20 U6i die „(Europa“ auf der festlich geschmückten Werft von Blohm und Vvß „glücklich von Stapel gelaufen, während das Schwesterschiff „Breme n“ morgen auf der Werft der Deschimag in Bremen ru Wasser gelassen werden soll. Dem Stapellauf der beiden Riesen- dampfer ist besondere Bedeutung beizumessen, weil er einen bemerkenswerten Abschnitt des Wiederaufbaus der deutschen Handelsflotte darstellt, die dann nach der für nächstes Frühjahr zu erwartenden Indienststellung über die größten Dampfer verfügen wird, die in der Nachkriegszeit gebaut wurden.
Dem heutigen wichtigen Ereignis entsprach der äußere Rahmen, unter dem sich der Stapellauf vollzog. Auf den großen Tribünen iu beiden Seiten der Helling hatte sich ein zahlreiches geladenes Publikum eingefunden. Die Uferböschungen, Pontons, ferner große Dampfer und Hafenbarkassen waren von tausenden von Menschen besetzt, die Zeugen des interessanten Schauspiels sein wollten. Auf der Taufkanzel hatten sich mit dem amerikanischen Botschafter Dr. « hur - man der amerikanische Marineattache Baum, der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker sowie andere Hobe Offiziere der Marin«, Offiziere der Reichswehr, Vertreter des hamburgischen^ des bremischen und des lübeckischen Senats, hervorragende Vertreter der Hamburger und Bremer Schifffahrtskreise sowie des deutschen und amerikanischen Handels und eine große Reihe in- und ausländischer Journalisten eingefundsn.
Der amerikanische Botschafter Dr. Shur - man ergriff das Wort zur Taufrede, in der er u. a. ausfübrte:
Der Stapellauf von zwei großen und modernen Dampfschiffen innerhalb 24 Stunden wird, wie ich voraussagen möchte, wahrscheinlich von künftigen Geschichtsschreibern als Kennzeichen angesehen werden für die Wiedererlangung des hohen Ranges unter den nordatlantischen Reedereien, welchen diese Gesellschaft in der Vorkriegszeit jahrelang innehatte. Entschlossen, tapfer und unternehmungslustig, trotz vor kurzem erlittenen Mißgeschicks, konnte der Norddeutsche Lloyd schon damals auf die Geschichte eines halben Jahrhunderts großer und äußerst erfolgreicher Leistungen zurückblicken. Diese erstaunliche Glanzleistung wurde durch deutsche Gründlichkeit und Ausdauer, deutsche wissenschaftliche und technische Vorbereitung und deutsch« Fähigkeit zur Organisation und Kooperation ermöglicht, deut« steht der Norddeutsche Lloyd auf der Schwelle einer neuen Epoche. Dieses '«hin ist, wie wir in Amerika sagen, „bas fetzte Wort“ im Schiffbau. Es ist eines der größten Schiffe und ist mit einem Tonnensehalt von 46 000 Tonnen fast 50 Prozent gröber a l s der Columbus, der deute das größte deutsche Fahrzeug ist. Kraft der mir vom Nordedutschen Lloyd übertragenen Machtvollkommenheit gebe ich jetzt diesem Echtff den Namen „Europa“. Ich füge den warmen Wunsch hinzu, daß es stets vom Glück begleitet sei, und auf lange Jahre hinaus dazu beitragen möge, unsere beiden Völker enger zu vereinen durch einen für beide Teile vorteilhaften Handel, durch gegenseitiges Verständnis und Brüderschaft.“
Nachdem sodann Frl. Ines Elässel die Taufe mit den besten Wünschen für alle Zeiten glückliche Fahrt vollzogen und nach altem brauch eine Flasche Sekt am Bug des Schiffes lerichellen ließ, begann
der Stapellauf.
Sie Haltevorichtung und die Sperrhölzer ourden gelöst und das von seinen Fesseln be- heite Schiff glitt erst ganz langsam, dann schneller und immer schneller in sein Element. Brausende Hochrufe und das Heulen >er Sirenen der zahlreichen Dampfer und vahrzeuge begleiteten es auf seiner ersten «eite. Von mehreren über dem Werftgelände kreisenden Flugzeugen wurden Blumengrüße abgeworfen.
Nach dem 'Stapellauf fand in der unteren Valle des Verwaltungsgebäudes der Werft von Blohm und Voß ein Empfang statt bei dem der Seniorenchef die Herren Jom Norddeutschen Lloyd sowie die übrigen Anwesenden herzlich willkommen hieß. Er
gab einen Ueberblick über die alten Beziehungen der Werft zum Norddeutschen Lloyd. Nachdem sodann Direktor Elässel im Namen des Aufsichtsrates und des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd zum Ausdruck gebracht hatte daß es dem Norddeutschen Lloyd eine ganz besondere Freude gewesen sei, die bewährte Werft mit der Aufgabe des Neubaues zu betrauen, überbrachte er allen denen, die an diesem Meisterstück mitgearbeitet haben, den Dank seiner Gesellschaft.
Hierauf begrüßte der Präsident des Norddeutschen Lloyd, Dr. Heineken, den amerikanischen Botschafter Dr. Sburman in einer Ansprache. Nachdem er dem Botschafter int Namen des Norddeutschen Lloyd dafür gedankt hatte, daß er es übernommen habe, die Europa zu taufen, fuhr er etwa fort: Die Tatsache, daß der Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika diesem unserem jüngsten Zuwachs unserer Lloydflotte selbst das Geleit auf seinem hoffentlich immer glücklichen Lebensweg gegeben hat, ist Ausdruck und Beweis dafür, daß Regierung und Volk der großen amerikanischen Nation den tieferen
Paris, 15. Aug. Die Besprechungen, dis der deutsche Botschafter in Paris zwecks endgültiger Beilegung des Zweibrückener Zwischenfalles während der letzten Tage mit dem französischen Außen, münifterirtm gehabt hat, haben zu einer für beide Seiten befriedigenden Beilegung geführt. Auf Grund dieser Einigung wird die ursprünglich ausgesprochene Forderung auf Auslieferung der Beschuldigten zurückgezogen werden.
Wie wir erfahren, haben die Besprechungen auch dahin geführt, daß die Franzosen sich bereut erklärt haben, den Polizeikom- mlssar Bauer, der im Mittelpunkt der Angelegenheit steht, aus der Haft zu entlasten.
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An tealfthtt Schritt
wtb. Berlin, 15. Aug. Wie verlautet, ist die Entscheidung der Dotfchafterkonferens über die Verschiebung des Bahnhofsbaues von (Rüsselsheim der Reichsregierung nicht direkt, sondern erst auf dem Umwege über einen langen Instanzenzug bekannt geworden, obgleich die Deutsche Botschaft in Paris mit der Botschafterkonferenz darüber verhandelt hafte. Bei diesen Verhandlungen war uns eine positive Entscheidung in Aussicht gestellt worden. Deshalb hat der Dertvagsbeschluß in Berlin naturgemäß einiges Erstaunen hervorgerufen und hat der deutsche Botschafter den Aus -
und mit einem stets sich ausbebnenben unb vertiefenden intellektuellen, gesellschaftlichen unb persönlichen Verkehr zwischen unseren beiben Sänbcrn und Völkern. Natürlich werben bie neuen Schifte am geschäftlichen Wettbewerb teilnehmen, aber gerat, e deshalb müssen sie Werkzeuge der gegenseitigen Verstänbigung unb des gegenseitigen Einvernehmens und Boten des Wohlwollens und der Freundschaft zwischen unseren Völkern sein. Glücklicherweise bestehen heute keine künstlichen Hindernisse im Fließen der natürlichen Sympathie- und Freundschafts- strömungen zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Volke. Und glücklicherweise sind viele positiven Kräfte am Werk, diese wohltuende Flut zu steigern, und nicht die geringsten unter ihnen sind bie Schiffe des Norddeutschen Lloyd, welche jetzt durch das herrliche Schift, das wir soeben von Stapel ließen, verstärkt worben. Daher, meine Damen und Herren, bitte ich Sie, Ihre Gläser zu erheben unb mit mir auf das Gebeihen Deutschlanbs, seiner Reederei des Norddeutschen Lloyd unb des neuen Dampfers Europa anzustoßen.
Sinn unserer mit diesem Neubau verfolgten Ziele richtig verstanden haben, daß nämlich die Europa ein neues Bindeglied sein soll zwischen der alten und der neuen Welt und daß für diese Hochstraße des Weltverkehrs das beste gerade gut genug ist.
Zum Schluß feiner Ansprache bat Dr. Heineken den Botschafter der Verimttler der Grüße von der deutschen Wasserkante an das amerikanische Volk zu sein und schloß mit einem Hoch auf bie Vereinigten Staaten unb ihrem Vertreter in Deutschland, Botschafter Sburman.
Der amerikanische Botschafter erwiderte u. a.: Bremen unb (Europa: Newyork unb Amerika: Zwei große Eingangstore zmd zwei große Kontinente. Unb zwischen ihnen sehe ich int Geiste diese mächtigen, herrlich ausgerüsteten neuen Schifte geschwind hin und her eilen wie Riesenwebschiffe int Webstuhl des chodernen Handels, auf welchem ein Verbindungsgewebe zwischen Deutschland und Amerika ständig entsteht. Wenn ich das Horoskop stelle so sehe ich nur eine Zukunft mit steigendem, gegenseitig vorteilhaftem Handel,
trag erhalten, geeignete S chritte zü unternehmen, um den Widersprach zwischen der ersten Ankündigung und der schließlichen Entscheidung aufzuklären.
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ElaMMlör v. Schubert bei Dr. Strejemaim
Berlin. 15. Aug. Wie wir hören, wird in der nächsten Zeit eine Einbgungsfvrmel veröffentlicht werden, die zwischen dem Pariser und dem Berliner Kabinett über den sogenannten Zweibrückener Zwischenfall gefunden worden ist. Das bedeutet, da Frankreich formal ein Recht zur Auslieferung beansprucht, zweifellos ein Entgegenkommen gegenüber den deutschen Wünschen. Sobald diese Mitteilung veröffentlicht wird, darf man annehmen, daß sich der Reichsaußenminister Dr. Stresemann zur Reise nach Paris entschließen wird.
Diese Fragen werden heute zwischen dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. v. Schubert und Dr. Stresemann in Oberhof besprochen werden. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes hat sich zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Oberhof begeben, um mit dem Reichsaußenminister die aktuellen Fragen durchzusprechen, die während seines Urlaubs aufgetreten sind. Dabei werden natürlich die Reise nach Paris und die Verhandlungen in Genf bei der Dölker- buudsiagung eine eingehende Behandlung finden.
Um 19.45 Uhr begaben sich bie Gäste des Norddeutschen Lloyd zur Teilnahme an dem Stapellauf im Sonderzug nach Bremen.
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Kelim besuch! M
ff. Paris. 16. Aug. (Funkmeldung). Nach einer Meldung aus Washington wird sich Kellogg nach der Unterzeichnung des Paktes sofort nach Irland begeben, um den Besuch Easgraves hu erwidern, den dieser im vorigen Jahre den Vereinigten Staaten machte. Man erwartet, dah Kellogg dann einige Tage in England verbringen werde. Obgleich keine offizielle Erklärung abgegeben wurde, glaubt man in unterrichteten Kreisen, Kellogg werde seinen Londoner Aufenthalt dazu benutzen, die Frage der Beschränkung der Flottenrüstungen zu erörtern. :. —
Einigung im Zweibrückener Zwischenfall
- Sir SerttMiwnw für Sr- SstejmmO Miste Reist erfüllt
SUIan» greift Westland an
Aus diese Formel faßt das englische Kriegsministerium den Sinn der englischen Luftmanöver über London zusammen. Also: „Ostlandgreift We st» land an!“ Man kann sich unter diesem nebelhaften „Ostland“ vieles vorstellen: ein imaginäres Land, letzten Endes den Feind des großbritannischen Imperiums, den Feind, der nicht genannt wird, den sich jeder heraussuchen kann, wie er es gerade für richtig hält. Die englische „M orninpost“ beeilt sich, diesem Rätselraten etwas zu Hilfe zu kommen. Sie sagt daher erläuternd:
„Unser alter Feind, Ostland, wird unruhig. Er empfindet die Notwendigkeit der Wirtschaf- lichen AusdeHnung. Gr ist ängstlich bedacht, sich für die frühere Niederlage zurächen. Er spricht sich loSvonden Beschränkungen, die ihm der Böl kerbund oder der Geist von Locarno auferlegen, wenn er diese überhaupt geschlürft hat, und hat so den Krieg anWe st landerklärt.“
Wer im Rätselraten etwas begriffsstutzig ist, wird mit der Nase auf das gestoßen, was gemeint ist: der alte Feind, der sich für frühere Niederlagen rächen will! Auch der größte deutsche Optimist, der unentwegteste Gläubige wird hellhörig. And man wird sich daher in England nicht wundern dürfen, wenn man diese englischen Luftmanöver im Reiche mit Kommentaren begleitet, die nicht gerade locarno-freudig stimmen können. Einer, nein, fast alle, die sich an verantwortlicher Stelle des Deutschland einst feindlichen Auslandes befinden, haben in soundsovielen Reden verkündet, daß die Voraussetzung für die Herbeiführung einer endgültigen Völkerverständigung die Bereinigung eines Geistes sei, den man Mißtrauen, Anversöhnlichkeit und kleinliche Hetze nennt. So haben sie es alle verkündet. And so haben auch alle den Sinn dieser schönen und erhabenen Worte verstanden. Aber in London greift „Ostland Westland an“, aber in London rührt sich der „alte Feind“, der sich rächen will. Auf den Straßen der englischen Hauptstadt, auf den weiten Plätzen und auf den Dächern der Häuser stehen die Menschen und sehen sich dieses grandiose Schauspiel eines mode r» neu Luftangriffes auf eine friedliche Stadt an. In den Händen halten sie die Zeitung, und wenn der Kanonendonner einen Augenblick Nachlaßt, der Rauch der Bomben etwas verweht ist, dann lesen sie es nach: der alte Feind rührt s i ch! Er will sich rächen! Man wird beim besten Willen nicht glauben können, daß eine solche Demonstration, die mit solchen Kommentaren der Zeitungen begleitet wird, völkerversöhnend wirken kann, den Geist des Mißtrauens beseitigen kann, die Aussöhnung der Leidenschaften fördern kann. Wir wollen die Frage dahingestellt sein lassen, ob solche grvßangelegte Luftmanöver in vollster Öffentlichkeit einen großen militärischen Wert besitzen. Sachverständige bezeichnen den Sinn solcher Luftmanöver nicht als ein strategisches Experiment, sondern als ein militärisches Schauspiel, als ein Schauspiel von zündendster Wirkungskraft, dem sich keiner der Zuschauer und Zuhörer entziehen könnte. Schließlich muß aber jedem Schauspiel eine Zdee zugrunde liegen. And es ist zum mindesten sehr wahrscheinlich, dah bei diesem Schauspiel über den Dächern des friedlichen Londons Deutschland eine Rolle zugewiesen ist, wenn es auch als handelnder Akteur, wenigstens dem Namen nach, nicht auftritt.
Diese englischen Luftmanöver mit den Kommentaren, die englische Zeitungen ihnen unterlegen, überraschen die Welt in einem Augenblick, in Dem offensichtlich die englische Außenpolitik sich in einer Amor ie ntierung zu be- s i n d estx s ch e i n t. Aeberraschen so^knapp