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Bonnoten», te» 4. August 192$

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W- Rr. 6016. — Sprechzeit M Redaktion von 10—11 an*

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Anzeiger fnr (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Da Svqelgeaprel» beträgt fft ben 10 gefoult. ZrÜenmilliorrter 0.08 GM, klein» Baranzeig» 0.06 SM, amtlich» and «* wärt«,» Snzeige» 0.10 GA. M schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift 6O*ie Aufschlag. — Sammelanatge» 100 *1» ’S* schlag. Reklamen der WlMot, 6,40 GM. Zeda Rabatt gift <M Larrabatt. Ziel i Sage. Beleg» werden berechnet, ebenso Auekanst durch di» Geschäftestell» mrd Zusendung da Angebote. <w füllungeort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Der Relchttanrler gegen -en Gewerv deutscher Kolonien

Sir SrlriebMrrW ter MM Mn

Berlin, 3. Aug. Zn den unter dem Vorsitz des Geheimen Oberbaurats Zirk, ler vom Reichsverkehrsministerium ge­bildeten Ausschub zur Untersuchung der Vetriebsficherheit auf der Reichsbahn find folgende Herren berufen worden: Die geichstagsabgeordneten Dr. Qnatz und Scheffel; die Profefioren für Eisen- iahnwese« Dr. Halter von der Techni­schen Hochschule in Dresden und Dr. Pirath von der Technischen Hochschule i« Stuttgart; der Berbandsgeschäftsführer Srotz; vom Hauptbeamtenrat bei der Draschen Reichsbahn der Borfitzende, Sisenbahninspektor Mondors; vom -auptbeüriebsrat bei der Deutschen Reichs- bahn der Borfitzende Hatje, beide in Serlt«; von der Gewerkschaft Deutscher LÄomotivsührer, der Lokomotivführer Seike aus Bettersbach (Waldenburg); vom Reichsverkehrsministerium der Ge­heime Oberbaurat Zirkler (Betrieb) Mld der Oberregierungsrat Dr. Rein- z r u b e r (Eisenbah nverficherungswesen) mch von der Deutschen Reichsbahngesell­schaft der Reichsbahndirektor Dr. Fromm sDienftdauerangelegenheiten) und der Vizepräsident Senst sOberbaufragen).

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Beisetzung eines Opfers von Dinkelscherben.

Ivb. Augsburg, 3. Aug. Als erstes vpfer der Dinkelscherbener Eisenbahnkata- strvphe wurde heute der Kriegsinvalide Josef Wiedemann aus Augsburg zur khten Ruhe bestattet. Auf dem Fnedhch hatte sich eine unübersehbare Trauer­gemeinde eingefunden. Aach der Grab­rede des Geistlichen legte Reichsbahn- Sräfident L i st im Aamen der Reichsbahn­birektion einen prachtvollen Kranz am Grabe nieder und sprach zugleich den Hinterbliebenen das Beileid des Reichs- Präsidenten, des Reichskanzlers, des Aeichsverkehrsministeriums und des Baye­rischen Landtages au. Es sei an diese! Stätte nicht sein Amt, zu beschuldigen oder M verteidigen, auch nicht die Verkettung der Amstände zu schildern, deren verhäng­nisvolles Zusammentreffen das furchtbare Ereignis herbeigeführt hat. Seine Auf­gabe sei es, an der allgemeinen Trauer teilzunehmen und das innigste Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen, das die Reichs- bahn an dem furchtbaren Schicksal aller derer nehme, die von dieser Katastrophe betroffen worden sind.

Wie wir auf eingezogene Erkundigungen «fahren, befinden sich die im Kranken­haus liegenden Verletzten auf dem Wege der Besserung bis auf die schwerverletzte Frau Brendle (Heilbronn), deren Zustand yi ernsten Besorgnissen Anlaß gibt. Die Leichen der auswärts beheimateten Ver­unglückten sind gestern und heute nach hren Heimatsorten übergeführt worden.

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86615 Rakrstmagen ttetototi

B erlin, 4. Aug. Heute findet in den frühen Morgenstunden auf der Sisen- «chnsttecke bei Burgwedel bei Hannover rin neuer Start des Opelschen ^aketenwagens statt. Das Modell 'ft inzwischen verschiedenen Veränderungen Unterworfen worden, bei denen die Er­fahrungen bei den letzten Startversuchen uutzbar gemacht worden sind. Der Start findet bei Lagesbeginn unter Ausschluß d«r Oeffentlichkeit statt.

fk. Hannover, 4. Aug. Zn aller «tille waren Eie Vorbereitungen für Ueue versuche mit dem Opel-Sander- ^aketenwagen getroffen, die in der Rächt

Berlin, 3. Aug. Reichskanzler Her­mann Müller hat sich soeben, wie die „Dresdener Volksztg. berichtet, in Be­antwortung einer Umfrage „Soll Deutsch­land Kolonialpvlitik treiben?“ gegen den Erwerb von Kolonien aus­gesprochen. Der Reichskanzler schreibt:

1. Trotzdem dem deutschen Reiche das Recht aus koloniale Betätigung nicht be­stritten werden kann und die koloniale Schuldlüge in der früheren kolonialen Betätigung Deutschlands keine Begrün­dung findet, soll das Deutsche Reich aus praktischen Gründen den Erwerb von Kolonien nicht anstreben. Die deutsche Wirtschaft leidet an Kapital- m a n g e l, wie soll auch noch das Kapital aufgebracht werden, das zur Einleitung einer nutzbringenden Kolonialpolitik in den Kolonien investiert werden müßte? Zur Zeit haben die Deutschen bei den er­wachenden, nach nationaler Selbständig­keit drängenden Kolonialvölkern das größte Ansehen, gerade weil Deutschland an der kolonialen. Bmvbeutung fremder Völker nicht mehr beteiligt ist. Das muß sich auch handelspolittsch günstig für Deutschland auswirken.

2. Auch zur kolonialen Betätigung Deutschlands durch Uebernahme eines Kolonial-Mandatesliegtkein Grund vor. Deutschland solle sich in der Mandatskommisiion des Bölkerbundes vielmehr der Völker annehmen, die in den Mandatsgebieten wohnen. Das wird dem deutschen Ansehen und dem deutschen Han­del nützlich sein.

vom Freitag aus Sonnabend auf der un­benutzten Bahnstrecke Burgwedel und Celle stattfanden.

Rak 4 und 8, so nannten sich di» drei Meier langen rotlackierten Fahrzeuge, die 800 Kilogramm-Wagen und von denen Rak 4 mit 29. Rak 5 mit 30 Raketen be­stückt waren. Um 4 Uhr sollte Rak 4 star­ten. aber di« Arbeiten verzögerten sich, so­daß erst nach Uhr das Signal gegeben wurde. Groß« Feuersäulen aus­werfend, setzte sich die Maschine zischend und fauchend in Bewegung. Doch nach kaum 200 Metern, an derselben Stelle wo früher Rak 3 explodiert war, war die Fahrt zu Ende. Auch Rak 4 explo­dierte. Etliche Raketen und zwei Räder wurden weit fort geschleudert. Menschen wurden nicht verletzt. Rach Ansicht der Konftrukture Fritz v. Opel und Sander zündeten 5 Raketen, von denen eine sich nach innen entlud, wodurch die Explosion und das Herauswerfen ans den Schienen erfolgte. Die Versuche mit Rak 5 konn­ten nicht gemacht werden, weil der an­wesende Landrat und der Eisenbahnpräfi- dent ste untersagten. Es wurden deshalb die weiteren Versuche auf unbest mmte Zeit vertagt.

Das britische Parlament vertagt.

rot. 2 o n b o n, 3. Aug. Tas Parlament trat heute vormittag zu feiner letzten Sit­zung in dieser Session zusammen und ver­tagte sich"dann.

3. Das Deutsche Reich soll für seine An­gehörigen in allen Kolonien und Man­datsgebieten dievolleGleichberech- tigung mit den anderen Natio­nen fördern, damit ihm günstiger Roh- stoffbezug gesichert ist.

Hierzu schreibt die Deutsche Kolo­nialgesellschaft:

„Die Erklärung des Reichskanzlers ist von so außerordentlicher Tragweite, daß man die Fragen stellen muß: Hat Hermann Müller diese Erklärung abgegeben als Vertreter der Politik seiner Partei oder als Vertreter der Politik der Reichsregierung? Wie stellt sich das Reichskabinett, wie stellt sich der Außenminister zu dieser Erklärung des verantwortlichen Führers der deutschen Politik? Billigt der Reichstag eine Po­litik der Regierung, die einen end- giltigen vollen Verzicht auf die Geltendmachung der deutschen kolonialen Eigenarbeit der deutschen Volkswirtschaft erwachsenden Vorteile bedeutet? Der Reichstag wird sofort nach seinem Zu­sammentritt im Herbst eine klare Ant­wort der deutschen Regierung verlangen müssen.“

Der „Tag“ nennt die Erklärung des Kanzlers eine „unglaubliche Erklärung.“

Die „Deutsche Zeitung“ fragt: „Wie stellt sich das Reichskabinett, wie stellt sich der Außenminister zu dieser Erklärung des verantwortlichen Führers der deutschen Politik? Billigt der Reichs­tag eine Politik der Regierung, die einen entgiltigen vollen Verzicht auf die Geltendmachung der deutschen kolonialen Rechtsansprüche und die aus kolonialer Eigenarbeit der deutschen Volkswirtschaft erwachsenden Vorteile bedeutet? Der Reichstag wird eine klare Antwort der deutschen Regierung verlangen müssen.

Lim Wverinbrik in die Sufi geflogen

Mehrere hundert Menschen getötet?

fk. Spezia, 4. Aug. Auf bisher noch nicht aufgeklärte Ursache ist in der Nacht zum Sonnabend in der Gegend von Spe­zia eine Pulverfabrik in die Luft geflogen. Man befürchtet, daß meh­rere hundert Menschen ums Le­ben gekommen sind. Einzelheiten fehlen noch. Später wurde berichtet, daß durch die Explosion der Pulverfabrik die Stadt Spezia in Brand gera­ten ist. Die Rettungsarbetten gestalte­ten sich wegen der gewaltigen Aus­dehnung des Feuers sehr schwierig.

Eine NeMe loSgerissen

18 Personell ertrunken.

tu. W i e n, 3. Aug. Wie die „Stunde" aus Belgrad meldet, hat sich Donnerstag in Neusatz ein furchtbares Un­glück ereignet. Auf der Landungs­brücke der kroatischen Donau-Dampf- schissahrtsgesellschaft standen zahlreiche Personen, die auf den fahrplanmäßigen Dampfer warteten, als plötzlich ein Ge­witter mit orkanartigem Sturm losbrach. Infolge des Sturmes und des hohen Wellenganges riß die B r L ck e 'ab und trieb bis in die Mitte des Tonaustroms hinaus. Zahlreiche Per­sonen sprangen ins Wasser und ertran­ken. Der Sicherheitsdienst arbeitete lecht. Es waren keine Rettungsboote in der Nähe. Insgesamt sind 18 Per­sonen ertrunken. Nur drei Per­sonen konnten sich durch Schwimmen in Sicherheit bringen.

Äafnieg ter ongliMn ÄtitgSlüge

Wir sind 1914 mit einem Zrrtum in den Krieg gezogen, dem allerdings auch Bis­marck erlegen war, daß man den Feind nur mit Pulver und Blei, nicht aber mit öffentlicher Meinung vernichten könne. Die Folgen, die sich daraus für unsere Kriegs­propaganda und den Verlauf des Krieges, selbst ergeben haben, sind bekannt genug.’ Der feindlichen Kriegspropaganda stand die Welt nicht nur geographisch offen. Für ihre psychologische Wirkung ist der Aus­spruch eines, Zeugen kennzeichnend, den Demartil in seiner vorzüglichen Aufklä­rungsschrift „Die Mobilmachung der Ge­wissen“ — deutsch bei Reimar Hvbbing, Berlin — anführt. Der Zeuge, dem man eine unsinnige Geschichte über die Deut­schen aufgeschwätzt hatte, erklärte näm­lich vor Gericht kurz und bündig: „Wenn es sich um Boches handelt, glaube ich alles.“ Dieser Zeuge, nur ein typisches Beispiel für Millionen Leichtgläubiger, zeigt, in welchem ilmfange die öffentliche Meinung in den Ländern der Entente, der Neuttalen und schließlich der ganzen Welt zu Mitschuldigen des Krieges wurde. Nach einer Feststellung Sir Gilbert Parkers in Harpers-Magazine beschäftigte das England Lord NorthcliffeS 10000 Propagandisten allein in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nun hat das Mitglied des englischen Parlaments Mr. Arthur Poo», soby einen Katalog der gegen die Feinde der Entente erfundenen Kriegslagen zu­sammengestellt. Er zeigt, wie sie ent­standen sind, wuchsen, wirkten und selbst dann fortlebten, nachdem sie amtlich oder halbamtlich als Lügen bezeichnet waren. Ponsobh, seinerzeit Anterstaatssekretär im Auswärtigen Amt der Regierung Mac Donalds, hat sein 200 Seiten starkes Buch zu dem ungewöhnlich billigen Preis von 2 sh. und 6 ps. erscheinen lassen, um ihm die denkbar größte Verbreitung zu sichern. Ob sich allerdings sein Wunsch, daß alle die Leute, die seinerzeit verrückt genug waren, solche Geschichten zu glauben, jetzt wieder zur Vernunft bekehrt werden, er­füllen wird, ist nicht sicher. Ponsobh gibt zu. daß in keinem Lande so unver­schämt und zielbewußt gelogen worden ist, wie in England. Dadurch allein sei es möglich geworden, die Jugend Englands auf die Schlachtfelder zu treiben. Zn dieser Hinsicht habe vor allem das Lo­sungswort von dem armen, tapferen, kleinen Belgien vorzügliche Dienste ge»; tan. Für die Hartnäckigkeit, mit der ein­mal verbreitete Lügen sich in der Vor­stellung der öffentlichen Meinung fest­setzten, zeuge die Tatsache, daß die Märchen von den abgeschnittenen Händen und vergewaltigten französischen und belgischen Nonnen weiter geglaubt worden seien, trotzdem hierfür niemals ein Be­weis erbracht wurde, auch nicht durch den belgischen Kardinal Mercier. Nach dem Bericht Ponfobhs hat selbst die Königin Alexandra Gaben für Kinder mit abge­hackten Händen geschickt. Es werden noch Jahre vergehen, ehe alle diese Lügen aus­gerottet sind. Neben der amtlichen und privaten Aufklärung wird vor allem ein friedliches verständnisvolles Zusammenar­beiten der ehemals kriegführenden Qtotionen am meisten zur Entgiftung der Atmosphäre beitragen. Ze schneller sich diese friedliche Zusammenarbeit vollziehi und je enger sie sich gestaltet, werden auch die psychologischen Voraussetzungen für das Fortleben der Kriegslügen verschwin­den. Die aufklärende Propaganda Ein­zelner schafft es nicht, auch nicht offizielle und halboffizielle Verlautbarungen ehe­mals feindlicher Regierungen. Daß wir selbst mit dem Maß aller gegebenen Mittel und Kräfte für ditz Wiederherstellung unserer Ehre tätig sein müssen, ist selbst­verständlich; aber auch hier ist zu be­merken, daß der Erfolg nicht allein von der aufgewendeten Energie abhängt, son­dern ebensosehr von unserer Geschicklichkeit und Fähigkeit, die öffentliche Meinung der Welt zu beeinflussen. :