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Scnnabtnb, kn 14.8uli 1928
»ft ^Vbrrbtssische ZeMmg" «* schrmt sechsmal wöchentlich. De» plgspret« monatlich 2 AM. aut» schließ! Zustellungsgebübr. durch dt«Post2LS GM.Für etwa infolge Streik«, Waschtnendefekt« »der ^anentar« Eretgniffe ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge» leistet. Verlag d. Dr. §. -iheroth. Druck der Univ.-Duchdruckerei v» Zoh. Aug. Koch, Mark« 21/23. Fernsprecher: Rr. 64. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Start Frankfurt t, M. Rr. 6016. — Sprechzeit '<$ Redaktion von 10—11 und
1,1—1 Uhr.
SbechMsche
MkÄiliMrt Zeitung MMM
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
«t.164 63.3(1619. Marburg a.Mn
Der Srqetgenprrr« oerrag, für de» Ist gespalt. Zellenmillimete, 0.08 E2L. kleine Baranzeige» 6.06 EM, «nlllch» und «“*■ wLrkia» Anzeigen 6.10 GM. SM schwierig«» Satz sowie bei Platz» »orschrtft 60*1« SufschlaK — Sanna-Ian ^ige, 100 % Staff schlag. Reklame» bet Willi«. 6,40 SM. 5«>«r Rabatt güt al» Darrabatt. Ziel 6 Lage. Beleg, werden b««chaet, ebenso Auskunft, durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. 9t füllungsor» Warburg.
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Reichsiagsferien bis Mitte November
Str Ammllievorlage nnotncmmen — zuilimmung 6rS RMSIagS mit trt MWralt
Berlin. 13. Juli. Dor Eintritt in die Tagesordnung tcllt Präsident Loebe mit, daß sich ein Ausschuß für Leibesübungen gebildet und. den Abg. Schreck (Soz.) zum Vorsitzenden gewählt hat. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Vorlage, durch die in dem Gesetz über Einstellung des Personalabbaus die Frist zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Warte st andsbeamten bis zum 31. Januar 1929 verlängert werden soll. Ministerialdirektor Dr. L v t h o l z erklärt, daS vorbereitete Gesetz über die Anrechnung der Wartestandszeit auf das Pensnnrsdienst- alter werde rückwirkende Kraft bis April 1926 haben. Dir Vorlage wird in dritter Lesung angenommen.
Es folgt die erste Beratung der
Novelle zur Unfallversicherung.
Dadurch sollen in die Unfallversicherung ein» geschlvsfen werden der Feuerwehrdienst, das Personal der Krankenhäuser und Pflegeanstalten, naturwifsenfchastltche und technische Laboratorien, der Betrieb der Schauspielunternehmungen, der Schaustellungen und Lichtspielbetriebe. Ein Regierungsvertreter erklärt, das Arbcitsministerium werde noch in der Sommerpause eine Denkschrift über den Ausbau der Unfallversicherung heraus» geben. Die Vorlage über die Ausdehnung der Unfallversiibert'ng wird dem Sozial- pvlitifchZn Ausschuß überwiesen. DaS internationale Abkommen über die Gle'ch» behanvfung einheimischer und ai's'ändischer Arbeitnehmer bei der Unfallentschädiqung Wird in allen drei Lesungen angenommen.
Zur Beratung kommen hierauf die
Anträge der Deutschen Bolkspartei, des Zentrums und der Bayrischen Bolkspartei über die Durchführung des landwirtschaftlichen Rotprogramms.
Ein Antrag S t e ge r w a 1 d (Ztr.) -Leicht (Daher. Dpt.) verlangt eine Nachprüfung der Richtlinien für die Verwendung von Reichsmrtteln zur Förderung der landwirtschaftlichen Genossenschaften. Dis zum Abschluß dieser Prüfung sollen Reichsmittel nicht hergegeben werden. Ein Reichstagsausschuh soll mit der Ausarbeitung neuer Richtlinien beauftragt werden.
Abg. Aedenriep (Christl.-nat. Bauern- Partei) verlangt beschleunigte Durchführung des Notprogramms.
Abg. Stubbendorf (Dntl.) verlangt wirksame Fortführung des No'programms. Don einer Devorzugang der Großen zum Schaden der Kleinbauern könne keine Rede sein. Mit der Aufhebung des zollfreien Ge- frierfleischkontingents würde den Dauern ein schlechter Dienst erwiesen.
_ Reichsernährungsmrnister Dietrich b ttet, sämtliche Anträge einem AuS'chuß zu über» wei'en.
Abg. Frehbe (Wirschaftspartei) erkennt die Notlage der Landwirtschaft an. Die Hilfsaktion dürfe aber nicht auf Kosten deS Fleischergewerbes und anderer M'.ttelstandS- eristenzen durchgeführt werden.
Damit schließt die Abs prache. Angenommen wird der Antrag der Deutschen Volks- Partei auf Einsetzung eines Ausschusses zur weiteren Durchftihrung des Notproqramms, ebenso der Antrag Stegerwald-Lcicht. D'e übrigen Anträge werden dem neuen AuS» überwiesen.
Abg. Dr. Bell (Ztr.) begründet kurz den Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Beendigung der Arbeiten W früheren Untersuchungsausschusses über die Ursache des Zusammenbruchs. Aba Grat zu Reventlow (Nat.-Soz.) bezeichnet die Einsetzung des Änter«uchungsaussch' sse^ e^s den Versuch einer Rechtfertigung der Revolution. Bei seinen weiteren Aus ührungen wird der Redner zweimal zur Ordnung gerufen. Rach- persönlichen Bemerkungen der Abg. Dr. Pbilipp (Dntl ). Vrüningbaus (D. Dpt.) und Ditlmann (Soz.) wird der An- lrag Dr. Dell angenommen.
Der Gesetzentwurf über die Erstattung von Rechtsan wa l t sgebühren in Armensachen wird in zweiter und dritter Beratung angenommen, ebenso die Aenke- rung der Gebührenordnung für Gerich Sooft» »öeher. Der Entwurf zur V er lä n g e r u na deS Steuermilderungsgesetzes tu
zum 20. September 1929 wird nach kurzer Beratung angenommen. Der dritten Beratung wird von den Kommunisten widersprochen. Ministerialdircktor Dr. Zar den erklärt, das Rcich'finanzministerium werde nach dem Ablauf des Gesetzes am 30. September 1928 Stundungen für den Mehrbetrag der Fusionssteuer gewähren.
Es folgt die
2. Beratung der Amneftievorlage, in der Kompromißfassung, die si-e rm Rechtsausschuh gefunden hat.
Reichsjustlzminister Koch drückt seine Freude aus über die große Mehrheit, mit der der vorliegende Entwurf im Ausschuß angenommen worden ist. Dre Notdelrkte konnten aus praktischen Gründen Nicht unter bie Reichsamnestie fallen, aber wir wollen gern den Ländern Begnadigungen für solche Fälle empfehkn. Um alle Bedenken aus dem Wege zu räumen, wollen wir den verfassungsändernden Charakter des Gesetzes betonen. Ich brn an sich kein Freutzd von Amnestien. ES darf nicht dre Merwung aufkommen, als wäre in regelmäßigen Zeitabschnitten damit zu rechnen, datz die Gerichtsurteile durch Amnestien weggewischt werden. Wir wollen jetzt mit der Amnestie vorgehen, weil wir einen Schlußstrich ziehen wotzen unter die Zeit der Erregung und Erkn'kre- <««8^. ______— .. . . ..
Abg. Dr. Everling (Dntl.) bedauert», daß die Amnestie nicht weiter gegangen sei, vor allem in der Amnestierung dec sog Fememörder, die tatsächlich aus idealen Motiven gehandelt hätten und dann im Stich gelassen worden seien. Der Redner begründet ein« Entschließung, die die Länder auffordert, für diese Fälle vollen Straferlaß oder wenigstens Umwandlung in Festungshaft zu gewähren. @tn weiterer deutschnationarer Antrag will die Einstellung auch für solche Straftaten.erreichen, die bis zum ersten Apri>l 1928 begangen worden sind.
Abg. Geschk« (Komm.) richtet
heftige Angriffe gegen die Sozialdemokraten.
und bezeichnet dl« Vorlage als unzureichend.
Abg. Dittmann .(Soz.): War haben nach schweren Bedenken den vorliegenden Entwurf unterschrieben. Mr rechneten damit, daß wrr trotz unserer llnterischrift von den Kommunisten beschimpft werden würden; datz die Beschimpfung «inen derartigen Grad erreichen würden, haben wlri nicht erwartet. (Lebhaft« Zustimmung ber den Sozialdemokraten.) Dw sozialdemokratisch« Fraktion bittet deshalb, die Sitzung um ein« halbe Stunde zu unterbrechen, damit unsere Fraktion beraten kann, ob sie unter diesen Umständen ihre Unterschrift aufrecht erhalten kann.
Gec!«n die Stimmen der Kommunisten, Deutschnationalen und Nattonals^kalisten wird die
Unterbrechung der Sitzung beschlossen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung beantragt Abg. Dr. Frick (Nat.- Soz.) vollen Straferlaß für die sog. Fememörder und Aufhebung auch der Disziplinarstrafen.
Nach Ablehnung aller AenderungS- anträge wird hierauf die Vorlage gegen die Bayerische Bolkspartei und die Deutsch- Hannoveraner in zweiter Lesung angenommen. In der dritten Beratung erklärt Abg. S t o e ck « r (Komm.), auf die heutige Szene sei die kommunistische Fraktion vorbereitet gewesen, denn schon vor eintäen Tagen habe der sozialdemokratisch« Äbg. Peus den Kommunisten gesagt, dl« Amnestie würde scheitern, wenn die Kommunisten den Nationalfeiertag ablehnen oder bei der Amnestlebebatt« die Sozialdemokraten angreifen. iHörtl Hört!) Abg. Dr. Breitscheid (Soz.) erklärt, di« sozialdemokratische Fraktion habe niemand zu Verhandlungen mit Den Kommunisten beauftragt. — Abg. Peus (Soz.) erklärt, er habe lediglich als Privatmann den Kommunisten einen Artikel seiner Zeituntz gezeigt, der die vom Abg. Stoecker erwähnte Tendenz hatte.
Zn der Schlutzabftimmung der dritten Beratung wird die Vorlage gegen Bayerk,
Die Vorlage wird ohne besondere Abstimmung angenommen.
Den Gesetzentwürfen betreffend den Handelsvertrag mit Siam, betreffend Erstattung von Rechtsanwaltsgebühren in Armensachen und betreffend 2lenderung der Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher erteilte der Reichsrat seine endgültige' Zustimmung.'
sche Bolkspartei und Deutsch-Hannoveraner angenommen.
Präsident Löb« stellt fest, daß die für verfassungrändernd« Gesetze ersordenlich«! Zweidrittelmehrheit erreicht sei. Angenommen wird mit großer Mehrheit bi« Ausschußentschlietzung, die d«n Ländern die Begnadigung bei Notstandsdelikten empfiehlt. Die Entschließung der Deutschnationalen, bie ben Ländern weitergehende Strafmilderungen für dl« sogenannten Fememörder «mpfrählt, wird äbgelehnt.
Damit rst die Tagesordnung erledigt. In seinem Schlußwort beglückwünscht Präsident Löb« den Zentrumsabgeordneten Herold zu seinem bevorstehenden 80. Geburtstag. Der Präsident erhält dann dre Ermächtigung, den Zeitpunkt der nächsten Sitzung selbst zu bestimmen. Der Reichstag wird voraussichtlich am 10. November wieder zusammentreten.
Ser SeäHral
Der Reichsrat beschäftigte sich heute mit der Amnestievorlage.
Der Berichterstatter. Ministerialdirigent S ch S f e r. hob hervor, daß es sich um eln verfassungsändernd«« Gesetz handele. Trotzdem schlügen die Ausschüsse vor, von der Erhebung eines Einspruchs abzusehen, obwohl es ein Eingriff in die Zu- stizhoheit der Länder sei, mit Rücksicht darauf, daß der Entwurf im Reichstag mit solcher Mehrheit beschlossen worden wäre, daß auch im Falle eines Einspruches durch den ReichSrat der Reichstag mit der notwendigen Mehrheit an dem Entwurf festhalten würde.
Bayerischer Gesandter von Preger gab namens seiner Regierung folgende ErllSrung ab: Bayern legt dagegen Verwahrung ein, daß auch in diesem Falle eine Aenderung der Reichsverfassung, für die kein zwingender Grund vorliegt, vorgenommen wird und dadurch ein
wesentliches »erfassungsmShiges Landesrecht« wertlos gemacht
wird. Am aber die Amnestie, mtt ber Bayern sachlich einverstanden ist, nicht zu gefährden, wird Bayern gleichwohl für die Vorlage stimmen.
Aamens der sächsischen Regierung schloß sich der sächsische Bevollmächtigte Dr. Dradnauer der bayerischen ErllSrung an.
Der Vertreter von Thüringen erklärte: Thüringen ist einmal überhaupt grundsätzlich gegen die Amnestie und außerdem liegt ein Eingriff in die Justiz- Hoheit der Länder vor. Thüringen sieht aber von einem Antrag aus Erhebung des Einspruchs ab, mit Rücksicht darauf, daß der Reichstag mit Zweidrittelmehrheit die Vorlage angenommen hat.
Dieser Erllärung schlossen sich die Vertreter von Hessen an.
Der Vertreter von Baden, Oldenburg und Bremen schlossen sich der bayerischen Erklärung an.
Vorsitzender Z o e I: Zch darf alS Standpunkt der Reichsregierung replizieren, daß diese nach wie vor auf dem Rechtsstandpunkt steht, daß das Reich die Kompetenz zum Erlaß von Reichsamnestiegesetzen auch für in den Länder ergangene
SiutithlanM Antwort an Amerika
Die deutsche Antwort auf die amerikanische Note vom 22. Juni betreffend den Kriegsächtungspakt liegt jetzt im Wortlaut vor. Die deutsche Regierung teilt in dieser Note in kurzer und unzweideutig klarer Form mit, daß sie den amerikanischen Vorschlag in vollem Umfange akzeptiert. Sie konnte sich auf eine möglichst kurze Fassung beschränken, weil sie ihren grundsätzlichen Standpunkt zu dem Kriegsächtungspakt bereits in ihrer Note vom 27. April ausführlich dargelegt hatte. Veranlaßt durch die bekannten Einwendungen, der französischen Regierung hat das amerikanische Staatsdepartement inzwischen seiner ersten Note eine eingehende Auslegung gegeben und die Folgerungen, die sich aus dieser Auslegung ergaben, in eine Formel gebracht, die als Präambel zu der ersten Formulierung vom (2. April in Form einer neuen Note und zwar mit dem Datum des 23. Juni den in Aussicht genommenen Signatarmächten eines Äriegsächtungs- paktes zugestellt wurde. Die deutsche Regierung hat die an sie gestellte präzise Frage ebenso präzis beantwortet. Wie aus dem Wortlaut der deutschen Note hervorgeht, hat die Reichsregierung diese Antwort ohne jede Einschränkung und ohne jeden Zusatz gegeben, da durch irgendwelche Einschränkungen die große Idee der Weltfriedens, der die amerikanische Aktion dient, nur beeinträchtigt werden könnte. Es ist zu begrüßen, daß die Reichsregierung sich entschlossen hat, das ganze bis jetzt vorliegende 2Tlaterial in der Kriegsächtungsfrage, an- gefangen von der Note Amerikas vom (3. April' dieses Jahres, bis zu der letzten amerikanischen Note vom 23. Juni dieses Jahres in Form eines Weißbuches zu publizieren, sodaß auch die deutsche Deffent- lichkeit in der Lage ist, sich ein eingehendes und klares Bild über den diplomatischen Gedankenaustausch, der zum Kriegs- ächtungspakt stattgefunden hat, zu machen. Dar Weißbuch enthält auch die diplomatischen Kundgebungen der übrigen Nlächte, an die der amerikanische Vorschlag gerichtet war, und man erhält insbesondere auch Einblick in die Einwendungen und Bedenken, die von der französischen Regierung geltend gemacht worden sind und die auch in der weiteren Diskussion sicherlich noch eine sehr große Rolle spielen werden. Das bedeutsamste Dokument in dieser Nka- terialiensammlung dürfte aber die amerikanische Note vom 23. Juni sein, wo in Form eines Nlemorandums unter Bezugnahme auf eine Rede des Staatssekretärs Kellogg vom 28. April eine ausführliche Interpretation des " amerikanischen Vorschlages gegeben und insbesondere auf die Bedenken, die von französischer und englischer Seite erhoben worden sind, eingegangen wird. Zftan darf mit Befriedigung feststellen, daß, wie aus dem Wortlaut der neuen deutschen Antwortnote hervorgeht, die Reichsregierung sich auch diese Interpretation des amerifanifdieen Staatsdepartements zu eigen gemacht bat, was für die späteren Erörterungen noch von großer Bedeutung und — wie wir hoffen — von großem Vorteil sein wird. Die starke Betonung dieser vollen Uebereinftimmung zwischen Washington und Berlin hat bereits jetzt den Erfolg gehabt, daß man in London und paris, wenn nicht alles trügt, den ursprünglichen Gedanken dem eigentlichen Kriegsächtungsvertrag noch ein besonderes Zusatzprotokoll beizufügen, aufgegeben bat. Die französische und englische presse spricht jetzt nunmehr von „Interpretationsnoten". Nach deutscher Auffassung sind aber auch solche Vorbehalte keineswegs notwendig. Im Gegenteil sind wir der Nkeinung, daß Sinn und Ziel der amerikanischen Aktion,