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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt «nd Kreis Marburg.

Präfi-ent Obregon ermoe-et

Ben einem angeblichen Malte durch ffinf SÄuile in den Süden gelötet — Seilütiung in Amerika

ff. Mexiko. 18. Juli. Der neu» gewählte Staatspräsident Obregon, der tnn L Dezember d. I. sein Amt antreten sollte, wurde gestern aus einem Ban« kett durch fünf Schiisse in de« Leib getötet. Der Täter wurde in der Person eines LVjährigen Mannes namens Aua« Cseapulbrio verhaftet.

ff. London, 18. Juli. Ergänzende Meldungen aus Mexiko-City, über das Attentat auf General Obregon besagen, bofc dieses kurz nach 2 Uhr nachmittags in einem Restaurant in San-Angel, 12 Meilen südlich von Mexiko-Stadt, erfolgte. Die Leiche Obregons wurde sofort in seine Wohnung nach Mexiko-Stadt gebracht.

Präsident Calles begab sich nach dem Polizeibüro, um selbst das Verhör des Attentäters. Juan Escapulario,, der ein Offizier der Armee sein soll, vorzunehmen. Der Attentäter hat sich Obregon derart ge­nähert, daß er sich

«l» Künstler «»«gab und eine Skizze von ihm mache« wollte.

Als er nahe genug heran gekommen war, schoß er ihm fünf Mal in den Rücken. Die umstehenden Freunde Obregons wollten dem Mörder töten, doch wurden sie von anderen Anwesenden daran gehindett. Der Bevölkerung von Mexiko-Stadt hat sich eine große Unruhe bemächtigt.

Der Mörder Obregons wurde sofort nach der Tat verhaftet und ins Gefängnis gebracht, lieber die Einzelheiten des Attentats herrscht noch keine Klarheit. Obregons Leiche wurde anscheinend heimlich nach seiner Wohnung in der Stadt Mexiko gebracht, wo sich nachmit­tags eine große Menschenmenge ansammelte. Polizei und Soldaten sperrten die Straße in der Umgebung des Pohnhauses ab. Niemand wird der Zuttitt gestattet, nicht einmal Be­amten. *

Obregon war erst am Sonntag von seinem heim in Sonora nach Mexiko City zurückge- dehrt, wo er eine der größten politischen Kundgebungen der letzten Jahre leitete. (Er* ktte gestern abend Pressevertretern erklärt, « werde voraussichtlich vor Anttitt der Prä­sidentschaft am 1. Dezember eine Reise nach den Bereinigten Staaten antreten. Nach einer Mitteilung aus dem Hauptquartier Obregons ist Obregon unmittelbar nach dem Attentat sei- «en Verletzungen erlegen. Auf Obregon waren bereits in den letzten Monaten verschie­dene Attentate verübt worden. San ^lngel liegt 12 Meilen südlich von der Stadt Mexiko.

Als der Mörder feuerte, spielte ge- yaße die Kapelle. Viele überhörten ksvlgedessen die Schüsse und sahen Obregon dlötzlich auf seinen Stuhl zusam» ®en f t n ten. Als Obregons Freunde über p'1" Mörder herfallen wollten, um ihn zu ^chen, wurden fi? von dem Pvlizeipräsi» ^nten der Stadt Mexiko daran gehindert, ausrief: „'Rein, wir wollen ihn am ^rben lassen, um festzustellen, wer dahinter »eckt. Präsident Calles ordnete sofort eine Untersuchung unter Mi.Wirkung der Polizei- Armeebehörden an, um festzustelien, ob Meuchelmord die Tat eines Einzelnen die Folge einer tiefgehenden politischen

Verschwörung ist. Wie gemeldet wird, dürsie

der Mörder bereits in wenigen Tagen hin­gerichtet werden.

Bestürzung ta den vereinigten Staaten.

ff. Washington. 18. Juli. Die Nachricht von der Ermordung des mexika­nischen Generals Obregon hat hier tiefe Bestürzung hervorgerufen. Man be­fürchtet, der Tod Obregons werde inner­politische Schwierigkeiten in Mexiko Her­vorrufen und deren Folgen werden er­neute Streitigkeiten zwischen Mexiko und den ' Vereinigten Staaten Hervorrufen, die früher durch Obregon beigelegt worden waren. Präsi­dent Coolidge und Kellogg sandten sofort

herzlich gehaltene Beileidstelegramme an die mexikanische Regierung. Die Zeitun­gen sprechen die Hoffnugg aus, Calles werde die Lage in der Hand behalten.

Auch der mexikanische Arbeitsminister er­mordet?

ft. Rewhvrk, 18. 3uIL Aach noch un- bestätigten Meldungen aus Mexiko-Stadt ist Arbei sminister Luis M a r o n e s von Obre- gonisten erschossen worden, da man ihn in Verdacht hatte, an der Ermordung Ob­regons direkt oder indirekt mitgewirkt zu haben. Don polizeilicher Seite wird dem Bericht über den Tod Marones bisher kein Glauben geschenkt.

Das neue Langera-konnnen

Sitbligt Wtänönifft an gialitn

Wie der „Mattin" berichtet, enthält das gestern unterzeichnete französisch-spanisch« englisch - italienische Tangerabkommen, neben einer große« Anzahl von Berwal- tungsbedingungen. folgende Aenderun- gen in dem Statut von Tanger. Der Ober­befehl über die internationale Een« d a r m e r i e wird einem spanischen höheren Offizier anvertraut, dem et« französischer Offizier bei­gegeben wird. Außerdem wird der Poften eines Polizeiinspektors geschaffen, der einen Spanier, ebenfalls unterstützt von eine« französischen Offizier, über­trage« wird. Die italienische Re- gierung erhält eine« weitere« Sitz im Stadtrat, sodaß ihm jetzt drei Ver­treter Italiens angehöre«. Außer­dem wird im Stadtrat für Italien ein vierter vizepräfidcntenposten geschaffen, neben dem bereits bestehenden englischen französischen und spanische« Vizepräsiden­ten. Italien erhält außerdem dag Recht,

einen stellvertretenden Vertreter u«d eine« Richter am luternationalem-f^M-b»' st« ernennen. Die italienische Marine soll nötigenfalls gemeinsam mit der Marine der anderen Signatarmächte den Waffen­schmuggel unterdrücke«.

Rossö, Schall, Fatzhauer begnadigt.

Paris, 17. Juli. Der Präsident der Republik hat die Begnadigung der vom Kolmarer Schwurgericht Verurteilten Autonomisten Rosse, Schall und Faßhauer verfügt. Der Abgeordnete R i ck l i n, der seine Kafsat^nsbeschwerde gegen das Kolmarer ilne-I nicht zurück­gezogen hat, konnte, tote Havas erklärt, deines Dnädenerweises teilhaftig werden, weil seine Verurteilung noch nicht rechtskräftig geworden ist.

vclcftens Antwort ' zn« Kellogg-Patt.

ff. Brüssel, 18. Juli. Minister des Auswärtigen Hymans überreicht- gestern dem Botschafter der Bereinigten Staate« die belgische Antwort auf den Kellogg^ schen Kriegsächtungspatt. -■

SAH mir arefanann

Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:

Die letzten Aeuherungen des Dorsitzen­den der ReichStagSfraktton der Deutschen Dolkspartei Dr. Scholz zur. innerpvli- tischen Lage und namentlich das, was er über sein Verhältnis zu Dr. Sttesemann ausführte, haben in Berliner politischen Kreisen starke Beachtung gefunden. In verschiedenen Blättern findet sich die Schlußfolgerung, daß das Scholz-Inter­view ein Beweis dafür fei, daß eine Einigkeit zwischen dem Patteivorsitzenden Dr. Sttesemann und dem Fraktionsvor­sitzenden in der Frage des Verhältnisses der Deutschen Volkspartei zu der neuen Reichsregierung auch jetzt noch nicht wie­der hergestestt sei. Rach unseren Infor­mationen dürsten die Dinge aber wesent­lich anders liegen. Wie von gut unter­richteter Seite verlautet, soll vielmehr in den letzten Tagen zwischen Dr. Sttesemann und Dr. Scholz eine sehr weitgehende An­näherung nicht nur in grundsätzlichen Fra­gen (worin ohnehin kaum eine Differenz bestand) sondern auch in den meisten Fra­gen der parlamentarischen und innerpo­litischen Taktik erfolgt sein. Wenn Dr. Scholz daher in seinem Interview noch­

mals die Ansprüche der Deutschen Volks- Partei auf Umbildung der preußischen Re­gierung im Herbst unterstrichen, wenn er die Forderung zur Fortsetzung des Panzer- tteuzerbaues wiederum angemeldet und schließlich auch sämtliche bishettgen Dor- behalte der Deutschen Volkspartei auf­rechterhalten hat, so kann nunmehr ange­nommen werden, daß das auch Dr. Srese- mannS Auffassung ist, ja daß der Partei­führer durchaus bereit ist, sich im gegebe­nen Falle mit dem ganzen Gewichte seiner Persönlichkeit hinter die Forderungen bezw. Vorbehalte des Fraktionsführers zu stellen. Rur insofern mag vielleicht noch eine Meinungsverschiedenheit zwi­schen Dr. Sttesemann und Dr. Scholz be­stehen, als ersterer über die Aussichten der für den Herbst geplanten Umwandlung der losen Regierungsgemeinschaft in eine feste Koalition wohl weniger pessimistisch denkt, als Dr. Scholz, der diese Umwand­lung noch keineswegs als gesichett ansieht. Patt<r Gilbert über das Funktivnreren »es

Tawr.s-Pla-wes.

fk. Paris, 18. Juli. Wie das „Journal" berichtet, sand gestern eine Sitzung der ReparauonskommissioN und des TransferauSschusies statt, in deren Verlauf der Generalagent für dre Repa­rationszahlungen Ausführungen über daS Funktionieren des DaweS-P-anes machte.

ein WlzeloterkemmRar ton ttn Srmizvkn nithaltel

fk. Zweibrücken, 18. Juli. Der Polizei, oberkommisiar Bauer wurde gestern durch einen französischen Gendarmen auf die fron« zösische Gendarmeriestation beordert und von dort in einem geschlosienen Auto unter Be. deckung in der Richtung Landau abtrans« portiert. Hebet die Gründe der Berhastung ist noch nichts bekannt.

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Sen ter eirantnim ter Jtalfa“

Moskau, 17. Juli. Die an Bord des „Krassin" befindlichen Teilnehmer der Nobile- Expedition teilten dem Korrespondenten der Telegraphenagentur der Sowjetunion mit, daß bis auf Eisbildung an der Hülle und den Schrauben der „Italia" alles normal verlief. Die Eisbildung nahm dem Luftschiff die Mög. lichkeit zu manövtteren. Die nachfolgenden Beschädigungen des Steuers und der Riß in der Hülle bewirkten die Katastrophe in großer Entfernung von der Küste. Die Notlandung erfolgte auf der Eisscholle, auf der die Diglieri- Gruppe bis zur Ankunft des „Krassin" ver* blieb. Der mechanische Teil des Luftschiffes arbeitete die ganze Zeit gut. Sämtliche Mo- toten funktionierten bis zum Anprall auf das Eis, wo Nobile sie ausfchaltete. Nach Los­lösung der Hauptgondel stieg das Luftschiff in beträchtliche Höhe und wurde vom Wind in einer erheblichen Entfernung von der Nobile- Gruppe abgetrieben. Mariano nahm als erster Rauch, an der Stelle, wo die Hülle rasch nie­derging, wahr, was, wie er erzählt, 30 Minu- ten nach dem ersten Anprall erfolgte. Die For. schungsarbeit wurde solange als möglich fort­gesetzt. Professor Behöunek arbeitete nach de» Katastrophe auf dem Eise weiter.

«iglieri über das „JtaNa"-Hnglück.

Mglieri erklärte dem Berichterstatter bet „Investiga", die Katastrophe der „Italia" sei auf Gasverlust zurückzuführen. Den Marsch Malmgreens habe er nicht gebilligt. Bon der Aktion des „Krassin" habe er auf dem Funkwege erfahren. Zuerst habe man auf dem schmelzenden Eise geschlafen und später die Flügel des Lundborg-Flugzeuges als Lagw stätte benutzt. v-#

Zensur auf dem Nobile-Schiff.

Die „Dost. Ztg." meldet: Die beiden beul« schen Filmphotographen Robert Hartmann unb Georg Schubert, die auf der Heimreise von Spitzbergen Stockholm passierten, haben sich zu einem Mitarbeiter von „Nya Dagligt Allehanda" über die Nachrichtenübermittlung auf der „Citta di Milano" geäußert. Die bei­den Filmphotographen berichten, daß anfangs eine große Anzahl internationaler Zeitungs­korrespondenten sich in Spitzbergen aufgehal- ten habe. Sie seien jedoch heimgereift, da sie ihre Anwesenheit auf Spitzbergen als zweck­los ansahen. Als Beispiel sei anzuführen, daß, als Nobile an Bord der „Citta di Milano" in Kingsbay geführt wurde und das Schiff die Kingsbay am Nachmittag verlieh, die Journa­listen und Photographen dieses Ereignis erst am Abend durch Stockholmer Meldungen er­fuhren. Die beiden Deutschen nahmen sofort eine offenes Motorboot und erreichten nach einer abenteuerlichen Fahrt die Birgo-Bucht, wo die „Citta di Milano" verankert war. An Bord gelangt, mußten sie sich mit anderen Journalisten in einer Reihe aufstellen, um schließlich den Bescheid zu erhalten, daß sie nicht in Verbindung mit General Nobile kom­men könnten. Niemand durfte mit ihm spre­chen oder ihn sehen; niemand, der an Bord kam, durfte ein Wort mit der Schiffsbesatzung wechseln, ohne daß ein Offizier zugegen war.

Hartmann und Schubert berichteten ferner« daß alle Fäden des Nachrichtenwesens in bew Händen des Kapitäns Romagna zufammen- liefen. Den Korrespondenten wurde nichts mit­geteilt, was nicht vorher schon Rom vorgelegt worden war. Keine Frage wurde beantwor­tet, außer mit dem Material, das Kapitän Ro­magna im Voraus formuliert hatte.