Einzelbild herunterladen
 

Sonnabend,

den 7. Zull ISA

t)it ^vberhtssisch« ZUNrng" tf schoüit sechsmal wbchenillch. Be- prgsvrei« monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebübi. durch ht<Pvst2.25 GM-Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte oder elementarer Erelgniff« ausfallend« Kummern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag b. Dr. §. Litzeroth. Druck der Untb.-Buchdruckerei b, geb. Äug. Koch, Markt 21/23. gernsprecher: Nr. 64. u. Nr. 65. Postscheckkonto; Amt Frankfurt e. W- Nr. 6016. Sprechzeit per Redaktion bon 1011 und

»jtl1 Uhr.

Anzeiger für (das frühere kurhefsischej Oberhessen

Marburger raskSauzeistt

Lanrrszetums

*' 4 iSt-i,

4|

Sr. 158 63. Mts. Marduts a.Labn

Der «dqetgenprct« betragt ffc Den 10 gespult. Zellenmilllmeter 0.08 «M, Veit» Baranzeige« 0.0« SM, amtlich« «nd «a* wartig« Anzeigen 0.10 GM. M schwierigem Satz sowie bei Platz- Vorschrift 50'J. Aufschlag' Sammrlan zeige» 100 *1» Aust schlag. Neklameo der Mtlltm. 0/40 GM. Zeder Rabatt güt «10 BarradaN. 3M * Sage. Beleg« werden berechnet,ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle «ntz Iosendung der Angebot«. « füllung-ort Marburg,

I Gvlhmart VweDoll«.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Selbstmord, Anglück oder Verbrechen?

SaS Mliolralkn übte den Tod LömiMmö Saß Snicht in Nsnlogne nimmt öelbltmord nn

Der Berichterstatter desJournal s in Calais weist darauf hin, daß das Flugzeug Löwensteins um 19.20 Uhr an der französischen Küste gelandet ist, nachdem es die etwa 200 Kilometer lange Strecke zwischen Croydon -Dünkirchen in 1 Stunde und 11 Minuten zurückgelegt hatte. Cs sei daher unmöglich, datz der Flugzeugsührer seinen Herrn irgend­wo in England, an der belgischen Grenze oder aus sranzösischem Gebiet a b g e - setzt habe, da sonst die für den Flug be­nötigte Zeit zu sehr überschritten worden wäre. Die Annahme eines Verbre­chens müsse gleichfalls oonderHand gewiesen werden.

Das Gericht in Boulogne, das eine Untersuchung über das Verschwinden des belgischen Bankiers Löwenstein an­gestellt hat, neigt zu der Auffassung, daß ein Unfall so gut wie ausgeschlossen sei, und daß der Bankier S e l b st m o r d be­gangen habe.

Paris, 6. Juli. Auf dem Flugplatz ße Bouryet wurde heute, tote derTemps" mitteilt, mit einem Flugzeug vom gleichen Typ, mit dem der Bankier Löwenstein ver­unglückt ist, der Versuch gemacht, ob sich wahrend der Fahrt die Ausgangs- tür öffnen läßt. Zwei Mechaniker der Flugzeugfirma Fokker versuchten während des Laufens der Motoren bar voller Geschwindigkeit die Tür zu öffnen. Erst als sie gemein,am sich mit voller Kraft dagegen stemmten, entstand eine Oeffnunn von genügender Größe, daß ein Mensch hätte hinausfallen können. Der Vertreter der Firma Fokker bat aufgrund diesen Fest­stellung erklärt, daß es einem ein­zelnen Menschen nahezu unmög­lich sei, die Tür eines Flugzeuges dte- jeS Modells während der Fahrt zu öffnen.

Andererseits hat ein naher Freund Löwensteins, tote aus Brüssel gemeldet wird, mitgeteilt, daß in dem Unglücksslugzeug die Toilette so gelegen fei, daß, wenn man sie betreten wolle, man der nach außen führenden Tür des Flugzeuges den Rücken kehren müsse Es sei also zumal die Außentüre vielleicht nicht ganz fest ge­schlossen habe, sehr wohl

möglich, daß der schwere Löwenstein bei einer Schwankung des Flugzeuges rücklings gegen die Außentüre geschleudert worden sei, diese durch sein Gewicht aufgedrückt habe und so hinauSgestürzt sei.

Eine dritte Version bietet eine Meldung aus London. Dort hat ein.wenstein nahestehender Finanzmann erzählt, daß es eine Angewohnheit Löwen- stet n s gewesen fei, die EingangStür 8u seinem Flugzeug zu öffnen, um, während er sich an den Angeln fest- hielt, aufs Meer hinab zu sehen. Viele seiner Freunden hätten ihn bereits auf die Gefahren hingewiesen, zumal sein Flugzeug nicht mit SicherheitSgeländer an der Eingangstür ausgerüstet war.

Paris Midi" veröffentlicht Sine Unterredung mit einer dem Finanzmann Löwenstein nahestehenden, ungenannte Per­sönlichkeit. Danach soll Löwenstein Nacht­wandler gewesen sei, und man könne an- ttefjmen, daß er ein Opfer dieser Krankheit geworden sei. Ein Selbstmord hält die betreffende Persönlicheit für ausgeschlossen. Eher könne man noch ein Verbrechen an- nehmen.

Die Rückwirkung des Todesfalles Löwen­stein auf die Hauptbörsenplätze, ist ein neuer Beweis für die internationale Börsensolidarität. In gleichem Maße wie in London, Brüssel und Berlin macht sich das geheimnisvolle Verschwinden des belgi­schen Finanzmannes auch in Paris bemerk­bar, wo eine starke Drosselung der Börse testzustellen ist. Die Realisation der Börse wird auch auf die symbolische Bedeutuna Löwensteins znrückgesührt, der für viele als der S pe ku l a t io n Sge ist der Nach- kriegszeit galti

*

gemacht. In der letzten Zeit sind feine Vorstöße zur Beherrschung den Kunstseide­erzeugung bekannt. An ernsthafte Krisen oder eines Zusammenbruch seines Konzerns hat man in Börsenkreisen nicht mehr ge­glaubt, obwohl es mit manchen großzügigen Transaktionen nicht mehr so recht klappen wollte und einige Kreditoperationen keinen Erfolg hatten. Es paßt zu dem Geiainti- bilde dieses Mannes, daß er sieben Häuser in B'.arnz besaß und sich mit Flugzeug Caviar aus Moskau holen ließ, sowie An­gestellte der Lebeweltlokale verprügelte. Auch sein Flugzeugpark sowie ähnliche Luxus­unternehmungen deuten wie andere Einzel­heiten der Lebensführung darauf hm, daß dieser aus kleinen Anfängen zu einer finanziellen Weltstellung gelangte Mann alle Schwächen des ParvenütumS einer aufgeregten Zeit besessen hat.

Auf allen Börsen der Welt wird man noch einige Zeit den Tod des belgischen Bankiers und Großspekulanten Löwen­stein besprechen, der mittelsUnglückS- sall" aus einem geschlossenen Flugzeuge 1300 Meter hoch in den Aermelkanal hin­abgestürzt ist. Mit Löwenstein ist einer js.netinteressanten" Tn der Kühnheit khrev Finanzspekulationen berühmten Großritter des Glückes untergegangen, wie sie die Nachkriegszeit mit ihren wirtschaftlichen und politischen Stürmen und Schwankungen an die Tagesoberfläche getragen hat. Ob sie Bösel, Castiglione oder Löwenstein heißen, gemeinsam ist ihnen die Fähig­keit .zur unbekümmerten Ausnützung der wirtschaftlichen Situation und trotz allem ein gewisser Mangel an Augenmaß. Löwen­stein hat von Belgien aus nacheinander eine Reihe von Industrien sich dienstbar

Lunöboev

Sie Schweben deesuchm bie

Stockholm, 6. Juli. Im Kriegs­ministerium traf heute früh folgendes Telegramm rin:Abgesandt Freitag mor­gen 8 Uhr. Lundborg gerettet. T r o m - 6er g."

lieber die Rettung Lundborgs meldet derLok.-Anz." aus Birgo-Bay: Die bei­den schwedischen Maschinen 2 5 5" und2 5 7 haben das Rettungs­werk vollbracht. Trotz des Nebels sind» sie heute früh erneut zum Lager der Lund- borg-Gruppe geflogen und haben dort Proviant, Medikamente und Akkumula­toren abgeworfen. Bei dieser Gelegen­heit entdeckte der Führer der Maschine 255 eine Wasserfläche und wagte sofort eine Landung, bei welcher Lundborg an Bord genommen wurde. Das Wetter hat sich inzwischen gebessert und man hofft, noch im Laufe des Freitag die übrigen auf dem Eise Zurückgebliebenen in Sicherheit bringen zu können.

fk. O s l o, 7. Juli. In Schweden herrscht große Freude über die Rettung Lund- borgs. Der junge Flieger, der erst seit Vz Jahr verheiratet ist, ist vor zwei Jah­ren aus einer Höhe von 1500 Meter in einen Wald abgestürzt. Während der Apparat dabei in Trümmer ging, kam Lundborg mit nicht einer einzigen Schramme davon.

Die Arbeiten der schwedischen Rettungs­expeditionen haben sich wesentlich gebes-

atallMtito« SMwakttflug nach Berlin

Loudon. 6. Juli. Das italienische Militärluftgeschwader, das aus 12 Mili­tärflugzeugen besteht, ist heute vormittag 7.05 Uhr unter Führung des italienischeu Unterftaatssekretärs Balbo von London nach Berlin gestartet, wo es gegen Mittag auf dem Tempelhofer Flughafen eintref­fen sollte. Fünf Maschinen mußten aber

st.''' im zwischrnlanden, darunter die des Unterftaatssekretärs Balbo. Eine Maschine ist nördlich von Amsterdam, eine andere bei St. Jnglevert auf französischem Boden niedergegangen, während die fünf übrigen Maschinen zunächst überfällig waren und erst im Lause des Nachmittags in Amsterdam eintrafen, ebenso wie die bei S.. Jnglevert gelandete. Das nörd­lich Amsterdam niedergegangene Flugzeug

ist serrttel

Heilung btt SruM Sigiieri

fett. Die schwedischen, norwegischen und finnischen Flugzeuge Können von ihrer neuen Overationsbasis aus, planmäßig weite Gebiete absuchen, da sich für die einzelnen Flugzeuge der Aktionsradius wesentlich verkleinert habe. Das gilt für die Aufsuchung der Mitglieder der Mg- lierigruppe wie für Amundsen. Die Suche nach Amvndsen,ist am Freitag aufs neue ausgenommen worden und wird mit Nachdruck durchgeführt.

fk. Oslo, 7. Juli. Die Rettung des Kapitäns Lunöoorg erfolgte, wie von Spitzbergen gemeldet wird, vom Rordostland aus, wo die schwedischen Flie­ger eine Flugbasis errichtet haben. Das Unternehmen wurde dadurch begünstigt, daß der in den letzten Tagen herrschende starke Rebel sich ein wenig gelichtet hatte. Es besteht nunmehr die Absicht, die Mit­glieder der Biglieri-Gruppe einzeln mit einem kleinen Flugzeug abzuholen und nach dem Nordostland zu bringen, wo sie mit einefn großen schwedischen Flugzeug nach dem eigentlichen schwedischen Lager gebracht werden sollen. Man nimmt an, daß es jetzt gelingen wird, die Rettungs­arbeiten rasch durchzuführen. Nach Ber­gung der Biglieri-Gruppe werden die Schweden sich der Suche nach den übri­gen Verschollenen anschließen. Leutnant S ch y b e r g, der Kapitän Lundborg ge­rettet hat, hatte mit starkem Wind und Rebel zu kämpfen.

hat einen Propellerbruch erlitten und muß in Holland repariert werden.

Die fünf zunächst in Amsterdam gelan­deten Flugzeuge sind um 2 Uhr wieder aufgestiegen und um 4.30 Uhr auf dem Flughafen Berlin Tempelhof glatt gelan­det. Die Flugzeuge haben demnach die Strecke AmsterdamBerlin mit einer Stundengeschwindigkeit von 250 Kilometer durchflogen. Der italienische Staatssekre­tär Balbo und die übrigen Flieger wur­den auf dem Flughafen von Vertretern der italienischen Botschaft, des Luftver­kehrsministeriums, fo-sie der Direktion der Deutschen Lufthansa begrüßt.

Absturz eines französischen Militärflug­zeuges.

fk. Paris, 7. Juli. Rach einer Mel­dung desPetit Journal aus Cler- mond Fervrand ist gestern ein Militär- flugzeug abgestürzt. Der Führer, ein Hauptmann, kam ums Leben. Der Passa­gier, ein Leutnant, wurde verletzt.

Du Fall Lambach

Die inneren Auseinandersetzungen in der Deutschnationalen Volkspartei sind durch die bekannte Fraktionserklärung zu dem Fall Lambach keineswegs erledigt. Sie sind vielmehr in ein neues Stadium getreten durch einen neuen Artikel, den der Abg. Lambach gleichzeitig mit der Be­kanntgabe eines Briefes, den er an Graf Westarp geschrieben hat, veröffentlicht hat. Lambach warnt die Fraktions- und Parteileitung davor, zu glauben, daß durch den Fraktionsbeschluß, durch den ihm wegen feines bekannten Artikels Monarchismus eine Rüge erteilt wor­den ist, die Fragestellung zum Schweigen gebracht worden fei. Uno in der Tat geht die Diskussion auch weiter. Von einer Reihe von Angestellten- und Arbeiteror­ganisationen der Deutschnationalen Volkspartei sind Sympathieerklärungen für Lambach abgegeben worden. Auch Teile der Studentenschaft und der rechts­stehenden Jugendorganisationen haben sich zu dem von Lambach angeschnittenen Thema geäußert und sich ebenfalls aus den Boden seiner Ausführungen gestellt. Die Frage, um die es hier geht, finden wir sehr treffend formuliert in einer Ent­schließung, die die deutschnationale Stu­dentengruppe der Universität Göttingen gefaßt und dem Grafen Westarp übermit­telt hat. Diese Entschließung lautet:Die deutschnationale Studentengruppe der Universität Göttingen verfolgt mit ge­spanntestem Interesse die Auseinander­setzungen um die Führerschaft der Partei. Sie sieht darin einen Kampf um die gei­stigen Grundlagen der Partei. Die Blick­richtung der einen Gruppe ist nach rück­wärts gewandt; es ist die von Menschen, die im deutschen Kaiserreich Blüte und Höhepunkt staatlichen Lebens sehen. Ihr Ziel ist die Restauration dieser Zustände. Die andere Gruppe sieht das Wesen der Deutschnationalen Volkspartei in dem konservativen Gedanken, d. h. der Durch­dringung unseres staatlichen und volk- lichen Lebens mit deutschem Geiste und Blute. Im Gegensatz zu der ersten Gruppe ist sie davon überzeugt, daß konservativer Geist auch in der Republik wirken kann. Für sie ist konservativ nicht gleichbedeu­tend mit Erhaltung, geschweige denn Wiederherstellung von Epochen, die sich nicht bewährt haben als Hort konservati­ver Ueberliefeiung. Sie bejaht den bis­herigen Verlauf der deutschen Geschichte und sieht ihre höchste Aufgabe in der Durchdringung des deutschen Staates, fei es Republik oder Monarchie, mit konser­vativem Geiste.

In demselben Sinne sind auch die übri­gen Kundgebungen für Lambach gehalten. Die Deutschnationale Volkspartei kann an diesen Verlautbarungen nicht vorüder- küehen. Denn es ist die Jugend, die sich ier zu Wort meldet und gerabe bei den Teutschnationalen ist ja die Jugend die Hoffnung der Zukunft bisher immer ge­wesen. In den Kundgebungen der deutschnationalen Angestelltenorganisatio­nen klingt noch ein anderes Motiv durch. Außer gegen Lambach sind nämlich auch gegen andere Mitglieder der Angestell- ten-Ausschüsse der Partei Ausschlußan­träge eingereicht worden. Der deutsch- nationale Handlungsgehilfenverband, des­sen Führer bekanntlich Lambach ist, er­klärt nun, daß die Ausschlußanträge sich insbesondere auch gegen die betreffenden Personen in ihrer Eigenschaft als Ge­werkschaftler richten. So schreibt z. B. derPolitisch-gewerkschaftliche Zeitungs­dienst:Es ist noch nicht abzusehen, wie dieser Kampf ausgehen wird, aber mit Bestimmtheit kann festgestellt werden, daß er von Seiten der Arbeitnehmerschaft mit aller Schärfe geführt werden wird. Immer deutlicher wird es, daß der Aus- lchlußantraa Hamburg nicht dem Verfas­ser des ArtikelsMonarchismus, son­dern den Gewerkschaftler Lambach tref­fen sollte.

Am morgigen Sonntag tritt in Berlin der Parteivorstand der Deutschnationalen