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Marburger

TogtSamtiett

Donnerstag, den 28. Sunt 1928

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St. 150 82. Mts. Matoutg o.£ahn

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füllungsott Marburg,

1 Soldmark ■ '/«^Dollar

Heber den Besuch des Abg. Müller- ranken beim Reichspräsidenten ist fol- Ader amtlicher Bericht ausgege- „Abg. Müller-Franken berich­te heute nachmittag dem Reichspräfiden- t über den weiteren Fortgang seiner Verhandlungen mit den für die Regie- Allgsbildung in Betracht kommenden Per« ^nlichkeiten und den Fraktionen Les Reichstages, denen diese Herren angehö, tt6. Seine Bemühungen seien dadurch

Schwirigkeiten gestoßen, daß die Zen- ^vinsfraktion nach ihren heutigen Erklä- Angen darauf bestehe, entweder für den Dr. Wirth neben dem Verkehrs- «rnisterium auch das Amt eines Vize- «Wers, oder an Stelle des Verkehrs- ^nisteriums ein politisches Ministerium, ^e das des Reichsministerums des Jn-

Wkn verlange. Er sehe bei dieser Sach, keine Möglichkeit mehr für aussichts-

Die Zentrumsfraktion nahm zu den Mitteilungen Stellung und lieh den Abg. Müller-Franken wissen, daß sie die Dor'ch.Lge Srer Unterhändler billige und auf ein Po- utisches Ministerium nicht verzichten könne, «neben jedoch nur das Verkehrs- und das Ministerium der besetzten Gebiete verlange.

Sie Sozialdemokratische ReichS- iog sfraktivn nahm davon Kenntnis. Der Dg. Dittmann stellte als Vorsitzender fest, «h die Fraktion einmütig an der Besetzung «3 Reichsinnenministeriums durch den Abg. Gering sesthalte.

SbechMsche Zeitung

der Verhandlungen zur Regierungsblldung in den letzten Wochen, und spricht ihm ihr uneingeschränktes Vertrauen aus."

Des weiteren wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:

„Die Fraktion stellt fest, daß di« rich­tige Leitung dxr Partei und der Frak­tion eine ständige Fühlungnahme aller an den politischen Entscheidun­gen Beteiligten untereinander und mit dem Fra'tionsführer voraussetzt, und erwartet daher, daß dement­sprechend von allen Fraktionsmit- gliedern verfahren wird."

Am Schlüsse der Sitzung wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Fraktion will, um daS Zustandekommen der Regie ung nicht ihrerseits zu verzögern gegen eine Be­teiligung ihrer beiden Minister (Dr. Stresemann und Dr. Curtins) an einer nicht frak!ionsmätz:g gebundenen Regierung keine Einwendungen erheben, sie stellt jedoch ausdrücklich fest, daß ihre Haltung zu etwaigen Vertrauens- und Mißtrauens­voten dadurch in keiner Weise gebunden ist und insbesondere von dem Inhalt der Re­gierungserklärung abhängig sein wird."

Eine neue Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei ist für Donnerstag 17 Uhr ein­berufen worden. Auf der Tagesordnung stehen die liberale Bereinigung und die poli­tische Sage.

Paei gescheitert ist. Wollte sie der Deutschen Vvlkspartei den Dank nun­mehr dadurch abstatten, daß sie den Ein­flüsterungen Stresemanns folgend, der Vizekanzlerschast Dr. W i r t h s Schwierig­keiten machte? Oder gibt es in der Sozial- demokratt« selbst Pol.tiker, die einen Ein­tritt Dr. Wirths in das Reichskabinett nicht wünschen, weil sie glauben, daß da­durch ihre persönlichen Interessen gefähr­det sind? Es war auffallend, daß in den Wandelgängen des Reichstages Informa­tionen von einer Seite ausgegeben wurden, deren Sinn stets gegen die Wünsche des Zentrums gerichtet war. Es wäre reizvoll, über deren Sinn bei Herrn Breit­scheidt anzufragen.

Bedauerlich ist, daß Hermann Müller, den wir außerordentlich schätzen, diesen Einflüssen unterlegen zu sein scheint. Den Mißerfolg seiner Berhand-

<M ^Vderbesflsch« Zeitung" er» ^etat sechsmal wöchentlich. De- pgtottV« monatlich 2 GM. aus- Pllkßl. Zustellungsgebübr, durch ztzPostLLö GM.Für etwa Infolge Streiks, Maschinendefekte oder «semenlarer Ereignisse ausfallende -kümmern wird kein Ersatz ge» leistet. Verlag v. Dr. §. Httzervth, Druck der Untv.-Duchdruckerei b. Zoh. Äug. Koch. Markt 21/23, gernspreLer: Nr. 54. u. Nr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt

M. Nr. 5016. — Sprechzeit ttj Redaktion von 10—11 und

*1,1—1 Uhr.

fee, 1 Nr.s

DaS Telegramm Dr. Stres.manns an Hermann Müller, durch das dies.r bekanntlich auf den Versuch, ein .Kabinett der Persön­lichkeiten" zu bilden, gestoßen wurde, ist, wie jetzt bekannt wird, ohne vorherige Verständigung mik der vollspatteilichcn Reichstagssraktion, sogar

ohne Wissen des Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz

erfolgt und veröffentlicht worden. Sediglich Dr. Curtius war von der Initiative Strese­manns unterrichtet. Diese Hebe-grhung hat Dr. Scholz begreiflichen» nfe stark verstimmt. Er war am Mittwoch entschlossen, den F r a k- tivnsvorsitz niederzulegen, toern sich die Fraktion nicht geschloffen hinter ihn stelle. Dies ist jedoch geschehen, und der drohende Konflikt in der Dollspart ei dürfte damit beigelegt fein.

Die Sitzung der Reichstagsf raklivn der Deutschen Dolkspartei dauerte 5 Stunden, lieber die Sitzung wurde fol­gender Bericht ausgegeben:

Die Reichstagssrattivn der Deutschen Dolls­partei trat heute vormittag 11 Uhr zu einer mehrstündigen Sitzung zusammen. ES wurde zunächst und zwar in geheimer Abstimmung folgende Entschließung einsttmmig an­genommen:

.Die Fraktion dankt ihrem Vorsitzenden und Führer auf das Wärmste für seine nun fünf Jahre währende unermüdliche, vpferwlllrge und erfolgreiche Arbeit im Dienste für Frak­tion, Pattei und Vaterland, insbesondere auch für die geschickte und zielbewußte Führung

Scholz kontra Stresemann

An SrMonMchW moWM alle Milg jeder der NoMartü M FWung mit dem FmltivrMkm

l Der Abg. Müller-Franken erwiderte, | daß seine Fraktion aus Severing als Innenminister nicht verzichten

Serimmn Mölkt mhmiötll «eilet >

fk. Berlin, 28. Juni. Abgeordneter Müller-Franken erstattete heute, Donners­tag, vormittag 9.30 Uhr dem Herrn Reichspräsidenten Bericht über seine im Laufe des gestrige« Abends und der Heuti, gen Morgenstunden mit Vertretern des Zentrums geführten weiteren Besprechun, gen i« der Frage der Zusammensetzung der Reichsregierung. Abgeordneter MLller-Fran"en wird im Einverständnis es Herrn Reichspräsidenten feine Ver­handlungen auf der in diesen Beipre, chungen ne» begonnenen Basis fortfrtzen Er hofft, im Laufe des heuti­ge« Rachmittage, dem Herr« Reichspräsi.

tSottsetzung sied« Sette 2.)

„Im Dezember 1925 fuhr ich, — so er­zählte er —, zunächst nach Moskau und von dort nach Kuldscha. Meine Absicht bestand in der Durchführung einer erdmagnetischen Messungs­

lungen hat er nicht uns, sondern diesen Umständen zu verdanken." In den 2luS- fühnmgen des Berliner Zentrumsorgans befindet sich dann noch der bemerkens­werte Satz: „$>ie Tore find auch heute noch nicht versperrt, obwohl wir nicht wissen, was für Lösungen nunmehr angestrebt werden sollen."

Der „Vorwärts" schreibt: „Wenn sich Hermann Müller im Einverständnis mit der Sozialdemokratie bereit erklärt hatte, seinen Widerspruch gegen Wirth als Vizekanzler aufzugeben — während der Reichspräsident und die Deutsche Volks­partei den ihren aufrecht erhielten — wenn schließlich Hilferding sich be­reit «Härte, auf daS Finanzministerium zu verzichten, so muß man schon sagen, daß die Sozialdemokratte beinahe mehr als das Mögliche getan hat, um mit Wirth und seiner Fraktion zu einer Ver­ständigung zu gelangen. Es hat aber alles nichts genützt!"

Witts etlter Dttilt»

Berlin, 26. Juni Der berühmte Ostasien-, Tibet- und Polarforscher Dr. h. c. Wilhelm Filchner, der seit Diens­tag in Berlin weilt, berichtete in einer Presseunterredung über seine Erlebnisse während seiner fast dreijährigen For­schungsreise durch Süd-Rußlano, China und Tibet. Trotz unendlicher Strapazen und Leiden, die Dr. Filchner zu dulden hatte, macht er einen überaus rüstigen und frischen Eindruck.

toT n i ctuuiiu, uuß er an rein goürfnis für die Einrichtung des in der Erfassung und in der Eesctzordnung der 2slchsregierung nicht als regelmäßig vor- U- Mhene Amt eines Vizekanzlers aner- ,-wrr^e, es im übrigen auch ablehnen

-r?ne, in Ausübung seiner verfassungs- . Zeigen Rechte sich von einer Fraktion

Sut bis zum Selbst! ietmann Röstet wollte auig?6tn Zm Reichstag betrachtet man die Ver- sttche Hermann Müllers, ein Kabinett ter Großen Koalition ohne fraktions» nägifle Beziehung zu bilden, nunmehr zu- «ochst als gescheitert. Auch eine ««eilte Besprechung Hermann Müllers mit dem Zentrumsabgeordneten Esser «ckStegerwald hat nicht dazu geführt, He zerrißenen Fäden wieder anzu'nüpfen, stdaß Hermann Müller keinen anderen Weg mehr sieht, al, seinen Auftrag iit die Hände des Reichspräsidenten zu- rSS,«legen.

für die Zusammensetzung des Reichskabi­netts bindende Vorschriften machen zu lassen. Er ersuchte den Abg. Hermann Müller-Franken, diese seine Entschließung der Zentrumsfraktion mitzuteilen Abg. Müller-Franken wird dem Reichspräsiden ten im Laufe des morgigen Vormittags Bericht über seine weiteren Besprechungen mit dem Vorstand der Zentrumsfraktion erstatten."

Die „Germania" wirft einen aus­führlichen Rückblick auf die letzte Phase der Bemühungen des Abgeordneten Mül­ler-Franken um die Regierungsbildung, worin sie erklärt: „Die Sozialdemokraten wissen genau, daß die sachlichen Vorver­handlungen über die Kabinettsbildung mit den Anterhändlern des Zentrums außer­ordentlich gut verlaufen sind und daß die Große Koalition in frakttoneller Ge­bundenheit an der Deutschen Volks-

Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberheffen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

»»rt« Ministerien ein Reichsministerium wie das hner. Leichsinnenministerium überlassen mnm>

westastatische Dermessungsnetz. Den Winter verbrachte ich in der Räbe des Klosters Kumbum, um dann im Winter nach Linning Fu vorzustoßen.

Mittellos, ja fast ohne Kleider und Schuhe, kam ich dort an.

Ich hatte nichts mehr zu essen, als mich eine chinesische Familie aufnahm und in anerkennenswertester Weise für mich sorgte. Trotz der Aufforderung der deut­schen Behörden, mich nach Osten zu be­geben, um aus der Kampfzone herauszu­kommen, setzte ich meine Arbeiten fort und wurde von den chinesischen Soldaten, . ganz gleich, ob zur Süd- oder Nordarmee gehörig, äußerst freundlich behandelt. Be­sonders war es General Feng, der aus­drücklich Anordnungen erlassen l/.tte, mich nicht zu belästigen und mir, wenn nötig, Hilfe zu leisten.

Leider ließen es die deutschen Behör­den gänzlich an der nötigen materiel­len Hilfe fehlen, die mir aber umso mehr von anderer amtlicher Stelle zufloß, dank der ich meine Arbeiten fortsetzen konnte.

Ein amerikanischer Missionar und dec Engländer Matthewson waren meine treuesten Begleiter und Helfer. Außer­dem haben mir aber auch Italiener, Tibe­taner, Chinesen und Russen äußerst wert­volle Dienste geleistet. Nachdem ich nach einem furchtbaren Gallensteinleiden ver- 'uckte, weiter nach Tibet vorzudringen, wurde ich an der tibetanischen Grenze an« gehalten, da man mich zuerst für einen Spion hielt. Erst auf ein Schreiben mei­nerseits an den Dalay Lama wurde mir der Meitermarsch nach Leh (Kaschmir) gestattet, wo ich im Dezember 1927 an­kam. Von Leh erhielt ich sodann von amtlicher ausländischer Stelle weitest­gehende finanzielle und materielle Hilfe. Leider mußte ich hier meinen treuen Be­gleiter Matthewson zurücklassen, da iljm während der Durchquerung des Tibet, wo teilweise im Winter Minus 45 Grad Cel­sius herrschten, beide Füße derart erfro­ren waren, daß an eine Ueberquerung des Himalaja im Winter nicht gedacht werden konnte. Ich befürchte, daß man ihm so- gar einen Fuß amputieren muß. Ich selbst hatte stark unter dem Frost zu leiden.

Meine Füße waren erfroren, aber dennoch wagte ich die Ueberquerung des großen Gebirges, die ich in 22 Tagen, größtenteils zu Fuß, be­wältigte. ■ z

Im Gebirge stürzte ich mehrere S^le, brach mir einige Rippen und schlug ein­mal so unglücklich mit der rechten Hand gegen einen Felsen, daß sie brach und bis heute noch nicht richtig geheilt'ist. Wah­rend des Sommers litten wir sehr unter Waffermangel, da die Flüsse fast alle aus­getrocknet waren, lieber Kalkutta trat ich dann meine Heimreise nach meiner Heimatstadt München an, während mein Begleiter, der amerikanische Missionar, über Kalkutta—Schanghai nach seinem Missionsort zurückkehrte."

Lieber seine weiteren Pläne befragt, äußerte sich Dr. Filchner dahin, daß er

m t würde,

ühru« kgegen habe ihm der Abg. Hilferding per- p-ng »nlia> erklärt, daß er bereit wäre, auf die ' AÄ Übernahme des Reichsfinanzmini- tut r i u m s zu verzichten, wenn dadurch die :___- Regierungsbildung gefördert werden könnte.

•,6g Der Abg. Sieger Wald bemerkte, daß er das Ö/6 Finanzministerium in diesem Sinne als Po- Cd litisches Ministerium nicht anzu- Q leben vermöge.

Zu der entscheidenden Sitzung, die gestern <bent> 6,30 Ühr stattfand, erschien Abg. Müller- Franken wieder im Reichstage und ierief fofort die ZentrumSabgeordneten Ester md Dr. Stegerwald zu sich, um ihnen von den Ledenken des Reichspräsidenten Mitteilung P machen. Müller-Franken teilte dem Abg. Stegerwald den Inhalt seiner Unterredung mt dem Reichspräsrdenten fofort mit. Der Mg. Stegerwald erwidette, daß die Zen- tzmyssraktion sich am heuttgen Tage nicht Mhr auf die Schaffung des Amtes eines DlzekanzlerS versteift habe, sondern als zweite Lösung in Vorschlag gebracht habe, daß man dem Zentrum an Stelle eines der lleineren