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Mittwoch, ten 15. Mui! 1928
Geschrei um den deutschen Panzerkreuzer
Snzwttchkn stintllche Manöver ans benkschem Boden - „Silland greift Westland an"
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Ein neuer deutscher Wellrekord
Moskau. 14. «na. Der Flieger König- W a r t b a u s e », der in Moskau eingetroffen war, stellte auf einem Flug Berlin—Kubiuka, Oet sich auf 1800 Kilometer ohne Zwischeulan- dung erstreckte, eine« neuen Weltrekord für Flugzeuge mit LOpserdigem Motor auf. Er beabsichtigt, nach Teheran weiterruilieaeir.
fit »Oberbesfisch« Zeitung" er- y^inf sechsmal wöchentlich. Be- Esxrel« monatlich 2 SM. auo- ^ießl. Zustellungsgebübr, durch tzwPostL2ü SM.Aür etwa infolge etteil». Waschin en defekt« oder «y«enrarer Ereignisse ausfallend« Kammern wird kew Ersa, g«. seiftet. Verlag ».Dr. §. Hitzeroth, Druck der Unid.-Buchdruckerel d, Zah. Aug. Koch, Markt 21/23. g^nsprecher: Rr. 54. tu Nr. 65, «oftscheckkonlo: Amt Frankfurt
M. Mr. 6016. — Sprechzeit Id Redaktion von 10—11 und
«#,1—1 Uhr.
besserungen auf bem Gebiete der Unterstützung ernzuführen.
Berlin, 14. Aug. Die „Eermania" bezieht sich heute abend auf eine Aeutzr- rung der sozialdemokrat'schen »Rheinischen Zeitung", wonach die Minister der Deutschen Bolkspartei und des Zentrums mit der Sprengung des Kabinetts gedroht hätten, wenn die sozialdemokratischen Reichs- minifter für den Bau des Schiffes die Verantwortung nicht übernähmen. Nach dem rheinischen Blatt solle diese Drohung dann zu dem einmütigen Beschluß des Kabinetts geführt hoben. Hierzu erklärt die »Germania", daß diese Darstellung »gänzlich unzutreffend" sei. Die betreffende Drohung sei von teiltet Seite ausgesprochen worden und habe daher auch auf die Entscheidung des Kabinetts keinen Einfluß ausüben können.
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ve« wurden von der Küste von Ester her gemeldet. Eine Groppe wurde von dem Ee-
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London, 14. Aug. Die Blätter berichten ausführlich über die Luftangriffe auf London, die gestern abend nach 6 Uhr begannen und bis in die Nachtstunde» hinein fortgesetzt wurden. 40 Bombenflugzeuge verlieben ihre Flugplätze und flogen zur Küste, woraus sie umdrehten und auf London lossteuerten, als ob sie eine vom Kontinent her (!) kommend« Streitmacht wären. Unter dem Schutz dichter Wolken näherten sie sich London. Um 7 Uhr abends hatten vier
ObLvtzMfche Mtuno
SoziaNftifche Kundgebungen gegen den Bau des Panzerkreuzers A.
tu. Leizig, 14. Aug. Die sächsische Sozialdemokratie veranstaltet allenthalben Kundgebungen gegen
eine Inne Erklärung
Die kommunistische Reichstagsfraktion hat den Antrag gestellt, daß der Reichstag sofort einberufen werde, und dah über den «eschluß des Kabinetts füt den Bau des Panzerkreuzers A verhandelt werde. Aeichzertig hat die kommunistische Fraktion eine lange Interpellation im Reichstag eingebracht, dah der «au des Panzer- treuzers eingestellt nnd die bereits bewilligten Mittel für «inderfpreifnng verwendet würde«.
Die Kommunisten entfalten außerdem eine sehr umfangreiche Agitation gegen bie Sozialdemokraten, und zwar auf 5runb des Beschlusses des Kabinetts und des tatsächlichen Umfalls der sozialdemokratischen Minister. Zur Abwehr dieser kommunistischen Agitation wird jetzt
eine offiziöse Erklärung
verbreitet, die wohl auf den Reichskanzler zurückgeht. Zunächst wehrt sich btt Reichskanzler, und zwar im Namen bes Kabinetts gegen die Behauptung, daß Nach der Bewilligung der ersten Rate für btn Bau des Panzerkreuzers A sich das Kabinett auch bereits für die weiteren Panzerkreuzer B, C und D entschieden bebe. In der Erklärung gibt man sich die S?übe, den Beschluß des Kabinetts damit tz begründen, daß das Kabinett nur eine
schwader der Berteidigungsftreitkräfte angegriffen und nach längerem Kampf in südwestlicher Richtung zurückgetrieben. Eine Anzahl Flugzeuge erreichte aber die Eity und markierte Bombenabwürfe auf das Luft- fahrtministerium und andere strategische Punkte durch Abschieden roter Leuchtkugeln. Einem um 10 Uhr abends ausgegebenen amtlichen Communigu^ zufolge waren an dem Angriff auf London 70 Flugzeug« be, t-sllgt, während 72 Kampfflugzeuge die Bet« teidrgungsstreitmacht bildeten. Grobe Menschenmengen batten sich an verschiedenen Punkten der City angesammelt, um die Luftkämpfe zu beobachten, die sich größtenteils in einer Sohr von 10 000 Fub absvielten.
Entschließung des Reichsrats habe durchführen müsien. Der Reichsrat hätte es in der Hand gehabt, den Bau des Panzerkreuzers A zu verhindern, wenn er gegen die Bewilligung von 9 Millionen Einspruch erhoben hätte. Wahrscheinlich wäre dann, so wird in der offiziösen Erklärung ausgeführt, im Reichstag eine Zweidrittelmehrheit für den Bau der Panzerkreuzers A nicht zu haben gewesen. Der Reichsrat habe aber nur in einer Entschließung die Nachprüfung der finanziellen Lage verlangt. Diese Nachprüfung habe das Kabinett im Einverständnis mit dem Reichswehrminister festgesetzt, daß für künftige Jahre Ersatzbauten der Marine nur innerhalb der Höhe des jetzigen Etats ausgeführt werden sollten, so daß also weiters Bäumten von anderen beabsichtigten Bewilligungen in, Abzug gebracht werden müßten. Natürlich, so heißt es am Schluß der Erklärung, sei die Bewilligung weiterer Bauten der parlamentarischen Entscheidung unterworfen.
den geplanten Bau des Panzerkreuzers A. _ . _____________....
So erwartet der Borstand des Anterbezirks I erreicht. Die berankommenden weiteren Gruv- Wurzen-Grimma-Oschatz, dah Parteivor- s“ ""
stand, Parteiausschuh und Reichstagsfrak- tion alÄald zu dieser Angelegenheit Stellung nehmen. Auf einem Dezirksfest des Bezirks Zwickau - Plauen haben etwa 10 000 Mitglieder der Partei di« ReichS-
D«r Reichsarbeitsminister hat nunmehr bie, notwendigen Anordnungen, dafür erlassen. Der Kreis der Personen, die zur Krlsenunterstützung zugelassen sind, war bisher im wesentlichen beschränkt auf die Arbeitslosen bestimmter Berufsgruppen. Zu diesen Berufsgruppen tritt nunmehr noch die Glasindustrie sowie das Bühnenpersonal der Theater- und Ltchtspielunternehmungen hinzu. Un- und angelernte Fabrikarbeiter werden zukünftig Krisenunterstützung erhalten, ohne daß es einer besonderen Zulassung durch das Landesarbeitsamt bedarf. Die LanbesarbeitSamt-Dorsitzenben können auch Angehörige beS Spinnstoffgewerbes zur Krisenunterstützung zulassen, soweit ein Bebürfnis dafür bestehl. Die Porsißenben ber LanbeSarbeitsämter bür« fen ferner bte Krisenunterstützung auf weitere Berufsgruppen für ®emetnben mit
Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
nicht mehr als 25 000 Einwohnern ausdehnen, in denen infolge außergewöhnlicher Ereignisse oder Umstänbe ein langanhaltender schwerer Notstand auf dem Ar- beltsmarkt besteht. Für größere Gemeinden behält sich der Reichsarbeitsminister vor, entsprechende Maßnahmen selbst zu treffen.
Die Höchstbezugsdauer 6er Krisenunterstützung betrug bisher grundsätzlich 26 Wochen, jedoch für Arbeitslose, die das 40. Lebensjahr überschritte« haben, ausnahmsweise 39 Wochen. Der Reichs- arbeltsminister verlängert für diese älteren Angestellten die Höchstbezugsdauer nunmehr auf 5 2 Woche n. Hinsichtlich der Arbeitslosen unter 40 Jahren hatte der Reichstag den Wunsch ausgesprochen, die Unterstützungsbauer von 26 auf 39 Wochen auszubehnen. Das Reichskabinett hat grundsätzlich beschlossen, dieser Forderung nachzukommen. Die Frage, zu welchem Zeitpunkt eine solche Maßnahme in Kraft treten soll, ist aber noch im Kabinett anhängig.
Die Neuregelung tritt am 20. August in Kraft.
wtb. Berlin, 14. Aug. Vor seinem Auseinandergehen hat der Reichstag eine Entschließung angenommen, in der er die Reichsregierung ersucht, gewisse Beruf dem Gebiete der Krisen-
Dah sich die Generale der Ententemächte Frankreich und England zu noch dazu gemeinsamen KriegSmanövern mit deutlicher Spitz« gegen Deutschland und im besetzten Gebiet, also auf deutschem Bo d e n rüsten, während die Diplomaten schon ihre Federhalter füllen, um die Aechtung des Krieges auf einem feierlichen Aktenstück zu unterschreiben, das ist eins jener Gegensätzlichkeiten und Widersinnigkeiten, die der politischen Sesamtlage der Gegenwart jenes Gepräge der Ansicherheit und Unaufrichtigkeit gibt. Niemand wagt rs heute, abgesehen vielleicht von dem Außenseiter Mussolini, nicht mit in die geradezu diplomatisch« Ausdrucksform gewordene Bekundung der FriedenSgesin- imng einzustimmen, niemand scheint aber im Innersten seines Herzens wirklich an einen Friedenszustand zu glauben, der aus Bajonetten, MunitionsdepvtS und GaS- ballons ist. Die Abhaltung von großen KriegSmanövern gerade in den nächsten Wochen scheint zu beweisen, dah man nicht einmal eine gewisse äußerliche Rücksichtnahme auf die Zeremonie der Kriegs- ächtung mehr für nötig hält. Richt nut reichsdeutsche Zeitungen sondern auch englische Blätter geben ihrem Erstaunen über die Abhaltung der Rheinlandmanöver und die Beteiligung englischer Truppen an diesen Manövern Ausdruck, nachdem durch die Lvcarnoabmachungen doch eine Lage geschaffen worden ist, die eigentlich, wenn man schon einmal gemeinsame Manöver veranstalten will, auch eine Hinzuziehung Dnttschlands verlangen würde. Zn England hat man Luftmanöver über London abgehalten, bei denen es sich um einen Angriff »Ostlands" gegen »West- land^ handelt, womit nach der Morning- post ein Revancheangriff Deutschlands gemeint sein soll. Hier hätte man wohl zweckmäßiger von »Rordland" und .Südland" gleich Frankreich geredet.
Direkt wunderlich erscheint in diesem Zusammenhänge der Streit der Deuffchen um einen Panzerkreuzer, allerdings ist nachstehende Erklärung nur ein Rückzugsversuch ders ozialdemokra- tischen und demokratischen Mitglieder des Kabinetts, die wegen ihrer Entscheidung für den Dau des Panzer- deuzerS A aus den eigenen Reihen bereits vifs schärfste angegriffen werden.
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Es ist wohl kein Zweifel, daß unserm politisch, konfessionell, wirtschaftlich tief zerklüftetem Volk ein Feiertag, der als National-Feiertag dem ganzen Volk an- gehört, nottäte. Ein Tag, an dem sich alle bewußt würden, daß sie Glieder eines Volkes sind, einer Vergangenheit angehörten und in eine Zukunft schreiten, einem Schicksal unterworfen. Wenn das französische Volk am 14. Juli begeistert und von sich selbst berauscht einen Nationalfeiertag feiert, dann fühlt es sich tatsächlich eins. Alle Bevölkerungsschichten fühlen sich in mehr oder minder ge- ,fteigerter Freude als Franzosen, mit Ausnahme vielleicht der Kommunisten, die sich aber wohl auch hüten würden, die Feststimmung wesentlich zu stören.
Eine solche Feier mag wohl denen vor geschwebt haben, die den Verfassungstag bei uns zum Nationaltag erheben wollten. Aber es ist doch keine Frage, daß Deutschland und Frankreich in dieser 'Beziehung nicht verwechselt werden können. Frankreich denkt und fühlt zentraler als Deutschland. Der Kampf um den Nationalfeiertag aber .hat bet uns gerade den wesentlichen Unter« fckied zwischen Frankreich und Deutschland herausgekehrt. Dem Franzosen gehört Ludwig XIV. genau so zur lebendigen Tradition seines Landes, wie der Ba- stillensturm und Napoleon. Er denkt nicht daran sie zu leugnen oder gar zu schmähen. Wie anders bei uns. „Vergangenheit" und „Gegenwart" sind allzuoft die Grundlage zu parteipolitischen Machtkämpfen. Der Verfassungstag soll den Abschluß der alten Zeit mit dem Beginn der neuen markieren. Er soll trennen, nicht einigen, denn er soll den Sieg der neuen Zeit auch äußerlich festlegen und auch in Deutschland die Vergangenheit als abgetan und verachtungswürdig vernichten. Darüber dürfen wir uns nicht hinwegtäuschen. Und es ist deshalb gut, daß die Frage des Nationalfeiertages in diesem Jahre noch nicht entschieden ist. Tie merkwürdige Methode, Liebe durch Zwang zu erzielen, hätte die Kluft, die die Parteien in uns aufgerissen haben, nur noch mehr vertieft. Der Flaggenstreit genügt uns gerade. Das haben wir ja erlebt, daß selbst untergeordnete Organe, durch, wie sie meinen, Stock- prügel auf den Magen erzieherisch wirken wollen.
tagsabgeordneten und die Mitglieder der Reichsregierung, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen, aufgefordett, „zu dieser herausfordernden Klassenkampfhano- lung des Bürgertums" nicht zu schweigen, sondern den Kampf gegen die Reattion aufzunehmen. Sie verlangen den Austtitt der sozialdemokratischen Minister aus der Reichsregierung.
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Noch stehen außerdem Franzosen am Rhein. Noch lastet das Dawesabkommen auf unserer Wirtschaft. Schwere Jahre müssen wir durchschreiten, das erscheint uns nicht als die geeignete Zeit, Feste zu feiern. Die Deutsche Volkspartei hat mit Recht darauf hingewiesen.
Einen Naftonalfeiertag macht man nicht, einen Nationalfeiertag wird. Ob unser Volk heute schon so weit ist, dürfte füglich bezweifelt werden.
Die Reden, die bei dem jetzigen Ver- faffungstag gehalten wurden, haben uns gezeigt, daß eine gemeinsame Feier nicht möglich ist, denn kaum einer der großen Festtedner hat sich die Schmähung der Vergangenheit in dieser oder jener Form verkneifen können. Es war ein Kampf- und Eroberungsfest — nicht geeignet, zu einen.
Und trotzdem ist der Gedanke eines Nationalfeiertages, an dem das ganze Volk teilnimmt, gesund und gut. Aber es muß ein Tag fein, an dem es weder Sieger noch Besiegte, innerpolitifch gesprochen, gibt. Solange noch weite Kreiie des Vokes in dem Verfassungstag Zwang der anderen sehen, so lange ist er nur vom liebel. Wann aber wird das deutsche Volk so weit sein, Vergangenheit und Zukunft gemeinsam zu denken, um | einen wahren Nationalfeiertag zu feiern?
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