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öberlieffische

—Zeitung ■=■

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg

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Der Marsch -er 200000 Turner -urch Köln

Ser zrilzug am Sonntag

Köln. 28. Juli. Seit Samstag nachmittag drei Ahr regnete es in Köln Ununterbrochen. Die 6traf}en sind fast menschenleer, die Lo­kale natürlich überfüllt. Auf den Plätzen -eS Stadions haben sich große Wasser« Mtzen gebildet, die die weitere Fort­setzung der Kämpfe unmöglich machten. Das für Samstagabend geplante große Prachtfeuerwerk und der Fackelzug auf der .Pressa" werden auf Sonntagabend ver­schoben.

tu. Köln. 29. Juli. Die Straßen Kölns waren am Sonntag bereits um k7 Uhr morgens so bevölkert, wie sie es selbst an keinem Abend sind. Hundert­tausende lockte der Festzug und in den von den Ringen umgebenen Stadtteilen ruhte feder Wagenverkehn Eine dicht« Menschenmauer umsäumte die Sttaßen. Sin Hauptanziehungspunkt war natürlich der RudolfSPlatz, wo die vier Züge zu­sammentraten und dann als zwei gegen­einander aufziehende Züge zusammen lveüermarschierten. Auch das Dundes- banner war hier aufgestellt, dem schmucke Sinter und Turnerinnen das Ehrengeleit toten; ebenso die Tribüne, auf der sich die Vertreter der Reichs- und Länder- - regierungen befanden.

Bei schönstem Sonnenschein setzte sich gegen 8 Ahr der Festzug der Deutschen Turnerschaft mit Musik und Gesang durch die Straßen der Stadt Köln in Bewegung. 3m Rathause begrüßte Oberbürgermeister Dr. A d e n a u e r die Ehrengäste, darunter der Chef der Heeresleitung, General Hetze; di« Reichsminister Severing rnd Hirtsiefer. der Oberpräsi­dent der Weinprovinz und zahlreiche an- 4 bere Vertreter der Behörden sich ver­sammelt. Aus den Fenster der festlich ge­schmückten Häuser jubelte eine ungeheure Mchauermenge den Turnern begeistert zu. Besonders herzlich wurden die Ausländs­deutschen, darunter die groß« Zahl der Deutsch-Amerika-Turner, begrüßt, ebenso die Deutschen aus abgettennten und ab­getretenen Gebieten.

An dem Festzug nahmen etwa 200 000 Turner und Turnerinnen teil.

Die sehr abgekühlte Witterung erleich­terte das flotte Vorbeimarschieern des Zuges, aber auch den Zuschauern das stundenlange Stehen. Diele Musik­kapellen und Trommlerkorps zogen im Zuge mit. andere waren auf der Fest- tegsstrecke aufgestellt. Die Kölner Zünfte folgten in mittelalterlicher Tracht und mit besonderen Stücken ihrer handwerklichen Erzeugnisse. In stolzem «arsch zogen die Fahnenabtei- kung en vorbei, in denen über hundert- ihrige Fahnen eine besondere Zierde bil­deten. Aeberoll wurden die einzelnen Abteilungen mit frohen „Heilrufen" emp­fangen. Geradezu stürmisch war der Jubel über die Ausländsdeutschen. Die S ü d - destafrikaner mit Tropenhelmen wa- «n an der Spitze, Dras ilien und «Hile folgten. Mit vielen Turnern und Turnerinnen war Nordamerika ver­treten, sehr stark die Tschechoslo­wakei. Oesterreich hatte nur eine kleine Gruppe entsandt. Viele Vereine führten kunstvolle Wahrzeichen ihrer hei- Atlichen Industrie mit, Seidenspitzen, Weinfässern. Schuhen, Ähren usw. Von °em Friedrichshafener Turnverein wurde ein Zeppelin-Modell, während von de» Dessauern das Modell eines Flug­zeuges mitgeführt wurde. Eine Gruppe ^regte besonders Aufsehen. Sie trug ein Dodium, auf dem ein Turner am Reck «ährend des ganzen Zuges den Riesen- !<hlvung vollführte. Es war ein Spiel­tag in Lebensgröße aus den thüringischen- ftänkischen Gauen. Auch die D ü s s e l -

— 2'1. stündiger Setbeimarld) —

dorfer Radschläger waren in großer Zahl vertteten.

Die Züge brauchten Stunden zum

Borbeimarsch und waren etwa vier

Stunden bis zur Auflösung unterwegs.

Ein paar Regenttopfen in der letzten halben Stunde konnten der Begeisterung keinen Abbruch tun. Sämtliche vier Züge konnten ohne Stockung in Bewegung ge­halten werden und verstärkten dadurch den Eindruck von der ausgezeichneten Dis­ziplin des einzelnen wie des ganzen.

Die Deutsche Turnerschaft kann auf die­sen Vorbeimarsch stolz sein. Hundert- - tausende Turner und Turnerinnen' haben als Abgesandte aus allen deutschen Gauen und aus den fernen Ländern ein treffliches Charakterbild von deutschem Wesen und deutscher Art gegeben.

♦

Der Schlußakt des 14. Deutschen Turnfestes.

Köln, 29. Juli. Schon lange vor Be­ginn der Aebungen waren die Erhöhungen

Mgcheiim Begristerung

fchen Turnfest die herzlichsten Grüße der Reichsregierung zu übermitteln. Das Fest fei außerordentlich gut gelungen. Wer Zeuge des farbenprächtigen Festzuges war, habe unvergeßliche Eindrücke gewonnen. Die Deutsche Turnerschaft will dafür sor­gen, daß die deutsche Jugend, die deutschen Männer und Frauen auch in der Zukunft den Anforderungen des Lebens gewachsen seien. Sie wollen, fuhr der Minister fort, den deutschen Menschen her­ausheben aus den Niederungen des All­tages und in dieser Hinsicht tun Sie Dienst am Deutschen Volke. Sie wollen den Meschen gesund machen, denn nur ein gesunder Mensch kann arbeiten und Sie wollen Deutschland neue Menschen für eine neue Zeit geben. Für diese Tat danke ich Ihnen; denn das ist die erste Grundlage für den Staat. Deutsche Turner auf Euren Schultern liegt Deutschlands Zukunft. In hervorragendem Maße zeigt Ihr Euch dieser Aufgabe würdig.

Nach der mit lebhaftem Beifall aufge­nommenen Rede führten die Turner ihre Freiübungen vor, die helle Begeiste­rung auslösten. Darauf nahm der stell-

Die Olympischen Spiele 1828 gtitriidit (Eröffnung

tu. Amsterdam, 28. 3uli. Die IX. Olympischen Spiele sind feierlichst eröffnet Im Beisein von rund 40 000 Zuschauern und vieler hoher Ehrengäste fand der Einzug von 43 Nationen mit über 4000 Kämpfern und Kämpferinnen statt Um 1,50 Ähr war Prinz Heinrich der Nieder la nde in Vertretung der Königin erschienen, begrüßt durch das Wilhelmuslied. Frantteich machte den Einmarsch nicht mit, um, wie seine Vertreter erklärten, die Wett­kämpfer nicht den Unbilden der Witterung auszufeyen. Flugzeuge kreisten über dem mit fast allen Fahnen der Welt geschmückten Stadign. Der Aufmarsch der 43 Nationen wurde mit großem Beifall ausgenommen. Griechenland führte den Zug an. Deutschland folgte an 14. Stelle (die Nationen waren dem Alphabet nach aufgestellt). Am meisten wurden stürmisch die Holländer bejubelt, die am Ende des ZugP marschierten.

Das Olympische 'Komitee marschierte auf und nahm auf dem grünen Nasen vor den Tribünen Aufstellung. Vissers Nede wurde mit dem niederländischen Dankgebet geschlossen und nach Baron Schimmelpennincks

Weiheworten erhob stch Prinz Heinrich der Niederlande und sprach folgende Worte: .3m Namen Ihrer Majestät der Königin von Holland erlläre ich die IX. Olym­pischen Spiele für eröffnet.“

Um Punkt 2,45 Uhr stieg die olympische Fahne mit den fünf Ringen am Mast empor. Den 100 zunächst aufgestiegenen Brieftauben folgten nach kurzer Pause tausend weitere. Die Artillerie schoß Salut, vom Marathon­turm ertönten die Fanfaren, .während oben aus ihm das Heilige Feuer brannte. Dor dem Podium, auf dem Denis mit ter holländischen Flagge steht, haben sich die Fahnenträger der 43 Nationen ausgestellt: .Wir schwören, in ehrlichem, ritterlichem Geiste zu kämpfen, getreu den olympischen Ge­setzen, zur Ehre unserer Nationen und zu Ehren des Sporls!“

So klangen die Worte des Führers ter holländischen Olympiamannschaft über das weite Feld, während sich die Fahnen aller Nationen gesenkt hatten und die Kämpfer die rechte Hand zum Schwur hochhielten. Den Beschluß der erhebenden Feier bildete wieder­um Chorgesang.

an der Jahn wiese dicht besetzt. Außer den bereits genannten Ehrengästen hatte sich u. a. auch Admiral Zenker einge­funden. Volkstänze der Turnerinnen leite­ten die Veranstaltung ein. Preisstaffel und Manns chaftsspeerwerfen fanden leb­haften Beifall. Bei Sonnenschein begann der über eine Stunde dauernde Einmarsch der an den Massenfreiübungen teilnehmen­den 12 000 Turnerinnen und 25 000 Turner sowie der Fahnen. Hinter dem Banner der Deuts^chrn Turnerschaft kamen 120 alte Fahnen, z. T. über 100 Jahre alt und etwa 6000 weitere Fahnxn. Nach einer eindrucksvollen Gefallenen­ehrung führten zunächst die Turner­innen ihre Freiübungen vor.

Dann ergriff Reichsinnenminister Severing das Wort und führte u. a. aus: .Er sei gekommen, um den Ver­anstaltern und den Teilnehmern am D«ut-

verttetende Oberturnwart Steding die Siegerehrung vor. Er beglückwünschte den ersten Sieger des Zwölfkampfes, Karl Reuter aus Gießen und Emil P r e i ß aus Chicago und drückte beiden den Siegerkranz aufs Haupt.

Em Wirbelsturm leckt 20 Häuser ab.

tu. Herford, 28. Juli. Sonnabend mittag wurde die Gemeinde Schwei­cheln an der Strecke Herford—Löhne— Hannover von einer Windhose helmgesucht, die in »Begleitung eines Gewitters herein- brach. Hunderte von alten Bäumen wur­den entwurzelt. Ter schwerste ' Schaden wurde rn dec Gemeinde selbst angerichtet, wo über 2 0 Häuser völlig abge­be ck t wurden. In verschiedenen Häusern stürzten infolge des zugleich niedergehenden wolkenbrucharligen Regens die Decken em, doch wurde niemand verletzt. Auch auf den Feldern wurde großer Schaden angenchlet.

। Längnniien und flnldilal

I Es ist nur zu selbstverständlich, daß viele Teilnehmer am Wiener Sängeriest die land­schaftlich schönen österreichischen Gaue auf» suchen, um dort teilweise ihre Ferienzeit zu verbringen um aber auch mit der Bevöl­kerung, die diese Besuche mit HerzenswLrme aufnimmt, in Verbindung zu kommen. Die deutschen Sänger »erstteuten sich über ganz Oesterreich, sie besuchten alle Alvenländer und auch das neue deutsche Bundesland, das Bur­genland. Daß bei diesen Besuchen über die Einigung Oesterreichs mit dem Deutschen Reiche viel gesprochen wird und daß es dabei auch zu Kundgebungen für den Zusammenschluß kommt, liegt in der Natur der Sache. Eine besonders ein­drucksvolle Kundgebung fand dieser Tage im Burgenland statt, wo es 3u einer spon­tanen Kundgebung für den Zusammenschluß kam, die an Wuchtigkeit alle ähnlichen bis­herigen Kundgebungen weit übertrifft. In allen Ottschaften dieses deutschen Grenzlander wurde das Deutschlandlied gesungen und durch die Ortsvorsteher im Namen der Bevölkerung und aller politischen Parteien der einstimmige Wunsch geäußert, heimzukehren in das große deutsche Mutterland.

Die größte politische Bedeutung liegt aber in den Reden, die die reichsdeutschen Gäste gehalten haben. Eine davon gipfelte in dem Satz, das Burgenland besitze für das deutsche Reich .keine historische Bedeutung, denn von nun an ab stehen hinter dem Burgenlande nicht nur 6 Millionen Oesterreicher, sondern auch die 60 Millionen Deutschen der großen deutschen Republik.

Die dem Zusammenschluß Oesterreichs und Deutschlands feindliche Press-, und da ist es vor allem wieder die Pariser Presse, scheint über diese Reisen und über die Wiener Kundgebungen noch lange nicht »um Schwei­gen zu kommen. Besonders der ,,T e m v s" befaßt sich mit den Reisen und den Kundgebun­gen und sagt, daß die Regierungen der alli­ierten Länder noch lange nicht daran dächten, ihre Haltung hinsichtlich der durch die elemen­tarste Achtung vor den Friedensverträgen ge­botenen Politik zu ändern. Für den Anschluß dürfe man in Wien auf irgend eine mit­schuldige Nachgiebigkeit nicht rechnen. Der „Temvs" singt das alte Lied, daß die Locarno- volitik in einem weitreichenden Geiste der Versöhnung, aber auf der Grundlage und im Rahmen der bestehenden Verttäge ersonnen und durchzuführen sei. Besonders der Süd­osten Europas ist an dem Zusammenschlüsse der beiden deutschen Staaten interessiert. Das kommt durch eine bemerkenswerte rumänische Aeußerung zum Ausdruck. Im „A d e o e r u I“ schreibt man zur Anschlußfrage, daß es sich um Oesterreich, um ein Land handle, das bitterste Rot lei de. Nur in dem Anschluß sehe Oester­reich seine Rettung. Die Rumänen diesseits und jenseits der Karpathen wollen und können es den Oesterreichern nicht ver­sagen, sich mit dem deutschen Volke zu ver­einigen, denn es gebe eben Grundsätze, die über den Verträgen stehen. Wenn auch der jetzige Friede durch den augenblicklichen Zu­stand bester gesichert fei, so könne man das überaus sympathische österreichische Volk nicht zu dauerndem Elend verurteilen. Ru­mänien habe ein besonderes Inter­esse b i e Forderungen des öster­reichischen Volkes noch dem Zu­sammenschlüsse mit dem deutschen Reiche zu unterstützen. Wenn Oester­reich sich mit dem Reiche zusammenschließt, ist die Habsburger Gefahr für immer beendet und dadurch kommt auch Rumänien aus der Ge­fahrzone heraus. Es ist ein realpolitischer aber sehr ehrlicher Standpunkt, den sich die Rufer im Streite zum Vorbild nehmen können.

Aber auch in Paris ertönt eine Stimme für den Zusammenschluß von. gerabeiu sensatio­neller Kühnheit. Gustav H e r d e schreiht in der „Dictoire" und erklärt, daß der wahre deutsch-französische Frieden und die wahre Versöhnung der beiden Völker vom republikanischen Frantteich außer der Räu­mung der Rheinlande, noch ein weiteres schweres Opfer fordere. Das sei zunächst die Zustimmung zum Zusammenschlüsse der sieben Millionen österreichischen Deutschen mit den Reichsdeutschen. Frankreich könne sich höchstens mit den Nachbarn Oesterreichs, mit Italien und der Tschechoslowakei, ver­ständigen. ehe es ia sage und bann von dem angeschlostenen Oesterreich forbern, baß es eie bas linke Rbeinufer militarisiert werde. Herve gesteht ein, daß er in seiner Friedensliebe und