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W ^Dt«6efRf<6« Setttmg* «• Mit sechsmal ivLchentlich. ®e- ZLtrtd« monatlich 2 SW. «t* LhNeßl. ZustellmrgSgebLbr. durch IfcfeflMS SMMr etwa infolge Arretks, Maschtnendefekt« oder ^mentarrr Sreiguiss« ausfallrnix •gexnrta wird Ma Ersatz go- fctjUL Verlag b. Dr. §. Kttzeroch, Dmck »er Unlv.-Duchdruckere! d. M. Slug. Koch. Markt 21/23. Keorsprecher: Rr. 64. e. Kr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt * $L Rr. 6016. — Sprech,eit mx Medaktiou do» 10—11 Md
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Anzeiger für (das frühere knrhessische) Overhesfe«
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Murg o.8uhn
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I Goldmark ■ '/«^Dollar.
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Rach der Annahme durch SMchlaad stimmt Frankreich ohne Vorbehalt zu
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2031
Berlin, 12. 3ult. Die deutsche Antwort auf die amerikanische Bote vom 23. Juni betreffend den Kr iegsächtungs- pakt hat folgenden Wortlaut:
L i , Berlin, 11. 3uli 1928.
Herr Botschafter!
Eurer Exzellenz bestätige ich den Emp- fang der Note vom 23. 3uni d. 3s. über den ^Abschluß eines internationalen Paktes zur Aechtung des Krieges und beehre mich darauf im Auftrage der deutschen Negierung folgendes zu erwidern:
Die deutsche Negierung hat die Ausführungen der Note und den ihr beigefüg- ten revidierten Entwurf des Paktes mit größter Sorgfalt geprüft. Sie stellt mit Genugtuung fest, daß der in der Notr -argelegte Standpunkt der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika der grundsätzlichen deutschen Auffassung entspricht, wie sie in der Note vom 27. April d. 3- mitgeteilt wurde. Auch mit den Aende- rungen in der Präambel des Entwurfes des Paktes ist die deutsche Regierung einverstanden. Sie freut sich daher, erklären tu können, daß sie von den in der Note «»er Exzellenz vom 23. 3uni enthaltenen Darlegungen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika Akt nimmt, daß sie der Auslegung zustimmt, die darin den Bestimmungen des in Aussicht genommenen Paktes gegeben wird, und daß sie demgemäß» bereit ist, diesen Pakt in der jetzt vorgeschlagenen Form zu unter-' zeichnen.
Genehmigen Sie, Herr Botschafter, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung gez. Schubert.
Die Reichsregierung hat ein Weißbuch veröffentlicht, das das gesamte Material Mm Kriegsächtungspakt umfaßt. 3" der Sammlung sind alle Noten, bi« in der Angelegenheit zwischen den beteiligten Regierungen ausgetauscht wurden, in englischer und deutscher Sprache enthalten.
ff. Washington, 13. Juli. Die öeutsche Antwortnote auf den amerikanischen Antikriegspaktvorschlag wurde hier veröffentlich. Die Zeitungen betonen übereinstimmend, daß Deutschland wiederum als erster Staat dem Friedensvorschlag Amerikas zugestimmt habe.
Keine Vorbehalte Frankreichs.
fk. Newvork, 13. Juli. Nachdem sich öie deutsche Regierung am Donnerstag bereit erklärt bat, den Aelloggantrag in seiner jetzigen Gestalt zu unterzeichnen, hat ber französische Botschafter in Washington, l a u d e l l, Staatssekretär Kellogg mitgeteilt, daß
Frankreich den Vertrag ebenfalls ohne Vorbehalte annimmt.
Sie französische Note wird dem amerikanischen Botschafter in Paris, Herr ick, am Mutigen Freitag übermittelt werden. Die Antwort 12 weiterer Staaten werden in
>; ‘ Washington in Kürze erwartet, sodaß mit üner baldigen Unterzeichnung des Gesamt- ^rtragswerkes zu rechnen ist.
Kurst and Fromageot waren in Berlin.
.Berlin, (2. Juli. Die juristischen sachverständigen des englischen. und des französischen auswärtigen Amtes Hurst Mrd Fromageot haben auf der Rück- feist von Genf über Berlin deir (eiter der l Mriiiischen Abteilung des Auswärtigen
Amtes, Winisterialdirektor Dr. Gaus, kfudit. Die beiden Herren batten das Bedürfnis, sich mit Dr. Gaus über die schwenden Fragen zu unterhalten, da er dies- Mal nicht in Genf war. Dabei haben die
fragen des Kelloggpaktes und des icherheitsausschusies zweifellos im Vordergrund gestanden.
Botschafter Herrick bei Briand..
fk. Paris, 13. Juli. Außenminister Briand hat gestern den amerikanischen Botschafter Herrick empfangen, dem er, wie der „Watin" meldet, mündlich die französische Antwort auf den amerikanischen Antikriegspaktvorschlag mitgeteilt habe. Die nach Washington übermittelte Note wird wahrscheinlich heute Staatsseekretär Kellogg überreicht werden.
fk. Paris, 13. Juli. Zn diplomatischen Kreisen wird lebhaft die Frage erörtert, ob nach der Annahme des Kellogg- paktes durch Frankreich das englische
Außenministerium seine Vorbehalte bezüglich seines Interventionsrechtes in den Gebieten, deren Sicherheit und Wohlfahrt für Großbritannien eine Lebensfrage bedeutet, aufrecht erhalten wird.
Dem „Echo de Paris" zufolge sollen die juristischen Sachverständigen der fran- zösischen, englischen und deutschen Regierung bei ihren Berliner Besprechungen die Ansicht vertreten haben, das von England beanspruchte Znterventionsrecht sei in dem von Kellogg zugestandenen Verteidigungsrecht enthalten. Die überraschende Schnelligkeit der französischen Antwort, sucht nach Ansicht des Blattes Lhamberlain die Hände in der Richtung zu binden, daß er nicht mehr auf seinen ursprünglichen Vorbehalte besteht.
Endlich gerettet!
Ale Malmgreen- und -Le Niglleri-Skupve gerettet
AM
Mlumgreen roi
Moskau, 12. Juli. Der Eisbrecher Krassin" hat heute früh die beiden Mitglieder derMalmgreengruppe Mariano und Zapp! ausgenommen. Malmgren selber ist bereits vor einem Monat gestorben. Zappj ist gesund, Mariano hat ein Bein durch Frost eingebüßt. Im übrigen befinden sich beide wohl, obwohl sie die letzten dreizehn Tage nur noch geringe Nahrung hatten. Der Eisbrecher »Krassin- setzt sein« Fahrt zur Nettuug der Gruppe vig- lieri fort.
Die beiden geretteten Italiener Mariano und Zappt halten in den letzten 13 Tagtzn sehr unter Nahrungsmittel zu leiden gehabt. Mariano hat infolge einer Beinverletzung große Schmerzen aushalten müssen. Die geringe von Tag zu Tag abnehmende Aussicht aus Rettung, sowie der vor vier Wochen eingetretene Tod ihres Führers, de§ Schweden Malmgren, hatte auf ihre seelische Berfasiung natürlich sehr eingewirtt. An Bord des Eisbrechers „Krassin", der seine Suche nach der Biglieri-Eruppe weiter fortsetzt, hegen die beiden Geretteten die Hoffnung, noch Augenzeugen der Rettung ihrer Kameraden der Viglierigruppen werden zu können.
fk. Oslo, 13. Juli. Aus Kingsbay wird gemeldet, daß der am Donnerstag von dem russischen Dampfer tot geborgene schwedische Forscher Malmgren bereits bei dem Niedergang der Italia eine Hand brach. Bald darauf sind seine b e i d en Beine erfroren. Seine Gefährten, die von den Strapazen mitgenommen wurden, waren dem Wahnsinn nahe. Die beiden Aeberlebenden der Malmgrengruppe erklären, daß Malmgren am 15. Juni erfroren sei. Er sei auf seinen ausdrücklichen Wunsch in der Nähe der Broaksinsel zurückgelassen worden, als sie ihren Weg fortgesetzt hatten. Später seien sie dann wieder zu ihm zurückgekehrt, da das Erreichen des Festlandes unmöglich war, und da sie höchstens noch drei Tage ausgehalten hätten. Während ihres Marsches hatten sie 8 Flugzeuge gesehen, die aber so weit entfernt waren, daß sie von diesen nicht gesehen werden konnten.
In Schweden herrscht über den Tod Malmgreens als Opfer des faschistischen Abenteuers ä u ß e r st e Bestürzung. Malmgreen war in Schweden als WisiensHaftler außerordentlich hoch geachtet. Seine Kenntnisse auf metereologi-
schem Gebiet erweckten schon vor Jahren (außerordentliches Aufsehen. Im Herbst
1927 erwarb Malmgreen den Dottortitel und wurde Dozent in Upsala. Seine Teilnahme an der Nordpolexpedition des Generals Nobile erfolgte auf dessen ausdrücklichen Wunsch. Es verlautet, daß inzwischen auch die italienische Hilfsexpedition des Hauptmanns Sora Lebenszeichen von sich gegeben hat.
Die Gruppe Biglieri gerettet.
ft Rom. 13. Juli. Nach einem Funk- spruch der »Eitta di Milano- hat der rusfische Eisbrecher »Krassin- die Gruppe Biglieri am Donnerstag abend um 9 Uhr an Bord genommen.
Der Eisbrecher „Krassin- soll Amnndsen suchen.
fk. Rom, 13. Juli. Nach einer Meldung des italienischen Hilfskomitees wird der Eisbrecher „Krassin", nachdem ihm die Rettung Nkarianos und Zappis sowie der Viglierigruppe geglückt ist, nunmehr Nachforschungen nach Amundsen und der Alessandri - Gruppe vornehmen. Der zweite Eisbrecher wird voraussichtlich zurückbeordert werden.
Erfolglose Suche nach der »Latham-.
fk. Rom, (3. Juli. Nach einer amtlichen Weldung startete Kapitän R a v a z - z o n i gestern mit dem Wasicrflugzeug „2Ti arina" in Tromsoe und führte einen 6 stündigen Erkundungsflug in dem Gebiet 50 Weilen östlich und westlich der norwegischen Küste bis 50 Weilen südlich der Bäreninsel durch. Er hat von der „Latham" nichts entdeckt.
Eine Nachricht von der Sora-Expcditio«.
fk. Kingsbay, 13. Juli. Infolge ungünstigen Wetters war es den Fliegern gestern nicht möglich, aufzusteigen. Ueber die von dem italienischen Hauptmann Sora geführte Hilfsexpedition wird gemeldet, daß ein Mitglied derselben, der dänische Ingenieur Bruun, mit einem Schlitten und einem Hundegespann zurückgelassen wurde.
Zum Tod Löwensteins.
fk. London, 13. 3uli- Die unter Leitung eines Beamten des britischen Luftministeriums angestellten Versuche mit dem Flugzeug Löwensteins ergaben, daß ein Anglücksfall ausgeschlos- s e n ist.
Sie ifigtiwrotMtgnnta im Weltkrieg
Ein Mitglied des englischen Parlaments. Arthur P o n s o m b y, darf für sich den Ruhm beanspruchen, wohl als erster die „Lüge im Weltkrieg" zum Stoff und zur Grundlage eines sehr interessan- ten Buches gemacht zu haben. 3ßcr f:-n ein Bild über die großen propagandistischen Lügen des Weltkriegs machen will, lese dieses Werk nach. Er wird sich dann erstens ein Bild davon machen können, wie die Lüge in Kriegszeiten bereits zu einem wiffenschaftlichen System wurde und zweitens auch, wo im Weltkrieg am meisten gelogen wurde. In seinem Buch veröffentlicht Ponsomby auch einen Auszug aus der Schrift eines französischen Journalisten: .Hinter den Kulissen des französischen Zeitungswesens." Die Aufzeichnungen dieses Franzosen find so kennzeichnend, daß sie es verdienen, veröffentlicht zu werden: „Man muß die Lüge in ein wissenschaftliches System bringen, man muß sie dick austragen und man darf keine Mühe und keine Kosten scheuen, um sie als reine Wahrheit über die ganze Welt zu verbreiten. Dann kann man ganze Völker auf lange Zeit täuschen und sie dazu bringen, sich für Ursachen zu schlagen, an denen sie nicht das leiseste Interesse habet». Wir haben dies zur Genüge während des letzten Krieges gesehen und werden es im nächsten wiederfinden.
Wir erfaßten sogleich richtig, daß es nicht genügt, die Mafien zum Kriege zu entflammen und der Feind, um selbst dem Dorwurf der Schuld zu entgehen, als gemeingefährlichen Friedensstörer hinzu- stellen. Wir haben sofort die große Bedeutung erkannt, die es haben würde, die öffentliche Meinung für unsere mehr oder minder gerechte Sache zu begeistern. Bereits drei Tage nach Kriegsausbruch brachte Viviani ein Gesetz ein, das am selben Tage von beiden Häusern angenommen wurde. Durch dieses Gesetz wurde als erste Propagadamatzregel mit dem gewaltigen Aufwande von 25 Millionen Eoldfranken die Maison de la Prefie eingerichtet. Es war ein gewaltiges Gebäude von 5 Stockwerken. 200 Räume enthielten die Arbeits-, Beratungs-, Sprech- und Empfangszimmer. Dort hausten die kriegswütigen Helden, deren Mut mit dem Abstand vom Schützengraben wächst. Hier war die ganze Propaganda zentralisiert. Im Erdgeschoß befanden sich die gesamten' Maschinen für Druck und Vervielfältigungen, oben und unter dem Glasdach arbeitete die Lichtbildabteilung. Ihre Hauptaufgabe bestand in der Ausnahme von Holttiauren mit abgehauenen Händen, ausgerifiener Zunge, ausgestochenen Augen, eingeschlagenem Schädel und freiliegendem Gehirn. Die so hergestellten Bilder wurden cfts unerträgliche Beweise für deutsche Grausamkeiten nach allen Teilen der Erde versandt, wo sie die gewünschte Wirkung erfüllten. In denselben Räumen wurden gefälschte Bilder von zerschoßenen französischen und belgischen Kirchen, geschändeten Gräbern und Denkmälern und anderen Ereuel- szenen hergestellt. Die Szenerie wurde von den besten Kulifienmalern der großen Oper entworfen.
Das Prefiehaus war die unermüdliche Quelle, aus der fortwährend falsche Kriegsnachrichten und erfundene Neuigkeiten von rückwärts nach der Front flofien. Dem Feinde wurden die größten Schandtaten angedichtet. Man bemühte ''ch, jedes Wort des Feindes zur Lüge zu stempeln und umgekehrt jede unsere Lügen als Wahrheit zu erklären. Dies alle- segelte unter der Flagge der Propaganda."