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Montag, den 13. August 1928

DU »b«h«ssisch. Scthmg « ^r»t sechsmal wöchentlich. Be- ,ugsxrets monatlich 2 SM. au«- phließl. ZustellmtgSgebühr, durch dKPostL2S SM.Für etwa tnfolg« Streik-, Waschtneudefekt» oder elementarer Ereignisse ao-sallend« Ammnern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hiheroth, Druck der Unid.-Buchdrnckerei b. 3oj>. Slug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Mr. 54, m Rr. 65. Postscheckkonto: Start Frankfurt <_ W. Mr. 5016. Sprechzeit ta Redaktion von 1011 und

V1 Uhr.

Sbevtichlsche AgtimzrlM Zeitung ÜMMillM

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. 189 eiMte.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

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Die BerfMunssfer'er m Verlm

seinem Geiste mit neuen verbessertem (?) Handwerkszeug. Mit anderen Nationen haben wir uns zu gemeinsamer friedlicher Arbeit zusamengefunden, (!) wir sind im Rate der Völker dem Völkerbund und

Berlin. 12. Aug. Zur Verfassungs­feier war heute der Plenarsaal des Reichs­tages prächtig geschmückt. Ueber dem Präsidium prangte das Wappen des Reiches und von der großen Ehrenloge hing die Standarte des Reichspräsidenten. In wuchtigen Lettern war die Präambel der Deutschen Reichsverfassung, von je­dem Platze aus sichtbar, angebracht. Die Büsten Eberts und von Hindenburgs in der Halle waren mit Blumen geschmückt.

Gegen 12 Uhr betrat der Reichs­präsident das Reichstagsgebäude und chm folgten die Herren seiner Umgebung. Er wurde aus der Treppe vom Reichs­innenminister Severing und dem stellvertretenden Reichstagspräsidenten von Kardorfs begrüßt. Als der Herr Reichspräsident wenige Minuten nach 12 Uhr die Präsidentenloge betrat, erhoben sich zu seiner Begrüßung sämtliche Teil­nehmer der Feier.

Rach musikalischen Darbietungen betrat

Universitätsprosessor Dr. Radbruch das Rednerpult, um im Namen der Reichs­regierung der Nation den Festgrutz zum Verfassungstage zu überbringen. Der Redner führte u. a. aus:

Nicht Scharfsinn oder Weisheit Ein­zelner schafft eine Verfassung, sondern die allmächtige Geschichte. Nicht nur die Na­tionalversammlung von 1919 steht be­stimmend hinter unserer Verfassung, auch das Erlebnis von 1914 klingt ihn ihr wider. Denken wir daran, in welcher Ge­sinnung damals die Besten und Tiefsten hinauszogen, ein Ludwig Frank etwa. Sie waren gewillt, als Frucht ihrer Kämpfe auch ein erneuertes, freieres Vaterland beim zubringen. Das Volksheer bedingte den deutschen Volksstaat. Wir können der Verfassung des erneuerten Deutschland nicht gedenken, ohne des kämpfenden und leidenden deutschen Volkes von 1914 bis 1918 zu gedenken und ohne dem Manne zu danken, in dem sich deutsche Volkheit lener Tage sinnbildlich verdichtet. Dem, der damals das Reich rettete, dem ersten Soldaten des alten Deutsch­lands, dem ersten Bürger des neuen Deutschland, gilt unser ehrfürchtiger Gruß und Dank. Das Volk, das der Träger des neuen Staates ist, entfaltet sich in dem vielfältigen Reichs- tum kämpfender Gruppen, Klaffen und Parteien. Sprechen wir, ohne daran An­stoß zu nehmen, die Wahrheit rückhaltlos aus: Daß der Volks st a a t ein Partei staat ist. Jede Partei hat zu ihrer Aufgabe nichts anderes als das Vaterland. Die Parteistandpunkte be- Seuten die verschiedenen möglichen Auf- iassungen vom Wohle des Landes jeder von ihnen von jedem anderen mit Recht zu bekämpfenden und jeder von ihnen von jedem anderen zu achten. Man be­klagt oft die Schäden unseres Partei­wesens. aber nicht die Vielheit der Par­teien ist der Grundschaden, sondern ihre Starrheit. Man sagt unseren Parteien wohl nach, sie seien in zu hohem Grade Interessenparteien. Das Gegenteil ist richtig: Sie sind in zu starkem Maße Weltanschauungs-, Oberzeugungsparteien. Nir müssen hoffen, daß der Parla- Nentarismus allmählich sich die Parteien Ziehen wird wie er sie braucht. Unser politisches Leben ist aber nicht nur mit dem Gegensatz der Parteien belastet, son­dern auch mit dem Gegensatz der Klassen. Der Untertan ist zum Staatsbürger ge­worden, aber der Saatsbürger ist noch immer Wirschaftsuntertan. Den Arbeit­nehmer zum Wirtschafsbürger zu erheben, ist eine im Geiste der Verfassung selbst vorgezeichnete Aufgabe. Es hieße unge-

geitrete Pros. Nr. Sulla» Radbruch schichtlich denken, zu glauben, daß für unsere Wirtschaftsentwicklung bereits alle Tage Abend sei. Eine Wirtschafts­ordnung, die der Tatsache der Arbeits­losigkeit nicht Herr werden harnt, kann nicht das letzte Wort der ökonomischen Enwicklung sein.

Neben dem Klassengegensatz, neben dem Parteipartikulari smus ruht auf unserem politischen Leben die Last des Länder- partikularismus. Der durch Selbstver­waltung dezentralisierte Einheitsstaat ist das klar vorgezeichnete Ziel unserer innerstaatlichen Entwicklung, der Weg zu ihm freilich noch im Dunkeln. Jener Sturmwind, der das Kleine hinwegfegt, jener Donnerschlag in dem der Sinn des Großen zu uns spricht, sie werden da sein in jedem Augenblick, wo Oesterreich, von dem allen Völkern verheißenen Selbstbe­stimmungsrecht Gebrauch machend, sich dem großen deutschen Mutterlande an- fchließen wird. An der Stelle, an der ich stehe, grüßte mit einem unvergeßlichen Klang "in der Stimme, mit einer unver­geßlichen Handbewegung Friedrich Ebert den Sarkophag der Walther Rathenaus Sterbliches barg, der große Staatsmann, der die neue Außenpolitik des Reiches am sichtbarsten vertrat, beide umgeifert von der Verleumdung, beide Opfer der Pflicht bis in den Tod. Und wieviel Namenlose haben neben ihnen für diese Verfassung gekämpft und geblutet. Eines der schönen Kampf- und Trutzlieder unserer Arbeiter-

Königsberg, 12. Aug. Heute vor­mittag fand in der Hindendurg-Oberreal- schule eine Begrüßung der hier anläßlich der 16. Deutschen Ostmesse anwesenden Ehrengäste statt. Nach der Begrüßnugs- ansprache Oberbürgermeisters Dr. Loh­rn e y e r überbrachte Reichswirtschafts­minister Dr. C u r t i u s die Grüße der Reichsregierung und die Grüße des Reichspräsidenten, der ihm aufgetragen habe, seine Heimat zu grüßen, bei der er allezeit treu im Gedanken weile.Die Cftmeiie- schloß der Minister,ist ein un­entbehrliches Glied der östlichen Wirt­schaft. Sie hat bisher ihre Aufgabe er­füllt und wird sie weiter erfüllen. Zn dieser UeberzeMung erkläre ich die 16. Deutsche Ostmesse für eröffnet."

Zum Schluß nahm der Königsberger Generalkonsul der Sowjetunion das Wort, um in kurzen Ausführungen zu betonen, daß die Teilnahme der Sowjetunion an der Deutschen Ostmesse bereits zur Tradi­tion geworden sei. Köngsberg setze die Ueberlieferungen der Vorkriegszeit fort, und es sei und bleibe die erste Etappe für Rußland auf dem Wege nach dem Westen.

Wie wir erfahren, fiihrte Reichs- minister Dr. Curtius noch folgendes aus:

.Die neue Reichsregierung betrachtet ihre Aufgabe, die abgeschnürte Ostprovinz nicht verkümmern zu lassen, als eine ihrer vornehm­sten Pflichten. Sie ist entschlossen, die bis­herige Politik fortzusetzen. Die Verhand- hingen über einen neuen Handelsvertrag mit Litauen, ber_ an Stelle des jetzt gültigen und ausbaubedürstigen Abkommens vom 1. Juli 1923 treten soll, stehen kurz vor ihrem Abschluß. Sn dem Vertragswert wird auch den Verkehrsinteressen Rechnung getragen werden, welche die Stadt Königsberg an dem Vertrage hat. Mr hoffen bestimmt, daß der neue Vertrag dazu beitragen wird, die engen Handelsbeziehungen Ostpreußens mit Litauen und dem Memelgebiet zu kräftigen und auSzubauen.

Die Handelsvertragsverhandlua^ ;t

schäft endet mit dem hochgemuten Wort: Und das ist das Herrliche, Große in der Welt; das Banner bleibt stehen, wenn der Mann auch fällt! Bürger und Burge­rinnen der Deutschen Republik, tue Wei­marer Verfassung wird stehen, die deutsche Republik wird stehen."

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tu. Berlin. 12. Aug. Die Reichsre- gierunq, die preußische StaatsreAierung und die Stadt Berlin hatten am Sams­tag abend zu einer

Verfaffungsfeßer in der Kroll-Oper am Platz der Republik geladen. Rach dem Vortrag zweier Musikstücke hielt Oberbür­germeister Dr. Böß die Festrede, in der er u. a. ausführte:

Wir haben eine neue Welt und ein neues Geschlecht. Hinter uns liegt der Weltkrieg mit unendlichem Leid und eine Nachkriegszeit, die fast noch schlimmer ge­wesen ist. Aber mir haben es ertragen und Männer gefunden, die ihr Bestes und selbst ihr Leden dafür hingegeben haben: Erzberger. Rathenau und Ebert. Und wir haben einen Mann an der Spitze des Rei, ches, der durch seine Pflichttreue und Va­terlandsliebe vorbildlich ist: Hinden­burg. Wir haben ein neues Reich gegrün­det, ohne das alte zu zerschlagen und setzen das Werk Bismarcks fort, bis zuletzt in

Polen sollen am 10. Dezember in Warschau wieder aufgenommen werden. Der deut­sche Delegationsführer wird auf den Grundlagen verhandeln, die von der vorigen Regierung fest­gelegt worden sind. Es ist kein Zweifel, daß die nunmehr seit drei Sahren laufenden Verhandlungen zu den schwierigsten gehören, die Deutschland Überhaupt zu führen hat. Dennoch müssen wir den Handelskrieg beenden und zu einer Regelung unserer wirt­schaftlichen Beziehungen mit Polen zu ge­langen trachten.

Die Reichsregierung stimmt mit Stjnen darin Überein, daß unser Bestreben bei den Verhandlungen darauf gerichtet sein muß, die Lebensinteresfen Ostpreußens zu wahren. Auch im gegenwärtigen Augenblick hat bei der Erötterung vstpreu- ßifcher Fragen die Parteipolitik reine Rolle gespielt. Was das Verhältnis des Reiches und Preußen zu Ostpreußen angeht, so waren in allen Grundfragen Reich und Preußen stets völlig einig. Sn jeder Lage hat bei beiden der beste Wille zur Hilfe bestanden. Einig waren sich Reich und Preußen vor allem auch darin, daß Ostpreußen bei allen Reichs- und Staatsaktionen eine Sonderstellung einnehmen muß und einen Anspruch darauf hat, nicht als Grenz­land, sondern als abgetretenes Land behandelt zu werden. Auf diesem Grundgedanken be­ruht das Programm des Sahres 1920, auf ihm auch die Ostpreußen Hilfe des vergangenen Sahres.

Sch habe ein Recht, geltend zu machen, daß dieser Regierung, und gerade ihr, die Sorge für die deutsche Landwirtschaft und Gesamt­produktion am Herzen liegt. Hand in Hand mit einheitlicher und tatkräftiger Wirtschafts­politik kann und muß großzügige Sozial­politik betrieben werden. So richtig es ist, daß Sozialpolitik nur in gesunder Wirtschaft gefördert werden kann, ebenso richtig ist, daß die Wirtschaft ohne besondere Pflege der Arbeitskraft, ohne Förderung der Gesundheit des ganzen Volkskörpers und ohne Hebung der Kaufkraft der Masse nicht gedeihen kann. Sm ganzen ist das Regierungsprogramm ein nach dem Gemeinwohl orientiertes wirtschaft­liches und politisches Ausgleichsprogramm. Rur ein solches dient bei unserer Lage dem . ganzen Vaterlande und damit auch Ost- I

haben dort Sitz und Stimme. Das deutsche Volk ist in seinem Keime gesurü». Es treibt Sport und hat in Amsterdam das deutsche Ansehen herrlich und vorbildlich vertreten. Der Redner widmete dann dem Urheber der Verfassung, Dr. Hugo Preuß warme Worte des Eüienkens. Zuletzt entbot der Oberbürgermeister den Rhein- und Saar­ländern, in deren Gebiet noch immer fremde Truppen stehen, einen Gruß und dankte ihnen für ihre Opferwilligkeit.

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tu. Berlin, 12. Aug. Samstag abend veranstalteten die republikanischen Verbände anläßlich der Derfassungsfeier einen Fackel­zug, zu dem sie sich im Lustgarten ver­sammelten. Sn einer Ansprache betonte der preußische Smtenminifter Grzesinskt, der Gedanke der Republik, der Gedanke, daß alle Staatsgewalt schließlich vom Volke ausgehen müsse, habe so tiefe Wurzeln geschlagen, daß die Republik wirklich als gefestigt angesehen werden könne. Rachdem das deutsche Voll durch seine Verfassung erwiesen habe, sich selbst zu regieren, werde die deutsche Republik als die Staatsform des deutschen Volles noch weiter auSgebaut werden.

Leider hätte die deutsche Re­publik heute noch nicht den Ratio- nalfeiertag. Die nächste Aufgabe müsse es sein, den 1. August zum Rationalfeiertag zu machen. Diejenigen Parteien gehörten nicht (?) in die Regierung, die nicht weit und offen sich zur Verfassung, zu schwarzrotgold (?) und zum 11. August als Rationalfeier­tag bekennen.

FMWlk heim RMskanzltt

Berlin, 10. Aug. Aus Anlaß des Ver- faffungstages gab der Reichskanzler ein Frühstück, an welchem die Mitglieder des Reichskabinetts, die Staatssekretäre nebst Admiral Zenker, sowie die Festredner des Tages Prof. Dr. Radbruch, Oberbürger­meister Böß, die bei den Feierlichketten mitwirkendcn Künstler, das Präsidium des Reichstages und die Vettretung des Reichsrats teilnahmen.

wtb. Berlin. 12. Aug. Im Laufe der Nacht ist es an verschiedenen Stellen der Stadt zu Schlägereien und Zwischenfällen aus politischen Gründen gekommen, wobei 16 Personen festgenommen wurden.

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Dr. etnfemann fünf zehre ReWMeimIMer

mb. Berlrn, 12. Aug. Am 31. August kann Reichsminlster Dr. Strese mann auf eine fünfjährig« Tätig­keit als Reichsmintster des AeußereiN zurückblicken.

In diesen fünf Fahren hat Dr. Strese- mann den moralischen und politischen Wie­deraufbau Deutschlands wichtig gefördert und sich selbst im In- und Auslände eine Stellung geschaffen, die heute vielle.icht unser wertvollstes Aktivum in der inter­nationalen Politik bildet. Die gesundheit­lichen Folgen dieser unerhört aufreibenden Tätigkeit konnten nicht ausbleiben; umso dringender und herzlicher ist der allgemeine Wunsch, daß Dr. Sttesernann das hohe Amt, das er seinerzeit unter den schwirig- sten, ja fast hoffnungslosen Derhältnisseir übernommen, noch lange Jahre möge be­kleiden können, 7ich selbst zur Ehre, dem denffchen Reich zum Heile.

So» Sttolutfen in Srofilltn?

Paris, 11. Aug. Obgleich die bra­silianische Botschaft in Paris alle Gerüchte über beit Ausbruch einer Revolution in Brasilien dementiert hat, hält die Radio­agentur in Paris ihre Behauptungen auf­recht, denen zufolge die Lage im brasiliani­schen Staate Matto Großo ernst fei. Führer der regierungsfeindlichen Propaganda sei der Oberst Babino Cavalzo. ,

Der WWdmWniftet über Ostpreußen