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een 6. Smit 1928

tk ^Vbrrbefllsth« Sdhmg* «• jfrhd sechsmal wLcheutlich. ®e- Llfrteif monatlich 2 GM. «u#- N^L ZustellunK«g«VLbr, durch 5b»P2^5 SM.Für etwa infolge ygif#, Maschinen defekt, ober <jfeettottt Ereignisse ausfallende ^«-er» wird kein Ersatz go- rfL* Verlag d. Dr. §. Httzeroch, &gd der Unid.-Dnchdruckerei b. m. Llug. Koch, Markt 21/28.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg. Jtesr'T)

Mussoüm über die AußenpoMk Mattens «eia Vertrag ist ewig! — Schluß mit dem Miel: Kevoralwaen"!

Nom, 5. Juni. Mussolini entwickelte in der heutigen Sitzung des Senats ein umfassendes Bild der auswärtigen Beziehungen Italiens. Er führte u.a. aus:

Italien sei heute eine Weltmacht.

Ls habe Interessen, die nicht auf einen bestimmten Abschnitt oder Erdteil be- :$rünht seien. Daraus besprach er die Be­ziehungen zu Japan, China, Siam, Per- Asien und Afghanistan, bei denen er län­ger verweilte. Zu Amerika übergehend, betonte Mussolini die herzlichen Bezie­hungen zu den lateinamerikanischen Re­publiken. Bei Behandlung des Berhält- mffes zu»den Vereinigten Staaten unter­strich er die führende Rolle, die die Ver­einigten Staaten feit Beendigung des Krieges spielen.

Was England anlange, so könne man sagen, Italiens Freundschaft mit Eng­land sei als traditionell zu bezeichnen.

ferner besprach er die Beziehungen zu vowjetrußland und zu anderen öst- stchen Staaten und betonte bezüglich Po­lens. daß dieses eine Großmacht sei, die ihre politische und wirtschaftliche Wirk­samkeit täglich verstärkt.

Sodann führte Mussolini aus, die Be­ziehungen mit Deutschland seien herzlich.

6» bestehe ein Handelsvertrag mit Deutschland, dessen Vorteile während der Fnstabilität der italienischen Währung nicht völlig abgeschätzt werden könnten, ferner ein Vergleichs- und Schiedsgerichts- ebhommen. Die Beziehungen zwischen len beiden Völkern könnten unendlich ml besser sein, wenn die Sympathie, die in früheren Zeiten zwischen ihnen herrschte, und die sozusagen naturgegeben war, heute nicht eine Einbuße erhalten

te durch die Handlungsweise gewis­ser unverantwortlicherKreise, hie den grotesken Anspruch erheben, sich in innerpolitische Fragen Ita­liens einmischen zu wollen. Wenn tiefe Wolken, wie ich wünsche, zerstreut sein werden, dann könnte die Zusammen­arbeit zwischen zwei Völkern von so im­posanter Größe sckon allein auf wirstckaftlichem Gebiet ausgezeichnete Er- zebnisse zeitigen. Wie ich hinzufünen Möchte, haben sich die Beziehungen in den letzten Monaten aebessert. Der Empfang, den General Nobile in Stolp und in ganz Deutschland zuteil wurde, hat in der öf- mtlichen Meinung Italiens den herz- Msten Widerhall gefunden.

Tas Frankreich anlange, so habe die­ses in der Nachkriegszeit die Forde­rungen Italiens nicht wohlwollend ausgenommen. Derzeit hat sich die

• Lage um vieles gebessert.

fius dem Wege der Klärung und der Sta- tiHfierung der politischen Beziehungen Aschen den beiden großen Nationen habe "ton ein beträchtliches Stück Weges zu- Ulckgelegt.

Nachdem Mussolini dann die mit den jtorfd)iebenen Staaten der Kleinen Entente gehenden Vertragsbeziehungen kurz ^gezählt hatte, widmete er eine ein- ätzende Darstellung der Beziehun- §inzuIugoslawien, roober er u. a. We: „Seitdem der Faschismus in Italien toto Ruder gekommen ist, hat Italien ge- eer Jugoslawien eine ganz gradlinige k verfolgt. Ich bin der Ueberzeug- ®to, daß zwischen zwei Staaten, die ge- ftoinfame Grenzen haben, die Beziehungen ?toer einen ausgesprochenen Charakter ;togen müssen, entweder den der Freund- jtoQft oder den der Feindschaft. Italien M sich grundsätzlich zu einer Politik der Kundschaft bekannt, hat sie gegenüber Mrslarvien betrieben und wollte ihr in

dem Vertrag von 1924 die letzte Weihe geben. Dieser Vertrag wurde im Jahre 1925 durch die Nettuno-Konven- tionen ergänzt, die zu beiderseitiger Zu­friedenheit die sehr komplizierten und wichtigen mit den Beziehungen der beiden Mächte im Zusammenhang stehenden An­gelegenheiten regelten.

Seit drei Jahren wartet Italien aus die Ratifikation durch Jugoslawien.

Italien beabsichtigt keineswegs, sich in die im parlamentarischen Leben eines Nach­barstaates eintretenden Wechselfälle zu vertiefen, aber es kann seine eigene aus­wärtige Politik diesen Wechseln und Schwankungen nicht unterordnen.

Im zweiten Teil seiner großen außen­politischen Rede kam Mussolini ausführlich

auf die allgemeine Lage der auswärtigen Politik zu sprechen und beschäftigte sich Zu­nächst mit den Friedensverträgen.

Kein Vertrag, so führte der Minnisterpräsident u. a. aus, i st e w i g, denn die Welt schreitet vorwärts. Die Friedensverträge find der Abschluß einer Zeit ungeheurer Opfer und großer Leiden, aber sie find nicht das Werk göttlicher Gerechtigkeit, sondern das Erzeugnis menschlichen Gei st es. Niemand kann behaupten, daß die Friedensver­träge ein vollkommenes Werk sind. Es sind in ihnen Bestimmungen territorialer, kolonialer, finanzieller und sozialer Art enthalten, die unter dem Gesichtspunkt von Verbesserungen erörtert werden können. Mussolini sprach daraus in län-

Chamberlain sesen Welbemaras

EstglM-swüMM SiniBUiig In der MMimMtm?

Bei einem Empfang der englischen Presse führte Chamberlain aus, er habe Wert darauf gelegt, trotz der von ihm lebhaft bedauerten Abwesenheit von Streiemann und Briand nach Genf zu kommen. Daß die im Rat behandelten Probleme unverändert ihre Wichtigkeit behalten, beweise die gestrige Auseinan- dersetzung zwischen den Vertretern Grie­chenlands und Albaniens, durch die eine der wichtigsten Dölkerbundsfragen ange- worden sei.

Den Hauptteil seiner Ausführungen bil­dete eine scharfe Mißbilligung der Bestimmung der neuen l i t a «i s ch en Verfassung in Bezug auf Wilna. Es könne nicht Aufgabe des Völkerbundes sein, sich schützend vor eine« kleinen Staat zu stellen, der dauernd in einem gefähr­lichen Winkel Europas Unruhe stifte.

Genfer Besprechungen.

ff. Genf, 6. Juni. Am gestrigen Dienstag Nachmittag fanden wieder ver­schiedene Einzelbesprechungen zwi­schen Delegationsführern statt. Staats­sekretär Schubert hatte Unterredungen mit dem holländischen Außenminister Beelarts. dem Berichterstatter über den Zwichenfall von St. Gotthardt und mit dem ungarischen Außenminister Wal- ko. Am späten Nachmittag suchte er Paul

Boncour auf. mit dem er sich erge Stunde lang ebenfalls über politische Punkte der Tagesordnung unterhielt. Die Annahme, daß der amerikaniswe Borswla eines Kriegsächtungspaktes gegen­wärtig von den Juristen der in Frage kommenden Mächte in Genf erörtert wird, entspricht nicht den Tatsachen.

Wie das ..Echo de Paris" aus Genf meldet, hat zwischen Chamberlain und Paul Boucoux eine Besprechung über die Abrüstungsfrage stattge­funden, um die Auffassung Frankreichs und Englands in Einklang zu bringen. Es sei möglich, daß die^e Verhandlungen für Frankreich einen günstigen Verlaus nehmen, da England geneigt sei, der französischen Auffassung beonders hin­sichtlich der ausgebildeten Re­serven Zugeständnisse zu mach en.

Was die Abrüstung zur See an­lange. so seien aber Schwierigkeiten zu befürchten, und zwar bei der Festsetzung des Verhältnisses der französischen Flot- tenftreitkräfte zu denen Italiens. Chamberlain und Paul Boneour könnte« wohl kaum innerhalb drei Tagen einen Handel abschließen.

geren Ausführungen über das Repa- rations- und Schuldenproblem. Der italienische Standpunkt, so betonte Atussolini, gründe sich auf die enae Ver­knüpfung oder, besser gesagt, auf die

Wechselseitigkeit von Reparationen und Schulden.

Dieser Standpunkt ist für uns von gro­ßer Bedeutung und durchaus unerschüt­terlich. Die Gesetzesfrage ist von außer­ordentlich großer Ausdehnung. Sie um­faßt nicht nur politische und finanzielle Dinge, sondern auch das Problem der Rheinlandbesetzung.

Musiolini sprach den Wunsch aus, man möchte unter das historische Ka- pftel, das die Ueberschrist „Repa­rationen" trägt, das Wort „Ende" setzen.

Das wurde der europäische« und der Weltwirtschaft zum Vorteil gereichen.

Mussolini ging dann auf die Frage der Abrüstung über und wies noch­mals auf bis italienische Auffassung in

dieser Frage hin, wie sie bereits im No­vember 1927 und im März 1928 von der italeniscken Delegation bei der vorbe­reitenden Abrü stungskonferenz zum Aus­druck gebracht wurde. Im weiteren Ver­lauf feiner Ausführungen wies Musso­lini die Beschuldigung zurück, daß der Faschismus gegen den Dölker- bunb feindselige Gesinnung hege oder für ihn nur wenig Sympathie übrig habe.

Die Teilnahme Italiens am Leben des Völkerbundes ist in jeder Hinsicht aktiv.

Mussolini schloß seine Rede mit dem Hin­weis, daß die neue faschistische Verfassung Italiens und die auswärtige Politik der faschistischen Regierung Italien Weltgel­tung verschafft habe.

Italien wM den Frieden, aber es kann und darf nicht den notwendigen Waffenschutz seiner Einhett, seiner Unabhängigkeit, seiner Sicherheit wegen vernachlässigen.

MtttedwMe Rr. 120

Der Berliner Droschkenkutscher Gustav Hartmann hat's geschafft. Mit seiner Droschke Rr. 120 ist er von Mannsee im Zuckeltrab quer durch Deutschland, rhein­aufwärts, über die Grenze, über die fran­zösischen Chausseen, durch Dörfer und Städte nach Paris geschaukelt, hat sich nicht irremachen lassen durch die Distanzen, durch den leisen Spott, der dem alten hart­köpfigen Kutscher anfangs entgegengebracht wurde, hat Kilometer um Kilometer ge­fressen, hat Freundlichkeiten und Ehrungen entgegengenvmmen, als wären es Selbst­verständlichkeiten, hat kräftige und kernige Berliner Flüche in seinen Bart gebrummelt und hat, vielleicht weiß er es nicht, eine Tat geleistet, die mehr wert ist und größere Erkenntnisse birgt als viele hervorragende Leistungen der gelehrtesten Männer, Sportsleute und Diplomaten unserer heute so tatenluftigen Welt.

Paris hat den langbärtigen alten Ber­liner Drofchkenkuffcher aufs herzlichste aus­genommen. Hat ihm Ovationen gebracht, hat Bankette ihm zu Ehren veranstaltet, hat ihn umjubelt und gefeiert, als wäre er einer der größten Heroen, als hätte er in seiner klapprigen Pferdedroschke den Oel- zweig gebracht, den alle ersehnen, und der bis jetzt immer und immer sich nur als ein recht dürftiger Staubwedel erwies. Zn Deutschland wirb man dem Eisernen Iustav (wie der Berliner DvlkSnmnd ihn taufte) recht Wohl geneigt sein. Denn er hat durch die Verwirklichung feiner un­gewöhnlichen Idee für wenige Stunden zwischen zwei Völkern, die sich bis jetzt niemals recht verstehen wollten, eine hübsche und freundliche Harmonie geschaf­fen. Die Bauern auf den französischen Landstraßen, die Kinder, die auf den Chaufseen kilometerweit dem vorsintflut­lichen Gerät nachliefen, die vornehmen, heute gar nicht so arroganten Autoinsassen, die freundliche Worte dem alten Raufche- bart zuriefen, die französischen Gendarmen, die liebenswürdigst die Richtung wiesen — sie alle werden beim Anblick der klapprigen Berliner Pferdedrvschke Rr. 120 das Sym­bolhafte dieser Reise erkannt haben.. Die zwei Symbole, die dem Dickschädel Hart­manns sicherlich unbewußt aus dieser gan­zen Fahrt über trennende Distanzen her- vorleuchfen. Das erste Symbol liegt in dem gutmütigen und biederen Händedruck eines Berliner Droschkenkutschers, in einer Geste, die, als wäre es das Ratürlichste von der Welt, mit einem freundlichen Wort alles abtun will, was jahrzehntelang Ha­der, Mißtrauen, Reid und Schicksalsschläge an zerrendem Hebel emporwuchern ließen. Daß diese Geste von einem Mann des Volkes, von einem simplen Droschken­kutscher, der kein berufsmäßiger Staats­mann, kein Wirtschaftler von großen Gna­den, keine Leuchte der Wissenschaft ist, daß diese Geste, dieser versehnende Druck einer schwieligen Mannerfaust gerade von Gustav Hartmann, diesem unverfälschten Typ eines Berliner Zunfthandwerks ge­leistet wurde, das erst macht sie doppett wertvoll, das erst gibt ihr ihre Wirkungs­kraft und ihren Eindruck, dem sich keiner, die Pariser Studenten, die Pariser Zour- Ncklisten, die Pariser Offiziellen und alle, die in diesen Tagen Gustav Hartmann in der Seinestadt zujubeln, entziehen kann. Das Zwingende in dieser Drvschkenfahrt Berlin—Paris liegt in der Naivität, mit der sie organisiert wurde. Ein alter Droschkenkutscher steigt auf den Bock und zuckelt nach Paris, lieber eine Chaussee, Janf der berufsmäßige Diplomaten nur scheuen Schrittes zu f(greifen pflegen: „Ich bin der Berliner Droschkenkutscher Gustav Hartmann und sage Euch, Ihr Pariser Herren, gute« Morgen." Das ist alles. And sagt auch alles. Alles, was eine ge­rissenste diplomatische Beredtsamkeit nichr besser auf eine kurze und prägnante For­mel zusanrmensaffen könnte. Das „Guten Morgen" des Eisernen ©uftabS wird zwar ebenso schnell verhallen, wie es ausge­sprochen wurde. Wer es war immerhin ein freundlicher Ton in der Dissonanz po-