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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Die Tragödie LeeNalia

Ein SuW Pros. SrtountK Srauriec SeimWrl Mobiles

Berlin, 30. Juli. Das tschechoslowakische Mitglied der Mobile - Expedition, Professor Pedonnek, traf am Montag vormittag «it seiner Schwester mit dem sahrvlanmäbi- deu D-Zug aus Kopenhagen auf dem Stete tiuer Bahuhof in Berlin ein. Zum Empfang hatte sich «in Vertreter der tschecho-flowalischen Gesandtschaft eingesunden.

Was Professor Behounek berichtet.,..

Berlin. 30. Juli. Unmittelbar nach feiner Ankunft empfing der tschechoslowakische Professor Behounek im Wartesaal des Stettiner Bahnhofs eine Reihe von Ver­tretern der Presse. Zunächst betonte er. baß er sich heute früh auf das herrlichste als bester Freund und in vollkommener Harmonie in Warnemünde von General Nobile und den übrigen italienischen Teilnehmern an der Nordvolexpedition getrennt habe. Sein Ma­terial wolle er sobald als möglich in einem wissenschaftlichen Werke zusammenfahen. und außerdem habe er die Absicht, eine längere feuilletonistische Schilderung über seine Er- lebnifle zu veröffentlichen, was übrigens auch venera! Nobile selbst plane. Wenn es dabei iu verschiedenartigen Darlegungen kommen sÄlte, so dürfte dies vor allem darin begrün­det sein, dah er und General Nobile He ganzen Ereignisse von einem ver­schiedenen Standpunkt aus erlebt halten. In Bezug auf die Nachrichten, die schon jetzt über ihren Flug in die Oeffentlich- keit gelangt wären, erklärte Prof. Behounek, bah er im allgemeinen darüber noch nicht genau informiert fei; aber er habe bis jetzt wenigstens daraus den Eindruck gewonnen, bah die Ereignisie vielfach vollkommen falsch beurteilt würden, und dah dadurch General Robile und den übrigen Italienern ein Un­recht geschähe. Vor allem sei General Nobile ein vollkommener äronautischer Fachmann.

llebergehend zu dem Verhältnis zwischen Seneral Nobile und Malmgreen betonte Pro- ssseor Behounek. dah derselbe von Anfang «s zum Ende das denkbar beste gewesen sei. Malmgreen sei geradezu der Liebling Mobiles gewesen, woraus sich ia auch erkläre, bah Nobile ihn für seine Expedition ausge­wählt habe obwohl sich doch auch eine ganze Seifte italienischer Meteorologen darum be­worben hätten Bei seiner Trennung ver­sprach Malmgreen, unbedingt mit der Hilfs- «roedition zurückrukehren, wenn es ibm ge­lingen sollte, das Festland zu erreichen. Es sei jedoch nicht richtig, dah Malmgreen ab- 'ommandiert worden wäre. Er habe sich viel­mehr selbst dazu entschlossen, den Weg über bös Eis zum Festlande zu wagen, und dieser Entschluh sei noch dadurch verstärkt worden, «lh Malmgreen mit dem Fernglas auf dem Festlande die Lebensmittel entdeckte, die die Italia" kurz vor ihrem Absturz abge­worfen habe. General Nobile sei ledenfalls bis zuletzt gegen eine Trennung gewesen Nobile wollte viel­mehr beim roten Zelt bleiben, selbst wenn sich auch die übrigen Italiener, mit Ausnahme, »on Eeccioni der das Bein gebrochen batte, i« einem Marsch nach dem Festlande ent- Hlossen hätten.

Aus die Frage, warum sich General Mobile als erster retten lieh,

Mas doch vielfach nicht verstanden würde, er« Barte Professor Vehouneck, dah hier ein vergleich mit einem Kapitän eines Schiffes Mcht zutreffend wäre; hätten doch hier ganz andere Verftältnisie vorgelegen Es wäre ^erhauvt niemals möglich gewesen, General mobile als letzten zu retten, da schon im Jn- Mresie . der Rettungsaktion der Radio- Mlegraphift Biagi bis zuletzt beim roten Zelt batte ble.ben müssen. Im übrigen hätte man »kreiis 48 Stunden vor der> Ankunft Lund­borgs eine Reihenfolge der Rettung oer- Mnbart, nach der zuerst Eeccioni, dann als Mveiter Prof. Behounek, der damals schnee­blind war, als dritter Trojani, der Fieber «tte, als vierter General Nobile, als fünfter Leutnant Vislieri und als letzter Biagi ge­kettet werden sollten. Diese Reihenfolge sei aber geändert worden als Lundborg ein- «af und mitteilre, daß er den st x, c'k te n Beseh« erhalten hätte, General Mobile als ersten zu retten, damit das Retrungs- Merk nach feinen Angaben durchgefühit wer­ben könnte. Hinzu kam noch dah Nobile da-

mals das leichteste Gewicht hatte, was eben­falls ein Grund zu feiner sofortigen Mit­nahme war, da Lundborg eine größere Be­lastung seinem Flugzeug nicht mehr zu- trauen konnte, e

Zum Schluß betonte Prof Beftouneck, daß die Rettung durch denKrassin" fast tm .'eh!en Augcnb "ick eing.^cofsen wäre; denn die Eisverhältnisse wären immer schlechter geworden. So hätten sie auf ihrer Rückfahrt schon nichts mehr von dem Eisblock gesehen, von dem doch wenige Zeit vorher Mariano und Zappi gerettet worden wären.

Unterredung mit General Nobile.

' tu. Berlin, 30. Juli. In einer Unter­redung betonte, wie das .Acht-Ahr-Abeud- blatt mitteilt, General Robile, daß die meisten bisherigen Schilderungen seiner Er- pediiwn, soweit sie von anderer Seite aus­gehen, niemals den Tatsachen entsprochen hätten. Am mcisten empörte es ihm, dah man sich sogar zu der Vermutung verstiegen habe, Zappi und Mariano hätten von der Leiche Malmgreens gegessen. Sm übrigen legte er Wert auf die Feststellung, dah der Kapitän der®ita de Milano" von sich aus -Darstellungen in die Welt habe hinäusgehtzn lassen, von denen er, Robile, keinerlei Kennt­nis besah. Auf die Frage, warum er sich als erster aus dem roten Zelt habe retten lassen,

erklärte der General, dies sei auf ausdrück­lichem Wunsch der ganzen Gruppe und aus zwingenden Gründen geschehen. Er sei jederzeit in der Lage, dies unter Beweis zu stellen; indem er sich auf die Aussagen der anderen Geretteten berufe.

Robile auf Oer Seimreife

Warnemünde, 30. Juli. General Nobile und seine Begleiter simd Mon- tag früh von Kopenhagen kommend hier emgetrosfen.

Entgegen den letzten Meldungen wird Nobile Berlin nicht berühren. Vielmehr wird er den küigesten Weg nach Italien einschlagen und zwar über Rostock, Lud­wigslust, Magdeburg, Halle und Süd- deutschland.

Nobile traf um 8.54 Uhr in Schwe­it t n ein. Auf dem Bahnhof hatten sich der Pressechef der Relchsbahndnektlon Schwe­rin und eine Reihe von Pressevertrebien eingefunden. Der i alienische Sa'onwagen Nobiles war hinten an den Zug gehängt.

Die v* liier waren verhängt, sodaß Nobile selbst nicht zu sehen war.

Nach weiteren Meldungen hat der Wa­gen Nobiles bereits Magdeburgs und Halte I passiert.

Englische Kabinettskrise wegen der Mnstrie- schutzsrage?

ff. London, 31 Juli. Im Unterhaus wird morgen das Arbeitermitglicd Alexander den Premierminister fra­gen, ob die Politik der Regierung in der Frage des Jndustrieschutzes in der llnterhausrede des ^Schatzkanzlers Churchill vom 24. oder in der Rede des Innenministers Zoynson Hicks vom 28. korrekt zum Ausdruck gebracht worden ist. Daily Telegraph" erwartet, dah das Ka­binett diese Woche die Frage der ministe­riellen Verantwortlichkeit erörtert» um eine Verständigung bezüglich der Reden von Kabinettsmitgliedern über die Frage des Jndustrieschutzes zu erreichen.

Daily Chronicle" spricht von einer akuten Krise, die gestern am späten Abend im Kabinett eingetreten sei. Das liberale Blatt will wissen, daß der Kolo­nialminister A m e r y seinen Rücktritt eingereicht habe, aber ersucht worden sei, diesen Schritt noch einmal zu erwäge«.

Die Stellung des Ministers des Innern sei zweifelhaft. Morning Post" wider­spricht der Darstellung, daß im Kabinett eine Spaltung herrsche, wenn es auch richtig sei, daß Amery in der Jndustrie- schufrage im Gegensatz zu seinen Kabi­nettskollegen stehe. Dem politischen Korre­spondenten derDaily Mail" zufolge hat die Rede des Innenministers im konser­vativen Hauptquartier nichts erreicht. Ioynson Hicks werde in der nächsten Kabi­nettssitzung deshalb zur Rede gestellt wer­den.

Das große Interesse, das gegenwärtig die Deffentlichkeit der Frage des Jndu- strieschutzes widmet,, kommt darin zum Ausdruck., daßDaily Telegraph" eine Sonderauflage über diese Frage veröffent­licht. Darin bringen in 60 Aufsitzen führende Politiker und Wirtschaftssachver­ständige der Konservativen und Liberalen und der Arbeiterpartei ihre Stellung­nahme zu diesem Problem zum Ausdruck.

M die Räumung dks Melnlanres

fk. London, 31. Juli. Im Verlauf seiner gestrigen Rede im Unterhaus, kam Lloyd George auf die Frage der Rheinlandbesetzung zu sprechen und sagte:

Alle diese Verträge find schön und gut; aber auf den Locarnovertrag ist keine Räumung ds Rheinlandes gefolgt. Es ist richttg, daß Locarno Deutschland in den Völkerbund gebracht hat und dah jetzt eine friedliche Stimmung herrscht. Ich bin überzeugt, dah die Franzosen Frieden wol­len, ttotzdem halten noch immer französi- sck»e Truppen 10 Jahre nach dem Frieden deutsches Gebiet besetzt. Eg war niemals beabsichtigt worden, dah dies der Fall sie» sollte. 15 Jahre war nur als Höchstgrenze bezeichnet und es war vorgesehen worden, daß im Falle der Erfüllung der Bedingun­gen des Frirdensvertrages die Räumung schon vor Ablauf der Frist erfolge« sollte. Ich wühte nicht, welche Bedingungen des Friedensvertrages verletzt worden wären. Solange fremde Truppen deutsches Gebiet besetzt halten, ist es zwecklos, solche Pakte zu haben. Lloyd George fügte hinzu, et hoffe, die Regierung werde durch eine er- hebliche Verminderung ihrer Rüstnngsaus- gaben anderen Rationen ein Beispiel geben, das wertvoller fein würde, als die Unterzeichnung des Paktes.

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ISetoib Zkestnwmir bei MM

Karlsbad, 30. Juli. Der deutsche Außenminister Dr. Stresemann stat­tete heute hier dem Präsidenten der Re­publik einen Besuch ab. Der Präsident empfing Dr. Stresemann um 12 Ahr mit­tags und verblieb mit ihm in längerem Gespräch.

Solen rniö ble Maine

2« der polnischen Parlamentskommission für auswärtige Angelegenheiten hat der Ukrainer Lewizki, der Versitzende drr Ando-Fraktion, eine Erklärung abgegeben, die nicht nur in Polen, sondern vor allen Dingen in Moskau großes Auf­sehen erregt hat, Lewizki erklätte, dah die ukrainischen Länder von Rußland los­gelöst werden müßten und von Rußland eine unabhängige Ukraine geschaffen wer­den müsse. Der Redner betonte hier, dah die Ukrainer auf Osigalizten nicht ver­zichten würden und darauf bestehen, daß auch Ostgalizien mit der Ukraine vereinigt werde. Der Redner tadelte es, daß die polnische Regierung das ukrainische Pro­blem ausschließlich als inneres auffasse und nicht als internationales Problem. Le­wizki erllärte endlich, daß es an der Zeit sei, daß Polen begreife, daß nur das Bestehen einer unabhängigen Ukraine das Gleichgewicht der Kräfte in Osteuropa und eine ruhige Existenz Polens garantiere. Die unabhängige Ukraine werde erstehen und Rußland zerfallen.

Rach dieser Rede Lewizkis gab der Vertreter der polnischen Bauernpartei Dombski, der selbst an der Abfassung des Rigaer Vertrages mitgewirkt und ihn unterschrieben hat, die Erklärung ab, dah bezüglich der Unabhängigkeit der Ukraine und in Sachen einer Revision des Rigaer Vertrages die polnische Bauernschaft sich leicht mit den Ukrainern einigen werde. Die polnische Demokratie glaube an die Wiedergeburt der Ukraine. Dieser Redner gab den Polen den Rat, doch nicht eine gegen Polen gerichtete Politik zu treiben. 3n rechtsstehenden polnischen Kreisen ist man darüber empört, daß Lewizki und Dombski es gewagt haben, im polnischen Parlament von der Möglichkeit einer Re­vision der polnischen Grenzen zu sprechen.

In Moskau haben die Ausführungen der beiden Redner das größte Miß­trauen hervorgerufen. Die offizielle Moskauer Iswistija spricht in diesem Zu­sammenhang von unverantwortlichen Abenteuer-Elementen in Po» len. Durch die Reden Lewizkis und Dombskis sei bewiesen, daß in Polen be­wußt eine Kamvagne für die Wieder­geburt jener föderalistischen Ten­denzen geführt werde, dieschonein- mak den Krieg zwischen Polen und Sowjetunion hervorgeru­fen hätten. Auch die Aeußerungen des polnischen Ministerpräsidenten Za- l e s k i, daß er nicht an die Möglichkeit eines baldigen Abschlusses eines polnisch- bolschewistischen Aicht-Angriffsvertrages glaube, bestärkt die Moskauer Regierungs­kreise von der zunehmenden Feindlichkeit Polens gegenüber der Sowjetunion. In Moskau spricht man offen davon, daß in Polen der Feldzug gegen die Sowjetunion wieder begonnen habe und in Warschau offen Stimmen ertönten, die zu einem UeBerfall auf die Sowjet­union aufforderten.

Im übrigen ist es von Interesse, daß die Svwjetpresse, die im Pilsudski-Lager zu Tage tretenden Meinungsverschie­denheiten als einen durchaus natür­lichen Prozeß bezeichnet. Die offizielle Iswistija unterstteicht, daß das Pilsudski- Lager aus den mannigfaltigften sozialen Gruppen bestehe und Pilsudski selbst üen Zement darstelle, der die Gruppen ver­binde. Zerfallserscheinungen tm Pilsudski- Lager seien in letzter Zeit deutlich zu Tage getreten. Die politische Situation in Polen werde so meint man in Mos­kau durch eine Verschärfung des Kampfes um die Aachfolgerschaft in der Macht charakterisiert. And gerade dieser innere Zerfall und diese innere Spaltung fördere die Entstehung allerhand aben­teuerlicher Pläne und Projekte für' Kriegsaktionen.