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Die ^vberhessische Sdtung* » scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2GM.au«- schließl. ZustellungsgebLhr, durch dieP»stL2L GM.Für etwa infolge Streik«, Waschinendefekt« oder elementarer Lreigniffe ausfallend« Kummer« wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Kitzeroth, Druck der Unib.-Buchdruckerei d, geb. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Sir. 64. tu vkr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <l M. Nr. 5015. Sprechzeit der Nedaktlo» von 1011 mb

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Marburg a.8aba

Der Anzeigenpreis beträgt ffc bett 10 gespall. Zeüenmillimeter M8 SM. Lei« Baran,eige»

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. Jter'S

Ium EismSahnuuMck in Bayrm

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Berlin, 2. Aug. Auf Einladung des Reichsverkehrsministeriums trat gestern vor­mittag 10 Uhr der parlamentarische Beirat der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft unter dem Vorsitz des Reichsverkehrsministers v. Eu^rard su einer Sitzung in den Räu­men der Reichsbahn-Gesellschaft zusammen, um zu den sich erschreckend mehrenden Ver- kchrsunfällen der letzten Zeit Stellung zu neh­men. Reben dem Verkehrsminister war der Generaldirektor der Reichsbahnen Dr. Dorp­müller mit seinem Stabe, einem Vertreter der bayerischen Bahnen, Vertretern der Be­triebsräte, der Reichsbahnbeamten und der Arbeiter, sowie der Untersuchungsrichter er­schienen. Die Parteien des Reichstages hat­ten sämtlich Abgeordnete entsandt, für die Deutschnationalen war u. a. der frühere Ver­kehrsminister, Abgeordneter Dr. Koch, er­schienen.

Eingehend wurden die einzelnen Unfälle durchgesprochen. Die Ursachen der Unfälle sol­len nach de» Darlegungen der Berichterstat­ter meist auf bedauernswerten Zufälligkeiten beruhen, wenn auch stellenweise, so bei Siegels­dorf ein Verschulden eines Beamten nicht zu leugnen sei. Beim Münchener Hauptbahnhof habe der Lokomotivführer 600 Meter vor der Einfahrt gehalten, -abei habe er sehen müssen, da» vor ihm ein Zug gehalten habe. Der Untersuchungsrichter bestätigte diese Ansicht, er selber habe eine Probefahrt auf der fraglichen Stelle gemacht.

Wie Generaldirektor Dr. Dorvmssller aus- führte, soll nun der Münchener Hauptbahnhof allerschnellstens, spätestens innerhalb zwölf Tagen mit einem neue» Signalwesen aus- «ebaut werde», die Vereinbarungen mit dem Reichsverkehrsminifterium gingen dahin, dah keine Geldansgaben gescheut werden sollen, um die Betriebssicherheit unter allen Umständen zu erreichen. Weiter sollen die Vorschriften über die Dienstzeit für Bayern neu geregelt und in Preußen geltenden Bestimmungen an- gevaht werden. Bisher hatten die bayerischen Eisenbahner auf Wunsch des Personals eine Ruhepause von höchstens 8 Stunden, in Preu- 6en besteht eine solche von 10 bis 12 Stunden, dafür batten sich die Bayern aber einen längeren Ruhetag, nämlich von 32 bis 35 Stunden innerhalb der siebentägigen Dienst­zeit vorbehalten. Dieser Zustand soll nun be­seitigt werden, um ein wirklich ausgeruhtes Personal in den Dienst zu bekommen.

Als praktisches Ergebnis der parlamentari­schen Berkehrskonserenz ist festzustellen, dah der «eichsverkehrsminister einen Ausschuh be- rufen wird, der nicht nur die einzelnen Unfälle und ihre Ursachen untersuchen wird, sondern dir grundsätzlich untersuchen soll, wie es mit der Sicherheit auf der deutschen Reichsbahn im allgemeinen bestellt ist. Es wird sich hier nicht »m einen parlamentarischen Ausschuh, sondern »m einen Ausschuh von Sachverständige» ha»- deln, dem »atürlich auch einzelne Par­lamentarier angehöre« werden.

Amtliche Mitteilung

tob. Augsburg, 1. Aug. Zu dem Eisen­bahnunglück in Dinkelscherben geht uns von der Reichsbahndirektion Augsburg heute abend noch folgende amtliche Mitteilung zu: Die Zahl der bisher gemeldeten 16 Toten hat sich nicht mehr erhöht. Der als tot gemeldete Holzhändler Haller-Stuttgart be­findet sich wohlbehalten in Tegernsee. Reu feftgestellt wurden weiterhin die Leichen der Maria Ms-her, ledige Räherin aus Wolf» ralshausen, deS Kaufmanns Karl Setter aus München sowie die Frau Berta Duck aus Zuffenhausen (Württemberg). Rur die Leiche eines etwa 50 jährigen Mannes, aufgebahrt in Dinkelscherben, konnte bisher noch nicht feft­gestellt werden. Don den im Krankenhaus -Zusmarshausen -untergebrachten Derletzlen ist Frau Oberlehrer Schenk aus Weilheim nach Hause gereist. 2m übrigen sind etwa 10 Verletzte als Schwerverletzte anzusprechen. Die

Äebrigen haben leichtere, zum Teil sogar ganz leichte Verletzungen erlitten. Die Ge­samtzahl der Verletzten beträgt etwa 50 bis 60. Die Verletzten tourten im Auftrage des durch die Untersuchung ab­gehaltenen Reichsbahnpräsidenten vom Dezer­nenten ter Reichsbahndirektion besucht. Me Bestattung der Opfer, die voraussicht­lich sämtlich nach ihrer Heimat überführt werden, wird voraussichtlich in den nächsten

1 Tagen stattsinten. Die von anderer Seite gegebene Meldung, daß ein ,Einheilsper­sonenwagen neuererBauart beim Unfälle zertrümmert worden sei, trifft nicht zu. 2n dem Zuge 911 lief nur ein solcher Einheits­personenwagen, aber am Schluffe des un­versehrt gebliebenen Zugteiles. 2m übrigen tourte die von uns gegebene Darstellung über den Hergang und die Ursache des Unglücks durch die weiteren Erhebungen durchaus be- ! stätigt. Die von Berlin entsandte Unter- |

suchungSkommissivn war heute mit kurzen Unterbrechungen unter Hinzuziehung von Sachverständigen bis zum späten Abend an der Unfallstelle mit Vernehmungen und Erhebungen tätig. Die kehrte erst gegen 9 Uhr nach Augsburg zurück. Ein besonderer Dericht von dieser Stelle wurde nicht ver­öffentlicht.

Telearamm des Reichspräsidenten.

Berlin, 1. Aug. Der Herr.Reichs­präsident hat an den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschast folgendes Telegramm gerichtet:

»Anläßlich des neuen schweren Eisenbahn­unglücks bei Dinkelscherben spreche ich 2hiien meine aufrichtige Teilnahme aus. 2ch bitte Sie, diese auch den Hinterbliebenen der Todesopfer und den Verletzten, diesen zu­gleich mit meinen besten Wünschen für ihre Wiederherstellung, zu übermitteln."

Was geht in Polen vor?

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Königsberg, 1. Aug. DieWeich­selzeitung" in Marienwerder hat gestern gemeldet, dah übet Polen der Ausnahme­zustand verhängt worden sei. 11. a. seien die Truppenübungen ans dem llebungs- platz plötzlich abgebrochen worden. Die Garnison Mene ist von ihrem Standort zurücktransportiert worden und befindet sich im Alarmzustand. Diese Nachricht war von Warschau mit allem Nachdruck bestrit­ten worden. Nunmehr erklärt dieWeich­selzeitung", dah ihre Informationen aus durchaus zuverlässiger Quelle stammen. Das Warschauer Dementi laste vielmehr darauf schlichen, dah der polnischen Negie­rung das Bekanntwerde» ihres diesbe­züglichen Geheimbefehls auherordentlich unangenehm sei. Wenn der Ausnahmezu­stand auch über Warschau und die grohen Städte Polens nicht verhängt worden sein sollte, so bestehe er zweifelsohne in den

Erenzbezirken und besonders im pomme- rellischen Erenzland. *

Scharfe Munition im Manöver?

tu. E y l a u. 1. August. ImWestpreu- hischen Tageblatt" bestätigen heute einige militärische lleberläufer aus Polen, dah die Meldung, nach denen in Polen gehei­mer Ausnahmezustand bestehe, auf Wahr­heit beruhen. Die lleberläufer erklärten, dah die polnischen Truppen mit scharfer Munition in das Manöver gegangen seien. Auherdem würden an der polnisch-litau­ischen und deutsch-polnischen Grenze starke Truppenverschiebungen vorgenommen.

Von anderer Seit« wird erklärt, dah insbesondere in Eraudenz auf dem Bahn­hofe zahlreiche Militärwagen feftgestellt werde« konnten. Auch in der Stadt wim­melt es von Militär.

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Speyer, 1. August. Vorige Nacht suchten einige französische Soldaten gegen Mitternacht die Sitzbänke im Domgarten ab und mißhandelten dabei einen jungen Mann, der mit einem Mädchen durch den Domgarten ging. Weiter griffen Sie einen Arbeiter an, der nachts von der Ar­beit zurückkehrte, und mihhandelten ihn. Sie versetzten ihm Schläge auf Nase und Mund, so dah er vom Rade fiel und sich Verletzungen zuzog.

Der gemeldete Besatzungszwischenfall gewinnt an Bedeutung durch die Einzel­heiten, die jetzt bekannt werden, und die aus eine ziemlich allgemein bestehende Gehässigkeit der Besatzungstruppen gegen die deutsche Einwohnerschaft Hinweisen. Die französischen Soldaten, die zunächst gegenMitternacht einen landwirtschaftlichen Arbeiter vom Rade ftiehen, schwer mih- handelten und ihm auch zwei Zähne aus­schlugen. haben in noch schlimmerer Weise einen anderen mit einem jungen Mädchen auf einem Spaziergang befindlichen Ein­wohner überfallen, mißhandelt, ihn mit Faustschlägen bedacht und ihm die Worte zugerufen:Verrückter deutscher Hund!" Der junge Mann war infolge der Miß- handlung mehrmals bewußtlos. Die Po­lizei hat am Tatort eine Blutlache festge-

Wjnenbe Kattuns bet etubentenhbnft

»erlitt, 2. August. Wie alljährlich findet am Grüttdungstage der Ber­liner Universittät, Freitag, den 3. Au­gust, zur Erinnerung an seinen Stifter, König Friedrich Wilhelm HL, in der alten Aula ein Feftikt statt. Sm Zusammenhang damit wird die Einweihung der künstlerisch wieder herge- stelllen alten Aula erfolgen. Die Allge­meine Studentenschaft hat auf diese Ankündi- «ung hin einen Aufruf erlasten, in dem die Teilnahme an der Feier abgelehnt wird, so lotet die Universität ans Befehl des Kuttus- miristeriums sich weigert, die Allgemeine Stidentenschast anzuerkennen.

Profestor Dr. His Rektor der Berliner Universität.

Der weitere Senat der Berliner Ani- virfität, das Kollegium ihrer ordentlichen Professoren und der übrigen wahlbe- r-chtigten Mitglieder ihres Lehrkörpers mter den außerordentlichen Professoren md Privatdozenten, wühlte gestern abend krn Geheimen Medizinalrat Professor ^r. Wilhelm HiS. der Ordinarius fir innere Medizin und Direktor der ersten Dedizinischen Chariteklinik und Poliklinik ifc zum Rektor. .

SnS Ende bet Schonzeit

Der August 1928 ist für die F i n a nz - gebarung des deutschen Reiche« von ganz besonderer Bedeu­tung. Mit dem Ablauf dieses Monats sind nämlich die sogenannten Schon­jahre vergangen, die Deutschland auf Grund des Dawesabkommens zugestanden worden waren. Am 1. September be- ginnt dieN o r m a l z e i t". Worin aller­dings das Normale bestehen soll, ist nicht recht ersichtlich. Das deutsche Volk sieht in den gewaltigen ReparationSlasten alles Andere als etwas RormaleS. Die Nor­malzahlungen sollen vom nächsten Monat ab jährlich 2 500 Millionen (!) betragen. Diese Summe kann sogar noch erhöht werden, wenn der deutsche Wohl­stand eine erkennbar aufsteigende Tendenz zeigen sollte. Also auch von dieser Seste aus betrachtet, ist die Bezeichnungnor­mal" falsch.

Bekanntlich konnten die Repara­tionsverpflichtungen seit Septem­ber 1924, das heißt vom ersten Tage nach Anterzeichnung des Dawesabkvmmens an, von Deutschland prompt erfüllt wer­den. Die Summen von zunächst 1000 Millionen, steigend bis zu 1750 Millionen im laufenden Jahre wurden jeweils Pünktlich abgeliefert. Die Quelle, aus welcher geschöpft wurde, war jedoch nicht dex Ertrag der inländischen Wirt­schaft, war nicht die steuerliche Leistung des Volkes, war nicht das ersparte Gut­haben breiter Schichten. Nur durch Aufnahme von Auslandskr«- diten war es möglich, für ein ordentliches Funktionieren detz Dawesplanes sorgen zu können. .

Auf eine unbegrenzte Zahl von Jahren kann aber das Schuldenmachen kn Aus­lande zum Zwecke von Zahlungen an das Ausland nicht weiter gehen. Eines Tages würde, sofern nicht endlich Schluß mit dieser Methode gemacht werden sollte, die Zinsen- und Dilgungsquote zu einer solchen Höhe angewachsen sein, daß ein Zusammenbruch unausbleiblich wär«. Diese Entwicklung kann doch auch kaum im Interesse der ReparationSgläubigeh liegen, die ja ohnehin schon mehrfach Zweifel laut werden ließen, ob Deutsch­land auf die Dauer seinen Verpflichtungen nachkommen könnte.

Deutschland hat bisher, wie gesagt, auf Heller und Pfennig erfüllt ES darf jedoch hieraus kein falscher Schluß auf di« unbedingte Brauchbarkeit des Dawes­gutachtens gezogen werden. Dieser wäre nur möglich, wenn Deutschland aus eigener Kraft die Riesensummen hätte aufbringen können. Da aber Schulden gemacht werden mußten, hat das ganze Problem ein anderes Gesicht. Wie wäre es beispielsweise, wenn die Länder, di« bisher ihr Geld in Deutschland investierten, gelegentlich zu der Auffassung kämen, dah ihr Kapital in anderen Ländern besser untergebracht werden könnte? Sofort wäre die Krise da. An Deutschlands schlechtem Willen läge es nicht, wenn dann nicht mehr erfüllt werden könnte, sondern an der Gewalt der Tatsachen, für welche weder das deutsche Volk noch irgend eine deutsche Regierung verantwortlich gemacht werden könnte. Vorerst ist diese Frage noch nicht unmittelbar akut. Genau so, wie Deutschland seinen Reparationsver- pflichtungen in den vergangenen vier Jahren nachgekvmmen ist, wird es auch vom Beginn desNormaljahres ab mit bestem Willen bestrebt sein, den unter­zeichneten Pakt einzuhalten. Angebracht wäre es jedoch, das Thema Reparations­zahlungen etwas mehr als bisher in den Kreis der Betrachtungen einzuziehen. Nicht etwa, weil Deutschland nicht zahlen wollte, sondern weil einmal der Zeitpunkt kommen dürfte, zu dem es ganz einfach nicht mehr zahlen tann, ,