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Marburger rageSAizeiser

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Mitin»», HU 8. August 1928

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u^jgt ftchumal wöchoiUich. 6e» monatlich 2 GM. au* Müt&l Zusteklungsgebichr, durch «MMr ettoe infolge Qtttili, Waschin kn bofektt ebn jlieflttom Srkignisir <nKfaUcn6e yuanana wird kein «fcfo» go» Verlag d. Dr. §. Litzrrotb. pnuf der Uvid^Duchdruckerri d. M, ging. Koch, Markt 21/23. Rr. 64. o. Vkr. 65.

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Hochspannung in GS-slawien

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Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhesfe«

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachung«« für Stadt ««d Kreis Marburg

öbechMsche

Zeitung

Äien. 7. Aug. Der ganze Ernst der Lage in Südslawien wird dadurch gekenn­zeichnet, daß, wie aus Belgad gemeldet mrd, König Alexander gestern nachmittag ganz überraschend von seinem Sommersitz in Bosnien nach Belgrad zurückgekehrt ist »ud zwar in Begleitung des Autzenmi- nisters Marinkowitsch. Noch am Abend erstattete der Ministerpräsident Karoschetz dem König einen ausführlichen Bericht über die Lage. Es wird immer klarer, datz ein Ableben Stefan Raditschs von ge­radezu unübersehbaren Folgen für die ins «»politische Situation sein würde.

Deutlich lassen zahlreiche Anzeichen die starke Erbitterung erkennen, bte überall unter der kroatischen Bevölkerung den Serben gegenüber herrscht. So wurde gestern in dem kroatischen Badeort Lip- nik die Sommerwohnung eines Belgrader Arztes ohne ersichtlichen Anlatz mit einem Steinhagel überschüttet, ja, einige Unbe­sonnene gaben noch mehrere Revolver- schüffe auf das Haus ab. Besondere Em­pörung herrscht in Argam darüber, datz fast das gesamte Militär, datz in der kro­atischen Hauptstadt liegt, nur aus Alt- Serben besteht, was bei vielen Kroaten den Eindruck, unter einer Fremdherrschaft zu stehen, noch verstärkt.

Hebet den erschossenen Belgrader Jour­nalisten verlautet in Agram noch mit gro­ßer Bestimmtheit, man habe bei ihm Auf­zeichnungen über den Agramer Wohnort und über die tägliche Zeiteinteilung von Pribitsihentisch gefunden. Das ließe den Schluß zu, daß Ristovitsch selbst ein Atten­tat gegen Pribitschevitsch im Schilde ge­führt habe oder daß er zumindest ein An­stifter eines Anschlages gegen den kroati­schen Führer sei. Dieser Verdacht liegt um­so näher, als Ristovitsch ja noch vor kur­zem in seinem Blatt einen Artikel mit den Aorten schloß-Den kroatischen Damen v»rd bald Gelegenheit gegeben werden, das Grab Pribitschevitsch mit Blumen zu schmücken.

Die Agramer Polizei hat in Zusammen­hang mit der Ermordnung des Belgrader Chefredakteurs Ristovitsch weitere sechs Personen verhaftet. Der Mörder wurde erneut vernommen, gab jedoch nach wie vor an, datz er ohne irgendwelche Motive «handelt habe und nur aus eigene Faust »orgegangen sei.

Im Zusammenhang mit dem besorgnis­erregenden Zustand Raditschs äußerte sich ein hervorragendes Mitglied der Raditsch- Partei gegenüber dem Vertreter der Telc- Kraphenunion folgendermaßen: Was im Falle des möglichen Verlustes Raditschs «schehen wird, kann niemand übersehen. Eicher ist nur das Eine, daß durch diesen Lerlust die Lage eine Verschlimmerung erfahren würde. Kroatien besitzt keinen zweiten Politiker von dem Format Ra­ditschs. Seine Anhänger teilen zwar feine politischen Auffassungen im allgemeinen, bei niemand unter ihnen hat wie er das wefühl für den jugoslawischen Gedanken, den Raditsch neben seiner kroatischen Ein­stellung hochgehalten hat. Wahrscheinlich würde übrigens nicht der 1. Vizepräsident der Partei, Dr. Macek, die Nachfolgerschaft Aaditschs antreten, sondern der ehemalige Tutzenminister Dr. Trumbitsch.

Gin Abgeordneter und ehemaliger Mi­nister, dem anscheinend auch in der näch­sten Zukunft eine wichtige Rolle beschieden fein dürfte, sagte u. a.: Die letzten Ereig­nisse zeigen die unlogische und gefährliche G 'wicklung, die das jugoslawische Staats-. «. ' bisher genommen hat. Zehn Jahre

nach der nationalen Einigung sind wir glücklich soweit, datz die beiden Brüdervöl­ker ihre politischen Streitigketen so aus­tragen. wie es sonst nur in Macedonien geschieht. Niemand kann sagen, wohin dieser Kampf führen wird. Es ist eine Tatsache, datz in Kroatien auch die, die keine Anhänger Raditschs sind, vor allem die gesamte kroatische Intelligenz, mit ihm sympathisieren, und gegen den Kampf ge­gen die Vormachtpolitik Belgrads mit teilnehmen.

ein Anschlag auf Rad-Isch?

Agram, 7. Aug. Wie die Blätter melden, bemerkten heute früh Kriminal­beamte int Garten der Billa Stephan

London, 7. Aug. Im Hinblick auf die zahlreichen vielfach widersprechenden Kommentare der englischen und nicht­englischen Presse über den Charakter des englisch-französischen Abkommens über die Einschränkung der Rüstungen zur See wird von zuständiger Stelle mitge- teilt, datz von einem Abkommen in for­mellem Sinne gar keine Rede fei. Irgendein Schriftstück, das von beiden Seiten unterzeichnet worden fei, besteht nicht. Es handelt sich vielmehr um einen Niederschlag der Ergebnisse von Be­sprechungen zwischen den Marinesachver- ständigen der beiden Länder, denen die politische Führung zugestimmt hat. Die Grundsätze, über die man sich geeinigt habe, seien in etwa 5 bis 6 Punkten fest­gelegt. Das Schriftstück selbst ist unge­fähr IV- Schreibmaschinenseiten lang. In ihm sind lediglich Marinesragen be- hand^lt. Hinweise oder Be­merkungen über Probleme der Abrüstung zu Lande fehlen. Der Text dieser Niederschrift ist telegraphisch sowohl an Washington wie an Rom als auch an Tokio übermittelt worden. Es wird bestätigt, daß der Grundsatz der Schiffskategorien beiderseits an­genommen w.orden ist, jedoch sind irgend­welche Zahlen über die Höchsttonnage

Ser SlMßprSiidrni in Äiti

fl. Kiel, 8. Aug. Der Reichspräsident von Hindenburg traf heute früh ge- gen 2 Uhr mit dem fahrplanmäßigen D- Zuge, au® Hamburg kommend, hier ein und verbrachte die Nacht in fernem Son­derwagen auf dem Hauptbahnhof. Um 7.45 Uhr wurde der Reichspräsident durch den Chef der Mariitestation, Vizeadmiral Dr. h. c. Röder, und den Stadtkom­mandanten von Kiel, Kapitän zur See Schumacher, auf dem Bahnhof be­grüßt. Zu dem Empfang hatte sich fer­ner der seit einigen Tagen hier weilende Rerchswehrminisler Grüner und der Chef der Marknelettung, Admiral Zen­ker, sowie zahlreiche hohe Offiziere der Reichsmarine erngefunden. Nach der kur­zen Begrüßung verließ der Reichspräsident das Bahnhofsgebäude und begab sich zu Fuß nach dem am Quai liegenden Stetten«

Raditsch's zwei ihnen verdächtig er­scheinende Männer. Als die Krimi­nalbeamten sich den beiden Verdächtigen näherten, ergriffen diese die Flucht. Die Beamten schossen, trafen jedoch niemand. Trotz eifriger Verfolgung konnten die bei­den Männer nicht eingeholt werden. Man nimmt an, daß sie einen. Anschlag auf Raditsch beabsichtigten.

tu. A g r a m, 7. Aug. Ein am Dienstag ausgegebener Bericht über den Ge­sundheitszustand Raditschs, der von Professor Romberg aus München unter­zeichnet ist, besagt, daß die Möglichkeit einer Gesundung Raditschs bestehe, wenn keine weiteren Komplikationen, die nicht ausgeschlossen seien, einträten.

jeder Kategorie nicht in dem Schriftstück enthalten, sondern die Ausarbeitung von Ein'eHeiten wird Sache der Zukunft fein, sobald die anderen hauptsächlichsten Mächte den englisch-französischen Stand­punkt eingenommen haben. Sollte diese Zustimmung nicht erfolgen, so wird zu­nächst der englisch-französische Schritt als erledigt angesehen werden müssen.

fk. London, 8. Aug. Der diplomati- be Korrespondent desDaily Tele­graph" meldet, die italienische Re­gierung der in der vorigen Woche das englisch - französische Marineabkommen durch den britischen und französischen Botschafter in Rom übermittelt worden sei, habe jetzt ihre ersten Eindrücke mit­geteilt. Rom sei ebenso wie Washington über das vorliegende Kompromiß zwi­schen London und Paris offenbar nicht begeistert. Es werde namens Musso­lini mitgeteilt, daß der frühere in Gens von Italien vertretene Standpunkt un­verändert bleibe und daß besonders gegen jegliche Trennung der Frage der Marinerüstungen von den militärislchen Rüstungen Widerspruch erhoben werde.

Veröffentlichung des ftanzösisch-englischen Flottenabkommens.

P a r i s, 7. Aug. Havas teilt mit: Der Text des französisch-britischen Flotten- adkommens wird demnächst und zwar wahrscheinlich gleichzeitig in Frankreich und in England veröffentlicht werden.

tentzerH e l a". Vor dem Bahnhofsge­bäude hatte ehte große Menschenmenge Aufstellung genommen, bte den Reichs­präsidenten mit stürmlschen Hochrufen be- begrüßte.

Pünktlich 8 Uhr trat dieHela" die Fahrt nach dem in der Aahenförde liegen­den LinienschiffSchleswig-Holstein" an, an dessen Bord der Reichspräsident den Schießübungen der Marine bei- wohnen werd. Die Belegschaften der am Hafen liegenden Werften begrüßten den Reichspräsidenten mit Hochrufen, als der Tender die Werften passierte. Die Parade wurde auf Wunsch des Reichspräsidenten allein von dem SegelschiffNiobe" ausge­führt. Als der Tender in Sicht des LtnienschifsesSchleswig-Holstern" kam, wurde der Präsidentensalut gefeuert. Der Reichspräsident ging dann auf das Linien- schrfs, das nunmehr die Präsidentenflagge setzte und bald darauf in See ging.

M Grenzmark seien- Mftprcnßm

Wie wenig bekannt die Lage und der Rame von Preußens jüngster Provinz noch heute ist 9 Jahre nach derReu- ordnung" im Osten durch den Versailler Friedensvertrag, das beweisen immer wieder die zahlreichen verwunderten Aeuherungen anderer Reichsangehöriger, häufige Mißgriffe in Karten und Druck­werken, die selbst bei Deutschland ver­bliebene Orte Polen zuschieben und nicht zuletzt die ständigen Fehler in der Adres­sierung von Postsendungen. Das alles hinterläßt natürlich Stachel im Herzen der aufrecht um ihre Sache fechtenden Grenz- märker, die doch nur durchschnittlich 150 bis 250 Kilometer von der Reichshaupt­stadt Berlin wohnen und auf der Ostbahn Küstrin-Kreuz-Schneidemühl ebenso leicht zu erreichen sind, wie auf der Hauptstrecke Frankfurt (Oder) - Reppen - Reubentschen. Wenn eine Provinz, die nur eine Flächen- größe von etwa 770 000 Hektar mit rund 340 000 Einwohnern umfaßt, allein etwa 430 Kilometer Reichsgrenze zu betreuen hat, so stellt das bestimmt hohe Anforde­rungen an die Bevölkerung, in wirtschaft­licher, kultureller und politischer Beziehung. Das umso mehr, als das ganze 'Gebiet aus drei untereinander nicht zusammenhängen­den Teilen besteht, zwischen die sich Bran­denburg mit der Reumark und Riederschle­sien einschieben. Da zudem alle Rordsüd- verbindungen bei der unerhörten Grenz­ziehung den Polen zugeschanzt, und die West-Ostlinien an Straßen und Eisen­bahnen rücksichtslos zerschnitten wurden, herrscht noch heute die schlimmste Der- kehrsnot, sodaß z. B. eine Fahrt von der südlichen Kreishauptstadt Fraustadt bis zur Provinzialhauptstadt Schneidemühl auf dem Amwege über Glogau-Cüstrin be­reits im günstigen Falle 6V- D-Zug-Stun­den in Anspruch nimmt. Biel schlimmer sieht es natürlich noch für die vielen gänz­lich abgelegenen Gebiete aus. Daraus er­gibt sich ohne weiteres die zwingende Forderung nach beschleunigtem Bau der lange geforderten Grenzmarkbahn, die das gesamte Gebiet der Grenzmark Posen- Westpreußen einheitlich erfaßt und durch Anschlüsse nach Oberschlesien die Haupt­bahnlinie an der Oder über Breslau ent­lastet und zugleich den Güterverkehr vom vberschlesischen Industriegebiet nach Ost­preußen wesentlich abkürzt.

Mit ganz wenigen industriellen Aus­nahmen, Holz, Braunkohle, Zucker, Kar­toffelstärke, landwirtschaftliche Maschinen, ist die Grenzmark Posen-Westpreußen ein Agrarland verschieden schwerer Böden. Das landwirtschaftlich wertvollste Land der beiden früheren Hauptnährprovinzen Preußens: Posen und Westpreußen fiel durch hie Grenzziehung an Polen. Mit einem durchschnittlichen Grundsteuerrein- ertrag von 4,82 RM. je Hektar steht die Provinz in weitem Abstand an niedrigster Stelle, da der Durchschnittssatz bereits für Ostpreußen bald das Doppelte bettägt. Einen scheinbaren und vorübergehenden Aufschwung erlebte die junge Provinz allerdings durch die notwendig gewordene Reubautätigkeit öffentlicher und privater Initiative, da allein ein großer Teil der aus Reu-Polen Verdrängten hier an­genommen wurde. So ist z. B. die jetzige Provinzialhauptstadt Schneidemühl von rund 20 000 auf rund 40 000 Einwohner gewachsen, so ist um den neu geschaffene« Eisenbahnknotenpunkt Reu-Bentschen bis­her bereits ein Ort von fast 2000 Ein­wohnern vollständig neu aus dem Bode« geschossen.

Landschaftliche Schönheiten an maleri­schen Flußläufen, unendlichen Wäldern, Holzungen mit weiten Ausblicken, prächtig gelegenen Seen, bietet das Land in Hülle und Fülle. Auch zahlreiche wettvolle Kulturdenkmäler werden dort gehegt. Ganz besonders aber bieten ständige prähistorische Bodenfunde die wertvollsten Handhaben dafür, daß dies Land an Küddow, Drahe, Retze und Warthe alter deutscher Sied- lungsboden ist. Daraus erwächst auch der

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