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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
beginn -er Zo. Tagung -es Bslker-un-seates
MrreOung -er polnischen Wilna-Note — Frankreich und -ie Kleine Entente gegen -ns Sreierkomt'ee
Gens, 4. Juni. Der Völkerbunds- :at ist heute vormittag unter dem Vorsitz les kubanischen Ratsmitgliedes und Ge- gndten in Berlin Aguero Bethan- >ourt, der turnusmäßig die nächsten iei Monate die Funktionen des Rats- räsidenten ausüben wird, zu seiner 5 0. Wogung zusammengetreten. Deutschland nd Frankreich, die seit der Ausnahme -rutsch lands in den Völkerbund im Sep- i mber 1926 für jede Ratstagung ihre ußcnminister Dr. Stresemann und riand nach Gens entsandt hatten, sind ieemal durch Staatssekretär vonSchu- trt und Paul Boncour, den zwei-
Delegierten Frankreichs beim Völker- mdsrat vertreten, während für England liederum Sir 91 u ften Chamber- sin am Ratstisch Platz genommen hat. kilch die meisten anderen Ratsstaaten iben die gleichen Vertreter entsandt, mn sie bereits in den letzten Tagungen re Vertretung übertragen hatten.
Die Tagung wurde, wie üblich, durch ne nichtöffentliche Sitzung zur enehmigung der Tagesordnung und Re- ihrng einiger Verwaltungsfragen eröff- et. 'Die Hauptfragen der neuen Rats- ttung, die Beilegung des Zwischenfalles m St. Gotthard, der ungarisch- imänifche Optanten st reit und der tanb der polnisch-litauischen erhandlungen werden erst in der veiten Hälfte dieser Woche zur öffent- Len Behandlung kommen. Der erste iil der Tagung wird im wesentlichen nur «gen der Entscheidung über die s ch w e - enden Minderheitsklagen, Souders wegen der deutschen Minder- estsschulen in Polnisch-Oberschleien, von Interesse sein.
Man erwartet bereits für den Anfang er Tagung zahlreiche Besprechungen mit rm litauischen Ministervräsidenten W o l- Emar a s, der, wie allgemein angenommen wird, sich diesmal vermehrten Schwierigkeiten bei der Vertretung seines tcindpunktes gegenübersehen wird. Die elnück-lltauische ^raae wird frühestens 81 Mittwoch und der Optantenstreit -Mn vor Freitag zur Debatte gestellt irden. Obwohl Rumänien bei feinem verstand gegen die Märzentfcheidung 15 Nates bleibt, olaubt man in ungari- Rn Kreisen anncbmen zu dürfen,' daß 61 Nat nunmehr durch die Ernennung 6t beiden neutralen Zusatzrichter in das Harllck-rumänische Sckied-aerickt zur Rlwirklichung feines Beschlusses schreitet.
nf, 4. Juni Der Völkerbundsrat uchlotz in seiner vertraulichenSit- -fR.g auf Antrag Scialoias, an die regel« Wissen Vertreter Deutschlands und Ostreichs im Völkerbundsrat, Dr. 'irfemann und Briand, Tele- iirmm e abzusenden, in denen das Be- ^irn der Ratsmitglieder über die Ab- e,enbeit der beiden Staatsmänner und »'-ich die lebhafte Genugtuung über ? Diederherstellung non langer Krankes zum Ausdruck? gebracht wird. Die ■g^iie^e Sitzung wurde von dem neuen ^Präsidenten "Bethancourt mit ,Er kurzen Ansprache eingeleitet, in E et u. a, der Zuversiajt Ausdruck gab. / -^"inon de Lion bald wieder im Rat Aitken werde. Spanien und feine Re- 7z->Ng haben, so erklärte der Ratspräsi- Ä durch Wiederaufnahme ihrer Mit- ^t im Völkerbund der Welt ihre uner- ^üerlich; Treue zu dem Ideal des Frie- £ unb der internationalen Zusammen- bewiesen. Das Anwachsen der Ar- "sn des Rates und der Versammlung, ' R den 8>k Jahren ihrer Tätigkeit ins- «Mt ly, Jahre tätige Zusammenarbeit ? ungezählten Delegierten gebraut
fei“ der beste Beweis für die Gr= ®«ung des neuen internationalen Le
bens. Es wurden fodann die Berichte über Kinderschuh und über die Tätigkeit des Hygieneaus- s ch u f s e s genehmigt. Der hygienische Bericht verzeichnet ein erstmaliges praktisches Eingreifen zu Gunsten tuberkulöser griechischer Flüchtlinge und ferner die Mitarbeit der Hygieneabteilung des Völkerbundes bei der Hilfsorganisation zu Gunsten der von dem Erdbeben betroffenen Bulgaren. Außerdem wird im Zusammenhang mit der vom Völkerbund nach Frankfurt einberufenen Tagung zur Standardisierung der Heilsera den deutschen und preußischen Behörden der Dank für die gewährte Gastfreundschaft ausgesprochen.
Auf Antrag Rumäniens wurde noch beschlossen, die Berichte des Sicherheitskomitees, bekanntlich eines vom vorbereitenden Ausschuß abhängigen Ausschusses, auf die Tagesordnung der nächsten Döl-
kerbundsversammluna zu fetzen. Die nächsteöffentlicheSitzung wurde auf Dienstag vormittag angesetzt. Für morgen ist außerdem eine geheime Sitzung anberaumt zur Kenntnisnahme des Berichts des Dreier-Ausschusses über die Untersuchung des Zwischenfalles von St. Gotthard, dessen öffentliche Behandlung am Donnerstag erfolgen dürfte, falls sich nicht neue Schwierigkeiten ergeben. Für den heutigen Nachmittag sind verschiedene private Besprechungen vorgesehen.
Der Nachmittag brachte versckiedene Einzelbesprechungen der Delegationsführer. So stattete Staatssekretär Dr. v. Schubert dem englischen Staatssekretär des Aeußern, Sir Austen Chamberlain, einen halbstündigen Besuch ab, bei dem die politiscyen Punkte der Tagesordnung einschließlich der oberschlesischen Minderheitsfrage kurz erörtert
NanttMs Wm -er „Berkosselung"
kM tkrrm der Beiuüniffe des RalkprM'nIrn und tterteU'tw»
fl. Genf, 5. Juni. Der erste Tag der Ratstagung läßt trotz des ungewöhnlichen Auftaktes bereits erkennen, daß auch drefesmal um die Weiterbehandlung der politischen Punkte der Tagesordnung zunächst ein Ringen eingesetzt hat. Zwei Fragen stehen heute im Vordergrund des Znterestes: die St. Gotthard-Affäre und der polnisch-litauische Konflikt, der durch die abschriftliche Zustellung der polnischen Rote wegen Wilna an die Ratsmitglieder eine Verschärfung zu erhalten schien. Zn den Abendstunden jedoch machte sich mehr und mehr die Auffassung geltend, daß
auf beide» Seiten keine L u st besteht, die Wilnafrage zu forcieren,
die der Rat ja bekanntlich auch bei seinem ersten Beschlug im Dezember aus dem Spiel sehen wollte. Zn dieser Frage würde sich der Rat auf eine erneute uns dringlichere Empfehlung zur Pflege direkter Verhandlungen beschränken.
Die St. Gotthard-Affäre, der zweite Punkt, auf den sich am gestrigen Abend das allgemeine Zntere'e konzentrierte, dürste in der für heu e angesetzten Eeheirn^ung zu erheblichen Auseinandersetzungen führen, da
der Bericht des Dreierausschusies bei der kleinen Entente auf entschiedenen Widerspruch stößt.
Unterstützt von Frankreich, wollen ihre Vertreter versuchen, wenigstens den Schlußfolgerungen de- vorliegenden Berichtes eine Schärfe zu geben, durch die ihrer Mißstimmung gegen Ungarn Rechnung getragen und ihr Schritt beim Böl- kerbundsrat wenigstens moralisch gerechtfertigt würde.
Der Entscheidung über den von Frankreich im Zusammenhang mit der St. Gotthard-Angelegenheit aufgeworfene Frage der Erweiterung der Befugnisse des Ratspräsidenten will Frankreich nunmehr selbst durch eine Vertagung aus dem Wege gehen. Zn welcher Richtung die französischen Absichten in Wirk- lichke't gehen, erhellt daraus, daß Paul V o n c o u r gestern abend der französischen Presse gegenüber
von der notwendig-» Verkoppelung die'ez Fragenkomplexes mit den im Sichcrheitskomitee geplante»
Kriegsoerhütungs-
Maßnahmen
und feinen Arbeiten im allgemeinen gesprochen hat.
wurden. Außerhalb der Tagesordnung stehende Fragen wurden nicht berührt. Gegen Abend begab sich der litauische Ministerpräsident Woldemaras zur deutschen Delegation und hatte mit Staatssekretär d. Schubert eine ein einhalbstündige Unterredung. Bei dieser Besprechung, von der, wie verlautet, sich der litauische Ministerpräsident sehr befriedigt zeigte, wurden auch die schwebenden deutsch-litauischen Verhandlungen über die Memelfrage gestreift. Wolde- maras gab der Presse gegenüber der Meinung Ausdruck, daß die Entwicklung dieser Frage in dem in Berlin zwischen Reichsminister Dr. Stresemann und ihm besprochenen Sinne weiter gute Fortschritte mache und die kleinen Schwierigkeiten immer seltener werden. Des wei
teren erklärte er auf Befragen, daß er nicht die Absicht habe, in der gegenwärtigen Ratstagung auf die polnische N ot e wege n W i l n a, die heute in Abschrift den Ratsmitgliedern überreicht wurde, zu antworten. In Bezug auf den Bericht über die St. Gotthard-Angelegenheit, der morgen in einer Geheimsitzung vom Rat erstmals bespro- -en werden wird, erklärt man, daß von den Vertretern der Kleinen Entente eine gemeinsame Stellungnahme geplant ist. Rumänien, die Tscheochslawakei, Jugoslawien halten den Bericht des Dreier-Ausschusses für unbefriedigend, weil er, wie in ihrem Lager erklärt wird, keine Garantien für die Zukunft biete. Von französllcher Seite werde dieser Auffassung beigepflichtet.
RemrSaiurftMekord
Brüssel, 4. Juni. Die belgischen Flieger C r o o y und B r o e n e n, die am Sonnabend gegen 6.40 Uhr in Tirlemcmt aufoeftiegen waren, um einen neuen Weltrekord im Dauerflug aufzustellen, sind am heutigen Montag nach 60 Stunden, i Minuten, 32 Sekunden Flugdauer gelandet und haben damit den erst am Sonnabend von den italienischen Fliegern Kapitän Farcarin und Major del Prete aufge» stellten Dauerslugrekord mit Nahrungsmittelvorräten um 2 Stunden, 7 Minuten und 32 Sekunden verbessert.
Langsame RSamMg BckagS
„Chicago Tribüne" berichtet au» Peking: »Die Räumung der Stadt und ihrer Umgebung gebt nur langsam von statten, da großer Mangel an Eisenbahnmaterial herrscht. Sechs Armeen stecken noch fest, obwohl der feindliche Druck nicht unerheb.ich ist. Die mandschurllchen Truppen Tschangtsolins haben 60 Prozent des chinesischen Eifenbahnmaterlals sowie di« Reparaturmaschinen «sw. mitgeführt.
Ernster Zustand Tschangtsolins.
ft Tokio. 5. Zuni. Rach einer Meldung aus Mukden ist Wutfchung» scheng, der Gouverneur von Heilung» kiang, seine» bei dem Bombenanschlag auf Tschangtsolins Zug erlittenen Verletzungen erlege n. Die Nachricht seines Todes wird aber geheim gehalten, damit die Moral der Truppen in H.ilung- kiang nicht gefährdet svird. Marschall Tschangtsolins Befinden ist der gleichen Me.dung zufolge ernst.
Sir «MiluKruiig der sranMSrn Kammer
PariS. 4. Juni. (WTB.) Heute nachmittag hatte die Kammer über d ie Gültigsprechung von 568 nichtangefochtenen Qlbgeorbnetenmanbaten zu beschließen. ES kam zu einem Zwischenfall, als der Abgeordnete Pahra, dessen Dahl von dem Ausschuß sanktioniert worden war, aber auf Grund eines heute vormittag aus feinem Wahlkreis eingetröffe» en Telegramms von der Gültigmachung ausgeschlossen werden sollte. Der Abgeordnete Pahra protestierte hiergegen, und eS kam zwischen ihm und einigen Abgeordneten der Rechten zu einem heftigen Wortwechsel, so daß der AUerSpräsi- deut die Sitzung aussetzte, um den Zwischenfall beizulegen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung wurde mitgeteilt, daß die Wahl oes Abg. Pahra für gültig erklärt worden sei. Es entspann sich hierauf noch in verschiedenen Fällen lebhafter Wortwechsel zwischen den Beteiligten, bis schließlich der Alterspräsident bekanntgab, daß von Den 568 nichtangefochtenen Wahlergebnissen 564 für e erklärt worden seien, während Die , lußsassung über die vier restlichen vertagt fei, und daß damit die Kammer endgültig konstituiert sei. Die Kammer wird morgen nachmittag zur Wahl ihres Präsidenten schreite».
Der Abg. Franklin-Bouillon, der Führer der Opposition gegen die Wiederwahl des bisherigen sozialistischen Kammerpräsidenten Fernand Rouisson, hat heute erklärt, daß er selbst für den Posten eines Kammerpräsidenten kandidieren wolle. Wie verlautet. haben die Führer der rechtsstehenden und der Mittelgruppe beschlossen, seine Kandidatur zu unterstützen.