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Die Verhandlungen zur Regierungsbildung

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Abreise Dr. Strcsemanns.

ft Berlin, 22. Juni. Reichsaußen- "linister Dr. Ctresemann hat am Donners­tag abend Berlin zu einem längeren Ge­nesungsurlaub verlassen.

K» Steigerung der Lebensmittelprelise nach zu ziehen. Ohne die Stabilisierung die Bank von Frankreich große ^Gierigkeiten haben, die Spekulation ein« Mammen. Poincare erklärte alsdann, daß - eigentlich Anhänger einer teil» v^.ifen Revalorisierung Tei; aber

Aehnlich äußert sich „Petit Parisien", die Kammer könne dem Appell an die Einig­keit nicht widerstehen. Die Stabilisierangs- «ussprache werde in einer ruhigen Athnw» sphäre vor sich gehen.

Das „Journal" ist der Auffassung, baß die Mehrheit der Kammer gestern ihren Ton gesunden habe. Sie habe in Poincare zugleich den Führer der nationalen Einigung erkannt.

Der „Excelfivn" schließt sich dem Beifall für Poincare an, daß eine Mehrheit be­stehe die den Ministerpräsidenten am Ruder erhalten wolle.

Das „Echo de Paris" gibt der Heber- zeugung Ausdruck, daß die Währungsstabilt- sierung als gesichert gelten könne. Auch die politische Lage sei für eine gewisse Zeit befestigt.

Der „Q uotidien" fragt, ob Poincare die Macht zu verlassen gedenke, und erklärt dann, der Ministerpräsident wäre nicht böse dar­über. wenn er sich zurückziehen könne, bevor die der Stabilisierung folgenden Zwischenfälle eintreten und bevor seine elsässische Politik die Linke und die Rechte gegen ihn aufhetze oder eine Spaltung in feinem Kabinett herbei führe. Sein Schicksal liegt jedoch in seiner Hand.' Weder die Sozialisten noch die Ra­dikal-Sozialisten hätten augenblicklich den Wunsch, eine Ministettrife zu eröffnen.

0t "Lberbesfisch« Zeitung" t> sechsmal wöchentlich, ve-

pginsttH monatlich 2 GM. en#» Meßt. Zustellmigegebübr, durch lrftoftZ25 GWLür etwa infolge Streik#, Waschinendefekt« oder ^tmentarer Ereignisse ausfallende Kummern wird kein Ersatz ge- leistrt. Verlag v. Dr. §. Hitzeroth. xruck der Unid.-Buchdruckerei b. . Aoh. Sug. Koch, Markt 21/23. Aernsprecher: Nr. 64. n. Rr. 56. Postscheckkonto r Amt Frankfurt g, «K. Skr. 6016. — Sprechzeit I# Redaktion von 10—11 und

1,1-1 Uhr»

durch dir Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. « füllungsort Marburg.

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Poincares vierstündige Red« in der Don­nerstag-Sitzung der Kammer wird von dem größten Teil der Pariser Morgenpresse aus­führlich besprochen. Die Rechtspresse stimmt im allgemeinen dem Ministerpräsidenten zu, läßt aber daS Bedauern durchblicken, daß die Hoffnungen auf eine Aufwertung des Franken zerstört seien. Auch die Blätter der Linksparteien, die sich stets für die Sta­bilisierung einsetztcn. besprechen bi« Rede im großen und ganzen beifällig.

Der „Matin" spricht von dem größten Sieg der ruhmreichen parlamentarischen Tätigkeit PvincareS. Zwei Drittel der Kammer habe Poincare stehend Beifall ge­klatscht. Das übrige Drittel habe anerkannt, baß man soeben die Rede eines der größten Staatsmänner der dritten Republik gehört habe.

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Frankreich stimmt Kelloggs Feie-enspakt zu

Die gmntenfhWming gilt als gesichert — Die Lvvesiiien gegen eine ßtegiernngUrtsr

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fein endgültiges Ergebnis. Es wurde jedoch über verschiedene Punkte, die noch offen standen, eine Verständigung herbeigeführt. Die noch verbleibenden Differenzpunkte, die Steuerfrage, die Preußenfrage, sowie di« Frage des Der- fafsungStages und des Baues des Panzer­schiffes, hofft man auf dem Wege gütlicher Verständigung lösen zu können. Frei­tag mittag soll eine weitere Be­sprechung der Fraktionsführer ibeim Abg. Müller-Franken stattfinden. Die Fraftion der Deutschen Volkspartei wird am Freitag vormittag zu dem Er­gebnis der bisherigen Verhandlungen Stellung nehmen.

Di« Blätter find heute morgen in ihren Berichten über die Bemühungen des Ab­geordnete n Hermann Müller- Franken um die Regierungsbildung optimilstrsch.

Die „Vossische Zeitung" berichtet über einen dem Zentrumsabgeordneten von Gusrard zugeschobenen Vermittlungs- vor schlag. Danach sollen die Reichs­tagsfraktionen der Weimarer Koalition Bei den entsprechenden preußischen Fraktionen dahin wirken, daß die Verhandlun­gen über die Umbildung des preußi­schen Kabinetts im Herbst ausgenom­men werden.

Die „Tägliche Rundschau" erklärt, bleibe Regierung und Koalition in Preußen Bet dem bisherigen ablehnenden Stand­punkt bestehen, so würden auch die sach­lichen Verhandlungen im Reiche nicht zu einem guten Ende geführt werden können, selbst wenn man sachlich einander näher kommen sollte.

Der „Vorwärts" hält die Möglichkeit, für gegeben, daß eine Verständigung auf umgrenztem Gebiet zu erreichen sei, und zwar int Sinne des Wahlergebnisses vom 20. Mai. Das Blatt wiederholt, daß die Sozialdemokratie die Führung behalten wolle und daß der Versuch mit der große». Koalition nicht der einzig mögliche sei.

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schlag. Reklame» der WiD«, 0,40 EM. Zrda Rabatt gilt «ich Varrabatt, Ziel i Sage. Velegä

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Berlin. 21. Juni. Bereits um 10 Uhr versammelten sich am Donnerstag die Verhandlungskommissionen der fünf Patteien bei dem Abgeordneten Möller- Franken im Reichstage zur Fortsetzung der Verhandlungen über das Programm der künftigen Aegierungskoalition im Reiche. Rach etwa zweistündiger Besprechung stellten sich jedoch die Schwierigkeiten nach wie vor als so groß heraus, daß Her­mann Müller sich entschloß, die Ver­handlungen abzubrechen, am Nachmittage den Reichspräsidenten aufzusuchen und ihm zu erklären, daß er keinen Ausweg zur Beseittgung dieser Schwie­rigkeiten sehe. Wie das DDZ.-Büro er­fährt, hatte die Deutsche Volkspartei eine Reihe neuer Forderungen vorgebracht, die die Sozialdemokraten für unannehmbar er- klätten. Die Dollspartei forderte u. a. die Steuerveranlagung nach einem drei­jährigen Durchschnitt und die Beseitigung der Kapitalertragssteuer. Auch in mili­tärpolitischen Fragen, namentlich in der Frage des Panzerkreuzers, konnte man sich nicht näher kommen. Den Ausschlag gab aber vor allem das Festhalten der Deutschen Volkspattei an ihrer Forde­rung. daß die preußische Regie­rung pari passv mit der Reichsregierung in der Richtung auf die Große Koalttivn umgebildet würde. Bei dieser Forderung der gleichzeitigen Umbildung blieb die Deutsch« Volkspattei. während von den übrigen Parteien erklätt wurde, diese Be­dingung sei nicht zu erfüllen, da die Land- tagsftattionen nicht vor dem 10. Juli zu­sammenträten.

Rach einer Besprechung mit dem Zen- trumssührer von Guerard entschloß sich indessen der Abg. Müller-Franken trotz des bisher ergebnislosen Verlaufes der interfrattionellen Verhandlungen nach­mittags noch einmal mit den Frak­tionsführern darüber zu sprechen, ob diese noch einen Weg zur Beseitigung der Schwierigkeiten sähen. Er schob seinen Besuch beim Reichspräsidenten zunächst auf und berief auf nachmittags 14.30 Mr erneut die Konferenz der Fraktionsführer. Freilich zeittgte auch diese Konferenz noch

Paris, 21. Juni. In der heutigen Ott Mmmersitzung ergriff Poincarä daS »ort, um über die Finanzfrage und W bevorstehende Stabilisierung Er- Wrungen abzugeben. Rach ernlettend« wenuf gegen die Sozialisten führte er tue: Wenn die Kammer die Geschäfte einer »tuen Regierung übertragen wolle, stehe 2* das frei. Aber man möge das erst in kft kommenden Woche tun, da in zwei *®gen dem Parlament ein wichtiges

»tu 4.0 ivionafen — müsse man zugestehen — habe die Bank °»n Frankreich immer intervenieren müs- w, um die tatsächliche Stabilisierung nicht • J. gefährden. Die Hausse-Spekukationen 'N den Franc hätten zu einer Vermehrung üblichen gedeckten Notenumlaufes ge-

Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

^noes beunruhigen, außerdem Moden ba- ^rch die Einnahmen des Schatzamtes der- Asert, was eine Erhöhung der Lasten zur' ™jSt habe. Eine Revalorisierung würde t Herabsetzung der Beämtengehäkter zu zahlenden Pensionen im ®er» -ö6 haben. Aus allen diesen Gründen Me die Regierung sich für die Stabi- c^rung entschieden. Nach einer Unter- Irrung der Sitzung verbreitete sich Poincare

sei, die Abkommen von London und Washington ohne Vorbehalt zn ratifizieren. Als PoincarS M der Frage der Stabilisierung eine Politik der Einigkeit forderte, kam es zu scharfem Wort­wechsel zwischen den Sozialisten und Ab­geordneten der Rechten.

Nach der Beendigung der Red»Poincar6S wurde die Fortsetzung der Aussprache auf Mittwoch vertagt. Die nächste Kammer- sitzung findet Sonnabend um 5.30 Uhr nachmittags zur Entgegennahme des StaLi- lifierungs-Gesetzentwurfs statt.

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Zur Mordsitzung in der Ekupschtina. \

Meder bat es gewittert in dem ewigen Wetter« winkel dort unten auf dem Balkan, Mord in der Skupschtma! Schon seit längerem war bekannt­lich die Situation zwischen der (Opposition und der Regierungsmehrheit im Belgrader Parlament aufs äußerste gespannt. Nun hat stch die Spannung gelöst, indem fünf Revolverschüffe, die der Abgeordnete Punsia Ratschitsch, An­hänger der Regierungsmehrheit, gegen die Bänke der (Opposition abfeuerte, drei Menschen, unter ihnen den alten Bauernführer Stefan Ra­di t s ch schwer verwundeten, zwei Abgeordnete, unter ihnen Raditschs Neffe, töteten. Der Mörder konnte in der Aufregung das Parlamentsgebäude ungehindert verlassen, ist aber inzwischen bereits verhaftet worden. ,•

Begreiflich, daß sich nicht nur der Stabt Bel­grad und der politischen Kreise, sondern des gan­zen Landes beträchtliche (Erregung über das uner­hörte verbrechen bemächtigt hat. Und doch ge­hört ja gerade dort unten das politische Attentat keineswegs zu den Seltenheiten, fonbem war schon immer beliebtes Mittel, mißliebige per-, sonlichkeiten unb Meinungen kurzerhand zu be­seitigen —7 gleich als ob der Revolver bas alleinig wirksame Argument bei politischen Divergenzen darstelle. Ls sind — doppelt aktuelle «Erinnerung heute — gerade fünfundzwanzig Jahre her, als, im Juni des Jahres (905, in Belgrad der König Alexander und die Königin Drago von Serbien in ihrem Schlafgemach von aufrührerischen Dffizieren von Anhängern des Nachfolgers Peter Kara- georgewitsch, nächtlich ermordet wurden. Da­mals hielt die Welt vor LMsetzen den Atem an - — inzwischen ist sie ja auch dergleichen Morde nachgerade gewohnt worden.... Muß in diesem Zusammenhang, noch besonders erinnert werden an die frevelvolle Tai, die sich im Juni 19(4, in Serajewo ereignete, uns die ebenfalls auf serbisches Schuldkonto kommt? —: die Ermordung des Erzherzog-Thronfolgers Franz Ferdinand von Desterreich und feiner Gemahlin hat damals den großen Weltenbrand entfeffelt, unter dessen Nachwirkungen die Reiche dieser Erde noch heute zu leiden haben ....

Die Liste der politischen Attentate unseres Jahr­hunderts ist -so überreich, daß ein dickleibiges Kompendium dazu gehören würde, sie alle aufzu­zählen unb zu beleuchten. Sie fetzt ein mit ber Ermordung des deutschen Gesandten v. Ketteier in Lhina im Jahre 1900, mit der Ermordung des Königs ftumbert von Italien einen Monat darauf, um nur die wich­tigsten Geschehnisse hervorzuheben. Im nächsten Jahre erfolgt ein Attentat auf Wilhelm II. in Bremen, bei dem er, durch ein geworfenes Eisen­stück, leicht am Kopf verletzt wird; den Atten­täter» den Arbeiter Weiland, überweift man dem Irrenhaus; im September wirb der Prä­sident der Vereinigten Mc Kinley in Buffalo durch einen politischen Anarchisten er­schossen; die ftinrichtung des Täters sühnt das verbrechen. Jrn Jahre 1902 stirbt unter den Kugeln eines Stubent en. bet russische M i - nistet b es Aeußetn Sfipjagin; zwei Jahre barauf wirb der russische (general- gouoetneur Bobrikow erschossen — kurz darauf ber russische Minister bes Innern v. p 1 ehwe durch eine Sprengbombe ermordet — etwas über ein halbes Jahr später der Dnkel des ^aren, Großfürst Sergius, getötet und wenig später der Stadthauptmann von Moskau erschossen.

Verhängnisvolle, nie mehr abreißende Liste —: kaum hat sich die Erregung über den Tod des bul­garischen Ministerpräsidenten P e t f 0 w etwas gelegt, bet in Sofia auf offener Straße erschossen ward, als im Iahte 1908, die Kunde von dem furchtbaren verbrechen in Portugal kommt. Am 2. Februar dieses Jahres fährt König Car- l 0 s mit dem Kronprinzen Filippe im offenen Wagen durch Lissabon — Schüsse krachen — Vater unb Sohn brechen blutüberströmt zu­sammen — sinb tot ... . Im gleichen Monat dann noch ein Attentat auf den Schah von Per­sien, bei dem der fterrscher allerdings unverletzt bleibt; zwei Monate daraus Schüsse eines Stu­denten gegen den Stabtbalter von Galizien, den Grafen potocki ; sie treffen nur zu gut . . .

Im Jahre (9(( stirbt unter den Revolver­kugeln ber russische Ministerpräsident Stolypin; 19(2 erfolgt im ungarischen Abgeordnetenhause ein Revolverattentat auf den Grafen Tisza, wirb, im November, der spanische Minister­präsident Eanalejas und, im März (9(3, zu Saloniki der griechische König Georg er­mordet.

Dann setzt, mit einem Doppelmord beginnend,' der Weltkrieg ein. Eine Weile ist Ruhe auf dem blutigen Gebiet der politischen Morde — die Lei­denschaften der Menschen sind anderweitig enga­giert. Bis der 22. (Oktober (9(6 von neuem das Signal zur alten Gepflogenheit gibt —: an hie­

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i Nach einet Meldung des „Newq 0 rk jetalb“ soll die französische Regierung e-vgültig dem mehrseitige« Krieg so erzichtsvertrag beige» treten sein.

liebet Frankreichs Vorbehalte und Ein- sänbe gegen den Vertraggplan sei auf tziplomatischem Wege verhandelt worden, jj Der abgeänderte Text hätte das franzöfi' —. We Außeuamt derart zufrieden gestellt, ■ laß kein wichtiger Vertragsteil einem Ein- s-nd begegnete. Die hauptsächliche Aende- owg im amerikanischen Entwurf soll Arin bestehen, daß die Präambel auf die Oertragsverletzungen eingeht. I Sie verschiedenen Einwände gegen den Welloggplan. die E h a m h e r l a in in (einer Note auf die amerikanische Eiu- stdung erhob, sollen ebenfalls überwunden hin.

' Sie Vorbehalte der ital ienischeu Regierung wurden in Washington als Mt so schwerwiegend angesehen, daß sie Has Zustandekommen des Vertrages hi«, Irrten.

Nach dem gleichen Blatte geben amtliche Dersönlichkeiten des Quai d'Orsay zu, daß Mr an kr eich bereit sei, den Ber- i-rag zu unterzeichnen. Man be- Me nur darauf, daß die früheren Sorte« Klte in der Präambel zum Ausdruck ümen. Von den vier Einwänden Briands Mn zwei überhaupt fallen gelassen wor- ■ ta- Sie noch bestehenden Wei bezögen __Ä auf die Verpflichtungen gegenüber dem f Mkerbund und die Entbindung der Sig, tttarmächte von den Bertragsverpflichtun« * *en> falls eine von ihnen gegen diese ver-