Nr. 184
Obekhrffisch« Zeitung, Marvurg a. S TtenStag, den 3. Juli 1928.
Lette 8
-dsiewNattau und NmUbargedtele
Mordprozetz Wichmann.
Frankfurt a. M., 2. Juli. Im Zeugenverhör wurde heute fvrtgefahren und der Gendarmeriebeamte vernommen, der Wiechmann in Schweigen bei Bergzabern festnahm. „Ich habe es aus Not getan", sagte W. damals und erwähnte auch, datz man gemeinsam aus dem Leben scheiden wollte. Er habe mit seiner Frau t* sehr gutem Einvernehmen gelebt; eine Person, ein Mann, besten Namen er verschwieg, sei eigentlich an der ganzen Sache schuld gewesen. Seine Frau hab« ihm er- gählt, daß dieser Mann sie verführen wollt«. Der damals tief erschütterte Angeklagte kann sich der bei seiner allerersten Vernehmung gesprochenen Worte nicht mehr «ntstnnen, bestreitet aber, baß von „Versilhren" die Nebe war. Denn es elfer geschah, so sei damit lediglich der Zeuge Sommer gemerkt. Zeuge Kriminalrat Hader erzählt, wie es am Datvrt aus- say. Im Zimmer war alles ziemlich sauber, Sie Schlüssellöcher wären mit Papier verklebt. Im Kinderwagen lag das jüngste Kind, die beiden andern im Kinderbett. Frau Wiechmann lag in ihrem Bett auf dem Rücken, bis zum Hals zugedeckt, das Gesicht etwas nach der Wand geneigt. Als man aufdeckte, sah man, daß sie ein schwarzes Samtkleid, aber keine Schuhe an hatte. Die Kinder hatten Dagtteidung an, waren aber schuh- und strumpflos. Die Frau hatte Len Halsriemen festzugezogen um den Hals, es steckte ein Taschentuch dazwstchen. Dem kleinen HanS waren die Händchen gefaltet. Der Tatbestand lieh anfangs verschiedene Auslegungen zu; es konnte auch Vergiftung vorliegen, da eine Flasche mit einer Flüssigkeit auf dem Disch stand. Assistenzart Dr. Müfler, der an den Datvrt gerufen wurde, bekundet, datz überall schon Leichenstarre eingetreten war, so daß der Dod allerspätestens um 9 Ahr morgens erfolgt sein sein mußte. GS werben dann noch Zeugen aus Egelsbach gehört, wo der Angeklagte verstört ankam und im Gesicht zuckte. Die Verteidigung stellte noch eine Reihe von Beweisanträgen und «S kommt zu längeren Erörterungen auch über die Frage der Ladung einer Graphologin. Der Antrag der Verteidigung auf Ladung der Graphologin wurde nicht abgelehnt, es soll später hierüber vom Gericht Beschluß gefaßt werden. Aeber den Sekttonsbefund der vier Leichen berichtete dann am Schluß der Mon- tagSderhanblung Gerichtsarzt Prof. Dr. Vorkastner. Der Ernährungszustand der Leichen war verschieden. Die Kinder waren nicht einmal so schlecht genährt. Der .Zustand der Frau Wiechmann war weit entfernt von dem Zustand derjenigen Leute, die Hungers sterben. Dagegen war Frau Wiechmann sehr unterernährt. Als Todesursache wurde Ersttcken festgestellt. Nur bei dem Kind Friedel steh sich eine Todesursache überhaupt nicht feststellen. Der Befund dieser Leiche war vollkommen negativ. Di« Darstellung des Angellagten über die Tötung des Friedel könne durchaus zutreffen. Am Dienstag sollen die Sachverständigen ihr Gutachten erstatten.
Kassel. 2. Juli. Am Freitag nachmittag gegen 17 Uhr ereignete sich im Rothendrtmolder Werk der Firma Henschel und Sohn ein furchtbarer Unglücksfall. Der Nieter Heinrich Heide wurde von einem, aus bis jetzt noch nicht geflärte Ursache herabstürzenden Flaschenzug auf den Kopf getroffen, wodurch er einen
schweren Schädelbruch erlitt. Die Sanitäts-Hauptwache war sofort zur Stelle und brachte den Schwerverletzten mit größter Vorsicht in das Marien krankenhaus. Der Kunst des Arztes ist es nicht gelungen, ihn am Leben zu erhalten.
Kassel, 2. Juli. Die Reichsbahndirektion Kassel teilt mit: Am Montag gegen 5.30 Uhr ist auf der Strecke Nord- hausen-Rortheim zwischen den Stattonen Osterhagen und Scharzfeld eine Zuytren- nung bei dem ELterzug 5517 durch Abreißen eines Zughakens entstanden. Der vordere Zugteil, der mit dem beschädigten Wagen nach Osterhagen weitergefahren war, ist nach Abstellung des Wagens wieder zurückgefahren, um den stehengebliebenrn Teil abzuholen. Hierbei ist der abholende Zugteil gegen den stehenden Zugteil stark angefahren, sodaß zwei Wagen ineinan- dergeschoben und drei weitere Wagen beschädigt worden sind. Der Zugführer ist leicht verletzt worden. Durch d-n Uni ' wurden beide Hauptgleise bis gegen 9.30 Uhr gesperrt. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrecht erhalten.
H e r s f e l d, 2. Juli. Daß man leider bei Reisen an den schönen deutschen Rhein immer noch besondere Vorsicht über muß, beweist ein Vorfall, der einem Hersfelder in Aßmannshausen begegnet ist. Dort gesellte sich ein anderer Mann in einem Weinlokal zu ihm, der sich erfreulich gebärdete. Als der Hersfelder die Gaststube für einen Augenblick verließ, wurde ihm ein Detäubungsmittel ins Glas geschüttet. Der Fremde wollte ihn noch zu seiner Uebernachtungsstätte begleiten, brachte ihn aber statt dessen zu einem Zuge nach Koblenz. In diesem wurde der Hersfelder am anderen Tage von Bahnbeamten in bewußtlosem Zustande und mit zerschun- denen Gliedern aufgefunden. Der Fremde hatte ihm eine Fahrkarte nach Koblenz in die Tasche gesteckt, um ihn wahrscheinlich von einem anderen Agenten in Koblenz in Empfang nehmen zu lassen.
Gießen, 1. Juli. Der Alice- Cchul-Verein Gießen blickt im Herbst auf eine 50jährige Tätigkeit zurück. Aus kleinen Anfängen entstand allmählich eine Mädchengewerbeschule, die neben Kursen im Wäschenähen, Schneidern, Sticken, Waschen und Bügeln, eine Haushaltungsschule, ein Seminar für Handarbeits- und Hauswirt- ichaftslehrerinnen, ein Fröbelseminar und eine Kinderpslegerinnenschule umschließt. Tausende von jungen Mädchen find in ihr auf den Hauptgebieten weiblicher Tätigkeit unterrichtet und durch sie für das Haus und den Beruf vorgebildet. Kapital und Raummangel haben seit Kriegsbeginn t:e Weiterentwicklung der Schule gehemmt. Heute kann immer nur ein Teil der Meldungen um Eintritt in die einzelnen Abteilungen berücksichtigt werden, da die Schule trotz aufopfernder Tätigkeit ihres Vorstandes hart um ihr Dasein zu kämpfen hat und sich nicht vergrößern kann. — Eine Feier am 28. und 29. September 1928 soll alle ehemaligen Sckülettnnen in den Räumen des Gesellschaftsvereins (Club) Sonnenstraße vereinen. Das nähere Programm wird noch bekannt gegeben.
Gießen, 2. Juli. Gelegentlich der Jahresfeier der hessischen Lanoesuniversi- tät Gießen verkündete der Rektor. Prof. Dr. Rosenberg, in seiner Festrede die Ernennung des Ministerialrats Dr Löhlein- Darmstadt zum Ehrensenator der hessischen Landesuniversität Gießen.
O f f e n b a ch a. M., 2. Juli. Am Sonntag abend gegen sechs Uhr fuhr eine Kraftdroschke in ein Schaufenster der Frankfurter Straße. Ein vor oem Schaufenster stehendes Ehepaar, das sich die Auslagen betrachten wollte, wurde dabei in das Schaufenster gedrückt, wobei der Mann nur leichtere Verletzungen davontrug, während die Frau mit schweren Arm- und Deinwunden in das Krankenhaus Lbergeführt werden mußte. Lebens- aeftrhr besteht nicht. Es muß erst «p •• f r- gestellt werden, ob Fahrlässigkeit vorliegt. Wahrscheinlich ist die Ursache des Unfalles auf ein Versagen der Steuerung zurückzu- führen.
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Evlel und Svorl
Die einzelne sportlichen Veranstaltungen am verflossenen Sonntag waren, wenn man von dem Reitturnier des Ka- vallevevereins absieht und über das wir ja fäott gestern berichteten, Me Reichsjugendwettkämpfe für die Jugendlichen, die nicht schon mit ihren Schulen um die Hindenburgplakette angetreten waren. Insgesamt 58 Jungen batten sich zu dieser Veranstaltung eingefunoen. deren Verlauf sich mustergültig abwickelte. Seitens der Universitätsverwaltung waren die Teilnehmer des Turn- und Sportlehrerkurses als Kampfrichter zur Verfügung gestellt worden, unter deren Leitung die einzelnen Wettkämpfe sehr flott ausgetragen wurden. Schon um %12 Uhr war die Preisverteilung fertig, die von dem Vorsitzenden de^ Stadtverbandes für Leibesübungen, Herrn Prof. Jaeck selbst vorgenommen wurde. Auch Herr Stadtrat Walter, der städttsche Vertreter für Jugendpflege, hatte sich dazu eingefunden. Die Witterung war sehr günstig; ein leichter Wind sorgte dafür, daß die Hitze nicht allzu stark empfunden wurde. Bei den Kurzstreckenläufen war er zwar etwas hinderlich, da er -aus der Gegenrichtung kam; darauf ist es wohl auch zurüchufüh- ren, daß nur ein einziger Konkurrent die 100 Meter unter 13 Sekunden bewältigen konnte.
Die Schwimmwettkämpfe fanden bereits am Sonnabend im Hindenburgbad am Wehrdaerweg statt, das zu diesem Zwecke vom VfD.-Kurh. bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde. Es wurde damit auch erneut der Beweis erbracht, daß sich das Bad zur Austragung solcher Veranstaltungen sehr gut eignet. Die Sieger in den einzelnen Kämpfen sind folgende:
4 xsv-Meter-Schwimmstaffel: Jahrgang 10/111. VfB-Kurh. 2,44 Min. Jahrgang 12/131. VfB.-Kurh. 2,51,2 Min.
Sechskampf für Jahrgang 1910/11.
1. Döttner, VfB.-Kurh. 108 Punkte
2. Vetter VfB-Kurh. 99 Punkte
3. Schädla, VfD.-Kurh. 96 Punkte
4. Wicht VfB.-Kurh. 87 Punkte
Bierkampf für den Jahrgang 1910/11.
1. Dourlon VfD.-Kurh. 70 Punkte
2. Kau VfB.-Kurh. 58 Punkte
2. Weyand VfB.-Kurh. 58 Punkte
3. Rueff VfB.-Kurh. 53 Punkte
4. Lampe Athl.-Elub 88 50 Punkte
5. Bunte VfB.-Kurh. 48 Puntte
5. Isenberg Athl.-Club 88 48 Punkte
Vierkampf für den Jahrgang 1912/13.
1. Laubscheer VfB.-Kurh. 76 Puntte
1. Schneck VfB.-Kurh. 76 Punkte
2. Naumann Germania 08 75 Punkte
3. Jrge Athl.-Club 88 72 Puntte
4. Kappeller VfB.-Kurh. 66 Punkte
5. Heinzer VfB.-Kurh. 60 Punkte
6. Röll VfB.-Kurh. 57 Puntte
Dreikampf für den Jahrgang 1914/15.
1. Semmelroth Athl.-Club 88 57 Puntte 2. Otto Athl.-Club 88 48 Puntte
3. Schmidt VfB.-Kurh. 46 Puntte 4. Hofmann VfB.-Kurh. 43 Puntte 5. Wiese D. I. K. 42 Punkt«
4 mal 100-Meter-Staffeln
Jahrgang 10/11:
1. VfB.-Kurh. 1. 50 Sekunden
2. Deutsche Jugendkrast 51 Sekunden
3- VfB-Kurh. 2. 51% Sekungen
Jahrgang 12/13:
1. VfB-Kurh. 1. 53,1/, Sekunden
2. Athl.-Club 88 55 Sekunden
3. VfB-Kurh. 2. 56 Sekunden
4. Deutsche Jugendkraft 59,% Sekunden
Jahrgang 14/15: 1
1. VfB.-Kurh. (Alleingang).
Wie aus der vorstehenden Liste erficht» lich, hat VfB-Kurh. wieder den Hauptanteil an den Siegen errungen; die Jugend« abteilung dieses Vereins war auch mit 38 Mann vertreten. D. I. K. stellte 9, Ger» mania 6. und der Athleten-Club 88 5 Jungen. Leider vermißte man den Nachwuchs der Turnvereine; infolge des in Butzbach stattfindenden Gauturnfestes war die Beteiligung an anderen Beran» staltungen gesperrt.
Zu den in Frankfurt stattgefundenen, süddeutschen Meisterschastskämpfen des deutschen Schimmverbandes hatte auch dey VfD.-Kurh. einige Schwimmer entfandch Das Mitglied Dorfmüller konnte dabe? im 200 Meter Brustschwimmen für Vereine ohne Winterbad den ersten Platz in der sehr guten Zeit von 3,10,6 Minuten» belegen. In der 4 mal 200-Meter-Brusb- staffel für Vereine ohne Winterbad konnte sich die Marburger Mannschaft aber nicht plazieren, da einer der besten krankheitsr halber nicht mitfahren konnte.
Das Ende.
Hausmädchen: „Das ist doch so eine ett< Dal«, gnädige Frau, die mit den blauen Blumen, wo Sie nur gesagt haben, die ist von Generation zu Generation vererbt."
HauSsrau (nervös): „3a, und —“ ' s>-
Hausmädchen: „Diese Generation bat fie fallen lassen."
Wetterbeobachtungen am 2.11. Alt
Höchste Temperatur am 2. Juli 25.8 Teil.
Niedrigste Temperatur letzt« Nacht 9,6 flütlf.
Franz Köhler, Svttker Wetter gast« Ul SveztMauS für SM und Wo.
Zeit
B»ro««terst. reduziert auf N. N.
Temperatur
Relative
Luft. . feuchtigkeit
2. 7.2 Uhl »ach«.
2.7.9 Uhr nach«.
3. 7.7 Uhr vor«.
763,8 mm
763,7 mm
763,6 mm
24,8 Tess.
19,6 Test.
16,5 Test.
37*1,
5« y. - . ,
72 V"
Wetterbericht.
lieber ganz Europa kommt eS mehr und mehr zur Ausbildung einer flachen Druck« Verteilung, in deren Bereich auch bei unA eine fortschreitend« Erwärmung, vereinzelt mit Wärmegewittern, erwartet weiden muß.
Vorhersage für Mittwoch: Zunächst kein« wesentlich« Aenderung.
Achnen tonn, da er sich nur bis zu einer Lifte von 100 bis 200 Metern nach weisen «tzr. Die'« Strömung wird hauptsächnch »urch die kalten und reichlichen Meder- ^lSge in den Polargegenden und besoid- »«8 in Sibirien hervorgenufen, die nach Süden abfließen, wird aber auch von den Winden stark beeinflußt. Dagegen rst der Weiwte ©»IT« ober nordetkantffche Strom eine viel größere und tiefere Strömung, bl« sich bis zu einer Tiefe von 600 bis 900 Meiern erstreckt. Zum größten Teil lvird bttie mächtige Strömung durch die Erwärmung des MeerwaflerS in den ägua- sorischen und die Abkühlung desselben in -<n nördlichen Breiten Bebingt Aber auch
Zum größt... ----
ttge Strömung durch trie Meerwassers in den äqua-
Sie OtetrtWmmeen
ließet di« Entstehung d«r Meeresströmungen sind sehr verschieden« Ansichten geltend gemacht worden, wenn auch di« meisten Ozeanographen zurzeit der Meinung zu sein scheinen, daß die Hauptuo- sache der großen Meeresströmungen in bet' Einwirkung beharrlich oder wenigstens vov- herrschend nach einer bestimmten Richtung wehender Winde auf das Wasser zu suchen fe:. Fridtjof Nansen wieS einmal darauf hin, daß man bei der Frage nach der Entstehung der Meeresströmungen sehr häufig den Fehler begangen hat, datz man voranS- fetzte. alle größeren Meeresströmungen hätten dieselben Ursachen oder gar nur eine Ursache, z. B. den Wind. In Wirklichkeit aber gibt es verschiedene Arten von Meeresströmungen mit verschiedenen Ursachen. BeispielSwe'.se erwähnt Nansen den ost- grön ländischen Dolarstrom, den man als eine Oberflächenströmung des Meeres be
bte Winde haben einen sehr bedeutenden» Einflutz auf die'en Strom. Da ferner daS hauptsächlich durch den ostgrönländischen Polarstrom zwischen Island und Grönland aus dem norwegischen Meeresbecken und dem Nordpolbecken fortgeführte Wasser aus dem Golfftrom ersetzt werden mutz, so erklärt sich die Bildung deS GolffttomeS im norwegischen Meere. Man sieht also, daß für di« Entstehung und den Verlauf d«S Go'fstromes mehrere verschiedenantige Ursachen maßgebend sind.
AIS Energieguellen für die Entstehung der Meeresströmungen kommen nach Nansen dr«t in Betracht, und zwar:
Zunächst die Eigenwärme der Erde. Dre WSrine, welche das Meerwasser am Meeresboden durch die innere Erdwärme empfängt, ist auf unserem alternden Planeten allerdings verschwindend klein, wenn sie mit der durch die Sonnenstrahlung zu- geführten Wärme verglichen wird. Wel- keicht ist dies« Eigenwarme der Erde nur tmstande, die Temperatur einer 100 Meter dicken Wafferschicht am Meeresboden tm Laufe eines Jahres um 0,01 Grad zu erhöhen. Aber selbst diese geringe Erwärmung genügt, um das dadurch etwas leichter geworden« Wasser aufsteiaen zu lassen. Die so erzeugte Bewegung de« Wassers ist zwar Surrst lexgfent, eifer trstzdem i«t vie'er Vorgang eine gewisse Bedeutung für die Zirkulatton ter trefften Wafferschrchten, die ohne jene Erwärmung sicherlich stagnieren müßten, da sie rmmer schwerer als die darübersteaenden Schrchten bleiben würden. Die Bedingungen für das organische geben würden dann in diesen
tiefsten Schichten sich bald sehr verschlechtern, was jetzt nicht der Fall zu sein scheint.
Als zweite Energiequelle für dre Entstehung der Meeresströmungen käme dre anziehende Kraft der fremden Himmelskörper, be'onders des Mondes, zum TeU auch der Sonne, tn Betracht. Gehorchte das Wasser sofort der Anziehungskraft des Mondes, so würde stets Flut sein, wenn der Mond den Meridian passierte, und dr« Flutwelle müßte stets senkrecht unter dem fluterregenden Himmelskörper liegen. Da sich aber infolge der Trägheit deS WasserS und der Reibung desselben die Flutwellen des Ozeans etwas verspäten, daher hinter dem Meridian des Mondes rmmer etwas zurückbleiben, also östlich von demselben stehen, so muß der Mond auf den Wasserberg eine Anziehung nach Westen zu, entgegengesetzt der UmdrehungSrichtung der Erde ausüben. Durch drefe Anziehungskraft des Monte; und in geringerem Grade auch der Sonne muß das Meerwasser tn eine der UmdrehungSrichtung der Etlde entgegengesetzte Strömung gelangen.
Kein Geringerer als Heinrich Hertz, der berühmte Entdecker der «tektrischen Wellen, hat sich mit dieem Problem beschäftigt. Er kommt indessen zu dem Schlüsse, datz auf die angegebene Weise nur eine Strömung von 100 Meter Geschwindigkeit m der Stunt« oder 2,8 Zentimeter in der Sekunde erzeugt werden kann. Dr« atkan- tischen Aequatorialströme haben an der Obch^läche Geschwindigkeiten von 25 bis 40 oder 50 Zentimeter in der Sekund«.
Tie Berechnung von Hertz ist aber, tote Nansen bemerkt, sehr unsicher; die Flut
wellen der offenen Meere sind noch Vieh zu wenig bekannt, und eS ist wohl möglich, daß bte Wirkung der erwärmten ström-' erregenden Kraft noch größer ist, wenn sie auch nicht von großer Bedeutung für die jetzigen Meeresströmungen fein kann. Falls man aber mit mehreren Astronomen annimmt, daß der Mond ftüher der Erd» näher war, dann erscheint es sehr wahrt» scheinlich, daß in entlegenen geologischen Perioden der Mond eine lehr lebhafte Mac» reszirkulation erzeugte, die von der jetzigen wesentlich verschieden war. Da der Mond eine ähnliche Wirkung aus die Atmosphäre auSüben muß, so ist es ferner denkbar, daß die Luftzirkulation in jenen geologischen Zeiten auch eine andere gewessn tst, war wiederum auf die Meeresströmungen zurückgewirkt haben muß.
Die wesentlichste Energteauelle für di» Erzeugung der jetzigen MeereSzirkulatio« tst die Wärmestrahlung der Sonne. St« wirkt indirekt durch die Erregung de» Winde und durch deren Reibung auf dt, Meeresoberfläche; man nennt die so erzeugten Strömungen Wtnddrifte »de» Windströmungen. Die Sonne wtrtt aße» auch direkt durch lokale Erwärmung de» Meerwaffers, wodurch Wärmeströmungw» entstehen. Eine ander« direkte SStrfuna der Sonnenstrahlung besteht darin, datz kJ Wasser an der Meeresoberfläche berfcuitft* und in anderen ©egenfeen wieder niedvrg» schlagen wird. Infolge des dadurch gestörten Gleichgewichtes entstehen die sogenannten BervunstungS- um Nieder schkags-- strvme.