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SMtftfM HB 24.8«U 1928

01c JDbetbefflfcb« 3<lhtng* «* l^ctiif s«b«n»I tvLckentlicb- Be- -gffttbteü monatlich 2 GM. auo» ttlteSL Zustkllungrgebübr, durch !^p,stL2L GM.Aür etwa infolge Atrrtko, Waschin en defekte oder Herren rarer Ereignisse ausfallend« jtonrntt» wird kein Ersatz ge* Reiftet. Verlag v- Dr. §. Kttzeroth, Äjgtf der Unid.-Duchdruckerri d, g* Sn«, «och, Markt 21/23. »c«sprecher: Mr. M. u. Mr. 55. «estscheckkonto: «ntt Frankfurt - SL Mr. 6015, — Sprech,eit w Siedakltov von 10—11 «ab Sil—1 Uhr.

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Anzeiger für (bas frühere knrhesfifchej Oberhessen

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Der Anretgenprew bcrräA fit den 10 gespalt. Zellenmtllinreter 0.08 GM. kleine Daran,eigen 0.06 DM. amtlich« and aus­wärtig« Anzeigen 0.10 GM Cd schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 60*1, Aufschlag. — Saunneian zeige» 100 *lt Auf» schlag. MeNamen der MM» 0.40 «M Jeder Radar, MM Varrabatt. Ztei 0 Sage. Beleg« werden berechnet, ebenso AuSkuaft durch di» Geschäftsstelle and Zusendung »er Angebot«. <y füllungsort Marburg.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Gefahr-when-e Lage im Osten

So» noch ein polnlid)« Stuibitaitb etotn flauen? — Sie voMchrn SEmanöM

Die Presse des Auslandes ergeht sich feit einigen Tagen in allerlei Kombi­nationen über die letzten diplomatischen Vorstellungen einiger führender Völker- bunLSmächte in Kowno. Die Ausein­andersetzungen drehen sich dabei teilweise em die recht nebensächliche Frage, ob es sich dabei um einen Kollektivschritt oder nicht gehandelt habe und welcher Macht daS Verdienst der Führung oder An­regung der Aktion zuzuschreiben sei. Es ist das ein müßiger Streit um Aeußer- lichkeiten. Formell handelt es sich zwetfel- loS um keine Aktion, die nach den strengen diplomatischen Regeln als „Kollektivschritt" anzusehen wäre, das heißt eine offizielle Verabredung zwischen jenen Mächten, deren Gesandte in diesen Tagen den li­tauischen Ministerpräsidenten ausgesucht »id ihm gewisse Ratschläge erteilt haben, liegt nicht vor.- Das schließt natürlich nicht aus, Laß man trotzdem im gegen­seitigen Einvernehmen gehandelt hat. Tat­sächlich dürfte das auch der Fall gewesen

Es hat keinen Zweck, noch länger zu verheimlichen, daß der nun 'seit Jahren schwebende polnisch-litauische Konflikt wie­der einmal ein Stadium erreicht hat. Las ean, ohne sich den Vorwurf des Pessi­mismus zuzuziehen, als gefahrdrohend be­zeichnen muß. Die zunächst aus Kowno kommenden Gerüchte, daß Pilsudski für Anfang August einen

militärischen Ueberfall auf litauisches Gebiet

plane, haben sich mittlerweile als durch­aus nicht so unbegründet herausgestellt, als man zunächst anzunehmen geneigt war. Auch in diplomatischen Kreisen, deren ruhiges und nüchternes Urteil außer Frage steht, nimmt jetzt die Befürch- tang überhand, daß der in seinen Ent­schlüssen ohnehin so unberechenbare pol­nische Diktator nunmehr nach dem Ab­bruch der Königsberger Verhandlungen den Zeitpunkt für gekommen ansehen könnte, um seine noch nie ganz auf- grgebenen Sewaltstreichpläne gegen Li­tauen in die Tat umzusetzen. In der zweiten Augustwoche finden an der pol­nisch-litauischen Grenze

große Manöver der polnischen Armee statt, zu denen die besten und schlagkräf­tigsten Teil« des polnischen Heeres kom­mandiert worden sind. Für den 12. Aug. hat Pilsudski weiter das polnische Kabi­nett zu einer besonderen Tagung nach Dilna bestellt, deren Zwecke man vor­läufig in geheimnisvolles Dunkel hüllt. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß der polnische Heerführer seine Minister nur deshalb nach Wilna kommen läßt, um sie dort im Bereich der ihm treu ergebe­nen Armee eventuell zu Beschlüssen nöti­gen zu können, zu denen das polnische Ka­binett in der Zivilatmosphäre Warschaus nicht bereit sein würde. Jedenfalls dürfte die mit Truppen angefüllte Wilnaer Ge­gend in den ersten Augustwochen einem Pulverfaß gleichen, an das nur die Lunte berangeführt zu werden braucht, um es zur Explosion zu bringen. Datz Pilsudski, falls es soweit kommt, sich nicht mit einer kleinen militärischen Demonstration auf li­tauischem Gebiet begnügen, sondern, ein- mal im Zuge, nicht eher Halt machen würde, als die polnischen Truppen nicht Rur Kowno, sondern

di« litauische Oftseeküfte. d. h. Mrme^ erreicht haben würden, kann ohne Aeber- treibung als wahrscheinlich angenommen werden. Ebenso gewiß ist, daß ein Ein­greifen der Westmächte von dem Augen­blick an zwecklos sein würde, in dem Pil- fudski seine Truppen in Marsch gesetzt hätte.

Dies ist die Situation, jn deren richtigen Erkenntnis England, Frankreich und

Deutschland ihre diplomatischen Vertre­ter sowohl in Kowno wie in Warschau schon jetzt mobil gemacht Habeif, um ge­wissermaßen den drohenden Brand noch rechtzeitig im Keime zu ersticken. Auch Frankreich hat — das ist der allgemeine Eindruck — kein Interesse an einem pol­nischen Gewaltstreich gegen Litauen. In­folgedessen war eS auch Frankreich, das, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, Ende vergangener Woche der Warschauer Regierung sehr ernste Vorstellungen machen und sie dringend vor dem Ver­such des oben gekennzeichneten militäri­schen Abenteuers warnen ließ. Auf der anderen Seite haben Deutschland und England die Rolle des Vermittlers in Kowno übernommen und dort ebenso

dringend zur Mäßigung gegenüber Polen geraten, sintemal es klar ist, daß Pil­sudski nur auf irgend eine Entgleisung der litauischen Regierung wartet, .um eine solche „Provokation" zum erwünschten An­laß des endgültigen Losschlagens zu neh­men. Anscheinend haben die gemein­samen, wenn auch nicht offiziell „kollek­tiven" Bemühungen Englands, Frankreichs und Deutschlands zunächst etwas beruhi­gend gewirkt. Trotzdem ist man sich dar­über klar, daß die Gefahr noch keineswegs behoben ist und sieht namentlich den 12. August nach wie vor als einen Tag aller- kritischster Ordnung an. Die Folgen einer Annexion Litauens durch Polen auf die gesamteuropäischen Verhältnisse würden zweifellos unabsehbar sein.

Dle Furcht vor Großdeutschland

Paris enlrüitet fith tote die Äunbgtbung der Sänger in Wien

Der „Temp 5" bespricht die gestern , in Wien veranstaltete Kundgebung der däni­schen Sänger. Er hebt hervor, daß Relchs- tagspräsident Löbe frei dem Empfang er­klärt: „Wir sind ein Volk und eine Nation und wollen deshalb ein Staat werden!" lieber den Sinn dieser Worte, so erklärt das Blatt, könne man sich nicht täuschen. Es handle sich hier um etwas ganz anderes als um Sprach- und Kulturgemeinschaft: Die durch den Sieg der Alliierten neu geschaffene europäische Ordnung solle in Frage gestellt werden! Die Aufrechterhal­tung des Friedens in Mitteleuropa auf der Grundlage der bestehenden Verträge werde direkt bedroht durch eine Kundgebung, dre ganz den Charakter einer Mobilisierung der ä'knvsten Elemente des Alldeutschtums tn sich trag«.

Auch das „Journal'des DebatS" hebt die Rede des Reichstagspräsidenten hervor und erklärt, Löbe sei fün den An­schluß. Man begreife, was das besagen wolle. Deutschland gedenke, sobald es mög­lich sein werde, sich durch die Einverlei­bung Oesterreichs zu vergrößern. Man sei also gewarnt; man zögere aber nicht, gleich­zeitig auch deutlich zu machen, daß die pangermanistische Bewegung sich nicht auf Oesterreich beschränke. Jn dem großen Um­zug seien Delegationen auS Polen, Ru­mänien, Ungarn, der Schweiz und Süd- slawren vertreten gewesen. Man hab«

„O Straßburg, o Straßburg" gesungen. Wo ser der berühmte Geist von Locarno ge­blieben? Diese Tatsache zeige, was die Verwirklichung des Anschlusses bedeuten würde.

Das radikale „Oeuvr e" schreibt u. a.: Dl« Deutschtumpolltik, die augenblicklich von Deutschland betrieben wird, kann nicht ohne Gefahr fortgesetzt werden. Ohne an fernen geographischen Grenzen Halt zu machen, maßt sich Deutschland das Recht an, im Namen aller deutsch Sprechenden aufzutreten. Was würde Berlin sagen, wenn Paris sich einfallen ließe, im Namen der römischen Schweizer oder den fran­zösisch sprechenden Bevölkerung des Tales von Aosta zu sprechen? Oder will Deutsch­land, daß man dem Deutschtum eine Ver­einigung der englisch sprechenden Länder oder z. B. einen Bund der lateinischen Völler gegenüberstellt? Das würde wer­ter nichts als das Wiederaufleben der ver­hängnisvollen Allianzen der Vorkriegszeit bedeuten.

Der „Petit Par isren" erklärt, di« Besetzung W:enS, die Deutschland auf einige Tage vorgenommen habe, ser ein ge­fährliches Spiel in einem Monat, in den die Jahrestage fielen, die daran erinnerten, daß Oesterreich für den Frieden gefährlich werden könnte, wenn es sich der Führung Deutschlands überläßt.

fiMsreginims mtb Tarif ttböhurg

Berlin. 23. Juki. Die Reichsregrc- rung hat sich mit dem Antrag der Reichs- bahn-Eejellfchaft auf Tariferhöhung er­neut befaßt. Sie ist der Auffassung, daß die bisher gegebenen Unterlagen nicht hinreichen, um die Notwendigkeit einer Tariferhöhung darzutun. Sie würde es vorziehen, wenn vor endgültiger Entschei­dung dieser Frage, die so einschneidend für die gesamte Volkswirtschaft ist, di« weiter« Entwicklung der Reichsbahn-Ein­nahmen abgewartet würde. Da jedoch die Reichsbahn-Gesellschaft die Frage für ge­klart und die alrbaldige Ent'cheldung für geboten hält, erhebt die Reichsregierung keine Bedenken dagegen, daß die be­stehende Meinungsverschiedenheit, ob und

in welchem Ausmaße eine Tariferhöhung ols notwendig zu cr'ckFen ist schon jetzt dem im Reichsbahngesetz vorgesehenen Reichs­bahngericht unterbreitet wird.

Di« Montagssttznng des Reichskabinetts.

Berlin. 23. Juli. Amtlich wird mit­geteilt: Das Reichskabinett trat heute un­ter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen. Hierbei wurde vor dem Urlaubsantritt des Reichskanz­lers und verschiedener Mitglieder des Kabinetts noch eine Anzahl laufender An­gelegenheiten beraten und entschieden, deren alsbaldige Erledigung notwendig war. ,

Die nächste Sitzung des Reichskabinetts dürfte voraussichtlich in der Mitte des kommenden Monats stattfinden.

ff. Berlin, 24. Zuli. Reichskanzler Hermann Müller hat sich gestern abend zu einem 14tägigen Urlaub nach dem Schwarzwald begeben.

Str KtNtgg-Mt

Nachdem jetzt fv ziemlich sämtliche Mächte, an die Amerika die Einladung zur (Be­teiligung an dem Kriegsächtungspakt gerichtet hat, sich in zustimmender Weife geäußert haben, wird in der Weltpresse bereits von dem Termin der Unterzeichnung des Paktes gesprochen. Es heißt, daß für dieses welt­geschichtliche Ereignis der 28. August dieses Jahres in Aussicht genommen sei, und es werden bereits alle Einzelheiten der Pakt- unterzcichnung, die ein besonders feierlicher Akt sein soll, erörtert Als Ort der Unter­zeichnung ist Paris in Aussicht genommen. Es läßt sich im Augenblick noch nicht sagen, ob die Vermutungen, die über den Ort und den Tag der Unterzeichnung, die in der aus­ländischen Presse angestellt werden, im Ein­zelnen zurr essen. Bisher ist bei den Berliner zuständigen Stellen irgend eine Mitteilung über die Unterzeichnungsformalitäten noch nicht eingegangen. Sollte aber eine solche Anregung, die Unterzeichnung des Kellog- paktes in Paris vorzunehmen, tatsächlich er­gehen, so würde deutscherseits wohl mit einer Zustimmung gerechnet werden können. Man kann nur der Hoffnung Ausdruck geben, Daß die Unterzeichnung des Paktes sehr rasch erfolgt. Denn wir erblicken in ihm ein außerordentlich wertvolles Werkzeug zur Ver­ringerung der Kriegsgefahr. Wir geben unS ' dabei allerdings keiner Täuschung darüber hin, daß durch die Art, in der der ameri­kanische Vorschlag in den zuletzt überreichten Antwortnoten interpretiert wird, die Trag­weite und praktische Bedeutung des Paktes unter Umständen stark eingeschränkt werden kann. Der in Berlin nach der ersten Ver­

öffentlichung der französischen Antwort be­stehende Eindruck, daß die französische Rote praktisch eine vorbehaltlose Zustimmung so­wohl zu dem Vertrags text, wie zu der amerikanischen Interpretation des Vertrages bedeute, ist infolge der inzwischen erschienenen französischen Pressekommentars doch etwas stark abgeschwächt worden. Jedenfalls geben diese Kommentare Anlaß zu der Befürchtung, daß Frankreich sein altes Spiel, den Pakt umzudeuten und zu verbessern, noch immer nicht aufgegeben hat. Zu welchen Folgen das führen kann, darüber äußert sich in sehr interessanter Weife der diplomatische Ge­währsmann, der „Münchener Neuesten Nach­richten": „Die deutsche Negierung", — so schreibt er — „muh sich wohl diplomatisch stark genug fühlen, einen Sieg der fran­zösischen Auslegung in der endgültigen Inter­pretation des Paktes verhindern zu können. Würde Frankreich mit seinen. Anschauungen letzten Endes durchdringen, — und zum min­desten wird es England auf seiner Seite haben — dann wäre ja dieser Pakt zur Aechtung des Krieges nichts anderes als das bis jetzt von Deutschland mit Erfolg ver­hinderte sogenannte „Genfer Protokoll", jene weitere und endgültige Garantie der Ver­sailler Landkarte, noch dazu unter ameri­kanischer Beihilfe, also die Verewigung jenes kümmerlichsten aller politischen Zustande, den Staatsmänner je geschaffen haben, aus dem wohl ein europäisches Chaos entstehen konnte, auf dem sich aber niemals ein europäischer Friede aufbauen läßt." Es ist nur natürlich, daß die französischen Vasallenstaaten Belgien und Polen und voraussichtlich auch die Tsche­choslowaken dabei Frankreich Handlanger­dienste leisten. Daher auch der inhaltlich auf die französische These hinauslaufende Grund­charakter der belgischen und polnischen Note. Bei den bevorstehenden Schlußverhandlungen dürsten diese Tendenzen zweifellos eine Nolle spielen. Ob mit Erfolg hängt von der Hal­tung Englands ab.

Tie jetzt im Wortlaut vorliegende britische Note läßt deutlich erkennen, daß man in Eng­land beim Kriegsächtungspakt nur mit real- politischer Vernunft, keineswegs aber mit dem Herzen dabei ist. Don allem Anfang an hat man in England dem Paktgedanken mit sehr gemischten Gefühlen und mit einer Zu­rückhaltung gegenüberaestanden, die im wesent­lichen auf den amerikanischen Flottenplänen beruht. Man ist dort der Ansicht, daß sich Vereinbarungen über einen allgemeinen Ver­zicht auf den Krieg nicht mit einem ständigen Weiterrüsten vertragen, aber der Knüppel liegt schließlich auch hier beim Hund, da man in England diese Ansicht zu einem guten Teil und nut aus dem Grunde hat, daß ein Ech:i:thasten mit den amerikanischen Flotten- plänen kaum noch möglich erscheint. Es sind über diesen Punkt recht offene Worte zwischen den beiden angelsächsischen Staaten diesseits und jensci s des Ozeans gewechselt worden und "mgn ist sich über die beiderseitigen Be­strebungen durchaus klar. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, im Gegenteil, sogar sehr