Leite 6
Oberhssisch« Seftun«, Marburg e. L Fveiitag, 20. Juli 1928.
Kr. 169
K MW Turnfest m Köln
Mit dem morgigen Tage nimmt das Deutsche Turnfest in Köln seinen Anfang. Mehr als 250 000 Turner und Turneian- neu werden an der großen Heerschau teil* nehmen und die Bekundung zum Deutschtum dartun.
Aus allen Teilen der Welt treffen Deutsche ein, um Zeuge der großen Kund-- gebung zu sein.
Köln hat alles getan, um allien einen, würdigen Empfang zu bereiten.
Auch in den Turnvereinen der einzelnen Städte ist die Arbeit vollendet und die - Turner begeben sich im Laufe der nächsten Woche nach Köln.
Die Einwohner der Stadt Marburg haken nun am morgigen Sonnabend Gelegenheit, den Beginn der großen Lahn- und Rheinstaffel zu sehen.
Die Lahnstaffel beginnt in Marburg und zwar Sonnabend nachmittag um 2 Uhr in der Lahn in der Nähe des Stadions. Der Köcher mit der Urkunde ist bereits in Marburg eingetroffen und die Urkunde hat folgenden Wortlaut:
14. Deutsches Turnfest. / 9. MittelrMnkrM.
Lahn staffel i '
de» Gaues Hessen, Lahn- und Dillgau, Ar- und Rhein-Mosel
am 21. — 2 2. Iulr 1 928. Bleib deutsch du herrlich Land am Rhein!
Diesen Gruß bringen dir Hellen der Lahn zu und erklingen durch die Burgen und Schlösser des herrlichen Lahntales, aus seiner tausendjährigen Geschichte unp den Liedern seines Volkes.
Diese Grüße bringen dir tu Begeiste^ rung auch die Turner und Turnerinnen der Lahngaue der Deutschen Turnerschast am Tage der großen Rheinstaffel zum 14. Deutschen Turnfest zu Köln am Rhein, der schönen Stadt. Gut Heil!
Der 1. Kreisvertreteo des 9. Kreis Mittel-.
। i rhein , >
Arthur Pfeiffer.
' Der Obmann der Lahnstaffel Franz Sauer, Schwimmwart des Gaues Hessen.
Die Marburger Turneri und Turnerinnen haben den Köcher mit der Urkunde durch Schwimmen m der Lahn am 1. Tage bis Bellnhausen, Kreis Marburg, zu bringen. Am nächsten Tage von Bellnhausen bis Lollar. Hier wird di,e Staffel von der Turnerschaft Gießen übernommen.
Wer also Zeuge des Beginns der Staffel sein will, begebe sich morgen an die Lahn in der Nähe des Stadions oder er gehe an die Ufer der Lahn in Richtung Bellnhausen und er wird den jedesmaligen Wechsel der Staffel sehen.
Das ist der Beginn des 14. Deutschen Turnfestes. Als Gruß erhalten wir von Köln folgende Zeilen übermittelt: Willkommen, willkommen im deutschen Köln! Willkommen am deutschen Rhein!
Wer immer ein Herz im Lesbe trägt, Das treu und rein uns entgegen,schlägt. Der soll uns willkommen sein!
Wir trennen Euch nicht nach Ranz und Stand, Wir schauen Euch nicht auf das Kleid! Ein freundlicher Blick und ei,n Druck der Sand, cho fand. Die öffnen die Herzen uns weit!
Willkommen, Ihr Freunde aus fernem Land' Ihr Turner und Turnerinnen! x Euch grüßt die Heimat, Euch grüßt der Rhein, Euch grüßen die Burgen, die Reben, der Wem!
„Gut Heil! zum frohen Beginnen.' ; : G.
--♦--
Schult m» Kieckt
* Begabtenförderung. Die Begabtenförderung findet bei den nichfftaat- lichen öffentlichen höheren Lehranstalten nach der Ansicht des Provinzialschulkollegiums in Münster nicht die gebührende Beachtung. Die Rundverfügung wird jetzt vom Volksbildungsminister seinem ganzen Bereich mitgeteilt. Die Bereitstellung von Mitteln zur Gewährung der Dergünsti- gungen an würdige und bedürftige Schüler, wie sie in den Schulgeldbestimmungen vorgesehen ist, genügt nicht. Die Beihilfen zur Begabtenförderung sind nur für außergewöhnliche Begabungen bestimmt, deren Förderung im allgemeinen Staatsbelang liegt. Auch die Gemeinden und anderen öffentlichen Körperschaften müßten Mittel dafür flüssig machen. Der Abzug vom Gesamtaufkommen an Schulgeld in Höhe von 20 Prozent ist für würdige und bedürftige Schüler bestimmt ohne Rücksicht darauf, ob es sich um hochbegabte handelt.
--*--
DtS RMwM Ende
Flörsheim, 19. Juli. Dor drei Jahren war Flörsheim a. M. in aller Munde: Ingenieur Flektner von Flörsheim hatte das sogenannte Rotorschiff erfunden. An die Stelle der Segel sollten als Antrieb hohe Zylinder, die Flettner-Aotoren, treten. In wissenschaftlicher und technischer Beziehung konnte man gegen die Erfindung nichts einwenden. Man versprach fth ungeahnte Umwälzungen von der Ausnutzung des „Prinzips" und versuchte durch die Fahrten der „Buckau", für die Herstellung solcher Schisse zu werben. Doch vergeblich, die Bestellungen blieben aus, die Idee konnte sich nicht durch
setzen, wohl aus dem Grunde, daß für die Bewegung der Rotoren immerhin eine eigene Antriebskraft erforderlich war. Das Ähiff war also von vornherein auf seinen Reisen nicht vom Betriebsstoff unabhängig. Es halte dann anderen reinen Dampfern und Motorschiffen gegenüber doch den Rachteil daß es eben doch noch vom Winde abhängig blieb und diesem in seiner Geschwindigkeit auch unterlegen war. In anderer Form jedoch konnte sich indessen dos Flettner-Prinzip em- führen. Die Ben ilation von Stratzmbahnen Ei'enbahnen und neuerdings auch von Autobussen geschieht durch Denttlatoren, die durch den bei der Fahrt entstehenden Luftstrvm von rotorähnlichen Geb'ldm angetrieben werden. Die Flettner-Rotorschiff-G. m. b. H. in Charlottenburg hat di? Folgen aus der prak- tifeben Unverwendbarkeit des F'e tner-Prin- zips bei Schiffen gezogen und sich jetzt aufgelöst. , ।
Taseranzeiger.
Freitag, den 20. Juli.
Ausstellung Religiöse Kunst aus Hessen und Nassau täglich 9—17 Ahr im Kunstinstitut, Diegenstr. 11.
Bückings Garten: 8 Ahr: Großes Militärkonzert unter Leitung des Musikmeisters Große.
Cafe Markees, Reitgasse: Ab 8 Ahr abdS.: Künstlerkonzert.
Alte Post, Steinweg, Ab 8 Ahr: Künstler- Konzert.
Stadtgarten: 8 Ahr abends: Konzert.
Schützenhof, Wehrdaer Weg 2: 016 8 Ahr: Wiener Dorfschwalben.
Capitol, Biegenstrahe: 8,15 Ahr abends: Großes Barieteprogramm des Pfälzer Trachtenensembles und der Film „Char- lott etwas verrückt".
Lichtspiele, Bahnhofstr.: abends 8,15 Ahr: „Pique-Dame".
Theologische Fachgemeinschaft: 8,30 Ahr abends im großen Hörsaal des Landgrafenhauses Vortrag Professor D. . Stählin (Münster): „Die Bedeutung der Liturgie im evangelischen Gottesdienst"
Museumsverein e. V.: 20,30 Ahr im Land- Landgrafenhaus, Hörsaal 6: Jahreshauptversammlung anschl. Lichtbilder- Vortrag.
Sonnabend, den 21. Juli.
Akademische Turnverbindung Marburg: 15,30 int Stadion Schauturnen.
Capitol. Biegenstraße: 4,30 Ahr nachm.: Großes Barieteprogramm des Pfälzer Trachtenensembles und der Film „Char- lott etwas verrückt".
Bekanntmachung
Abdruck aus dem amtlichen Kreisblatt
Nachdem die Kurvenerhöhung und die Kleinpflasterarbeiten auf der granffutter Straße von Kilometer 84,7 4- 50 bis 85,2 bei der Straßenbrücke über die Lahn bei d^m Orte Cölbe endgültig ferttggeftent sind, hebe ich hiermit die durch meine Per. fügung vom 23. März 1928 — A. II. ft 186 — für die Baustrecke angeordnete Herabsetzung der Fahrtgeschwindlgkeit für Kraftfahrzeuge auf 15 Kilometer in der Stunde auf. (A. II. K. 186 b).
Kassel, 11. Juli 1928.
। Der Reg ierungS-Präskdent
1 I. A.: gez. Welter. > Wird veröffentlicht:
Marburg, 19. Juli 1928. 1 Igy
Der Landrat. I. B.: Seufer.
Die Straßensperre auf der Provinzial, straßenstrecke: „Lollar — Sichertshausen", wird ab 16. Juli 1928 aufgehoben.
Gießen, 13. Juli 1928.
Hess. Provinzialdirektion Oberheffen. . Wird veröffentlicht:
Marburg, 16. Juli 1928. 18g
Der Landrat. I. B.: Seufer.
--- i
Wegen Ausführung von Pflasterarbeiten wird die Landstraße Marburg-Lahn —, Gießen in-der Gemarkung Marburg-Lahn und zwar von Kilometer 91,3 (Schützen-, Pfuhlbrücke) bis Kilometer 93 (Gemarkungsgrenze) ab Dienstag, 24. Juli 1928 auf die vorläufige Dauer von 8 Wochen für jeglichen Fuhrwerk gesperrt. Die Umleitung erfolgt über stlappel, Ronhausen, Nehbrücke und umgekehrt.
Marburg, 17. Juli 1928. i 192 Der Landrat. I. V.: Seufer.
Wetterbeobachtungen am 19. 20.3uH
Höchste Temperatur am 19 Juli 21,0 Teil.
Niedrigste Temperatur letzte Nacht 9,0 Ülelf.
Seit
Berometerst. reduziert aas N. N,
Temperatur
Relativ« Luftfeuchtigkeit
19. 7.2 Uhr nachm.
764,4 mm
2o,6 Seif.
58'/.
19.7. 9 Uhr nachm.
765,2 mm
15,7 Test.
69'/.
20- 7.7 Uhr vorm.
765,7 mm
11,8 Tel).
SO'/.
Nanz Söbler, Optiker »S
SvezialhauS für Optik und Photo.
Wetterbericht.
tüefterüorausfage bis Sonn' abend abend: Keine wesentlichen Blenderungen.
Moderne Heere
von Hans v. S e e ck t
Chef der deutschen Heeresleitung und Generaloberst a. D.
Copyright bh Ernst Angel Verlag i Berlin-Charlottenburg 9.
(Fortsetzung.)
Die Rüstung von heute.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Folgerungen, welche die Hauptstaaten aus den Kriegserfahrungen für ihre Heeres- organisationen gezogen haben, wobei wir naturgemäß die Staaten, denen diese durch Friedensbedingungen vorgeschrieben wurden, bei Seite lassen. Amerika und England sind int wesentlichen zu ihren Dorkriegseinrichtungen zurückgekehrt, also zum Prinzip kleiner, verwendungsfähiger Friedensheere: Amerika hat nur seine wirtschaftliche Mobilmachung und seine militärische Zugendausbildung wesentlich ausgebaut, England eine starte Luftflotte entwickelt, Frankreich ist im Begriff, seine Heeresorganisation neu zu ordnen; die Drundzüge dieser bestehen in der Schaffung und Erhaltung eines Friedensheeres, das annähernd kriegsstark, also in kurzer Zeit völlig verwendungsbereit ist, und in der vollsten Ausnutzung der allgemeinen ^Wehrpflicht, also der Schaffung starker Reserven. Die Dienstzeit ist stark herabgesetzt, wodurch die Ausbildung aller Waffenfähigen ohne zu hohe Friedenspräsenzstärke erreicht wird, während der "Wert des verwendungsbereiten Friedensheeres durch eine gWßere Zahl freiwillig dienender Mannschaften gehoben werden soll. Wirtschaftliche Mobilmachung und militärische Zugendausbildung sind eingehend vorbereitet, ebenso wie die Heranziehung der farbigen Truppen. Bemerkenswert ist die starke, startbereite französische Luftflotte. Italien scheint zur Anter- stützung seines Berufsheeres mit der Verwendung der faschistischen Miliz zu rechnen und betreibt eine außerordentlich lebhafte militärisch-faschistische Zugendausbildung.
Rußland sucht, durch viele Schwierigkeiten noch gehemmt, aber doch in ent- fchiedenem Aufstieg, sich eine verwendungs- und seinem Sicherheitsbedürfnis entsprechende Friedensarmee zu schaffen und daneben durch ein Milizsystem der Masse seiner Waffenfähigen militärisch Herr zu
werden. Zn den neu organisierten Heeren von Polen, der Tschechoslowakei und Zugvslawien finden wir im allgemeinen das Vorkriegssystem der allgemeinen Wehrpflicht unter möglichster Niedrighaltung der aktiven Dienstzeit und Bereit- Haltung für die Sicherheit erforderlicher 1 Friedensheere.
Es hat hiernach den Anschein, als ob sich in der praktiichen Auswertung der Kriegserfahrungen keine großen Aende- rungen gegen die Grundsätze der Vorkriegszeit zeigten; aber es beginnen doch neue Gesichtspunkte sich anzukündigen. Die allgemeine wirtschaftliche Lage zwingt alle Staaten an die Befchränkung ihrer Rüstungsaus'ga den zu denken, also die kostspieligste Art der Rüstung, starke Friedensheere mit langer Dienstzeit und reicher Ausstattung, herabzusetzen und daneben die unproduktive Znan- spruchnahme der männlichen Arbeitskraft durch den Militärdienst nach Möglichkeit zu beschränken.
Demgegenüber steht bei der augenblicklichen politischen Gesamtlage das Bedürfnis, gegen einen feindlichen Aeber- fall durch ein bereites Friedensheer jederzeit sich gesichert zu wissen und das allen freien ©taten gleiche Verlangen, für einen Kampf um die eigene Existenz durch die nötigen Vorbereitungen für einen Dolkswiderstand gerüstet zu sein. Wenn man das in den Abrüstungsverhandlungen sich abspiegelnde allgemeine Friedensbedürfnis für aufrichtig nimmt, so liegt zu ihm in den zeitigen militärischen Organisationen kein unüberbrückbarer Gegensatz, so lange man an der Auffassung festhält, daß starke, d. h. überstarke, verwendungsbereite oder in kurzer Zeit zur vollen Verwendungsfähigkeit aufzufüllende Friedensheere die eigentliche verführerische und daher gefährliche Friedensbedrohung darstellen, daß aber selbst weitgehende Vorbereitungen eines Volkskrieges weit mehr einen Verteidigungscharakter tragen, dessen Umfang davon abhängig, wie weit ein Staat von seinem Nachbar bedroht ist oder sich bedroht fühlt. Dies Bedrohungsgefühl zahlenmäßig in Abrüstungsberechnungen einzusetzen, ist unmöglich. Greifbar und der gegenseitigen L^ifrechnung zugänglich sind nur die Zahlen der verwendungsbereiten Kräfte, wie überhaupt im Kräfte- ausgleich die gößere Friedensgarantie
liegt als im Streben nach einer ideellen und nicht zu erreichenden Kräfteverminderung. Damit sei das Problem der Abrüstung in diesem Zusammenhang nur ganz kurz gestreift.
Zm Begriff des Krieges liegt der Wettstreit zwischen Mensch und Material. Gegen das Schwert wird der Schild erfunden, gegen die Brisanzgranate der De- tonunterstand, gegen das Gas die Maske. So wird der Wettstreit weitergehen, so lange es Kriege gibt, und einmal wird die Angriffswaffe die Oberhand haben, bis sich die Verteidigung ihr angepaßt hat. Die Technik arbeitet auf beiden Seiten. Es ist daher ganz falsch, vom Sieg des Materials über den Menschen zu sprechen. Das Material hat über die Menschen mässe, nicht über den Menschen selbst gesiegt, und wird das nie, weil es nur in der Hand des Menschen Leben gewinnt.
Der Fehler liegt darin, daß man eine unbewegliche, fast wehrlose Menschen- mässe einer brutalen Materialwirkung gegenüberstellte. Ze mehr rok die Massen der Kämpfer steigern, um so sicherer ist der Sieg des Materials; denn dessen Grenzen sind weiter gesteckt als selbst die des reichsten Menschenrefervoirs. El bleibt somit nur der Kamps des menschlichen Geistes gegen das tote Material. Ze weiter sich die Technik entwickelt, je mehr sie ihre Erfindungen und Mittel in den Dienst des Heeres stellen kann, um so höher werden die Anforderungen an den sie ausnutzenden Soldaten.
Wer nur eine Ahnung davon hat, welche technischen Kenntnisse, welche vielfältigen und nur durch sorgfältig aus gebildete Fachmänner zu bedienenden Zn- ftrumente, welche geschulten und beherrschten Geisteskräfte dazu gehören, um das Feuer einer modernen Artillerie wirksam zu lenken, der wird zugeben müssen, daß diese Voraussetzungen einer aus flüchtiger Ausbildung entstandenen Truppe nicht mitzugeben sind und daß sie daher der kleinen Zahl geübter Techniker auf der Feindseite gegenüber im schlimmsten Sinn Kanonenfutter ist.
Wie aber, wenn die Truppe gar nicht da ist? Wenn sich dem durch Wissenschaft gelenkten Material kein lebendes Ziel bietet? Vernichtung des feindlichen Heeres, nicht Vernichtung des Lan-
—7----------------
des ist noch immer oberstes Gesetz der Kriegskunst, obwohl es bisweilen anderen Anschein hat. Das Material hat seine Aeberlegenheit gegenüber dem lebendigen und unsterblichen Menschengeist.
Wer von moderner Kriegstechnik spricht, wird damit zuerst an die Flugwaffe denken; sie ist im Weltkrieg, und zum großen Teil erst nach ihm, als vollwertigs Schwester neben die vom Land und von der See getreten, ohne die Grundgesetze des Krieges zu ändern. Freilich ergibt sich für den Soldaten und damit für den ihm verbündeten Techniker ein ganz neues Schlachtfeld mit seinen eigenen Bedingungen. Man hat aus der Möglichkeit des Luftangriffs auf die Zenttalen der staatlichen Widerstandskraft, also des durchaus nicht neuen, aber heute leichter erreichbaren KernS der militärischen Stärke, zu unrecht Schlüsse auf die Entbehrlichkeit der Landheere gezogen. Der Anterschied ist nur der, daß, wenn bisher nur zu Land uitd zu Wasser, jetzt auch in der Luft um die Entscheidung gekämpft wird. Man glaubt vielfach, daß der Kampf unter Aeberfliegung des Soldaten jetzt sich nur noch gegen den Zivilisten im Büro und in der Werkstatt richten würde. Neu wäre der Kampf gegen das Hinterland, den Bürger, nicht; sehen wir von älteren Beispielen kulturvernichtender Kriege ab, so brauchen wir nur an den Dreißigjährigen Krieg, an Türkeneinfälle und an Heidelberg zu denken.,
Es wäre freilich frivol, die Gefahren und Schrecken des Luftangriffs auf das Hinterland, besonders in Verbindung mit der Verwend ung von GaS, leugnen oder beschönigen zu wollen. Er bringt auf neuem Kampfplatz die gleichen Gefahren und die gleichen Aussichten; die tätige Abwehr fällt der Luftwaffe zu, die als beste Gegenwirkung versucht, den Angriff in das feindliche Land zu tragen oder wenigstens den Angreifer zu vernichten. Als neues Erfordernis gegen diese Art der Kriegsgefahr entsteht Die Vorsorge für die passive Sicherung der Lebenszentralen eines Landes, welche vielleicht kostspielig und unbequem ist. Daß bei uns in Deutschland, wo uns die aktive Luftverteidigung versagt ist, für diesen passiven Schuh nichts, aber auch gar nichts geschieh t, ist schwer zu verstehen und schwerer zu verantworten. (Schluß folgt.)