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DiraSiag teil 26. Suat 1928
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Sie neue KellsggMvie
ft Paris, 26. Juni. Wie Havas erfährt. ist man hier von der neuem Kellog- note befriedigt nnd glaubt, daß die Regierung in der nächsten Sitzung des Ministerrates erfolgen wird. Das Ministerium des Auswärtigen, ist damit beschäftigt, den Stellen der Begleitnote Kellsggs. die auf die französischen Vorbehalte eingehen, den Wert der vertrag, lichen Bestimmunng zu geben.
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mutz diese Frage verneinen. Sinntal ist dies angesichts meiner Stellung in der Partei unmöglich, und weiterhin erscheint mir die Weimarer Koalition als eine zu schwache Basis, um die großen außenpolitischen Fragen, namentlich die Frage der endgültigen Repavationsauslösung, mit der für die Regierung notwendigen Autorität zu vertreten Ich gki Le nach wie vor, daß ein Zusammenwirken von Sozialdemokraten bis Volkspartei notwendig und möglich ist. Dieses Zusammenwirken wird am besten zum Erfolge führen, wenn Persönlichkeiten aus den Fraktionen der Großen Koalition sich über das Programm klar werden, mit dem sie vor den Reichstag treten und ihrerseits mit diesem Programm stehen und fallen Eine solche Kabinettsbildung entspricht auch dem
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Geiste der deutschen Reichsverfassung, die nur die persönliche Verantwortlichkeit der Reichsminister, nicht aber die Verantwortlichkeit von Fraktionen kennt. Da schon, von wenigen abgesehen, über einen großen Komplex von Fragen überhaupt völlige Llebereinstimmung besteht, würde ich Vorschlägen, einen solchen Versuch zu machen. Wenn in einigen Fragen nicht alle Fraktionen einstimmig sind, so ist das für das Bestehen der Regierung ebensowenig entscheidend wie in Preußen, wo z. D. Sozialdemokraten und Zentrum völlig entgegengesetzter Ausfassung filer die wichtige Frage der preußischen Stimmabgabe im Reichsrat vertreten. Herr Dr. Curtius, auf dessen Verbleiben im Reichswirtschafts- minißerium ich entscheidenden Wert lege, teilt, wie ich aus verschiedenen Gesprächen mit ihm weiß, meine Auffassung."
Nach der zustimmenden Erklärung Dr. Stresemanns hält man in parlamentarischen Kreisen das Zustandekommen eines „Kabinetts der Persönlichkeiten" ohne Bindung der Fraktionen nunmehr für gesichert. Jr den WandelgänFen des Reichstages wird daher jetzt
die Persoaenfrage
lebhaft erörtert. Man zweifelt nicht daran, daß der Abgeordnete Müller- Franken, der vom Reichspräsidenten mit Verhandlungen über die Regierungsbildung betraut ist, selbst das Reichskanzleramt übernehmen wird. Am übrigen glaubt man. wie dem Nachrichtenbüro Les VDZ. aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, das; das neue Kabinett etwa folgendermaßen aussehen wird:
Reichsauhenminifter Dr. Strefemann
(D. Vpt.)
Reichswirtfchaftsmiuister Dr. Curtius (D. Vpt.)
Reichsjuftizminister Dr. Koch (Demokrat)
Reichsfinanzminister Dr. Hilferding (Soz.)
Reichsinnenminister Teuering (Soz.) Reichsarbeitsminifter Dr. Brauns
(Zentrum)
Reichsverkehrsminifter Dr. Wirth (3t.) Reich-Minister für di« besetzten Ged
von Eu^rard (Zentrum) Reichswehrminister Eroener (o. Part.) Reichspoftminister Dr. Schätze! (Bayer.
Volrsp.)
Das Amt eines Vizekanzlers dürfte in dem neuen Kabinett unbesetzt bleiben, da die zweitgrößte unter den Fraktionen, das Zentrum, in diesem Kabinett bereits durch den Reichsverkehrs- minister Dr. Brauns vertreten ist, der ohnehin bei Verhinderung des Reichskanzlers zu dessen Stellvertreter berufen sein würde.
Die Zentrumsfraktion hat sich am Montag abend mit der Regierungsbildung beschäftigt. Sie hat beschlossen, grundsätzlich den für die Kabinettsbildung vorgesehenen Mitgliedern der Fraktion die Genehmigung zum Eintritt in das Kabinett z u g e b e n. Die Entscheidung über die Perjonenfrage wurde aus Dienstag vormittag zurückgestellt. Für das Zentrum kommt in der neuen Reichs- rcgierung außer dem Arbeitsministerium, auch das Ministerium für die besetzten Gebiete und das Verkehrsniinlsterium in Frage. Umstritten ist die Besetzung des Reichsernährungsministerium, das der Abgeordnete Müller-Franken bisher verschiedenen Persönlichster-
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tcn angeboten hat. Es ist möglich, daß auch dieses Ministerium für das Zentrum in Betracht kommt. In diesem Falle aber würde das Arbeitsministerium für das Zentrum in Wegfall kommen. Der Plan, einem der Vertreter des Zentrums außerdem den Vizekanzlerposten zu übertragen, ist fallen gelassen worden. Das Zentrum wünscht diesen Posten nicht zu übernehmen. Ferner erfährt das Nachrichtenbüro des V. D. Z., daß der Abgeordnete Müller-Franken sich entschlossen hat, auf die Wiederbestellung eines Vizekanzlers endgültig zu verzichten. Wie das Nachrichtenbüro weiter erfährt, hat der Abgeordnete Müller-Frank en sich den endgültigen Bescheid der Fraktionen bis Dienstag vormittag 11 Uhr erbeten. Der Reichspräsident soll dann vom Abgeordneten Müller-Franken Dienstag abend 7 Uhr unterrichtet werden.
Die „Germania" schreibt u.a.: Dieses Kabinett, das de facto von den Parteien der Großen Koalition ge- St ist, wird sein Programm auf die tlinien stützen müssen, die Gegenstand der vorher geführten Verhandlungen gewesen sind. Die strittig gebliebenen Fragen, in erster Linie der Nationalfeiertag und die Amnestie, werden ihre parlamentarische Erledigung sinddn, ohne daß die Haltung der in der Regierung vertretenen Fraktionskoalition gebunden ist.
Der „Vorwärts" erklärt: Im Reichstag rechnete man gestern damit, daß das Kabinett noch am heutigen Tage fertig tr-rben könnte, sodaß die Ernennung des Reichskanzlers und der Minister etwa für Mittwoch erwartet würde. Voraussichtlich wird sich die neue Regierung am Montag, dem 2. Juli, dem Reickstag vorstellen, der dann einer nicht kurzen Hochsommertagung in die Ferien geht.
ft Berlin, 26. Juni. Die gestern fast scheinbar feststehende Resiortverteilung im neuen Reichskabinett hat sich, wie das Nachrichtenbüro des DBZ. hört, über Nacht schon wieder geändert. Abg. Dr. Wirth kommt für einen Ministerposten nicht mehr in Frage. D«s Ernährungsministerium dürfte nach dem augenblicklichen Stand der Dinge nicht vom Zentrum, sondern von den D e m o k r a. t e n übernommen werden. Der demokratische Abgeordnete Dietrich -Vaden und der Zentrumsabgcordncte Esser waren beim Abg. Müller-Fram'en.
. nmgsprogramm, das am Tage feiner Üebrrmittlung an den Reichstag auch ak- ' Kotiert werben dürfte. Daß mit der Schaffung dieser Tatsachen die unbestreit- ivr vorhandenen sachlichen Differenzen »wischen den Fraktionen, die „verscheiert" hinter der Regierung stehen, nicht besei- tigt sind, kann nicht geleugnet werden. Ob man daher den Optimismus aufbrin-
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Durch die Aeberreichung der neu«, amerikanischen Note über den Entwurf eines Antikriegspaktes an alle in Frage kommenden Regierungen dürste die Aussprache der Deltdiplomatie über dieses wichtigste und vitalste Problem einer den Frieden sichernden Politik in ihr entscheidendes Stadium getreten sein. Um sich die große Bedeutung der neuen Rote zu vergegenwärtigen, tut man gut daran, sich einmal die einzelnen Phasen der Antikriegspaktdebatte in die Äinnerung zurückzurufen. Die Bereinigten Staaten von Amerika hatten bereits am 13. April den Kabinetten von Drohbritannien, Deutschland, Japan und Italien unmittelbar nach ihrem Aebereinkommen mit Frankreich den Entwurf eines gegenseitigen Vertrages über den Verzicht auf Krieg übermittelt. Dieser Entwurf hat insbesondere in Paris gewisse Bedenken ausgelöst, die nach längeren Beratungen in der französischen Regierung zu der Absendung von Segenvorschlägen nach Washington führten. Frankreich hatte in dieser neuen Dcnk- K seine Bedenken und Forderungen
Hs Hauptpunkte gegliedert. Paris verlangte in ihnen zunächst baS Rechst der Selbstverteidigung für die in den Anti- kriegsvertrag einzuschließenden Staaten, ohne allerdings näher darzulegen, wann und aus welchen Gründen das von ihr verlangte Selbstverteidigungsrecht in Anspruch genommen werden könne. Frankreichs wettere Forderungen umspannten dann noch gewisse Sicherungen für die durch den Dölkerbundsvertrag übernommenen Verpflichtungen, für die Locarnoverträge, die Reutralttätspakte usw. Im nunmehr vorliegenden Worttaut der neuesten Kellogg-Aote, die im übrigen auch als eine Antwort aus di« ftanzösischen Forderungen auszufassen ist, läßt sich jetzt cntncßinen, daß Washington in einem Teil
-oeueu'an Frankreichs Rechnung tragen will. Als wesentlichstes Rovum in der Olote ist festzustellen, daß sie nicht nur, wie u^prunglich vorgesehen, die sechs in Lettacht kommenden Staaten, sondern auch Belgien, Polen, die Teschechoslowakei, Irland, die britischen Dominien in den Verttag einschließen will.
französischen Wunsche über die Festlegung juristischer Bestimmungen zum Rechte der Selbstverteidigung sind m der neuen Kellogg-Aote nicht berück- stchttgt worden. Washington begründet diese Stellungnahme mit der Ueberzeugung daß die durch die DölkerbundSmitglied- schast übernommenen Verpflichtungen oder auch die anderen Derttäge durch einen gültigen Antikriegspakt in ihrer Wirksamkeit keinesfalls herabgemindert werden können. ES ist nicht abzustreiten, daß die Logik dieser amerikanischen Ansicht zur Seite steht. Würde doch eine militärische Verletzung der durch den Völkerbund sanktionierten Derttäge eine Tat darstellen, die auch eine schroffe Verletzung des abgeschlojsenen Antikriegspalts wäre. In Deutschland wird man die neue Rote Kelloggs sicherlich überall sehr günsttg aufnehmen können. Deutschland hat seit dem Zusammenbruch und noch in einem verstärkten Maße seit seinem Eintreten in den Dölierbund n.emals e.nen Hehl daraus gemacht, daß es jede Politik unterstützen würde, di« der Sicherung des Friedens
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Rn kann, einem „Kabinett der Person- ; Mlheiten" nach Hermann Müllers Prci- Nmg «ine lange Lebensdauer zu Prophetien, ist eine sehr offene Frage.
Erklärung Dr. SlrekamnnS
Die „Rationalliberale Korrespondenz" gibt Rte folgenden Wortlaut der Antwort stresemanns an Hermann Müller auf Bit Anfrage wieder, ob er bereit sei, in ein Xslbinett der Weimarer Koalition als Fach» Knister oder in ein sogenanntes Kabinett
Persönlichkeiten einzutreten:
.Ich halte die sogenannte Große Koa» ‘ ‘*tion für di« b e st e praktische Mög- 'tchkeit, um einigermaßen stabile Regie» Hwgsverhältnisfe in Deutschland zu schaffen, «’n Versuch, sie auf der Basis eines von
Fraktionen im Voraus festgelegten Pro» ®totm8 zu bilden, habe ich von vornherein . Skepsis gegenübergestanden, weil es Mchvkogifch kaum möglich ist. ein auf Jahre ^sechnetes Programm in wirtschasls». ßan» 7ps-, sozial», steuer», innen» und außenpoll- r$er Hinsicht im Voraus von allen be- w"gten Fraktionen sich billigen zu lassen. Nachdem dieser Versuch, wie Sie mir mit» s?- von Ihnen als gescheitert ange- T*" wird, beabsichtigen Sie, die sogenann e Weimarer Koalition zu bilden und [ *&en an mich die Frage gerichtet, ob ich be» sein würde, mich dieser Koalition als
*lchminister zur Verfügung zu stellen. Ich
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In den letzten zwei Tagen hat der vom Reickspräsidenten mit der Regierungsbildung beauftragte Hermann Müller einen seltsamen Rundgang vollendet. Befindet er sich doch mit seinem augenblicklichen Plan, der Schaffung einer Regierung der Persönlichkeiten ohne Frak- üonsbindung, ungefähr an demselben Punkt, wo er mit feiner Mission einsetzte. Schon vor ca. 14 Teigen trug sich Herrn. Stoller mit der Absicht, in möglichst kurzer Zeit eine Kabinettsliste zusammenzuletzen. nur aus Persönlichkeiten, die er für eine gedeihliche Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Programm für geeignet hielt. Hätte er diesen Plan durchgeführt und nicht,' wie er es in der späteren Praxis tat, den Umweg über die einzelnen Fraktionen genommen und sich in lange Erörterungen über ein gemeinsames Programm aller in Frage kommenden Parteien eingelassen, so wäre vielleicht die Krise der letzten 14 Tage dem deutsche» Volke erspart geblieben.
Wenn man sich die Sache genauer besieht, Jo ist es im Grunde genommen praktisch das Gleiche, ob die Fraktionen »der die aus ihnen entnommenen führenden Persönlichkeiten die Verantwortung fir den künftigen Kstrs der Regierung übernehmen. Wenn ein v. Guörard, Brauns und schließlich auch ein Dr. Wirth Mitglieder einer deutschen Regierung werden, so ist wohl kaum anzunehmen, daß das Zentrum, dem sie angehören, diesem Kabinett künftig größere Schwierigkeiten . bereiten wird. Ebenso wie es nicht wahrscheinlich ist, daß die Deutsche Bolkspartei einer Regierung mit Strese- mann und Dr. Curtius prinzipiell Opposition entgegenzusetzen hat. Gelingt es ’ also Hermann Müller, ein „Kabinett der Persönlichkeiten" auf die Beine zu stellen, so hat er formal zwar eine Regierung ohne Fraktionsbindung geschaffen, in der Praxis aber doch den Begriff, den man mit „Großer Koalition" zu umschreiben Öt. Mit seiner Taktik hätte Hermann er eins unbedingt zuwege gebracht: em Kabinett, schließlich auch ein Regie-